Die SA-Jesu Christi in Steglitz und wichtiger Widerstand gegen die Nazis

Aus einer lokalen, um 1930 in Thüringen entstandenen Gruppierung ging im Jahr 1932 die “Glaubensbewegung Deutsche Christen” hervor. Die streng nach dem Führerprinzip organisierte Bewegung bezeichnete sich als “SA Jesu Christi” und bekannte sich zu einem “positiven Christentum”, wie es in Artikel 24 des Parteiprogramms der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) propagiert wurde. Die Deutschen Christen forderten “Rassenreinheit” als Bedingung für eine Kirchenmitgliedschaft und die Loslösung der evangelischen Kirche von jüdischen Wurzeln. Bei den Kirchenwahlen in der Altpreußischen Union, der größten der weitgehend selbständigen deutschen Landeskirchen, erhielten die Deutschen Christen im November 1932 fast ein Drittel der Stimmen.1

Von der Schwartz‘scher Villa sind wir mit Trille zur Evangelischen Matthäus-Kirche unterwegs. Ein kreisrunder, großer, heller Fleck zeigt die ehemalige Stelle, wo das NS-Zeichen der faschistischen Christen hing. Hier sind Grabsteine von Toten, die sich als Volkssturm noch Schießereien mit der Sowjetarmee geliefert haben.

Widerstandsgruppe „Onkel Emil“

Die Zelle der Widerstandsgruppe “Onkel Emil” entstand in einem Wohnhaus am Hünensteig 6 in Berlin-Steglitz. Hier bewohnten die Journalistin Ruth Andreas-Friedrich (1901 – 1977) und der aus Russland stammende Dirigent Leo Borchard (1899 – 1945) zwei Wohnungen, zusammen mit Ruths Tochter Karin Friedrich (geb. 19252).

Die Gruppe half als privates Netzwerk unter hohem persönlichen Risiko verfolgten Juden und anderen Verfolgten des Nazregimes mit Verstecken, Verpflegung und Papieren. Außerdem unterstützte sie die Familien politisch Verfolgter und verbreitete Flugblätter der „Weißen Rose“3.

Eine öffentliche Ehrung von Ruth Andreas-Friedrich durch den Berliner Senat scheiterte 1965 im Gegensatz zur Aufnahme in die Liste der “Gerechten unter den Völkern” in Yad Vashem 2002, aber seit 1990 trägt ein kleiner Park in Berlin-Steglitz ihren Namen, und am Haus der “Clique” am Hünensteig 6 hängt eine Gedenktafel für die stillen Helden, die keine sein durften, damit die bundesdeutsche Nachkriegs-Lebenslüge “der Ahnungslosen, man habe nichts machen können” (Wolfgang Benz), nicht platzte.

Marlene Dietrich

Trille erläutert die Geschichte von Marlene Dietrich

Marlene Dietrich weigerte sich für die Nazis aufzutreten, die den Hollywoodstar „Heim ins Reich“ zurückholen wollten, und schlug alle lukrativen Angebote von Hitler und Goebbels aus. Im Falle einer Rückkehr wurde ihr ein Triumphzug durchs Brandenburger Tor versprochen.4

Marlene hatte in Paris enge Kontakte zu geflohenen jüdischen Künstler*innen und Intellektuellen und erfuhr durch sie vom immer brutaler werdenden Antisemitismus in Deutschland: „Als wir nach Paris kamen, war das Zimmer meiner Mutter, zum Beispiel ihre Suite im George V, ein Ort, den jeder Flüchtling, insbesondere aus Berlin, aufsuchte. Sie wussten, hier bekamen sie etwas zu essen, hier bekamen sie Geld, hier bekamen sie Arbeit, wenn es welche gab“, erinnert sich Marlenes Tochter Maria an die Zeit in Paris, der für viele Emigrant*innen ersten Anlaufstation.

In der Endphase des Krieges war sie in der Truppenbetreung der US-Armee tätig und trat als Künstlerin bei Veranstaltungen auf. Im Nachkriegsdeutschland wurde sie deshalb öfters bei Aufführungen ausgebuht.

Endphasenverbrechen

Als Endphaseverbrechen oder Verbrechen der Endphase werden nationalsozialistische Verbrechen bezeichnet, die in den letzten Wochen und Monaten des Zweiten Weltkrieges begangen wurden.

Hunderte kamen in der letzten Dämmerung des „Dritten Reichs“ in Berlin durch Lynchjustiz ums Leben, manche noch in den letzten Stunden vor der Kapitulation. Die Opfer kamen aus allen Teilen der Bevölkerung: Soldaten, Zivilisten, Frauen, Männer, Nazis, Sozialdemokraten, Jugendliche. 

Rehabilitiert wurden die Opfer erst sehr spät. Die Standjustiz der Nazis wurde noch bis in die 80er Jahre hinein von bundesdeutschen Gerichten als rechtmäßig angesehen. Der ehemalige Nazi-Richter und Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Hans Filbinger, brachte das auf die zynische Formel „Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein.“ Erst 1991 stellte das Bundessozialgericht fest, dass die Tötungen wegen „Fahnenflucht“ und „Wehrkraftzersetzung“ Verbrechen waren.5


Quellenverzeichnis:

  1. Deutsche Christen Claudia Prinz © Deutsches Historisches Museum, Berlin, 15. Juli 2015 ↩︎
  2. Süddeutsche Zeitung am 18. Mai 2020, Rezension von Rudolf Walther ↩︎
  3. Wikipedia – Gruppe Onkel Emil ↩︎
  4. Antifaschistisch:innen aus Anstand ↩︎
  5. Tagesspiegel am 2.5.2018 ↩︎

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