Am Weg zu einem Meeting während unserer Studienreise in Athen entdeckten wir in einer Fußgängerzone im Zentrum von Athen diese Gedenkstätte. Vor ein paar Tagen recherchierte ich auf der Plattform „Gedenkorte-Europa 1939 – 1945“ und fand bezüglich dieser Gedenksäulen einen Eintrag.
Am 20. September 1942 verübten Mitglieder der bürgerlichen Widerstandsorganisation PEAN (Panhellenische Union der kämpfenden Jugend) unter Führung ihres Chefs Kostas Perrikos einen Sprengstoffanschlag auf das Büro der ESPO (Nationalsozialistische patriotische Organisation) in der Gladstonos. Die zweite und dritte Etage des Gebäudes, in dem die ESPO – die sich u.a. zum Ziel gesetzt hatte, rechtsgerichtete freiwillige Soldaten und Offiziere zu einer griechischen Einheit der Waffen-SS für die deutsche Ostfront zu rekrutieren – ihren Sitz hatte, wurden von der deutschen Wehrmacht genutzt.
Das Archiv für Zeitgeschichte der Sozialwissenschaften (ASKI) ist das führende griechische Archiv für die Geschichte politischer und sozialer Bewegungen. Es wurde 1992 als gemeinnützige Organisation gegründet und befindet sich im Zentrum von Athen. ASKI dient als Treffpunkt für wissenschaftliche Forschung und öffentliche Projekte, die sich mit der Geschichte der Linken, den transnationalen Verbindungen sozialer Bewegungen und dem Dialog zwischen historischer Erinnerung und aktueller Politik befassen1.
Manos Avgeridis und Ioanna Vogli – hier mit Milena und Sissi bei der Begrüßung und Einleitung im ASKI.
Wir durften die erste Zeitung der Arbeiterzentrale (Zusammenschluss örtlicher Arbeitervereine; sie übernahmen u.a. die Leitung bei Streiks) in Volos im ASKI fotografieren.
In Kokkinia entstand als eine der größten Flüchtlingssiedlungen am Rande von Piräus. Die Flüchtlinge stammten vor allem aus der Gegend um Smyrna (heute Izmir). Seine Entstehung und Entwicklung sind untrennbar mit den großen Fluchtbewegungen des 20. Jahrhunderts und dem politischen Widerstand verbunden. 1940 wurde der Stadtteil zu Ehren der antiken Stadt Nikaia (Nicäa) in Kleinasien in Nikaia umbenannt.
Eleni Kyramargiou und Olga Lafazani führen uns durch den Stadtteil. Am Beginn war uns das Wetter noch hold.
Die Arbeit der armenischen Fotografen, der Brüder Dirdilian, hat seltene Momentaufnahmen aus den Anfängen der Flüchtlingssiedlung Nikaia bewahrt – Zeugnisse, die es für andere Flüchtlingsviertel nicht gibt.Weiterlesen →
Unser erster Programmpunkt am Sonntag in Athen war ein Stadtspaziergang in Kaisariani zum Thema „Dangerous Citizens: Refugees and Communists“ mit Kostis Karpozilos. Nach einer Busfahrt treffen wir Kostis. Kostis Karpozilos promovierte 2010 am Institut für Geschichte und Archäologie der Universität Kreta und ist Assistenzprofessor an der Panteion-Universität in Athen für Geschichte und Politikwissenschaft.
Er führt uns von der Bushaltestelle durch einen Park zu Gedenkstätte Kesariani. Ab 1942 diente der Schießstand als Hinrichtungsstätte vor allem für im KZ Chaidari inhaftierte griechische Antifaschisten und Widerstandskämpfer.
Am Tag der Arbeiter:innenbewegung am 1. Mai 1944 wurden hier 200 griechische Kommunisten hingerichtet.
Leider war die Gedenkstätte versperrt. So konnten wir nur ein Foto durch das Gitter machen.
„Diese Gedenkstätte ist unlösbar mit der Geschichte Ihres und meines Volkes verknüpft… Kein Mensch, zumal kein Deutscher, kann hier stehen, ohne von der Botschaft dieses Ortes tief berührt zu sein.1“
Im Jahr 1984 wurde das zuvor nach wie vor als Schießstand genutzte Areal vom griechischen Kultusministerium als historisches Denkmal ausgewiesen2. Auf mich wirkten die großen schwarzen Platten mit den eingravierten Namen wie mahnende Monumente, streng geordnet wie in Reih und Glied stehende griechische Widerstandskämpfer:innen, die wegen ihres Kampfes für Freiheit und Demokratie vor den Wehrmachtssoldaten des grausamen Nazi-Regimes zur Hinrichtung angetreten sind.
Auf dem Weg zum Schießstand sangen die Verurteilten – politische Gefangene und Exilanten – Lieder, schrieben Briefe an ihre Angehörigen und Kameraden und warfen sie vom Lastwagen. Es war üblich, dass die Opfer Briefe von den Lastwagen warfen, die sie zur Hinrichtung brachten, und verzweifelt versuchten, den Familien, die sie zurückließen, ihre Liebe und ihre letzten Worte zu übermitteln3
Die Sprengung der Gorgopotamos-Eisenbahnbrücke am 25. November 1942 gilt bis heute als der größte und mutigste Moment des Widerstands gegen die deutsche Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg.
Gorgopotamos bridge. Public Domain
Die Brücke nach der Sprengung. Wir besuchten die Brücke und das Denkmal bei einem Zwischenstopp auf der Fahrt nach Thessaloniki.
Der Busfahrer bringt uns vorbei an Olivenhainen auf engen Straßen in die Nähe der Brücke. Das erste Denkmal am Weg erinnerte an die Todesopfer anläßlich einer Minenexplosion von 1964. Toni, Michael und suchten uns nach der Einführung von Sissi einen Weg zu den stählernen Sockel der Brückenpfeiler.
GorgopotamosBrücke heute
Die Gorgopotamos-Brücke wurde von einhundert Italienern und fünf deutschen Soldaten bewacht, alle mit schweren Maschinengewehren. Ihre Neutralisierung erforderte nicht nur Schnelligkeit, sondern auch eine enorme Menge Sprengstoff. Das Widerstandsteam bestand aus einhundertfünfzig Mann: 86 Angehörige der ELAS, 52 der EDES sowie zwölf britische Soldaten. Der Plan sah vor, dass die Griechen die Wachen ausschalten oder ablenken sollten, während die Briten die Sprengsätze entlang der Brücke platzierten. Um 23:07 Uhr in der Nacht zum 25. November begann der Angriff auf die Wachen an beiden Enden der Brücke1.
1973 wurde ein Denkmal, das an die neun griechische Patrioten erinnert, die am 1. Dezember 1942 von den deutschen Besatzungstruppen an der Stelle der zerstörten Brücke öffentlich hingerichtet wurden.Weiterlesen →
Veranstaltung Mensch – Kämpferin – Märtyrerin Schwester Restituta (Helene) Kafka und ihre Briefe aus der Haft
Im Kloster der Franziskanerinnen von der christlichen Liebe (“Hartmannschwestern”) in Wien Margareten besuchen wir die Dauerausstellung “Restituta – Glaube gegen NS”-Gewalt” und Sr. Ruth Beinhauer präsentiert ihr Forschungsprojekt zu den Briefen Sr. Restitutas / Helene Kafkas aus der Haft.
Sr. Maria Restituta (Helene) Kafka war eine österreichische Ordens- und Krankenschwester und Widerstandskämpferin zur Zeit des Nationalsozialismus. Sie ist die einzige Ordensfrau, die von den Nazis für ihren Glauben und Widerstand nach einem Gerichtsprozess mit Todesurteil ermordet wurde. 1998 wurde sie als erste Märtyrerin Österreichs seliggesprochen.
“Sie hat geholfen ohne Rücksicht auf Nationalität oder Weltanschauung, ob jemand katholisch war oder konfessionslos oder kommunistisch war oder sozialdemokratisch oder christlich-sozial, da hat sie weder gefragt, noch hatte es irgendeine Bedeutung für sie. […] Sie hat die Menschen sichtlich wirklich gerne gehabt.”
Anna Haider, die 1942 vom Volksgerichtshof wegen kommunistischer Betätigung zu 15 Jahren zuchthaus verurteilt wurde, sprach 1946 im radio über ihre mitgefangene helene kafka.1
Die Wiener Gemeindebauten waren in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts eines der bahnbrechenden Projekte der sozialdemokratischen Wohnungs- und Sozialpolitik. Der Sammelband schlägt eine Brücke vom Austrofaschismus bis zum Ende der NS-Herrschaft.
Nach Überblicksdarstellungen zur Geschichte des Gemeindebaus in Wien, zu personellen Brüchen und Kontinuitäten zwischen den beiden Diktaturen und zu Fragen des Mieterschutzes widmen sich mehrere Beiträge anhand von ausgewählten Gemeindebauten dem Schicksal der dort lebenden Menschen, die als Jüd*innen verfolgt und gekündigt bzw. aufgrund ihres widerständigen Verhaltens Opfer polizeilichen und juristischen Unrechts wurden. Biografien von verfolgten Männern, Frauen und Kindern schließen den Band ab, gleichsam als „Gedenkbuch“ für die Opfer von Gewalt und Terror in den Gemeindebauten.
Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Mag.a Dr.in Claudia Kuretsidis-Haider ist Historikerin. Sie leitet die Abteilung Historische Sammlungen am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Die thematischen Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit sind: Ahndung von NS-Verbrechen in Österreich und im internationalen Kontext, Holocaustforschung, Widerstandsforschung, Gedenkpolitik und Erinnerungskultur(en)
Ausgehend von einem Exklusivinterview mit dem 97-jährigen Abba Naor, der als Jugendlicher das KZ Dachau überlebte, wählte ich diese Überschrift für diesen Artikel. Seine zentrale Botschaft an die Schüler:innen ist auf oftmalige Frage “Was kann man tun” – MENSCH SEIN!
Fred Turnheim und sein Team haben einen bewegenden Film über die schrecklichen Ereignisse in den 1.634 nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager (incl. Außenlager) zusammengestellt.
In der FAKTory des ÖGB veranstalteten wir gemeinsam mit der ARGE für eine soziale und gerechte Gesellschaft diesen Filmabend. Manfred Arthaber als Hausherr startete die Veranstaltung mit seiner Einleitung. Nach dem Film gab es eine Diskussion mit dem Regisseur Fred Turnheim.
Basierend auf der Familiengeschichte der Familie Turnheim widmet sich der Film der verschiedenen Opfergruppen in den KZ-Lagern. Für mich erstmals wird hier filmisch auch die Opfergruppe der sogenannten “Kriminellen”, die nach ihren Haftstrafen ebenfalls in den Konzentrationslagern zu unmenschlicher Arbeit gezwungen und ermordet wurden, erwähnt.
In der Abschlussdiskussion kam auch die hervorragende Dramaturgie des Films zur Sprache. Sie führt trotz der “Grauslichkeiten und Schwere” der Ereignisse, in Verbindung mit den persönlichen Erinnerungen und Erlebnissen der Interviewten dazu, dass das ERINNERN wichtig zum GESTALTEN unserer Gesellschaft ist. Bei mir persönlich folgte nach dem Schock des Gesehenen die Kraft und der Wille etwas zu TUN, gegen die abzeichnenden faschistoiden und faschistischen Tendenzen rund um uns. DANKE an die Familie Turnheim für ihr Engagement.
Den Film gibt es auf blue ray oder DVD. Über diesen Kontakt kann man sie erwerben oder einen Filmabend planen.
Evening Lecture Karl Reder: Vom Gefängnis ins KZ. Die „Übergabe“ von Justizhäftlingen an die SS in den Jahren 1942– 1945 am Beispiel des Zuchthauses Stein
Wann: Donnerstag, 19.02.2026, 18:30 Uhr Wo: Wiener Standort der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Argentinierstraße 13, 1040 Wien
Während des Nationalsozialismus galt das Zuchthaus Stein an der Donau gemessen an der Belegungszahl als die größte Justizvollzugsanstalt auf dem Gebiet des heutigen Österreich. In die Steiner Kerkerzellen sperrte man neben kriminellen Straftätern auch zahlreiche politische Häftlinge. Im Blickpunkt der Forschung stand Stein bislang in erster Linie aufgrund des im April 1945 verübten Massakers an den Insassen. Wenig bekannt ist jedoch, dass ab dem Spätsommer 1942 eine systematische Übergabe von Gefangenen aus dem Justizvollzug des Reichsjustizministeriums ins System der von der SS kontrollierten Konzentrationslager einsetzte. Für die betroffenen Häftlinge bedeutete dies oft den Tod. Der Vortrag widmet sich der Vorgeschichte und Genese der zugrunde liegenden Vereinbarung zwischen Justiz und SS. Vorgestellt werden jene Häftlingsgruppen aus den Vollzugsanstalten, die zur „Vernichtung durch Arbeit“ vorgesehen waren.
“Zentralstelle” für systematische Beraubung, Vertreibung und Ermordung österreichischer Jüdinnen und Juden
Unmittelbar nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wird das Gebäude von NS-Behörden beschlagnahmt und dient bald als Sitz der von Adolf Eichmann gegründeten „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg werden die Liegenschaften der Rothschild-Familie restituiert. Die Arbeiterkammer Wien erwarb zwei davon, die Theresianumgasse 16-18 (heute das AKBildungszentrum) und die Prinz-Eugen-Straße 20-22, die seit 1960 als Hauptsitz der Arbeiterkammer Wien fungiert.
Erinnerungsort “Schaltstelle des Terrors” Eine Ausstellung in der AK zeigt 30 ausgewählte NS Täter:innen-Biografien
Danke an Rainer für den Tipp zu dieser Ausstelllung