Kann ein Gedenkstättenbesuch Antisemitismus vorbeugen? 

Besuche von KZ-Gedenkstätten sind moralisch stark aufgeladen und mit vielen Erwartungen an die dortige Vermittlungsarbeit verknüpft, sind sie doch Orte der Trauer, des Erinnerns und des Lernens zugleich. Gedenkstätten sollen die Gräuel der Schoa sowie Mechanismen der NS-Herrschaft durch ihre (vermeintliche) Authentizität vor Augen führen und dabei präventiv gegen Antisemitismus wirken.

  • Doch was sollen und können (KZ-)Gedenkstätten tatsächlich leisten?
  • Und welche Rolle können sie in der Prävention von Antisemitismus spielen?

Darüber diskutieren Dirk Rupnow, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Innsbruck, und Awi Blumenfeld, Leiter der historischen Kommission der Claims Conference in Tel Aviv/Wien/Berlin.

Moderation: Duygu Özkan, Redakteurin im Außenpolitikressort der Tageszeitung „Die Presse“.

Mittwoch, 8. Februar 2023

18:30 Uhr

Jüdisches Museum Wien – Museum Dorotheergasse
 
Eine Anmeldung ist erforderlich:
Tel.: +43 1 535 04 31-1510 oder 
E-Mail: events@jmw.at 

Vertrieben – Vernichtet – Vergessen

Jüdische Welser – Frauen, Männer, Kinder

Bei unserem Spaziergang in Wels entdeckten wir neben dem Denkmal für die Widerstandskämpfer:innen das Mahnmal an die jüdischen Welser:innen, die durch antisemitischen Terror ums Leben kamen.
15 namentragende Säulen, die hier an diesem kalten Novembertag, wie anklagende, stumme Opfer einer menschenverachtender Politik der Nationalsozialisten und ihrer Helfer:innen, die Gedenktafel tragen, und das Frösteln verstärken.

Mahnmal für die jüdischen Bürger im Pollheimerpark in Wels

Bereits im Dezember 2016 entdeckten wir die “Citymark“ zur Geschichte der Familie Neubauer in Wels. Im Haus Ringstrasse 8 führte die jüdische Familie Neubauer ein Textilgeschäft. Sie wohnte auch im Haus. Nach dem “Anschluss” Österreichs 1938 wurde die Familie aus Wels vertrieben. Geschäft und Haus wurden arisiert.

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Studienreise 2023 nach Bremerhaven

Für die Mitglieder des Vereins “Rote Spuren” bieten wir vom

17. bis 21. Mai 2023
eine Studienreise nach Bremerhaven an.
Drei Themenbereiche stehen im Mittelpunkt der Studienreise.
AUSWANDERUNG – KLIMA – GESCHICHTE

Auswandererdenkmal am Willy-Brandt-Platz in Bremerhaven

Von 1867 bis 1910 wanderten aus der Habsburgermonarchie 3 Millionen Menschen nach Nord- und Südamerika aus. Wirtschaftliche Not, Hunger, karge Löhne, Arbeitslosigkeit zwang die Menschen zur Flucht vor dem Verhungern.

Programm:

  • Mittwoch, den 17. Mai 2023: individuelle Anreise – Treffpunkt bei einem gemeinsamen Abendessen
  • Donnerstag, den 18. Mai 2023: Besuch des Auswandererhaus
  • Freitag, den 19. Mai 2023: Besuch des Klimahaus und ab 15:00 Uhr ein Programmpunkt zum Thema Arbeiter:innengeschichte
  • Samstag, den 20. Mai 2023: Ganztägig Arbeiter:innengeschichte (Räterepublik, Matrosenaufstände, Faschismus und Widerstand,…)
  • Sonntag, den 21. Mai 2023: Individuelle Heimreise
Organisatorisches

Wels – ein Mahnmal für Freiheit und Unabhängigkeit

Wir sind bei Welser Freund:innen zu Gast und nutzen einen kalten Dezembertag im Advent zur historischen Erforschung der Stadt.

42 Widerstandskämpfer der sogenannten „Welser Gruppe“ wurden am 28. April 1945 bei der letzten Vergasungsaktion im KZ Mauthausen ermordet.

„Viele haben sich damals von der NS-Propaganda blenden lassen, sind Hitlers Weg in Terror, Weltkrieg und Massenmord mitgegangen. Aber manche – wie die „Welser Gruppe“ – sind den schwierigen und oft tödlichen Weg des Widerstandes gegangen. An diese Menschen, die gegen den Faschismus und für ein unabhängiges Österreich gekämpft haben, erinnern wir uns als Vorbilder.“2

Gemeinderat Johann Reindl-Schweighofer (SP)

Die große Gedenktafel für die „Welser Gruppe“ wurde auf Betreiben des KZ-Verbandes im Pollheimerpark angebracht und am 28. April 1946 – genau ein Jahr nach der Ermordung der 42 Widerstandskämpfer – enthüllt. 3

Welser Gruppe“ ist eine Bezeichnung für WiderstandskämpferInnen gegen das Dritte Reich im Bezirk Wels. Die Bezeichnung „Welser Gruppe“ kam von der Gestapo. Laut dieser gehörten ihr insgesamt 158 Männer und Frauen an, die allesamt verhaftet wurden. In Wirklichkeit war sie größer und in den Gemeinden Ebensee, Stadl Paura, Lambach, Wels, Linz und Steyr verankert, wo sie in den wichtigsten Betrieben illegale Gruppen organisiert hatten, deren Zusammenfassung 1942 begann.
In Wels gab es ab 1919 eine kommunistische Organisation, die auch in den Perioden der Illegalität 1933-1938 und bis 1944 tätig war. 1941 wurden einige Mitarbeiter der Organisation verhaftet und verurteilt. Ab diesem Zeitpunkt legte die Gestapo besonderes Augenmerk auf das Gebiet Wels, da bekannt war, dass dort erfahrene KP-Funktionäre tätig und nach den Verhaftungen Schwachstellen vorhanden waren. Der Gestapo ist es dennoch nicht gelungen die Landesleitung, an deren Spitze Sepp Teufl stand, aufzudecken. Schlussendlich gelang es der Gestapo einen Spitzel einzuschleusen. Richard Bernaschek wurde von einem Gestapo-Beamten noch gewarnt, dass seine Verbindung mit Wels für ihn eine Gefahr darstelle, weil dort jemand für die Gestapo arbeite.1

Der Widerstand von Franz Schöringhumer

Vier Straßennamen wegen NS-Belastung werden in Linz geändert.

Eine Kommission von Expert:innen hat vier Namensgeber von Linzer Straßennamen als besonders NS-belastet herausgefiltert. Die Stadt Linz wird diese Strassen umbenennen.1

  • Komponist Hans Erich Pfitzner – überzeugter und radikaler Antisemit.
  • Ferdinand Porsche – er hatte eine zentrale Funktion in der NS-Kriegswirtschaft.
  • Unterhaltungskünstler Franz Resl – NS-Propagandist, der einen radikalen Antisemitismus vertrat.
  • Bischof Johannes Maria Gföllner – er propagierte 1933 in einem Hirtenbrief den Antisemitismus.
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Walk of FEM

Unsere zweite historische Station gemeinsam mit Uschi und Willi war der “Walk of FEM“. An der Ernst-Koref-Promenade, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Linz, entlang der Donau sind “goldene Sterne“ am Weg sichtbar. Wir vier hatten die Möglichkeit bei gewerkschaftlichen Bildungsmaßnahmen sich mit unserer eigenen Geschichte, der Arbeiter:innengeschichte, auseinander zu setzen. Deshalb können wir für uns auch einen Bezug zu einiger dieser gewürdigten Frauen herstellen. Insgesamt erscheint mir die begleitende Information etwas rar. Was würden die Frauen, an die hier erinnert wird“ zu ihrer Darstellung sagen?

Die beiden Linzer Künstlerinnen Margit Greinöcker und Betty Wimmer wurden der Entwicklung einer permanenten Gestaltungsvariante der „walk of fem-Sterne“ (LINZFEST 2008) auf der Ernst-Koref-Promenade zwischen Lentos Kunstmuseum und Brucknerhaus beauftragt.
Am Linzfest 2008 wurde ein temporäres „walk of fem“-Projekt umgesetzt. 2018 wurde die Einrichtung einer dauerhaften Variante beschlossen. Diese konnte im Mai 2021 installiert und in Betrieb genommen werden. Im ersten Umsetzungsschritt wurden 63 Sterne angebracht, wobei eine Ausweitung in den Folgejahren Teil des Konzepts ist.1

„Die Menschen, nicht die Häuser machen die Stadt”

Perikles
Film vom Nordico Stadtmuseum Linz
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Jugend im KZ

Die erste Studienreise des Vereins führte uns nach Erfurt, Von dort aus besuchten wir einen Tag die Gedenkstätte in Buchenwald im ehemaligen Konzentrationslager bei Weimar. In einem der Artikel „Das kleine Lager in Buchenwald“ schilderten wir wie Kinder gezielt zur Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie ins Konzentrationslager verschleppt wurden.

Eine On-Line-Ausstellung ruft uns das Schicksal der Kinder in Buchenwald in Erinnerung

Die Ausstellung widmet sich den Themen:

  • Herrenkinder und Ausgegrenzte
  • Jugend im KZ Buchenwald
  • Jugend im KZ Mittelbau-Dora
  • Verschleppt ins KZ
  • Ermordet im KZ
  • Erfahrungsräume
  • Befreiungen
  • Nach der Befreiung
  • Weiterleben ohne Kindheit

Erinnerungsstelen für die jüdischen Opfer in Linz

Mit Uschi und Willi, Mitglieder unseres Vereins, waren wir auf Spurensuche in Linz unterwegs. Im Mai 2022 wurden die ersten Erinnerungsstelen für jüdische Opfer des Nationalsozialismus in Linz aufgestellt. Nach der jahrelangen Verweigerung Stolpersteine in Linz zu montieren ein positives Signal an unsere jüdischen Mitbürger:innen.

Gedenken auf Augenhöhe

Mit den Erinnerungszeichen, die an verschiedenen Standorten in Linz für die jüdische Opfer des Nationalsozialismus errichtet wurden, ist ein ehrendes Gedenken ermöglicht und die Stadt Linz beschreitet nun einen ganz eigenständigen Weg. Die vom Künstler Andreas Strauss kreierten Messingstelen mit Klingeln verknüpfen auf sehr anschauliche Weise die wissenschaftlich basierte Aufklärung zu NS-Verbrechen mit der emotionalen Dimension des Erinnerns – und das mitten in Linz, dort, wo Unrecht geschehen ist. 

Erinnerungsstele in der Altstadt in Linz

Das Erinnerungszeichen am Alten Markt gedenkt Opfern an den Wohnadressen Altstadt 1, 3 und 22, wobei der Aufstellungsort etwa der historischen Adresse vom Haus Altstadt 3 entspricht, das im Eigentum der Familie Töpfer war – einem so genannten „Judenhaus“, wo Linzer jüdische Familien nach der Vertreibung aus ihren Wohnungen Unterschlupf fanden. Ernst Töpfer konnte nach seiner Inhaftierung in Dachau nach Palästina flüchten, seine Schwester Margarethe wurde 1942 in Izbica ermordet. Ihr Vater Joseph Töpfer flüchtete 1939 zu seiner Tochter nach Königgrätz, von wo er 90-jährig in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde, welches er nicht überlebte.

Übersicht über die erichteten Stelen

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Bericht über die Studienreise zur Geschichte der Rom:nija in Burgenland erschienen

In den nächsten Tagen bekommen die Teilnehmer:innen unserer Studienfahrt ein 32seitiges Berichtsheft zugesendet. Peter Drizhal hat diese Broschüre layoutiert und die jeweiligen Artikel mit Fotos ergänzt.

Diese Broschüre bekommen die Teilnehmer:innen zugesendet. Alle weiteren Mitglieder können sie gegen einen 10 Euro – Beitrag erwerben. Nichtmitglieder können sie um 20 Euro unter rote.spuren@chello.at bei uns bestellen.

Inhaltsverzeichnis

Jeder Millimeter hat einen Sinn

Margarethe Schütte-Lihotzky war die erste Architektin Österreichs und die Erfinderin der Einbauküche

Christine Sicher schreibt im “Zusammen“, dem Magazin des Integrationsfonds über das Leben von Margarethe Schütte-Lihotzky. Von Frauen die Häuser bauen, ihrem sozialen Engagement, ihrer Überzeugung als Widerstandskämpferin im Nationalsozialismus sind ihre Spuren in Wien zu finden.

Mit ihrem Wunsch, Architektin zu werden, stieß sie selbst bei ihren
liberalen Eltern auf Unverständnis. „Es war ja damals nicht vorstellbar, sich von einer Frau ein Haus bauen zu lassen.
Ich konnte es mir ja selbst nicht vorstellen“, erinnerte sie
sich. Aber sie setzte ihren Willen durch und studierte als erste Frau an der Wiener Kunstgewerbeschule Architektur.
Dort lernte sie, „dass jeder Millimeter, den man zeichnet, einen Sinn hat. Wenn er umgesetzt wird, beeinflusst er die tägliche Umgebung der Menschen entscheidend.“

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