Im (Früh)Sommer 1933 entstanden in Börgermoor und Esterwegen die ersten im Deutschen Reich vollständig neu als Muster-Barackenlager vom Preußischen Staat geplanten und errichteten Konzentrationslager, Neusustrum folgte im September. Das Konzentrationlager wurde als Doppellager für 2.000 Häftlinge zwischen Juni und August 1933 errichtet. Wegen massiver Schikanen und zahlreicher Mordfälle sprachen die Häftlinge schon bald von der „Hölle am Waldesrand“. Es wurden vorwiegend politische Häftlinge in „Schutzhaft“ dort inhaftiert.1

wir besuchen an zwei Halbtagen, weil die Fülle der Informationen und die „Schwere des Geschehens“ auf einmal für uns nicht verlautbar ist. Es sind zusätzlich mehrere Ausstellungen hier untergebracht und das Gelände des ehemaligen Konzentrationslager als Gedenkort gestaltet.
Ich werde unsere Besuche in zwei Blogbeiträge aufteilen. In diesem Artikel den Besuch des ehemaligen Lagergeländes.

Mich hat das hier verwendete Eisen als erstes gedanklich beschäftigt. Es wirkt bedrohlich und die Wirkung des Eingesperrt sein und seine Unüberwindbarkeit ist wahrscheinlich genauso endgültig wie mehrfacher, elektrisch geladener Stacheldrahtzaun. Die rostbraune Farbe erinnert mich als Erstes an das „braune Regime“ der Nazis. Meinen ersten Beruf erlernte ich in der Metallindustrie und wir mussten den Metallgrundlehrgang unter dem Motto „Eisen erzieht“ machen. Es symbolisiert Härte und signalisiert die Verbindung zur Arbeit. Hier wurden Menschen durch Arbeit vernichtet.
Dann der Spalt hier am ehemaligen Haupttor, diese Lücke der Freiheit, die man kaum sieht, aber doch die Hoffnung des Entkommens aus diesem schrecklichen Wahnsinn nährt2.



Die Nationalsozialisten führten die Prügelstrafe in den Konzentrationslagern systematisch als Folterwerkzeug wieder ein.
Die öffentliche Diskussion *eine Watschˋn hat noch niemand geschadet“ deutet auf dieselbe Geisteshaltung hin, dass Prügeln ein taugliches Erziehungs- und Bestrafungsinstrument ist. Zur Erinnerung 1974 wurde die Züchtigung durch Lehrpersonen in Österreich verboten. Seit 1989 ist in Österreich jede Form von Gewalt in der Erziehung gesetzlich verboten, sowohl körperliche als auch psychische Gewalt. Ich hörte öfters den Ausdruck „ein kleiner Hitler gehört wieder her“. Den Verteter:innen und Anhänger:innen dieser Aussagen, die sich mehrheitlich „zufällig“ in einer Partei in Österreich sammeln, würde ich zu einem Besuch der Gedenkstätten in Mauthausen oder hier in Esterwegen verpflichten.





Mit der Überschotterung des ehemaligen Häftlingsareals durch Lava soll eine rotbraune Moorlandschaft angedeutet werden.
Quellenverzeichnis
- Text aus der Beschreibung zur Gedenkstätte Esterwegen ↩︎
- Das Bild stammt von der derzeitigen Ausstellung im Freigelände ↩︎