Am 9. Mai 1945 endete in Europa der Zweite Weltkrieg, die deutsche Wehrmacht kapitulierte. Dieser Tag ist ein Freudentag, weil er das Ende des Mordens, der Folter, der Hinrichtungen und der Barbarei bedeutete. Österreich befreite sich nicht selbst, nur die wenigsten leisteten Widerstand. Der Kampf der Partisan*innen, unter anderem in Kärnten/Koroška, war dabei der wichtigste, effektivste und militärisch relevanteste „eigene Beitrag“ zur Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen Herrschaft.
9. Mai – Tag der Befreiung / Dan osvoboditve – Feier beim Partisan*innen-Denkmal Beginn: 14 Uhr Gruppe 88 am Wiener Zentralfriedhof
Das Foto wurde im Vorjahr bei der Gedenkfeier aufgenommen. Am 9. Mai 1986 wurde Wiens einziges Partisan*innen-Denkmal eingeweiht, somit feiern wir heuer sein 40-jähriges Bestehen.
Der Landesverband Wien österreichischer Antifaschist*innen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verband/VdA Wien), der Klub slowenischer Student*innen in Wien / Klub slovenskih študentk*študentov na Dunaju (KSŠŠD), der Verband der Kärntner Partisanen und Freunde des antifaschistischen Widerstands / Zveza koroških partizanov in prijateljev protifašističnega odpora (ZKP) laden zu einer Feier beim Denkmal der jugoslawischen Partisan*innen.
Artikel von unserer Studienreise nach Kärnten und Slowenien
Bei unserem Besuch in Gusen wandern wir zum Eingang der Stollenanlage „Bergkristall“ des ehemaligen KZ Gusen. Wir sind auf der Suche nach Eindrücken und Informationen für unsere zukünftige Studienreise der Roten Spuren im Frühjahr 2027. Die Fotos bei diesem Artikel stammen grossteils von den Informationstafeln1 vor der Gedenkstätte.
Das Stollensystem „Bergkristall“ war Teil des KZ-Komplexes Mauthausen-Gusen. Tausende Häftlinge errichteten das unterirdische Stollensystem, das für die Rüstungsindustrie genützt wurde.2
ZUM GEDENKEN AN DIE VIELEN TAUSENDEN POLNISCHEN HÄFTLINGE DER KONZENTRATIONSLAGER VON GUSEN, DIE DURCH SKLAVENARBEIT FÜR DIE RÜSTUNGSINDUSTRIE DES DRITTEN REICHES IN DEN BERGKRISTALL-STOLLEN AUSGEBEUTET, GEPEINIGT UND ERMORDET WURDEN
Bei einem Spaziergang in Simmering entdecken wir dieses Strassenschild und fragen uns „Wer war Ignaz Bockberger?“. Die Bockbergergasse in Simmering wurde 1971 nach ihm benannt1.
1934 erhielt Bockberger wegen seines politischen Engagements 14 Monate Arrest, die er in Stein verbüßte. Während des Zweiten Weltkriegs organisierte Bockberger, der von den Nationalsozialisten 1938 wieder eingestellt worden war, eine antifaschistische Widerstandsgruppe im Betrieb.
1945 wurde Bockberger wieder Betriebsratsobmann und Mitglied des Vorstands der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten.
Telegraf am 18. Juni 1934, Seite 32Innsbrucker Nachrichten, 22. Juni 1934, Seite 23Nachruf zum Begräbnis
Sonntag, 10. Mai 2026 Treffpunkt am Westbahnhof: 6:45 Uhr hinter der Parkgarage (Vom Bahnhof – Ausgang zu den Gleisen) – Abfahrt pünktlich um 7:00 Uhr
Bereits seit 1946 findet eine Zeremonie zur Wiederkehr der Befreiung des KZ Mauthausen statt. widmet sich heuer dem Thema „Täterinnen und Täter“. Vor der internationalen Befreiungsfeier um 11 Uhr findet um 10 Uhr wieder unsere sozialdemokratische Gedenkfeier bei den Gedenktafeln für den ermordeten Schutzbundkämpfer Richard Bernaschek statt.
Wir freuen uns heuer Frau Korinna Schumann, BM Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, als Hauptrednerin begrüßen zu dürfen. Anschließend nehmen wir an der Hauptfeier am ehemaligen Appellplatz teil.
Anmeldung noch bis 7.Mai 2026 möglich per Mail kaempfer@spoe.at Telefon+43(0)1 53427/277
Organisatorisches: Nach der Feier treten wir die Heimreise nach Wien. Reservierungen waren nicht möglich, weil am Muttertag es keine freien Plätze gab. Daher bitte ich euch das bei eurer Planung des Tages zu berücksichtigen und euch mit Proviant zu versorgen oder die in der Gedenkstätte befindliche Kantine aufzusuchen. WICHTIG: Bitte in den Tagen davor die Wettervorhersage verfolgen und sich dementsprechend vorbereiten (Schirm, Regenjacken, Getränke, Sonnenschutz usw.)
Die Teilnahme ist kostenlos, bitte beachtet, dass es sich um keine Führung durch die KZ-Gedenkstätte handelt, sondern um den Festakt zur Befreiung des KZ-Mauthausens.
Die Erinnerungszeichen sind permanente, von der Linzer Stadtverwaltung errichtete Stelen, die ein personalisiertes Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus im Stadtraum ermöglichen — insbesondere als Erinnerung an verfolgte, vertriebene und ermordete Linzer Jüd:innen.
Quelle: https://linzerinnert.at/
Im Dezember 2022 haben wir in einem Blogartikel erstmals an großteils jüdischen Opfer der Verfolgung erinnert – Erinnerungsstelen für die jüdischen Opfer in Linz. Heute nutzen wir einen Rundgang im Rahmen eines Adventure Lab, um uns mit den Stelen und den darauf genannten Opfern auseinander zu setzen.
Hier auf der Stele im Schillerparkwird Johanna Richter genannt. Johanna Richter kam 1878 als Johanna Fischer und Tochter des Bernhard Fischer und der Julie, geborene Herman, in Chiesch (Chyse, ČR) zur Welt. 1907 erfolgte die Übersiedlung der Familie nach Linz. Sie bezog ihre Wohnung an der Landstraße 71. Im selben Haus richtete Julius Richter seine Arztpraxis ein. Das Ehepaar war in mehrere Linzer Vereine, nichtjüdische wie jüdische, eingegliedert. Ihr älterer Sohn Hans folgte seinem Vater im Arztberuf nach. Er war Sozialdemokrat und unter den Linzer Arbeiterinnen und Arbeitern als moderner und uneigennütziger Arzt sehr gefragt. Ab 1934 gelang es den Protagonisten des austrofaschistischen Regimes den jüdischen Arzt sukzessive an seiner Arbeit zu hindern. Diese schleichende Verfolgung mündete schließlich in einer Anklage, in einem Schauprozess und einem Dr. Hans Richters weitere Arbeit zunichte machenden Urteil. In dem ganzen Vorgehen wird der dem christlich-deutschen Ständestaat innewohnende und von Bischof Gföllner noch geförderte Antisemitismus deutlich. Dem Sohn gelang eine Flucht nach Argentinien. In letzter Minute konnte er auch seine betagte Mutter zu sich holen. Johanna Richter starb 1955 und wurde in Buenos Aires begraben.
Am OK-Platz in Linz treffen wir gute Freun d:innen. Den Treffpunkt haben wir wegen eines interessanten Mahnmals ausgewählt.
Es ist nie zu spät, Frauen, die unter höchstem Risiko Widerstand leisteten, ein Denkmal zu setzen. Sie sind Vorbilder für Demokratie – die Brücke zur Gegenwart.
Martina Gugglberger, Historikerin
Jeden Samstag um 5 vor 12 Uhr würdigt die Audio-Skulptur am OK Platz mit einem lauten Aufschrei eine Frau, indem ihr Name, sowie der Ort und die Art ihrer Widerstandshandlung genannt werden. Mit diesem einzigartigen Projekt entsteht inmitten der Landeshauptstadt ein Ort, der auf die von der Gesellschaft bisher kaum beachtete Rolle von Frauen im Widerstand gegen das NS-Regime aufmerksam macht. Wir treten durch die Ringe wird durch einen Bewegungssensor eine Tonspur ausgelöst und wir erfahren mehr über die mutigen Taten der bisher wenig bekannten Heldinnen.
Wer kennt Käthe Diernesberger, Marie Donner, Camilla Estermann, Leopoldine Feichtinger, Ferdinanda Floßmann, Anna Gröblinger, Gisela Tschofenig-Taurer oder Cäcilie Zinner? Wer hat von ihnen schon etwas gehört, gelesen? Wer hat sich bisher an sie erinnert? Das frage ich mich bei den Namen, die in goldenen Sternen auf der Ernst-Koref-Promenade in Linz aufgetragen sind.
Sie alle waren starke Frauen. Egal ob Dienstmädchen, Arbeiterin, Wissenschafterin, Künstlerin, Politikerin, Betriebsrätin, Widerstandskämpferin, Sozialarbeiterin, Unternehmerin, Jüdin, Katholikin, – sie alle mussten sich durchsetzen, um ihre Position ringen, manche waren widerständig, verloren dabei sogar ihr Leben. Sie alle sind Vorreiterinnen für uns Frauen, sie hatten Kraft und Mut trotz vieler Widrigkeiten in ihrem Leben. Dies muss gewürdigt und es muss auch immer wieder daran erinnert werden. Und das wird es in Linz mit dem Walk of FEM, bestehend aus mittlerweile ca. 90 Sternen.
Doch wer waren sie? Hier drei Frauen, stellvertretend für die Vielen.
Die Ursache für Ereignisse am 12. Februar 1934 war die Politik des christlichsozialen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß, der ab März 1933 die Demokratie demontierte: Ausschaltung des Parlaments, Verbot von Wahlen, Verbot von Versammlungen und Mai-Aufmärschen, die Ausschaltung des Verfassungsgerichtshofes, Verbot des Schutzbundes bei gleichzeitiger Heranziehung der Heimwehr als Hilfspolizei, Abschaffung der gewählten Vertretung in der Arbeiterkammer1.
Wir sind zum Aufcampen einige Tage in Linz und nutzen die Gelegenheit einerseits unserer Vorliebe des Geocaching und gleichzeitig den „Roten Spuren“ im Februar 1934 nachzuspüren. Herzlichen Dank an den Owner für die Gestaltung des Adventure Lab.
Für den überwiegenden Teil der Bevölkerung sind die Ereignisse des 12.Februar 1934 ein Bestandteil der Geschichte, mit dem man wenig anzufangen weiß. Die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen dieser Tage hatten in Linz ihren Ausgang genommen und sich über ganz Österreich ausgebreitet. Was hier begann, ist von welthistorischer Bedeutung. Zum erstenmal hatten sich Arbeiter gegen die drohende Gefahr einer faschistischen Machtergreifung mit Waffengewalt zur Wehr gesetz2t. Bei der Betrachtung der Ereignisse würde ich nicht von einem Bürgerkrieg sprechen, denn die Bürger Österreichs waren maximal Zuseherinnen wie eine verzweifelte Arbeiter:innenbewegung versuchte die Demokratie und die Republik zu retten.
Unsere erste Station war das Denkmal am Bernaschek-Platz, das 1988 von den Opferverbänden errichtet wurde.
Eine „historische Gerechtigkeit“ ist, dass der Platz nach 1945, der ursprünglich auch zwei Jahre Starhembergplatz (Heimwehrführer) hiess, in Bernaschekplatz umbenannt wurde. Die Heimwehrleute von denen es im Umland tausende gab, waren die Totengräber der Republik.
Benannt 1945 nach Richard Bernaschek (1888-1945), dem Führer des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich und des Aufstandsversuches vom Februar 1934. 1945 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet. Richard Bernaschek, in der Zwischenkriegszeit Landesparteisekretär der Sozialdemokratischen Partei und Führer des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich, initiierte den Aufstand im Februar 1934 und wurde verhaftet. Ihm gelang die Flucht und er kehrte 1939 zurück.
1944 wurde Bernaschek nach dem missglückten Stauffenberg-Attentat auf Hitler verhaftet, in das KZ Mauthausen verbracht und kurz vor Kriegsende dort erschossen.3
Weshalb braucht es eine breite Erinnerungskultur an die Ereignisse am 12. Februar 1934? Handelte es sich um ein singuläres, geschichtliches Ereignis oder gibt es Parallelen in der heutigen Zeit? Weshalb hat das offizielle Österreich, vor allem einzelne Parteien, Schwierigkeiten, die eigene faschistische Vergangenheit einzugestehen?
Flugblatt der SPÖ Mürzzuschlag zur Gedenkfeier – Österreichische Nationalbibliothek
Wir im Verein Rote Spuren meinen, es braucht ein Bewusstsein für die Vergangenheit und dem faschistischen Erbe. Ohne dieses Bewusstsein ist die Entwicklung einer antifaschistischen Gesellschaft nicht möglich. Viele Gewerkschafter:innen haben am 12. Februar ihr Leben riskiert, sind gestorben oder wurden verwundet. Die Überlebenden wurden von Dollfuß und Seinesgleichen eingekerkert, ihrer Rechte beraubt oder ausgebürgert. Zivilcourage und Widerstand gegen den Austrofaschismus wurde von Polizei und Militär nieder geprügelt, verfolgt und verhindert. Die Nazis haben publikumswirksam Bücher verbrannt, aber bereits im Austrofaschismus wurden 1500 Titel und 27.000 Exemplare in den „Arbeiterbüchereien“ beschlagnahmt.
Zurück in die heutige Zeit. Die extreme Globalisierung schaffte den Typen des „Anarcho Kapitalisten“, die sich auf die Thesen von Hoppe (einem Schüler von Rothbard, dem Stammvater der Anarcho-Kapitalisten) beziehen. In der Psycherl-Analyse von Erwin Steinhauer und Fritz Schindlecker schreiben sie zu deren Vorstellungen bezüglich des Umbau der derzeitigen Demokratien treffend: „Es kommt zu einem Wettbewerb der Gauner, die heutige Demokratien in Kleptokratien umbauen wollen, wo es keine oder kaum Hemmungen gibt, das Eigentum anderer Menschen zu entwenden“. Man beachte die Geschwindigkeit der Verteilung des Vermögens zu den Superreichen.
Welchen Bezug hat das zum Februar 1934? Gar nichts und zugleich Vieles. In beiden Epochen musste vorher die Demokratie als unfähig, schwerfällig, nicht geeignet und bürokratisch dargestellt werden. Parteien, Institutionen, die Trennung von Legislative und Exekutive, Gerichtsbarkeit und wissenschaftliche Einrichtungen, die nicht zum rechten Mainstream passten, mussten „sturmreif“ geschossen werden. Die kriegerische Sprache passt hier, wenn wir auf damalige und heutige Ereignisse blicken. Auch heute erleben wir, dass einzelne Bevölkerungsgruppen als „Sündenböcke“ mit Hilfe der üblichen Medien platziert werden. Es wird von Remigration gesprochen, ohne dabei darauf zu achten, dass wir beim Reinigungspersonal, Bauarbeiter:innen und im Sozialbereich ganz dringend auf diese Menschen angewiesen sind. Es wird mit Einzelereignissen Politik gemacht, um von der „Kleptokratie“ der Tech-Giganten und Superreichen abzulenken.
Deshalb ist Gedenken so wichtig, denn es ist ein Signal für Demokratie, und ein wichtiger Schritt zur Gestaltung einer Gesellschaft mit einem guten, gesunden und gerechten Leben für alle.
Der Text stammt aus dem letzten Mitgliedermail. Jetzt gibt es noch ein paar historische Flugblätter, Plakate und eine Briefmarke, die anläßlich von Februarfeiern gestaltet wurden. Gesammelt haben wir sie aus dem digitalen Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek.
Da wir viele Mitglieder in Oberösterreich haben, sammelten wir Informationen zu den Gedenkveranstaltungen über den 12. Februar 1934.
Zum 92. Mal jährt sich am 12. Februar der Gedenk- und Erinnerungstag für jene Genoss:innen, die 1934 durch ihr Eintreten für Demokratie und Freiheit ihr Leben lassen mussten. Das Motto der traditionellen Februar-Matinee ist dieses Jahr: „Propaganda 2.0: Widerstand gegen Faschismus im digitalen Zeitalter“.
Termin: 8. Februar um 08:15
08:15 Kranzniederlegung beim Anton Bulgari-Denkmal am Bulgariplatz
09:15 Gedenken im Hof der Landstraße 36 Musikalischer Rahmen: SPÖ Blasmusikorchester
10:30 Sonntagsmatinee Eröffnung durch Landesrat Mag. Martin Winkler
Themenimpulse von: Tamara Ehs, Politikwissenschafterin und Demokratieberaterin Yasmin Maatouk, Moderatorin, Sprecherin und Schauspielerin