ArbeiterInnengeschichte am Zentralfriedhof

Hervorgehoben

Vor fast 15 Jahren entwickelten Michael Niedermair, Wolfgang Greif und Werner Drizhal einen Rundgang zum Thema ArbeiterInnegeschichte am Zentralfriedhof. Für einen Rundgang einer FSG-Gruppe erforschten wir Gedenkstätten und Gräber, und formten daraus einen Rundgang. Dieser Blog dient einerseits als Dokumentation als auch als kleiner Leitfaden zum selber forschen.

Der Rundgang beginnt am Tor 3 und endet am Tor 2. Der Start ist bequem mit U3 – Endstation Simmering und dann mit der Bim 71 oder 6 erreichbar. Man sollte ca. 2 Std. Zeit einplanen.

Im Blog gibt es zusätzliche Informationen zu den einzelnen Stationen des  Rundgangs. Die Rundgänge selbst werden auf eigenen Seiten dargestellt und sind in Arbeit. InteressentInnen finden eine eigene Ehrengräberliste am Zentralfriedhof.

Im Blog werden auch nationale und internationale Stationen zur ArbeiterInnengeschichte dargestellt.

KZ-Gedenkstätte Surtal

Gedenktafel auf der Innenseite beim Eingang der Gedenkstätte

Während unserer Fahrt zum Bodensee sahen wir ein Hinweisschild zu dieser Gedenkstätte. Am Ortsrand eines kleinen bayrischen Dorfes ein Mahnmal, das an die Greueltaten von SS-Männern erinnert, die hier 66 Menschen ermordeten. Vom kleinen Parkplatz unterhalb der Gedenkstätte geht es ein paar Stufen hinauf zu einer runden Anlage. In der Mitte ein Kreuz auf einem Steinsockel. Am inneren Rand der Anlage kleine Holzkreuze, die gerade noch aus dem Grün herausragen. Passend zur heutigen Zeit, wo der braune Sumpf wieder empor steigt. In der Ortschronik auf Wikipedia kann man nachlesen:

Am 3. Mai 1945 wurden kurz vor Kriegsende – die US-Amerikaner marschierten gerade in Traunstein ein – an einem Waldrand nahe Surberg (Wüstenreit) 61 KZ-Häftlinge eines Todesmarsches aus dem KZ Flossenbürg von ihren SS-Wachmannschaftenerschossen. Ein KZ-Friedhof, auf dem die Häftlinge begraben sind, und eine jüdische Gedenkstätte (Chanukkaleuchter) bei Surtal erinnern an das Massaker.

Wikipedia
Inschrift am Steinsockel beim Kreuz

Wie werden aus Männern Mörder, die bedenkenlos Menschen abknallen und schlimmste Greueltaten begehen?

Anläßlich unseres Besuchs in der Gedenkstätte in Buchenwald haben wir bei der Führung erfahren, dass die SS hier auch eine Ausbildungsstätte für SS-Wachmannschaften betrieb. Es wurden 17-, 18-jährige Burschen rekrutiert, die körperlich und geistig gedrillt wurden. Das Prinzip der Herrenrasse und der Untermenschen wurde tagtäglich gelehrt und sofort direkt an den Häftlingen praktiziert.

Wenn ein neuer Transport von Menschen in Buchenwald ankam, strömten die Rekruten hinaus, um die Neuankömmlinge zu bespucken, zu schlagen oder mit Füssen zu treten. Dies wurde gemacht ohne Befehl, aus eigenem Antrieb. Für die SS-Ausbildner ein Zeichen, dass ihre menschenverachtende Ideologie fruchtete.

Der Beginn dieser Ideologie ist einzelne Menschengruppen zu gesellschaftlichen Südenböcken zu deklarieren und Menschen gegeneinander auszuspielen, WEHRET DEN ANFÄNGEN

Bergmannstaten für den Frieden – Kaliwerk „Thomas Müntzer“ – Bischofferode

Beitrag von Brigitte Drizhal

Zum 80. Jahrestag Kalibergbau in Bischofferode heißt es in der Festschrift „… nicht nur weil wir seit 36 Jahren den ehrenvollen Namen des großen Revolutionärs tragen; sondern vor allem auch deshalb, weil wir Kaliarbeiter des Kaliwerkes „Thomas Müntzer“ im Bunde mit Gleichgesinnten dessen große Vision Wirklichkeit werden ließen: daß „die Gewalt soll gegeben werden dem gemeinen Volk“, daß die werktätigen Menschen die politische Macht erobern und zu ihrem Wohle nutzen sollen.

Vor dem Museum in Bischofferode
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Wie die Geschichte des Nationalsozialismus erzählen?

Ein Beitrag von Elisabeth Luif

Im Rahmen unserer Studienreise nach Thüringen zum Thema „Faschismus und Antifaschismus in historischer und aktueller Perspektive“ besuchten wir, der Verein Rote Spuren, im Sommer 2019 zwei offizielle, museale Orte der Erinnerung an den Nationalsozialismus: Ein Museum über die Firma Topf & Söhne, die „Ofenbauer von Auschwitz“ und die Gedenkstätte des KZ Buchenwald.

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Die Ofenbauer von Auschwitz – Orte des Grauens

Erfurt 9UIhr morgens, am Vorplatz des Ausstellungsgebäude über die Firma Topf und Söhne sammeln wir uns für eine gemeinsame Führung. Vor uns ein mehrstöckiges graues Gebäude mit der Aufschrift auf der Vorderseite „für sie beschäftigt,…“.

Am Vorplatz ein Modell des ehemaligen Werksgeländes der Firma Topf & Söhne. Auf der anderen Seite des Vorplatzes eine Tafel mit Briefen zwischen SS und der Firmenleitung. Erste Ahnungen entstehen bei uns was uns erwartet.

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Nadelstiche im Gewissen

Während eines Stadtrundgangs sind uns in Erfurt längliche, graue Gebilde mit orangen runden Köpfen aufgefallen, die wie überdimensionelle Stecknadeln im Straßenbelag stecken. Es sind Nadeln, die uns an die brutalste, entmenschlichste Form des Kapitalismus erinnern. An eine Zeit und Geschehnisse, wo Menschen mit erwünschten Tötungsabsichten „gewinnbringend“ gefoltert, gequält und durch Arbeit bestialisch getötet wurden.

Mit diesen DenkNadeln wird in Erfurt dezentral an durch die Nazis ermordeten Juden aus Erfurt erinnert, ähnlich der Stolpersteine in anderen Städten. Das Denknadel-Projekt wurde vom Arbeitskreis Erfurter GeDenken 1933–1945 entwickelt und entschied sich nach einem Wettbewerb 2007 für den Entwurf von Sophie Hollmann. Mit neun DenkNadeln, die im öffentlichen Raum der Stadt stehen, soll zum einen ein Hinweis auf Erfurter Geschichte im Nationalsozialismus gegeben und zum anderen angeregt werden, sich mit den Biografien dieser Erfurterinnen und Erfurter zu beschäftigen.

Mit der gesellschaftlichen Entmenschlichung folgte die öffentliche Demütigung, straßenwaschende Jüdische Menschen unter dem Gejohle der Bevölkerung auch in Wien. Die Diskreditierung ihrer Religion durch jahrhundertelangen Antisemitismus und Verbrennen der Synagogen unter tatkräftiger Mithilfe der örtlichen Bevölkerung. Enteignung ihres Hab und Gutes für die sogenannten „Arier“. Gefoltert, gequält, mißbraucht und durch Sklavenarbeit getötet.

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Venedigs Partisaninnendenkmal

Nahe der Vaporetto-Haltestelle Giardini (rechts direkt entlang der Riva dei Partigiani) findet man nach ungefähr 100 Metern ein Denkmal zu Ehren der Partisaninnen mit der Inschrift „Venezia alla partigiana“. Eindrucksvoll liegt auf unmittelbarer Wasserhöhe eine flachliegende, wie an den Strand gespülte, gefesselte Frauenfigur.

Aufgenommen von Heinz St.
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Strandet

Während einer Radtour sind wir in Ottensheim auf ein Denkmal der jüngsten ArbeiterInnengeschichte gestossen. Die Geschichte diese Bootes erzählt viel über das Leid der Menschen, die oft nach wochenlangen Strapazen auf der Flucht vor dem Krieg, vor politischer Verfolgung oder vor dem Hungertod zu Hunderten im Massengrab Mittelmeer sterben.

Denkmal Strandet in Ottensheim

Die Initiative im Kunst im Öffentlichen Raum in Ottensheim zeigt an Hand der Geschichte dieses Bootes die Verantwortung Europas an der Flucht dieser Menschen auf. Das Leerfischen der afrikanischen Meere durch europäische Fischfangflotten, Geschäftemacherei mit Herrschern, die durch brutale staatliche Schlägertruppe jede demokratische Opposition nieder prügeln lassen, Kinderarbeit in Minen für seltene Erden und Diamanten und umweltgefährlichen Schrot, den wir in Afrika entsorgen – Europa ist Mitschuld an dieser Fluchtbewegung.

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Gedächtnis einer untergegangen Welt

Der Jüdische Friedhof Währing (auch: Israelitischer Friedhof Währing) war nach seiner Eröffnung im Jahr 1784 die Hauptbegräbnisstätte der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Neben dem Sankt Marxer Friedhof ist er der letzte erhaltene Friedhof Wiens im Stil des Biedermeier.
Der Friedhof als Eigentum der Israelitischen Kultusgemeinde Wien wurde durch den NS-Staat enteignet und ging 1942 in den Besitz der Stadt Wien über.

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Roma und Sinti in Buchenwald

Denkmal von Daniel Plaas zum Gedenken an die Roma und Sinti in Buchenwald, die Opfer des NS-Völkermordes wurden. Die Grundsteinlegung zum Mahnmal erfolgte am 21. November 1994.

Anlässlich unserer Studienreise veröffentlichen wir einen weiteren Artikel. Unmittelbar nach Kriegsbeginn, im September 1939, wurden etwa 600 Sinti und Roma aus dem KZ Dachau nach Buchenwald verlegt. Sie stammten aus dem österreichischen Burgenland, wo Himmler im Juni 1939 die Verhaftung von 3.000 Sinti und Roma – davon ein Drittel Frauen – und ihre Einweisung in die Konzentrationslager Dachau und Ravensbrück angeordnet hatte.

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Das kleine Lager in Buchenwald

Am nördlichen Rand des Häftlingslagers richtete die SS Ende 1942 eine Quarantänezone, das „Kleine Lager“, ein. Es wurde mit Stacheldraht vom Hauptlager getrennt. Deportierte aus allen von Deutschland besetzten Ländern blieben einige Wochen im Kleinen Lager, bevor sie in die Außenlager weitergeschickt wurden.

Mit der Ankunft von Massentransporten aus Auschwitz, Groß-Rosen und anderen Lagern im Osten 1944/45 wurde das Kleine Lager zum Sterbe- und Siechenort, in dem insbesondere Tausende jüdische Häftlinge untergebracht waren.

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