ArbeiterInnengeschichte im Verein Rote Spuren

Hervorgehoben

Die Geschichte dieses Blogs begann vor 20 Jahren. Michael Niedermair, Wolfgang Greif und Werner Drizhal entwickelten einen Rundgang zum Thema ArbeiterInnengeschichte am Zentralfriedhof. Für einen Rundgang einer FSG-Gruppe erforschten wir Gedenkstätten und Gräber, und formten daraus einen Rundgang. Dieser Blog diente seit dem einerseits als Dokumentation als auch als kleiner Leitfaden zum selber forschen.

Heute ist der Blog eine Sammlung von Gedenkstätten, Erfahrungen und Erlebnissen, die wir und andere zum Thema Geschichte erleben. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt in der Geschichte der Menschen, die nicht in den Geschichtsbüchern vorkommen – den ArbeiterInnen, den Verfolgten, den Obdachlosen, den Vertriebenen und der Opfer. Wir laden alle ein sich an dieser Geschichtsschreibung zu beteiligen. Kleine Interviews mit Oma und Opa – was haben sie erlebt. 10 Zeilen und ein Foto von einem Denkmal, das euch bei einer Reise aufgefallen ist. Sendet uns eure Beiträge an rote.spuren@chello.at – wir setzen uns mit euch in Verbindung bezüglich der Veröffentlichung im Blog.

Im Blog werden auch  internationale Stationen zur ArbeiterInnengeschichte dargestellt.

Herbert-Steiner-Preis

Wir gratulieren unserem Vorstandsmitglied Elisabeth Luif recht herzlich zum Herbert-Steiner-Preis für ihre Masterarbeit.

Die Soziale Arbeitsgemeinschaft (SAG) war die politische Arbeiterorganisation des austrofaschistischen Regimes. Sie wurde im März 1935 als Teilorganisation der Vaterländischen Front gegründet, um die „ehemals“ sozialdemokratische Arbeiterschaft für den neuen Staat zu gewinnen. Diese Arbeit untersucht am Beispiel der SAG einen bislang weitgehend unbekannten Themenkomplex: Die Integrationsstrategien des Austrofaschismus. Basierend auf internen und öffentlichen Eigendarstellungen ihrer zentralen Akteure, der christlichen Gewerkschafter, werden der organisatorische Aufbau, die inhaltlichen Forderungen sowie die Strategien und Praxen der SAG gegenüber der Arbeiterschaft untersucht. Unter Hinzunahme von Einschätzungen der illegalen linken und nationalsozialistischen Opposition wird gezeigt, wie sich individuelle ArbeiterInnen zu den Integrationsangeboten verhielten und wie sich die politischen Auseinandersetzungen in der SAG ab 1937 im Kontext der zunehmenden Annäherung des Regimes an den Nationalsozialismus intensivierten.

Die Arbeit gibt nicht nur eine differenzierte Einschätzung zum Verhältnis zwischen Regime und Arbeiterschaft, sondern ermöglicht auch neue Einblicke in bislang kontroverse Themen. Erstens war die SAG keine reine „top-down“ Initiative der Regierung, sondern Ausdruck aktiver Bemühungen der christlichen Gewerkschafter, ihre Machtposition im neuen Staat auszubauen. Als Teil eines durchdachten Konzeptes verschiedener Integrationspolitiken war die SAG zweitens nicht nur eine flankierende Maßnahme zur Herrschaftssicherung, sondern zielte auf die Aktivierung der Arbeiterschaft. Obwohl die SAG einen Teilerfolg in der organisatorischen Erfassung der Arbeiterschaft erreichte, blieb eine positive Identifikation mit dem Regime weitgehend aus. Dennoch kanalisierten die Integrationsangebote Widerstandstätigkeiten der illegalen Arbeiterbewegung und trugen so zu einer Stabilisierung des Regimes bei. Drittens bildete die SAG keine Gegenkraft zum Nationalsozialismus, bis zum „Anschluss“ im März 1938 blieb die Zurückdrängung der linken Konkurrenz für die führenden Funktionäre prioritär.

Elisabeth Luif, Historikerin und Sozialwissenschaftlerin, Wien

Die Preisverleihung findet am 20. Jänner 2022 statt.

Anmeldung erforderlich:

office@doew.at

Gedenkprojekt der WU-Wien

„Da mosaisch zu den Rigorosen nicht zugelassen.“

Mit diesem Hinweis wurde nach dem „Anschluss“ Österreichs einem jüdischen Studenten, der wenige Wochen vor dem Einmarsch der Wehrmacht seine Doktorarbeit an der Hochschule für Welthandel eingereicht hatte, die Promotion verwehrt.(1)

Für die Opfer des Nationalsozialismus 1938-1945

Diese Gedenkstätte entdeckten wir bei einem Rundgang im Stadtviertel „Viertel Zwei“.

Als wir nach dem Lesen der Schautafel dieses Kunstwerk als Gedenkstätte identifizierten kam mir als ersten Gedanken ein Globus als Darstellung für weltweite Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten. Die Spitze davon ist wie bei einem Eisberg in den 1938 – 1945 besonders grausam sichtbar geworden und viele haben sich wie in einem Meer mittreiben lassen. Die Mehrheit des Faschismus, des Rechtspopulismus, dieser Antidemokraten und Kriegstreiberei schwimmt unter Wasser und ist nicht sichtbar – in Fragen der Migration, des Friedens, der Verteilungsgerechtigkeit und des Umgangs miteinander und kommt diese kalte grausame Masse tagtäglich an die Oberfläche. Der Eisberg war bei den kalten Temperaturen des Tages die zweite Idee.

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»…Vor Schand und Noth gerettet«?!

Findelhaus, Gebäranstalt und die Matriken der Alser Vorstadt

Wo heute die Lange Gasse in die Alser Straße mündet, befand sich von 1788 bis 1910 ein stark frequentiertes Gebäude: Das Wiener Findelhaus. Die Einrichtung von Findelhäusern in vielen europäischen Städten sollte dazu beitragen, Kindsmorde zu verhindern und die Kindersterblichkeit zu reduzieren.

Die reichen Frauen konnten gegen Bezahlung hier anonym gebären, während die mittellosen Frauen den Studenten als „Unterrichtsmaterial“ dienten und unbezahlte Arbeiten verrichten mussten. Bis 1910 wurden 750.000 Kinder aufgenommen und zu Pflegeplätzen auf dem Lande vermittelt.

Ausstellung im Bezirksmuseum Josefstadt

Bezirksmuseum Josefstadt, 1080, Schmidgasse 18
Öffnungszeiten
Sonntag 10.00 bis 12.00 Uhr
Mittwoch 18.00 bis 20.00 Uhr

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Mit einem „Warmen“ kein Pardon

Die Unterdrückung von Homosexuellen von den Habsburgern bis zu den Nazis bis heute?

Ich bin noch total aufgewühlt. Nach dem Lesen des Buches von Jürgen Pettinger „Franz – Schwul unterm Hakenkreuz“ empfinde ich unterschiedlichste Gefühle. Zorn, Trauer, Wut. Immer wenn ich mich mit der Geschichte von Unterdrückung beschäftigt habe, habe ich den persönlichen Drang, diese Verbrechen, dieses Leid, diese wahnsinnigen Sauereien an den Menschen hinauszuschreien. Heute versuche ich es mit schreiben.


Das Buch, ein Geschenk von Lotte und Sylvia, das sie uns nach einem Besuch der Gedenkstätte Hartheim zugesendet haben, lag ganz oben am Stapel. Dann höre ich heute am Weg zum Bauernmarkt in Ö1 aus der Serie Hörbilder den Bericht zu Franz Doms. Eine unmittelbare Aufforderung für mich, das Buch zu lesen.

(1) Am Beginn der Sendung machen sie mit der Psychotherapeutin Beatrix W. eine Übung, wo sie Franz einen Platz in der Gesprächsrunde geben. Ich versuche dies auch. Ich gebe ihm rechts neben meinem PC einen Platz, eine Büste stelle ich stellvertretend für ihn auf. Was würde ich ihm nach dem Lesen des Buches sagen:

„Zuerst Sprachlosigkeit bei mir – wenn ich ihn weiter anblicke – es tut mir leid, dass deine Liebe zu einem Mann mit solcher persönlicher und gesellschaftlicher Brutalität beantwortet wurde. Dann will ich ihn trösten. Aber welche Worte soll ich dazu wählen. Er hat seine Liebe mit dem Tod bezahlt.“

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Baugewerkschafter in Braunau am Inn

Spurensuche nach einer sozialdemokratischen Baugewerkschaft in Braunau am Inn. Erste Gründungsversuche gab es August 1908. Im Artikel in der Zeitung „Neue Warte am Inn“ vom 22. August 1908 wird ein Gründungsversuch beschrieben. Allerdings diese Wochenzeitung ein „Bauern- und Unternehmerblattl“, zuerst monarchistisch, ist dann als christlich soziale Zeitung mit antisemitischen und sozalistenfeindlichen Artikeln erschienen.
Im digitalen Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek habe ich im OÖ.Tagblatt die Spurensuche aufgenommen.

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„Seid menschlich“

Shoa-Überlebende Margot Friedländer bei „Markus Lanz“

Am 5. November 2021 ist Margot Friedländer 100 Jahre alt geworden. Die Jüdin gehört zu den wenigen Überlebenden der Shoa, die heute noch als direkte Zeugen dieser Zeit erzählen können.

Bei „Markus Lanz“ sprach die in Berlin lebende 100-Jährige in ergreifender Weise darüber, wie sie erleben musste, all ihre Angehörigen im Holocaust zu verlieren und wie sie in Theresienstadt ihren späteren Mann Adolf Friedländer kennenlernte, obwohl an Liebe damals nicht zu denken war. Mehr dazu…

Aus Erfahrung gut – am Erfolg gescheitert?

Andreas Weigl hat sich im Rahmen der Forschung und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte mit der Firmengeschichte der Österreichischen AEG (1904-1996) beschäftigt. Erschienen ist das Buch2021 im Studienverlag – ISBN 978-7065-6184-6.

Ich habe das Buch nach gewerkschaftlichen Ereignissen in dieser Firma durchsucht und bin dabei auf ein paar interessante Ergebnisse des Autors gestossen.

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Loibltunnel

Nach unserer Wanderung am Karnischen Höhenweg (Friedensweg) besuchten wir wieder einmal die Gegend rund um den Loiblpass. Ein Bericht eines Ortes, dessen Geschichte noch nicht ganz aufgearbeitet ist – ein Bericht von Peter Drizhal.

Ein verkehrstechnisch wichtiges Element über den Loiblpass, ein auf 1368 m Seehöhe gelegener Alpenpass über die Karawanken, ist der Loibltunnel. Der erste Tunnelbau erfolgte um 1560, er war 150 Meter lang. Im 17. Jahrhundert wurde der alte Tunnel entfernt und durch einen vier Meter breiten Einschnitt mit 130 m Länge ersetzt. Zwei Obelisken auf der Passhöhe sollen an die Vollendung der Baumaßnahmen unter Kaiser Karl VI. erinnern. Sie markieren heute den Verlauf des ehemaligen Tunnels.

Seiji Kimoto, Skulptur des Mauthausen Komitees, 2019 – Foto Peter Drizhal

Im September 1942 setzte Friedrich Rainer, der Gauleiter von Kärnten, den Bau eines neuen Loiblüberganges durch, dessen Kernstück ein neuer Tunnel sein sollte: 1570 m lang in 1068 m Seehöhe. Die mangelnden Verbindungen über die Karawanken rechtfertigten diese militärwirtschaftlich wichtige Nord-Süd-Verbindung. Zur Errichtung schloss die SS einen Vertrag mit der „Universale Hoch- und Tiefbau AG“, in dem sie sich zur Bereitstellung von Menschenmaterial aus Konzentrationslagern verpflichtete.

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Jedermanns Juden

Achtung wegen des Lockdown
Das Jüdische Museum Wien bleibt bis 12. Dezember geschlossen!

Aufgrund der aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 müssen leider unsere beiden Museumsstandorte schließen. Ebenso wird das Archiv, die Bibliothek, das Café Eskeles und der Museumsshop Gotffried & Söhne (Click & Collect möglich) bis vorraussichtlich 12. Dezember geschlossen bleiben.

Nutzen Sie am Sonntag, 21. November, noch die Möglichkeit ein letztes Mal „Jedermanns Juden. 100 Jahre Salzburger Festspiele“ zu sehen!


Wiener Jüdinnen und Juden förderten den Theaterbetrieb auf österreichischen Bühnen. Auch bei den „Salzburger Festspielen“ wurde 1938 die Rassentheorie der Nazis konsequent umgesetzt.
Viele, die sich während der Nazizeit hervorgetan hatten, konnten in der Nachkriegszeit ihre Karrieren fortführen. Es gab nur mehr wenige jüdische Regisseur*innen und Darsteller*innen.

Jüdisches Museum, Dorotheergasse 11. 1010 Wien, Geöffnet Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr
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Lorenz-Böhler-Krankenhaus

Eine Station beim Rundgang „120 Jahre Brigittenau“ ist das Lorenz-Böhler-Krankenhaus. Peter Drizhal hat die Recherche und Zusammenfassung für diese Station übernommen.

Es gehört zur AUVA und ist seit 2018 gemeinsam mit dem Unfallkrankenhaus Meidling zum Traumazentrum Wien organisatorisch zusammengefasst. Dieses Traumazentrum ist rein rechtlich ein Krankenhaus mit zwei Standorten – Meidling und hier in der Brigittenau und wird in Zukunft Österreichs größtes Zentrum für traumatologische Versorgung.

Von GuentherZ – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3493997

Die Geschichte dieses Hauses beginnt mit dem Chirurgen Lorenz Böhler (* 15.01.1885, † 20.01.1973 ), auf dessen Drängen die AUVA in ihrem Bürohaus in der Webergasse 2–6, hier im 20. Bezirk, zwei Stockwerke zur Verfügung stellte, die in ein Kranken-haus umgebaut wurden.

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