„Ich teile Ihre Meinung nicht, würde aber mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen!“ (Voltaire)
Ohne Widerspruch keine Demokratie. Die Schwester Maria Restituta (geborene Helena Kafka), Walter Schopf und Josef Baldrmann opferten ihr Leben während des Nationalsozialismus für die Demokratie.
Wer sorgte für Aufklärung, Bildung und gesellschaftliche Mitbestimmung, beginnend von den Arbeiter:innenbildungsvereinen bis zur heutigen Volkshochschule. Getragen von der Überzeugung, dass Bildung für Alle wichtige Bausteine für ein gutes Leben bedeuten, kämpften Personen wie Leopold Winarsky für eine lebenswerte Zukunft in der Brigittenau. Im Johann Böhm-Hof „begehen“ wir die Bedeutung von Gewerkschaften in der Demokratie.
Einige Stationen des Rundgangs
An Plätzen, die wir beim Gehen passieren, gibt es von uns Zusatzinformationen.
- Station: Maria Restituta – Platz
Vom Operationssaal zum Hinrichtungsraum – hier schildern wir das Leben einer widerständigen Klosterschwester, die auch zu den Pionierinnen der ganzheitlichen Pflege gehört, wie sie sich für Meinungsfreiheit im Krankenhaus einsetzte. Nach der Anzeige eines NS-Arztes wurde sie am 30. März 1943 um 18:21 Uhr im Landesgericht Wien hingerichtet. - Station: Leopold Winarsky – Hof
Wir besuchen einen Gemeindebau des Roten Wien, der nach Leopold Winarsky benannt ist. Hier steht sein Leben im Mittelpunkt. Der erklärte Gewerkschafter, Sozialist und Kriegsgegner setzte sich sein ganzes Leben für Demokratie, Versammlungsrecht und Wahlrecht ein. In seinem Nachruf heisst es:
Wer ihn jemals auf der Tribüne gesehen hat, der wird sich gewiss immer seiner erinnern. Wie ein Sinnbild des Befreiungskampfes der Arbeiterschaft steht seine hohe Gestalt vor uns. Die stolze Haltung des Kopfes, der freie kühne Blick seiner hellen Augen, die große ungezwungene Geste seiner schlanken Hände, all das sehen wir deutlich vor uns, sobald sein Name an unser Ohr klingt. Wir glauben dann seine kraftvolle, frische Stimme zu hören. seine Worte, die zugleich hinreißend und überzeugend wirken. - Station: Gedenktafel für Walter Schopf und Josef Baldrmann
Wir besuchen die Gedenktafel für NS-Opfer Wien in der Hellwagstrasse 4, wo an Josef Baldrrmann und Walter Schopf erinnert wird. Die Brigittenauer Widerstandskämpfer, die hier in der ehemaligen Metallwarenfabrik Blau in der die beiden beschäftigt waren und Unterstützungsgelder für die Familien Inhaftierter sammelten. Dafür wurden sie am 2. März bzw. 9. September 1943 hingerichtet. - Volkshochschule Brigittenau
Bereits die Arbeiterbildungsvereine versuchten ein pädagogisches Netz über ihre Mitglieder zu werfen, besonders im Kampf gegen den Alkohol und den damit verbundenen Gewalttaten wie Schlägereien. Die Volkshochschulen sind die Nachfolger dieser Tradition der Volksbildung basierend auf den Prinzipien der Aufklärung und Chancengerechtigkeit. Sie bieten flexible Bildungsmöglichkeiten, die sich an den Bedürfnissen der Teilnehmer:innen orientieren. - Professor Manfred Ackermann
Ab 1923 reorganisierte Ackermann die Jugend des „Zentralvereines der kaufmännischen Angestellten“ und baute sie zu einer der stärksten und aktivsten Jugendorganisationen aus. Ackermann war auch einer der Mitbegründer der „Sozialistischen Jungfront“, einer Organisation, die als Vorläuferin der Jungen Generation (JG) angesehen werden kann. - Johann Böhm – Hof
In den kommunalen Wohnbauten der 50er-Jahre finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Die Wohnhausanlage wurde 1966 nach Johann Böhm (1886-1959), einem Gewerkschafter aus Niederösterreich, benannt. Böhm war SPÖ-Gemeinderat, Begründer und erster Präsident (1945-1959) des Österreichischen Gewerkschaftsbundes. - Ehemalige Synagoge in der Kluckygasse
Zwischen den Jahren 1899 und 1900 wurde die Synagoge vom Tempelverein Brigittenau nach Plänen des Architekten Jakob Gartner erbaut, der damit bereits den dritten Tempel in Wien verwirklichte. Die Eröffnung des Tempels fand am 20. September 1900 statt.
Die Synagoge wurde während der Novemberpogrome 1938 zerstört. Um 7:00 Uhr des 10. November 1938 begann die Plünderung der Synagoge.