Wir begehen spannende historische Ereignisse und gehen spannenden historischen Fragen nach.
Termin: Montag 18. Mai 2026 um 17:00 Uhr Treffpunkt: Eingang Jean-Jaurés-Hof, Neilreichgasse 105, 1100 Wien Anmeldung bitte per E-Mail an rote.spuren@chello.at
Was haben Jean Jaurés und Victor Adler gemeinsam? Weshalb wurden Schutzbündler für die Erstürmung eines leeren Polizeiwachzimmers verurteit? Eine der ersten großen Gewerkschaften haben tschechische „Migrant:innen“ gegründet. Wer war einer der ersten Investigativ-Journalisten? Wie wurde aus einem Industriegelände eine Gstettn und daraus ein Erholungsgebiet? Treten sie mit uns durch das Tor von MA 2412.
Station: Jean-Jaurés-Hof (im Hof)
Station: Mithlinger Siedlung (Rasenstadt) – Enstehungsgeschichte und Daten über den Bau
Station: Februarkämpfe 1934
Station: Jüdische Vertreibung in Rasenstadt mit einzelnen Lebensgeschichten
Station: Gedenktafel Friemel – NS-Widerstand
Station: Aussichtspunkt ehemalige Ziegelfabriken – Ziegelarbeiter, Arbeiten, Wohnen und Freizeitgestaltung der Arbeiterfamilien
Station: Grüngürtel um Wien – Wilfried Kirchner
Unsere Rundgänge sind für alle Teilnehmer:innen GRATIS! Wir freuen uns auf zahlreiche Anmeldungen.
Bei einem Spaziergang in Simmering entdecken wir dieses Strassenschild und fragen uns „Wer war Ignaz Bockberger?“. Die Bockbergergasse in Simmering wurde 1971 nach ihm benannt1.
1934 erhielt Bockberger wegen seines politischen Engagements 14 Monate Arrest, die er in Stein verbüßte. Während des Zweiten Weltkriegs organisierte Bockberger, der von den Nationalsozialisten 1938 wieder eingestellt worden war, eine antifaschistische Widerstandsgruppe im Betrieb.
1945 wurde Bockberger wieder Betriebsratsobmann und Mitglied des Vorstands der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten.
Telegraf am 18. Juni 1934, Seite 32Innsbrucker Nachrichten, 22. Juni 1934, Seite 23Nachruf zum Begräbnis
Die Erinnerungszeichen sind permanente, von der Linzer Stadtverwaltung errichtete Stelen, die ein personalisiertes Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus im Stadtraum ermöglichen — insbesondere als Erinnerung an verfolgte, vertriebene und ermordete Linzer Jüd:innen.
Quelle: https://linzerinnert.at/
Im Dezember 2022 haben wir in einem Blogartikel erstmals an großteils jüdischen Opfer der Verfolgung erinnert – Erinnerungsstelen für die jüdischen Opfer in Linz. Heute nutzen wir einen Rundgang im Rahmen eines Adventure Lab, um uns mit den Stelen und den darauf genannten Opfern auseinander zu setzen.
Hier auf der Stele im Schillerparkwird Johanna Richter genannt. Johanna Richter kam 1878 als Johanna Fischer und Tochter des Bernhard Fischer und der Julie, geborene Herman, in Chiesch (Chyse, ČR) zur Welt. 1907 erfolgte die Übersiedlung der Familie nach Linz. Sie bezog ihre Wohnung an der Landstraße 71. Im selben Haus richtete Julius Richter seine Arztpraxis ein. Das Ehepaar war in mehrere Linzer Vereine, nichtjüdische wie jüdische, eingegliedert. Ihr älterer Sohn Hans folgte seinem Vater im Arztberuf nach. Er war Sozialdemokrat und unter den Linzer Arbeiterinnen und Arbeitern als moderner und uneigennütziger Arzt sehr gefragt. Ab 1934 gelang es den Protagonisten des austrofaschistischen Regimes den jüdischen Arzt sukzessive an seiner Arbeit zu hindern. Diese schleichende Verfolgung mündete schließlich in einer Anklage, in einem Schauprozess und einem Dr. Hans Richters weitere Arbeit zunichte machenden Urteil. In dem ganzen Vorgehen wird der dem christlich-deutschen Ständestaat innewohnende und von Bischof Gföllner noch geförderte Antisemitismus deutlich. Dem Sohn gelang eine Flucht nach Argentinien. In letzter Minute konnte er auch seine betagte Mutter zu sich holen. Johanna Richter starb 1955 und wurde in Buenos Aires begraben.
Die Ursache für Ereignisse am 12. Februar 1934 war die Politik des christlichsozialen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß, der ab März 1933 die Demokratie demontierte: Ausschaltung des Parlaments, Verbot von Wahlen, Verbot von Versammlungen und Mai-Aufmärschen, die Ausschaltung des Verfassungsgerichtshofes, Verbot des Schutzbundes bei gleichzeitiger Heranziehung der Heimwehr als Hilfspolizei, Abschaffung der gewählten Vertretung in der Arbeiterkammer1.
Wir sind zum Aufcampen einige Tage in Linz und nutzen die Gelegenheit einerseits unserer Vorliebe des Geocaching und gleichzeitig den „Roten Spuren“ im Februar 1934 nachzuspüren. Herzlichen Dank an den Owner für die Gestaltung des Adventure Lab.
Für den überwiegenden Teil der Bevölkerung sind die Ereignisse des 12.Februar 1934 ein Bestandteil der Geschichte, mit dem man wenig anzufangen weiß. Die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen dieser Tage hatten in Linz ihren Ausgang genommen und sich über ganz Österreich ausgebreitet. Was hier begann, ist von welthistorischer Bedeutung. Zum erstenmal hatten sich Arbeiter gegen die drohende Gefahr einer faschistischen Machtergreifung mit Waffengewalt zur Wehr gesetz2t. Bei der Betrachtung der Ereignisse würde ich nicht von einem Bürgerkrieg sprechen, denn die Bürger Österreichs waren maximal Zuseherinnen wie eine verzweifelte Arbeiter:innenbewegung versuchte die Demokratie und die Republik zu retten.
Unsere erste Station war das Denkmal am Bernaschek-Platz, das 1988 von den Opferverbänden errichtet wurde.
Eine „historische Gerechtigkeit“ ist, dass der Platz nach 1945, der ursprünglich auch zwei Jahre Starhembergplatz (Heimwehrführer) hiess, in Bernaschekplatz umbenannt wurde. Die Heimwehrleute von denen es im Umland tausende gab, waren die Totengräber der Republik.
Benannt 1945 nach Richard Bernaschek (1888-1945), dem Führer des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich und des Aufstandsversuches vom Februar 1934. 1945 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet. Richard Bernaschek, in der Zwischenkriegszeit Landesparteisekretär der Sozialdemokratischen Partei und Führer des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich, initiierte den Aufstand im Februar 1934 und wurde verhaftet. Ihm gelang die Flucht und er kehrte 1939 zurück.
1944 wurde Bernaschek nach dem missglückten Stauffenberg-Attentat auf Hitler verhaftet, in das KZ Mauthausen verbracht und kurz vor Kriegsende dort erschossen.3
Lesung zu Widerstand und Verfolgung in Wiener Gemeindebauten
Terminam 13. April 2026 um 18.30 Ort: in den SOHO Studios im Sandleitenhof (Liebknechtgasse 32, 1160 Wien) mit Michael Achenbach, Peter Autengruber, Winfried R. Garscha, Claudia Kuretsidis-Haider und Manfred Mugrauer; Anmeldungen per E-Mail an info@sohostudios.at
Weshalb braucht es eine breite Erinnerungskultur an die Ereignisse am 12. Februar 1934? Handelte es sich um ein singuläres, geschichtliches Ereignis oder gibt es Parallelen in der heutigen Zeit? Weshalb hat das offizielle Österreich, vor allem einzelne Parteien, Schwierigkeiten, die eigene faschistische Vergangenheit einzugestehen?
Flugblatt der SPÖ Mürzzuschlag zur Gedenkfeier – Österreichische Nationalbibliothek
Wir im Verein Rote Spuren meinen, es braucht ein Bewusstsein für die Vergangenheit und dem faschistischen Erbe. Ohne dieses Bewusstsein ist die Entwicklung einer antifaschistischen Gesellschaft nicht möglich. Viele Gewerkschafter:innen haben am 12. Februar ihr Leben riskiert, sind gestorben oder wurden verwundet. Die Überlebenden wurden von Dollfuß und Seinesgleichen eingekerkert, ihrer Rechte beraubt oder ausgebürgert. Zivilcourage und Widerstand gegen den Austrofaschismus wurde von Polizei und Militär nieder geprügelt, verfolgt und verhindert. Die Nazis haben publikumswirksam Bücher verbrannt, aber bereits im Austrofaschismus wurden 1500 Titel und 27.000 Exemplare in den „Arbeiterbüchereien“ beschlagnahmt.
Zurück in die heutige Zeit. Die extreme Globalisierung schaffte den Typen des „Anarcho Kapitalisten“, die sich auf die Thesen von Hoppe (einem Schüler von Rothbard, dem Stammvater der Anarcho-Kapitalisten) beziehen. In der Psycherl-Analyse von Erwin Steinhauer und Fritz Schindlecker schreiben sie zu deren Vorstellungen bezüglich des Umbau der derzeitigen Demokratien treffend: „Es kommt zu einem Wettbewerb der Gauner, die heutige Demokratien in Kleptokratien umbauen wollen, wo es keine oder kaum Hemmungen gibt, das Eigentum anderer Menschen zu entwenden“. Man beachte die Geschwindigkeit der Verteilung des Vermögens zu den Superreichen.
Welchen Bezug hat das zum Februar 1934? Gar nichts und zugleich Vieles. In beiden Epochen musste vorher die Demokratie als unfähig, schwerfällig, nicht geeignet und bürokratisch dargestellt werden. Parteien, Institutionen, die Trennung von Legislative und Exekutive, Gerichtsbarkeit und wissenschaftliche Einrichtungen, die nicht zum rechten Mainstream passten, mussten „sturmreif“ geschossen werden. Die kriegerische Sprache passt hier, wenn wir auf damalige und heutige Ereignisse blicken. Auch heute erleben wir, dass einzelne Bevölkerungsgruppen als „Sündenböcke“ mit Hilfe der üblichen Medien platziert werden. Es wird von Remigration gesprochen, ohne dabei darauf zu achten, dass wir beim Reinigungspersonal, Bauarbeiter:innen und im Sozialbereich ganz dringend auf diese Menschen angewiesen sind. Es wird mit Einzelereignissen Politik gemacht, um von der „Kleptokratie“ der Tech-Giganten und Superreichen abzulenken.
Deshalb ist Gedenken so wichtig, denn es ist ein Signal für Demokratie, und ein wichtiger Schritt zur Gestaltung einer Gesellschaft mit einem guten, gesunden und gerechten Leben für alle.
Der Text stammt aus dem letzten Mitgliedermail. Jetzt gibt es noch ein paar historische Flugblätter, Plakate und eine Briefmarke, die anläßlich von Februarfeiern gestaltet wurden. Gesammelt haben wir sie aus dem digitalen Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek.
Die Wiener Gemeindebauten waren in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts eines der bahnbrechenden Projekte der sozialdemokratischen Wohnungs- und Sozialpolitik. Der Sammelband schlägt eine Brücke vom Austrofaschismus bis zum Ende der NS-Herrschaft.
Nach Überblicksdarstellungen zur Geschichte des Gemeindebaus in Wien, zu personellen Brüchen und Kontinuitäten zwischen den beiden Diktaturen und zu Fragen des Mieterschutzes widmen sich mehrere Beiträge anhand von ausgewählten Gemeindebauten dem Schicksal der dort lebenden Menschen, die als Jüd*innen verfolgt und gekündigt bzw. aufgrund ihres widerständigen Verhaltens Opfer polizeilichen und juristischen Unrechts wurden. Biografien von verfolgten Männern, Frauen und Kindern schließen den Band ab, gleichsam als „Gedenkbuch“ für die Opfer von Gewalt und Terror in den Gemeindebauten.
Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Mag.a Dr.in Claudia Kuretsidis-Haider ist Historikerin. Sie leitet die Abteilung Historische Sammlungen am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Die thematischen Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit sind: Ahndung von NS-Verbrechen in Österreich und im internationalen Kontext, Holocaustforschung, Widerstandsforschung, Gedenkpolitik und Erinnerungskultur(en)
Da wir viele Mitglieder in Oberösterreich haben, sammelten wir Informationen zu den Gedenkveranstaltungen über den 12. Februar 1934.
Zum 92. Mal jährt sich am 12. Februar der Gedenk- und Erinnerungstag für jene Genoss:innen, die 1934 durch ihr Eintreten für Demokratie und Freiheit ihr Leben lassen mussten. Das Motto der traditionellen Februar-Matinee ist dieses Jahr: „Propaganda 2.0: Widerstand gegen Faschismus im digitalen Zeitalter“.
Termin: 8. Februar um 08:15
08:15 Kranzniederlegung beim Anton Bulgari-Denkmal am Bulgariplatz
09:15 Gedenken im Hof der Landstraße 36 Musikalischer Rahmen: SPÖ Blasmusikorchester
10:30 Sonntagsmatinee Eröffnung durch Landesrat Mag. Martin Winkler
Themenimpulse von: Tamara Ehs, Politikwissenschafterin und Demokratieberaterin Yasmin Maatouk, Moderatorin, Sprecherin und Schauspielerin
Das Projekt Stolpersteine wurde hier am Blog bereits mehrmals vorgestellt. Vor 10 Jahren sammelten wir die ersten Fotos und Unterlagen für einen Blogbeitrag. Während dieser Jahre habe ich wieder über rechtsextremistische Vandalenakte an diesen Gedenkstellen an jene Menschen, die grausam verfolgt und oftmals getötet wurden, gelesen.
Eines unserer Grundprinzipien der Zweiten Republik und auf dem unsere Demokratie aufgebaut ist der Antifaschismus. Wenn jetzt konservative und rechte Parteien den Antifaschismus in sogenannte linksextreme Eck zu drängen, ist der Versuch das Blut von Millionen Toten aus den Kriegen, politischen Morden, der Shoa, den Konzentrationslagen, den Anschlägen, die Nazis, Austrofaschisten und Rechtsextremisten zu verantworten haben, weg zu wischen. Sie betreiben Hetze, Spaltung, Herabwürdigung und sie greifen zu allen Mitteln. Sie horten Waffen für den Tag „X“, sie veranstalten Schieß- und Militärübungen, sie beschmieren Denkmäler und Gedenkstätten und sie vergiften unsere Gesellschaft mit ihrer faschistischer u d rechtsradikaler Ideologie.
Das Hauptprogramm der Sozialdemokratie war, die demokratische Republik gegen den Faschismus jeder Art zu verteidigen. (Josef Witternigg)
Der 1881 geboren Josef Witternigg war Mitglied des Gemeinderates der Stadt Salzburg, Klubvorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion, Abgeordneter zum Salzburger Landtag und zum Nationalrat und schließlich am 12. Februar 1934, als der Parteivorstand in Wien zum Generalstreik aufrief, eine der Schlüsselfiguren beim kampflosen Abgang der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Salzburg. 1934 wurde Witternigg in Haft genommen, in der er mehrere Wochen lang verblieb. Witternigg erlitt in der politischen Verfolgung unter der österreichischen Diktatur schwere gesundheitliche Schädigungen, an deren Folgen er 56-jährig verstarb.1
Der Gemeindebau in der NS-Zeit: im Goethehof wurden 1938 mehr als 130 Bewohner*innen aus ihren Wohnungen vertrieben – sie wurden verfolgt, weil sie jüdisch waren oder sich politisch gegen den Nationalsozialismus stellten.
An diese Menschen, ihre Biografien und ihr Umfeld erinnert nun die temporäre Ausstellung „Auch das waren wir“ im Community-Museum Goethehof.
Zur Eröffnung am 5. November 2025 um 18:00 Uhr laden Wiener Wohnen und die Wohnpartner gemeinsam mit den Ausstellungsmachern Alexander Martos und Niko Wahl von „science communications research“ sehr herzlich ein.
Wo: Community-Museum Goethehof, Schüttaustraße 16, 1220 Wien
Ausstellungsdauer: 5. November – 5. Dezember 2025
Öffnungszeiten, Dialogführungen & Kontakt: Gesprächsführungen mit Bewohner*innen sind jeweils Mi & Do 17-19 Uhr, Fr 15-17 Uhr und Sa 10-12 Uhr nach Anmeldung unter T: 01/24 503 – 21080 oder gz_kaisermuehlen@wohnpartner-wien.at möglich.
Die Ausstellung wurde gemeinsam mit Bewohner*innen und Nachbar*innen des Goethehofs (der heute 784 Wohnungen umfasst) erarbeitet. Neben historischen Hintergründen zeigt sie persönliche Geschichten ehemaliger Mieter*innen und zeigt Verbindungen zur Gegenwart auf. Anlässlich der Eröffnung werden temporäre Erinnerungszeichen an allen Stiegen des Goethehofs angebracht, die an die aus ihren Wohnungen Vertriebenen erinnern.