Das kleine Anschlussdenkmal in Oberschützen 

Nach einer Mittagspause beim Stadtwirt Oberwart 
besuchten wir als letzte Station unserer Reise die sogenannten Anschluss-denkmäler in Ober-schützen. Sie zeigen die Zustimmung vieler 
Österreicher:innen zum Nationalsozialismus. 
Oberschützen ist eine Schulstadt etwa 7km nördlich von Oberwart 
und war bereits in der Zwischenkriegszeit stark deutschnational geprägt.

Im Jahr 1931 wurde (siehe Bild) neben der Volksschule ein „altgermanischer Opferstein“ errichtet. Er sollte nicht nur an die Angliederung des Burgenlandes an Österreich zehn Jahre zuvor erinnern, sondern stellte auch die Forderung an den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich.

Elisabeth Luif im Bericht über unsere Studienreise

Anlässlich der 10-jährigen Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Österreich wurden in Kobersdorf, St. Margarethen, Heiligenkreuz im Lafnitztal, Eisenstadt und in Oberschützen Denkmäler errichtet. Das „kleine Anschlussdenkmal“ in Oberschützen war wohl das bekannteste und wurde zum Großteil von der Oberschützener Lehrerschaft initiiert. Die finanzielle Unterstützung erfolgte durch Spenden von der Bevölkerung und eine „Bausteinaktion“ vom „Deutschen Schulverein Südmark“. 2

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Das Bombenattentat in Oberwart

In der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1995 sind vier Volksgruppeangehörige der Roma Josef Simon (40), Peter Sarközi (27) sowie Karl (22) und Erwin Horvath (18), bei einem politisch und rassistisch motivierten Bombenanschlag in Oberwart getötet worden. Die Männer gerieten in eine Sprengfalle, als sie eine Tafel mit der Aufschrift “Roma zurück nach Indien” entfernen wollten. Für den Anschlag wurde 1999 der Bombenbauer Franz Fuchs verurteilt.1

In den letzten Tagen haben wir viel über Diskriminierung, Ausgrenzung, etnische Verfolgung und “gesellschaftliches Totschweigen“ in der Geschichte der Rom:nija gehört. Hier stehen wir den Toten gegenüber. Wieder erfassen mich die Gefühle von Trauer, Zorn, Ratlosigkeit gemischt mit dem Willen etwas dagegen zu tun. JA, diese Studientage sind eine Initiative dazu – NEIN, es ist zuwenig, nur die Nase zu rümpfen, wenn man über die Diskriminierung von Volksgruppen hört oder die ÖVP-Diskussionen zur Verwässerung der Menschenrechtskonvention in den Medien liest.

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1993 Staatliche Anerkennung der Rom_nija als ethnische Volksgruppe

Im Rahmen unserer Studienreise besuchten wir das Zentrum des Roma-Service in Oberwart. Von Kollege Emmerich Gärtner-Horvath wurden wir herzlich Willkommen geheißen. Nach der historischen Einleitung zur Geschichte der Unterdrückung der Rom_nija in der Zeit der Habsburger präsentierte er uns die Aktivitäten verschiedener Roma-Initiativen der letzten 30 Jahre.

Die Diskriminierungen Ende der 80er-Jahre, die Einstellungen von Gastwirten, die jungen Rom_nija generelles Lokalverbot erteilten, war das auslösende Moment der Gründung der ersten Roma-Organisation in Österreich – des „Verein Roma“ am 15. Juli 1989 in Oberwart. Die Hauptanliegen dieser Initiative waren:

  • Verbesserung der unbefriedigenden Lebenssituation der Roma in Österreich.
  • Bestehende Vorurteile zu hinterfragen und aktiv für deren Abbau eintreten.
  • Förderung der Kinder und Jugendlichen im schulischen sowie freizeitpädagogischen Bereich.
  • Förderung des kulturellen Austausch zwischen Rom_nija und Nicht-Roma.
  • Integration der Rom_nija in die Gesellschaft mit Beibehaltung der eigenen Kultur.
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Grausamkeiten und Gräueltaten der Habsburger gegenüber den Rom_nija

Dieser Artikel behandelt den ersten Teil des Vortrags von Emmerich Gärtner-Horvath anläßlich unserer Studienfahrt am 16. Oktober in Oberwart. Wir haben anhand von drei wesentlichen Akteur:innen der Habsburgermonarchie im 18. Jahrhundert die Repressalien gegen die Rom_nija dargestellt.

Beginnen wir beim Vater von Maria Theresia – Karl VI. Er war jener Habsburger, der die Rom_nija am schlimmsten verfolgte.
1720 bestimmte eine kaiserliche Verordnung Karls VI., dass die “Zigeuner und jegliches liederliche Gesindel in Österreich” ausgerottet werden sollten.
1725 erließ Kaiser Karl VI. eine Verordnung, die besagte, dass Rom_nija gefangen genommen werden sollten; diejenigen, die Straftaten begangen hätten, sollten hingerichtet werden, die anderen aber mit einem Brandzeichen am Rücken gekennzeichnet und, unter Androhung der Enthauptung bei einer Rückkehr, abgeschoben werden. Dies wurde v.a. in den österreichischen Gebieten vollzogen.2

Im 18. Jahrhundert wurden die armen Zigeuner in Ungarn und Siebenbürgen Gegenstand gouvernementaler Exüerimente. In der offiziellen Hof- und Regierungssprache drückte man das so aus: “Die allverehrte und huldreiche Kaiserin Maria Theresia wandte diesem vernachlässigten Volksstamm ihre mütterliche Sorgfalt zu, und der Kaiser Josef II. betätigte an ihm seine Humanitätsbestrebungen.”

Neues Wiener Blatt, 3. Februar 1875, Seite 5 4
Zur mütterlichen Sorgfalt und den Humanitätsbestrebungen

Ein Begegnungsplatz zum Roma-Gedenken in Langental

Es lohnt sich wieder zu träumen, denn Friede wird in den Herzen der Menschen wachsen

Karl Horvath auf der Begleittafel am Begegenungsplatz

Eine Zählung der Landesgendamerie 1933 bezifferte die Anzahl der ansässigen Roma mit 187 Personen. In Langental entsprach das einem Bevölkerungsanteil von 15 Prozent. Im Ort gab es Familienkapellen, die der “Horvath“ und die “Gesini“. Beide galten als ausgezeichnete Musikkapellen, die neben der klassischen ungarischen “Zigeunermusik“ auch Operettenmusik und vor allem auch die kroatischen Volkslieder pflegten.(1)
Das burgenländische Schulbesuchsverbot der 46 Roma-Kinder in Langental durch den NS-Landeshauptmann Tobias Portschy bedeutete dass die Schülerzahl um 50 % im Ort sank.
1938 und 1939 wurden zahlreiche Roma aus Langental als Zwangsarbeiter auf Großbaustellen in den Alpen sowie in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald, Mauthausen und Ravensbrück verschleppt.
68 Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung sind dokumentiert. 21 Personen starben im Lager Lackenbach, 13 Personen in Buchenwald, 10 Personen im “Zigeunerlager Auschwitz Birkenau“, 7 Personen im KZ-Mauthausen, 4 Personen in Ravensbrück. Wieviele in Langental geborene Personen im November 1941 in das “Zigeunerlager Litzmannstadt“ deportiert und wenig später im Vernichtungslager Kulmhof ermordet wurden, ist nicht bekannt.

Ein Stahl-Glaskörper für jedes Opfer
Der Künstler Peter Kedl gestaltete zum Gedenken an die 69 ermordeten Romnija und Roma und an weitere vier Menschen, die wegen ihres politischen Widerstandes ermordet worden waren oder denen aufgrund von Erkrankungen oder Behinderungen das Lebensrecht abgesprochen worden war und die der NS-Medizin zum Opfer gefallen waren, Stahl-Glaskörper gestaltet. Für jedes Opfer ragt nun im Ortszentrum ein Steher aus Stahl und Glas empor, auf dem der Name steht. Von weiteren hundert Angehörigen der Langentaler Roma-Familien gibt es nach 1945 kein Lebenszeichen mehr, ihr Schicksal ist unbekannt.(4)

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Das “Verschlingen” in Ritzing

Bis Ende der 1920er Jahre befand sich die Romasiedlung am Ende der “Langen Zeile”. Nach der Umwidmung der Grundstücke zu Hausplätzen mussten sie ihre Hütten abbrechen und ihren Wohnsitz oberhalb des “Sandigen Grabens” verlegen, weit außerhalb des Ortsgebiets, wo sieihre Lehmhütten neu aufbauten. (1)

Unsere Gruppe beim Gedenken an die Opfer in Ritzing

Die Betonsäule mit den Namen der 21 Opfer (18 Roma und drei Eutha­nasie­opfer) befindet sich neben dem Friedhof in Ritzing. Eine Gedenktafel an der Säule listet die Namen, Geburts- und Sterbedaten der Opfer auf. Rund um die Säule sind Beton­kreise an­geord­net, in denen sich Ritzin­ger und An­gehö­rige der Volks­gruppe der Roma mit ihren Fuß­ab­drücken ver­ewig­ten. Im Tagesverlauf berührt die wandernde Schatten der Betonstele abwechselnd die einzelnen Scheiben.(2)
Der Künstler Christian Gmeiner, dessen Vater aus Ritzing stammte, war es ein besonderes Anliegen, diesen mehrschichtigen symbolischen Charakter des Denkmals hervorzuheben.(3)

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Lackenbach – an den Rand gedrängt und ein Lager

Ende des 19. Jhdt. siedeln sich die ersten Roma in Lackenbach an. Es gibt Berichte, dass Roma-Kinder im örtlichen Wald oder Steinbruch zur Welt gebracht wurden. Die Eintragung, dass 1884 eine Geburt im “Lager Lackenbach” erfolgt sei, deutet darauf hin, dass es zu dieser Zeit bereits eine Romasiedlung gab.(1) Wie viele Romasiedlungen hatten sie ihre Hütten und Häuser am Ortsrand – an den Rand gedrängt.
Vertreibung, Verfolgung und rigide Kontrollen und grausame Maßnahmen zur Veränderung der Lebensweisen prägten das Leben der Roma. Die Mehrheitbevölkerung wollte mit ihnen nichts zu haben. Diskriminierung im täglichen Leben und auch bei Wohnen. 1936 lebten 20 Roma (weniger als 2 % – Einwohner-Anteil in der Gemeinde) bei der Zeiselmühle zwischen Lackenbach und Lackendorf.

Im November 1940 wurde das Zigeuner-Anhaltelager Lackenbach zur Gefangensetzung und Ausbeutung von Roma durch Zwangsarbeit geschaffen. Es unterstand der Kriminalpolizeileitstelle, von der auch die Beamten der Lagerverwaltung gestellt wurden. Zum Bau wurden jüdische Häuser und sogar der Tempel abgetragen (7). Der Höchststand an Häftlingen in dem Lager betrug über 2300 Personen. Wie in allen Lagern dieser Art kam es hier zu extrem unmenschlicher Behandlung; sanitäre Einrichtungen existierten für die Häftlinge praktisch nicht. Von hier wurden Roma in Konzentrationslager, andere Sammellager (Ghettos) oder Vernichtungslager deportiert. Eine Freilassung war nicht beabsichtigt.(2)

Gedenkstätte zur Erinnerung an das Lager
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Bericht über unsere Studienreise zur Geschichte der Rom:nija in Burgenland

15.-16. Oktober 2022 von Elisabeth Luif

Im Rahmen unserer jährlichen Studienreise beschäftigten wir uns diesmal in einer Gruppe von 15 Personen während eines zweitägigen Ausflugs mit der Geschichte Roma und Romnija im Burgenland:

Eine Volksgruppe zwischen Disziplinierung, Verfolgung, Vernichtung und dem Kampf um Anerkennung.

Station 1: Einführung in Mattersburg

Nach einer gemeinsamen Anfahrt aus Wien begannen wir unser Programm im 70er Haus der Geschichten in Mattersburg. Dort gaben Elisabeth und Georg Luif einen Überblick zur Geschichte der Rom:nija im Burgenland.

Seit Jahrhunderten lebt diese eine Minderheitengruppe in einem sprachlich und kulturell vielfältigen Gebiet, gemeinsam mit der deutschen, ungarischen, kroatischen und jüdischen Bevölkerung. Traditionell baten Rom:nija verschiedene Dienstleistungen für die bäuerliche Bevölkerung an, sie waren Scherenschleifer, Schmiede, Korbflechter, Musiker oder Pferdehändler. Die wirtschaftliche Situation war dabei oft von Armut geprägt.

Zu den nächsten Stationen im Bericht von Sissi

So gewaltig ist nichts wie die Angst

Ein Lektürentipp von Ingrid K. für unsere Studienreise – ein Buch von Stefan Horvath. 2016 wird er mit dem Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und Exil ausgezeichnet. Am 5. Februar 1995, einen Tag, nachdem sein Sohn Peter Sárközi und drei andere junge Roma beim Terroranschlag von Oberwart ermordet worden waren, begann Stefan Horvath zu schreiben.

Stefan Horvath
Er schrieb, weil er nicht mehr schlafen konnte, weil er sein ganzes Leben lang, wie er selbst sagte, still geblieben war, so wie auch schon sein Vater, der die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald, Gusen und Mauthausen überlebt hatte und seine Mutter, Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück. Seit 1995, seit seinem 46. Lebensjahr, schreibt Stefan Horvath, er schreibt über das Überleben der Roma in Oberwart während des Porajmos, über das Leben nach 1945, nach 1995.

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Die verschwundenen Romasiedlungen im Burgenland

Ein Informationstipp von Elisabeth Luif für unsere Studienreise mit dem Thema – Geschichten der Burgenland Roma und Romnija – von 15. bis 16. Oktober 2022.

„Einfach weg!“

Verschwundene Roma-Siedlungen im Burgenland von Gerhard Baumgartner , Herbert Brettl
ISBN: 9783700321873 , 414 Seiten, erschienen September 2020

Bis zu ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten bestanden auf dem Gebiet des Burgenlandes über 120 Roma-Siedlungen, deren historische Wurzeln in zahlreichen Fällen bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen.  Im Rahmen dieses Buchprojektes wurde das Schicksal ihrer BewohnerInnen, insbesondere die Verfolgung und Zerstörung zwischen 1938 und 1945 und die Situation in der Nachkriegszeit, dokumentiert.

Ein Videomitschnitt einer Buchpräsentation – rechts Gerhard Baumgartner
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