Karl Renner – ein pragmatischer Realpolitiker?

Ein Diskussionsbeitrag über Karl Renner

Das Karl-Renner-Institut verweist auf eine von Michael Rosecker verfasste Erwiderung bezüglich der Polemik von Alt-LH Franz Schausberger über die Salzburger Straßennamenstudie im Standard am 7. Juli 2021. Klar ist: der Antisemitismus war ein zentraler programmatischer Bestandteil der Christlichsozialen Partei. Der Versuch, das zu relativieren, indem man alle anderen auf dieselbe Stufe zerrt, geht ins Leere.

Auch die Sozialdemokratie war, obwohl gegen sie von jeher als „verjudete Partei“ mobilisiert wurde, nicht davor gefeit, in ihrer antikapitalistischen Agitation auch antisemitische Klischees zu bedienen. Jedoch macht ein Studium der Partei- und Wahlprogramme, der Wahlkämpfe, der politischen Publizistik und vor allem der bürgerlichen (männlichen) Machtnetzwerke samt deren „Vereinsstatuten“ sichtbar, bei welchen Parteien der Antisemitismus zum weltanschaulichen Kernelement und zur politischen Alltagspraxis gehörte: Das waren eindeutig die Deutschnationalen und die Christlichsoziale Partei.

Michael Rosecker im Der Standard am 7. Juli 2021

Der lange Weg Mattersdorf zu Österreich – der Input

Nach dem Willkommensservice – Elisabeth Luif holte unsere Gruppe am Bahnhof Mattersburg Nord ab – und einer herzlichen Begrüßung mit Kaffee und leckeren Schaumrollen, wird uns der erste inhaltliche Leckerbissen von Georg Luif präsentiert.

Georg Luif – einer der beiden Kurator*innen der Ausstellung zu diesem Thema im 70′ er Haus – präsentiert hier den Input am Beginn der Veranstaltung.

Mattersdorf im Gerangel zwischen Ungarn und Österreich

Die überwiegende Mehrheit der genannten Daten stammen aus dem Vortrag von Georg Luif oder aus der Ausstellungsbroschüre, die sich mit den Verhandlungen zur Zugehörigkeit Deutsch-Westungarns nach dem Zerfall der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn beschäftigt.
Sie ist im September 2020 in Mattersburg erschienen und ist über das „70er Haus der Geschichten“ in Mattersburg, Hintergasse 70, 7210 Mattersburg beziehbar.

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Richard Berczeller: Arzt – Sozialist – Schriftsteller

Ein Beitrag von Elisabeth Luif. Dieser Beitrag war gleichzeitig der Input bei unserem Geschichtetag im 70’er-Haus in Mattersburg. An seinem Beispiel folgen wir der Mattersburger Zwischenkriegszeit.

Jugend in Sopron/Ödenburg
Geboren 1902 – sein Vater Adolf ein führender Sozialdemokrat und Gewerkschafter in der Stadt. Das Gebiet gehört damals zum ungarischen Teil der Habsburger Monarchie, allerdings mehrheitlich deutschsprachige Gegend. Richard tritt der Vereinigung Sozialistischer Mittelschüler in Westungarn bei.
Bereits Dezember 1918 – noch als Schüler wird er in die Miliz einberufen – kommt nach Mattersburg wo der Sozialdemokrat Hans Suchard die autonome Republik Heinzenland ausgerufen hatte.(01)

Etablierung einer Räterepublik März-August 1919 in Ungarn
Die Räterepublik scheitert im August 1919, Miklós Horthy übernimmt die Macht, sogenannter „weißer Terror“ gegen Linke. Die Familie Berczeller flüchtet nach Österreich. Sein Vater Adolf wird Direktor der bgld Landeskrankenkasse und Vizepräsident der AK.

1920-1926 – absolviert er das Medizinstudium in Wien und ist politisch in der Sozialdemokratie aktiv. Dabei lernt er u.a. bei Julius Tandler (Stadtrat im Roten Wien) und erlebt antisemitische Übergriffe an der Uni.

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Ihre Spuren sind vergessen, zerstört und verweht

Der große burgenländische Erzähler Richard Berczeller geht in seinen Memoiren „Verweht“ seinen Erinnerungen an das jüdische Leben in Mattersburg nach.(1)

Bei unserem Studientag im 70er-Haus in Mattersburg besuchten wir bei einem Stadtspaziergang mit Georg und Elisabeth Luif das Denkmal zum Andenken an die Jüdische Gemeinde in Mattersburg.

Auf Initiative von Peter Berczeller findet am 20.November 2012 ein Treffen in Mattersburg statt, wo die Idee der Errichtung einer Erinnerungsstätte bzw. Begegnungsstätte in Mattersburg besprochen wird. Nach einem weiteren Treffen am 8.März 2013 in Wien wird am 12.April 2013 der Verein „Wir erinnern“ gegründet. Der Verein soll sich mit den Fragen über Erinnerungspfad, Straßennamen, Gedächtnisstätte und Veranstal- tungen beschäftigen. Das Grundkonzept ist nicht Gedenken, sondern aktives Erinnern an das Judentum in Mattersburg zu fördern.

Im November 2013 wird ein Projektplan für die Errichtung einer Begegnungsstätte und Ausgrabung der Synagoge erarbeitet. Außerdem wird überlegt, die Umbenennung von Straßen nach vertriebenen MattersburgerInnen zu fordern. Diese Pläne werden von Obfrau Gertrude Tometich abgelehnt und verhindert. Dies führt zum Ausscheiden von Peter Berczeller, Georg Luif und Sissi Luif aus dem Verein. (2)

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