Das Streben nach Demokratie im Betrieb

»Auf dem Hohen Markt in Wien ging es am 31. Oktober 1722 ungewöhnlich lebhaft zu. Immer mehr Menschen sammelten sich vor dem dortigen Gerichtsgebäude, der Schranne. Vor dem Haus ragte ein frisch gezimmerter Galgen in den grauen Herbsthimmel hinein. Zwei Menschen sollten vor dem Volk der Neugierigen hingerichtet werden!
Es handelte sich, wie ein zeitgenössischer Chronist schrieb, um >zweien der halsstörrigsten Schuhknechte als freventliche Verächter der landesfürstlichen Befehle und Stöhrer der allgemeinen Ruhe, und fünf der anderen Widerspenstigen mußten zu ihrer und ihresgleichen Erspiegelung bey der Vollziehung des Urtheils gegenwärtig seyn1

Von den ersten Bemühungen von Arbeitern (Schuhmachern in der Monarchie), die von Habsburgern brutalst unterdrückt wurden zum Beginn der Repuplik.

Das Denkmal der Republik ist kein Denkmal der Republik

Denkmal der Republik

Woraus ergibt sich dieser Widerspruch?
Das Denkmal zum 10jährigen Bestehen der Republik, wurde 1928 von der Gemeinde Wien errichtet. Weshalb wohl? – Eine Erklärung für mich ist, dass der damalige Bundeskanzler Ignaz Seipel und konservative Parteien gar kein Interesse an einer demokratischen Republik mit einem Parlament, wo Parteien und Abgeordnete das Staatsgeschehen mitentscheiden, hatten. In Wirklichkeit begann die Beseitigung der Demokratie und der Institutionen und der Partei der Arbeiter:innenbewegung, die 1934 vollendet wurde.

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Die Stollen des Grauens des ehemaligen KZ Gusen

Bei unserem Besuch in Gusen wandern wir zum Eingang der Stollenanlage „Bergkristall“ des ehemaligen KZ Gusen. Wir sind auf der Suche nach Eindrücken und Informationen für unsere zukünftige Studienreise der Roten Spuren im Frühjahr 2027. Die Fotos bei diesem Artikel stammen grossteils von den Informationstafeln1 vor der Gedenkstätte.

Das Stollensystem „Bergkristall“ war Teil des KZ-Komplexes Mauthausen-Gusen. Tausende Häftlinge errichteten das unterirdische Stollensystem, das für die Rüstungsindustrie genützt wurde.2

ZUM GEDENKEN AN DIE VIELEN TAUSENDEN POLNISCHEN HÄFTLINGE DER KONZENTRATIONSLAGER VON GUSEN,
DIE DURCH SKLAVENARBEIT FÜR DIE RÜSTUNGSINDUSTRIE DES DRITTEN REICHES IN DEN BERGKRISTALL-STOLLEN AUSGEBEUTET, GEPEINIGT UND ERMORDET WURDEN

Weitere Informationen zur Gedenkstätte

Der Bockerer

Der Fleischhauer Karl Bockerer ist schon ein bisserl enttäuscht, als er an seinem Geburtstag aufwacht: Es ist der 20. April 1938, aber statt der erwarteten Familienfeier begeht seine Frau Binerl

nicht seinen, sondern “Führers Geburtstag”, und sein Sohn Hans präsentiert schneidig seine SA-Uniform, bevor er zu einem Aufmarsch ausrückt. Zeiten sind das!

Und die wöchentliche Tarockpartie mit dem netten Doktor Rosenblatt soll künftig auch nicht mehr stattfinden können? Und als ihm der Herr Polizeiinspektor auch noch erklärt, dass man an einem Feiertag wie diesem die Fleischhauerei geschlossen halten und stattdessen die Hakenkreuzfahne heraushängen muss, ist ihm der Tag endgültig versaut. Aber es wird bald noch schlimmer kommen …

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Gedenken an Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Wien

Bereits ab Kriegsbeginn wurden Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Wien in Lagern und lagerartigen Unterkünften untergebracht. Diese stammen unter anderem aus den Albanien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien (Kroatien, unter ihnen auch kroatische Roma, und Serbien), den Niederlanden, Polen, Spanien, Russland (darunter unter anderem auch Urkrainerinnen und Ukrainer), Tschechien, Türkei und Ungarn1.

In 12., Oswaldgasse 33 befand sich laut dieser Liste ein Lager der Firma „Kabel und Draht“ (Kabel- und Drahtwerke AG, heute 21., Siemensstraße 88). Laut Volksgerichtsakt umfasste das Lager zum Zeitpunkt einer Inspektion durch den jüdischen Lagerarzt 50 Personen (9 Männer, 34 Frauen und 7 Kinder), von denen anfangs 40 als „arbeitsfähig“ eingestuft waren2.

Liste der Zwangsarbeiter:innenlager in Wien

Zu weiteren Blogeinträgen zum Thema Zwangsarbeit

Wer war Ignaz Bockberger?

Bei einem Spaziergang in Simmering entdecken wir dieses Strassenschild und fragen uns „Wer war Ignaz Bockberger?“.
Die Bockbergergasse in Simmering wurde 1971 nach ihm benannt1.

1934 erhielt Bockberger wegen seines politischen Engagements 14 Monate Arrest, die er in Stein verbüßte. Während des Zweiten Weltkriegs organisierte Bockberger, der von den Nationalsozialisten 1938 wieder eingestellt worden war, eine antifaschistische Widerstandsgruppe im Betrieb.

1945 wurde Bockberger wieder Betriebsratsobmann und Mitglied des Vorstands der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten.

Telegraf am 18. Juni 1934, Seite 32
Innsbrucker Nachrichten, 22. Juni 1934, Seite 23
Nachruf zum Begräbnis

Geschichte in der Leopoldstadt

Wir machten einen Rundgang mit den Mitgliedern des Verein „Viva Frauen 50plus“. In der Praterstrasse 8 war Treffpunkt. Von den Roten Spuren waren Brigitte, Ingrid, Eva und Werner für den Stadt-Spaziergang veranwortlich. Herzlichen Dank an Peter, der mit der Rote Spuren – Beach Flag den Treffpunkt weithin sichtbar machte.

16 Frauen begrüssten wir beim Rundgang

Nach dem Start schilderte eine Teilnehmerin beim Haus Praterstrasse 11 einen Auszug ihrer Familiengeschichte. Das traurige Schicksal von Max und Susanne Bergmann.

Weshalb Nestroy bei uns im Rundgang so prominent vertreten ist?

Weiter zur Info von Nestroy

Gedenkfahrt zur Befreiungsfeier nach Mauthausen

Sonntag, 10. Mai 2026
Treffpunkt am Westbahnhof: 6:45 Uhr hinter der Parkgarage (Vom Bahnhof – Ausgang zu den Gleisen) – Abfahrt pünktlich um 7:00 Uhr

Bereits seit 1946 findet eine Zeremonie zur Wiederkehr der Befreiung des KZ Mauthausen statt. widmet sich heuer dem Thema „Täterinnen und Täter“.
Vor der internationalen Befreiungsfeier um 11 Uhr findet um 10 Uhr wieder unsere sozialdemokratische Gedenkfeier bei den Gedenktafeln für den ermordeten Schutzbundkämpfer Richard Bernaschek statt.

Wir freuen uns heuer Frau Korinna Schumann, BM Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, als Hauptrednerin begrüßen zu dürfen. Anschließend nehmen wir an der Hauptfeier am ehemaligen Appellplatz teil.

Anmeldung noch bis 7.Mai 2026 möglich per Mail kaempfer@spoe.at
Telefon+43(0)1 53427/277

Organisatorisches:
Nach der Feier treten wir die Heimreise nach Wien. Reservierungen waren nicht möglich, weil am Muttertag es keine freien Plätze gab. Daher bitte ich euch das bei eurer Planung des Tages zu berücksichtigen und euch mit Proviant zu versorgen oder die in der Gedenkstätte befindliche Kantine aufzusuchen.
WICHTIG: Bitte in den Tagen davor die Wettervorhersage verfolgen und sich dementsprechend vorbereiten (Schirm, Regenjacken, Getränke, Sonnenschutz usw.)

Die Teilnahme ist kostenlos, bitte beachtet, dass es sich um keine Führung durch die KZ-Gedenkstätte handelt, sondern um den Festakt zur Befreiung des KZ-Mauthausens.

Rundgang: Revolution und Widerstand Vom Heldenplatz zum Sigmund-Freud- Park

Termin: 25.04.2026, 14:00 – 16:00 Uhr
Treffpunkt: Eingang zur Nationalbibliothek am Heldenplatz
Anmeldung: VHS-Brigittenau

Die Demokratie, wie wir sie heute kennen, musste über Jahrhunderte erkämpft, erstritten und mit viel Einsatz der Arbeiter*innenbewegung errichtet werden.
Wer waren die Baumeister*innen unserer heutigen Freiheit?
Wer wurde für Kritik, Widerstand und politische Aufklärung gefoltert, eingesperrt und getötet?
Bei diesem Spaziergang erinnern wir an Widerstand, Aufstände und Revolutionen der Arbeiter*innen im Kampf gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Kapitalismus.

Jüdische Geschichte beim Rundgang in der Leopoldstadt

Bei unserem Spaziergang „Die Leopoldstadt – rund um die Jägerzeile, den wir in Kooperation mit der VHS-Brigittenau durchführen, konnten wir mehr als 10 Teilnehmer:innen begrüssen.

Bei unseren Berichten über unsere Spaziergänge versuchen wir neue historischen Einblicke, die wir dabei entdeckt haben, als Zusatzinformation zur Broschüre zu dokumentieren.

Diese „Stolpersteine* liegen in der Praterstrasse am Gehsteig rechts vom Nestroydenkmal mit Blickrichtung zum Zentrum.

Am 10. Oktober 2021 wurde im Gehsteig vor dem Haus Praterstraße 17 ein Stein der Erinnerung eröffnet. Er erinnert an 117 jüdische BewohnerInnen, darunter Johanna Hofmann, Ciwye Hoffmann und Bernhard Hofmann. Johanna Hofmann wurde am 27. August 1942 nach Theresienstadt deportiert und am 26. September 1942 ermordet. Ciwye Hoffmann wurde am 19. Feber 1941 nach Kielce deportiert und im Holocaust ermordet. Bernhard Hofmann wurde am 19. Feber 1941 nach Kielce deportiert und im Holocaust ermordet1.

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The International Ladies‘ Garment Workers Union (ILGWU)

Die International Ladies‘ Garment Workers Union (ILGWU) wird am 3. Juni 1900 in New York gegründet. Sie vertritt Arbeiter:innen der Textilindustrie, die Damenbekleidung herstellen. Anfangs hat die ILGWU etwa 2.000 Mitglieder, überwiegend jüdische Einwander:innen aus Osteuropa.

Nach der starken Streikbewegung von 1909/10 wächst die Mitgliederzahl auf über 84.0001.

ILGWU members at March on Washington for Jobs and Freedom, female marchers, August 28, 19632

Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven stellt immer ein Objekt des Monats vor. Es handelt sich um Fotografien, Dokumente oder persönliche Erinnerungsstücke der Auswanderungs- und Einwanderungsgeschichte.

Ein ILGWU-Label im rekonstruierten New Yorker Sweatshop im Deutschen Auswandererhaus zeigt einen wichtigen Abschnitt der Geschichte des Arbeitskampfes.

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