MENSCH SEIN – Die Kinder der Schweigenden

Ausgehend von einem Exklusivinterview mit dem 97-jährigen Abba Naor, der als Jugendlicher das KZ Dachau überlebte, wählte ich diese Überschrift für diesen Artikel. Seine zentrale Botschaft an die Schüler:innen ist auf oftmalige Frage “Was kann man tun” – MENSCH SEIN!

Fred Turnheim und sein Team haben einen bewegenden Film über die schrecklichen Ereignisse in den 1.634 nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager (incl. Außenlager) zusammengestellt.

In der FAKTory des ÖGB veranstalteten wir gemeinsam mit der ARGE für eine soziale und gerechte Gesellschaft diesen Filmabend. Manfred Arthaber als Hausherr startete die Veranstaltung mit seiner Einleitung. Nach dem Film gab es eine Diskussion mit dem Regisseur Fred Turnheim.

Basierend auf der Familiengeschichte der Familie Turnheim widmet sich der Film der verschiedenen Opfergruppen in den KZ-Lagern. Für mich erstmals wird hier filmisch auch die Opfergruppe der sogenannten “Kriminellen”, die nach ihren Haftstrafen ebenfalls in den Konzentrationslagern zu unmenschlicher Arbeit gezwungen und ermordet wurden, erwähnt.

In der Abschlussdiskussion kam auch die hervorragende Dramaturgie des Films zur Sprache. Sie führt trotz der “Grauslichkeiten und Schwere” der Ereignisse, in Verbindung mit den persönlichen Erinnerungen und Erlebnissen der Interviewten dazu, dass das ERINNERN wichtig zum GESTALTEN unserer Gesellschaft ist. Bei mir persönlich folgte nach dem Schock des Gesehenen die Kraft und der Wille etwas zu TUN, gegen die abzeichnenden faschistoiden und faschistischen Tendenzen rund um uns. DANKE an die Familie Turnheim für ihr Engagement.

Den Film gibt es auf blue ray oder DVD. Über diesen Kontakt kann man sie erwerben oder einen Filmabend planen.

SS-Justiz: Vernichtung durch Arbeit

Evening Lecture
Karl Reder: Vom Gefängnis ins KZ. Die „Übergabe“ von Justizhäftlingen an die SS in den Jahren 1942– 1945 am Beispiel des Zuchthauses Stein

Wann: Donnerstag, 19.02.2026, 18:30 Uhr
Wo: Wiener Standort der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Argentinierstraße 13, 1040 Wien

Während des Nationalsozialismus galt das Zuchthaus Stein an der Donau gemessen an der Belegungszahl als die größte Justizvollzugsanstalt auf dem Gebiet des heutigen Österreich. In die Steiner Kerkerzellen sperrte man neben kriminellen Straftätern auch zahlreiche politische Häftlinge. Im Blickpunkt der Forschung stand Stein bislang in erster Linie aufgrund des im April 1945 verübten Massakers an den Insassen. Wenig bekannt ist jedoch, dass ab dem Spätsommer 1942 eine systematische Übergabe von Gefangenen aus dem Justizvollzug des Reichsjustizministeriums ins System der von der SS kontrollierten Konzentrationslager einsetzte. Für die betroffenen Häftlinge bedeutete dies oft den Tod. Der Vortrag widmet sich der Vorgeschichte und Genese der zugrunde liegenden Vereinbarung zwischen Justiz und SS. Vorgestellt werden jene Häftlingsgruppen aus den Vollzugsanstalten, die zur „Vernichtung durch Arbeit“ vorgesehen waren.

Die letzten Tage von Mauthausen

Ursprünglich als Erweiterung für das KZ Dachau geplant, wurde das KZ Mauthausen schon ein Jahr nach dem »Anschluss« Österreichs zu einem selbständigen KZ ausgebaut und 1941 durch einen Erlass Heinrich Himmlers zum Vernichtungslager bestimmt, in dem Menschen zwar arbeiten sollten, das Ziel ihrer Gefangenschaft war jedoch der Tod. Gebaut nahe einem schon früher für Zwangsarbeiter bestimmten Granitsteinbruch, wurden hier und in den zahlreichen Nebenlagern Menschen aus 30 Nationen inhaftiert, gequält und getötet.

ISBN:978-3-355-01926-2

Häftlinge wurden zum Bau unterirdischer Rüstungsanlagen und in der Kriegsproduktion eingesetzt. Unmenschliche Behandlung wurde zum Prinzip erhoben. Davon berichtet der ehemalige Häftling Bruno Baum nüchtern und mit bitterer Genauigkeit. Und er schildert die heiß erhoffte Befreiung: Am 7. Mai 1945 wurde das Lager Mauthausen, in dem zwischen 1938 und 1945 mehr als 100.000 Menschen umgebracht worden waren, als letztes KZ der Nazis durch US-Truppen befreit.
Bruno Baum

Zeitschrift der KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Stalag XVII B Krems-Gneixendorf

Inhalt des Artikels

  • Der Gedenkraum – eine Übersicht von Robert Streibel
  • Erkundung am ehemaligen Lagergelände mit Karin Böhm
  • Ein Brief an den Kremser Bürgermeister für Ausschilderung zum Gedenkraum

Der Gedenkraum

Am 26. Oktober 1939 wurde in Gneixendorf das größte Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager (STALAG) der damaligen „Ostmark“ gegründet. Mit einer Ausdehnung von etwa einem Quadratkilometer zählte es während des Zweiten Weltkriegs zu den größten Lagern des gesamten Reichsgebietes1.

Wir besuchten gemeinsam mit Robert Streibel den Gedenkraum in Gneixendorf. Die Ausstellung kann von Mo-So (09:00 – 16:00 Uhr), von Juni bis September (bis 18:00 Uhr) besucht werden.

Bild aus der Ausstellung im Gedenkraum am Flugfeld Gneixendorf

Die bis zu 66.000 Kriegsgefangene wurden großteils bei den zahlreichen Arbeitskommandos außerhalb des Stalag untergebracht. Bei den sowjetischen Gefangenen war die Sterblichkeitsrate außerordentlich hoch, denn die Behandlung erfolgte nach rassistisch-ideologischen Motiven der Nazis2.

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Roma und Sinti in Salzburg

Am Stadtrand – aus den Augen aus dem Sinn

Während der nationalsozialistischen Herrschaft gab es im „Sammelplatz Maxglan“, einem streng abgeriegelten Lager, ein Zwangsarbeiterlager für die gefangenen Roma und Sinti aus Salzburg und Umgebung.

Das Denkmal wurde von der Radiofabrik 2009 im Rahmen eines EU-Projekts zur Aufarbeitung des NS-Anhaltelagers für Roma und Sinti auf Stadtgrund errichtet1.

Am Schwarzgrabenweg am Stadtrand von Salzurg nahe des Flughafens erinnert ein Denkmal, seit 2021 in der Obhut der Stadt Salzburg, an die hunderte Roma und Sinti, die hier eingesperrt und zur Zwangsarbeit gezwungen wurden2.

Ende März / Anfang April 1943 wurde das Lager Maxglan aufgelassen. Die Mehrzahl der rund 300 Roma und Sinti wurde in das KZ-Auschwitz deportiert, eine kleinere Gruppe kam in das sogenannte „Zigeuner-Anhaltelager“ Lackenbach.

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Studienreise: Krems – abseits der Marillen

An der Studienreise sind nur Mitglieder des Vereins teilnahmeberechtigt

Programm

Freitag, den 21. November 2025

  • 12:30 Abfahrt
  • 14:00 Ankunft im Hotel in Krems
  • 15:00 Ausstellung “Geschichte der Tabakfabrik Stein – zwischen Wohlfahrt und Widerstand” und Ich bin hier: Kunst im öffentlichen Raum: die symbolischen Teppiche auf Kremser Straßen und Plätzen.
  • 16:30 Die NS-Verbrechen im April 1945: Rundgang um die Steiner Strafanstalt und der Friedhof in Stein
  • 18:30 Abendessen
  • 19:30 Lesung: Der Wein des Vergessens (Arisierung der Kremser Winzer)

Samstag, den 22. November 2025

  • 08:00 Frühstück im Hotel
  • 09:00 Spaziergang durch Krems – Krems macht Geschichte
  • 11:00 Der jüdische Friedhof in Krems
  • 12:00 Mittagessen in Gneixendorf
  • 13:30 STALAG XVII B Krems-Gneixendorf (Rundgang am Flugfeld)
  • 15:00 Besuch der Gedenkstätte in Hadersdorf
  • 15:45 Besuch der Gedenkstätte in Fels am Wagram
  • 18:00 Ankunft in Wien

Anmeldung per E-Mail an rote.spuren@chello.at

Weitere Informationen zur Studienreise nach Krems

Programm

Die Kinder der Schweigenden

Die Großeltern des Filmemachers, Emanuel und Cäcilie Weiss, wurden am 19. November 1943 in Auschwitz ermordet. Zu Erinnerung an ihre ermordeten Eltern hat die Tante des Filmmachers die Köpfe ihrer Eltern modelliert. 

Fred Turnheim und sein Team, unseren Mitgliedern und Besucher:innen von der Veranstaltung “Die Kinder der Kämpfer” anläßlich des 12. Februar 1934 in der FAKTory bestens bekannt, widmet sich im zweiten Teil der Trilogie dem Erinnern und Schweigen der Überlebenden der Konzentrationslager.
Was bedeutet erinnern, wenn diejenigen, die vom unvorstellbaren Schrecken der NS-Konzentrations- und Vernichtungslager erzählen können, bald nicht mehr da sein werden? Wenn diejenigen, die die Entmenschlichung selbst er- und überlebt haben, das Geschehene nicht mehr bezeugen können?

In DIE KINDER DER SCHWEIGENDEN sprechen Überlebende sowie ihre Kinder und Enkelkinder über das Unfassbare und darüber, wie es (bis heute) nachwirkt – auch auf die Nachgeborenen. Wissenschaftler:innen ordnen das Erzählte ein. 

Erinnern für die Zukunft: Das Massaker im Zuchthaus Stein/Donau 1945

Heuer ist es 80 Jahre her, dass es am 6. April 1945 im Zuchthaus Krems-Stein – übrigens das größte der “Ostmark” – zu einem Massaker an hunderten politischen Häftlingen kam.

Während der NS-Gewaltherrschaft war die heutige Justizanstalt Krems-Stein das größte Zuchthaus (so nannte man damals die heutige Justizanstalt). Dieses war mit rund 1.800 Häftlingen – Widerstandskämpfer aus ganz Europa wurden hier eingesperrt, gequält und als Zwangsarbeiter ausgebeutet – mehr als überbelegt. Kurz vor Kriegsende kam die Weisung, alle Häftlinge sind freizulassen. Die Gefängnistore öffnen sich, doch SS, SA und Wehrmacht jagen und ermorden mehr als 500 Häftlinge.

Karl Reder beleuchtet in diesem Online-Vortrag die geschichtlichen Hintergründe und thematisiert dieses Massaker – die Ermordung von fast 500 Häftlingen am 6. April 1945.

Buchtipps zum Thema:

“Tod an der Schwelle zur Freiheit.

Das Zuchthaus Stein an der Donau wärend der Zeit des nationalsozialismus und die Ermordung von Häftlingen im April 1945″
von Karl Reder


Gebundene Ausgabe: 544 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und Tabellen
CLIO-Verlag, Graz 2024
ISBN: 978-3-903425-20-0

“April in Stein”, Roman
von Robert Streibel


Gebundene Ausgabe: 260 Seiten
Residenz Verlag
ISBN: 978-3-7017-1649-4

Studientag in Krems – Teil 1

NS-Lager und Zwangsarbeit im Bezirk Krems (1939 – 1945)

Am Freitag, den 29. November machten wir uns auf den Weg nach Krems. Brigitte besorgte für uns die Zugtickets und um 10:30 traffen wir Karin Böhm, die Kuratorin der Ausstellung “NS-Zwangslager im Bezirk Krems1, im Kremser Rathausfoyer.
Toll, dass sie sich am letzten Tag der Ausstellung für uns Zeit genommen hat.

Mehr Informationen gibt es dazu in “Erlebte ArbeiterInnengeschichte”.

MIT DEM BLUT DER ENTRECHTETEN ERBAUT – die Staatsbrücke in Salzburg

Der Bau der Dr.-Todt- Brücke (heute Staatsbrücke) war die größte Baustelle und wurde von der Mannheimer Baufirma „Grün und Bilfinger“ ausgeführt. Benannt wurde sie nach Dr. Friedrich Todt, Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, ab 1940 Reichsminister für Bewaffnung und Munition.1

„Eine hölzerne Notbrücke ersetzte die schon lange abgetragene alte Staatsbrücke (…) und auf dieser größten Baustelle in der Stadt sehe ich noch die in grauschmutzigen abgesteppten Kleidern an den Brückenpfeilern hängenden russischen Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter, ausgehungert und von rücksichtslosen Tiefbauingenieuren und Polieren zur Arbeit angetrieben; viele von diesen Russen sollen entkräftet in die Salzach gefallen und abgetrieben sein.“2

1941 begann der Bau der neuen Brücke; anfangs arbeiteten freiwillige „Fremdarbeiter“ aus Italien, Ungarn und der Tschechoslowakei. Doch der zunehmende Arbeitskräftemangel führte zur Einsetzung von jugoslawischen Zwangsarbeitern und französischen Kriegsgefangenen. Diese lebten in behelfsmäßig errichteten Baracken im Volksgarten.

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