Im (Früh)Sommer 1933 entstanden in Börgermoor und Esterwegen die ersten im Deutschen Reich vollständig neu als Muster-Barackenlager vom Preußischen Staat geplanten und errichteten Konzentrationslager, Neusustrum folgte im September. Das Konzentrationlager wurde als Doppellager für 2.000 Häftlinge zwischen Juni und August 1933 errichtet. Wegen massiver Schikanen und zahlreicher Mordfälle sprachen die Häftlinge schon bald von der „Hölle am Waldesrand“. Es wurden vorwiegend politische Häftlinge in „Schutzhaft“ dort inhaftiert.1
wir besuchen an zwei Halbtagen, weil die Fülle der Informationen und die „Schwere des Geschehens“ auf einmal für uns nicht verlautbar ist. Es sind zusätzlich mehrere Ausstellungen hier untergebracht und das Gelände des ehemaligen Konzentrationslager als Gedenkort gestaltet. Ich werde unsere Besuche in zwei Blogbeiträge aufteilen. In diesem Artikel den Besuch des ehemaligen Lagergeländes.
Nach dem Besuch der Gedenkstätte Börgermoor radeln wir weiter zum Friedhof Esterwegen. Wir erreichen auf Umwegen den Parkplatz von dem man auf einem Weg umgeben hohen Büschen zum Friedhof gelangt.
Raum des Gedenkens an die „Moorsoldaten“ – wir stehen kahl und stumm
Die namenlosen Grabsteine stehen auf einer Grünfläche umgeben von einer dichten Baumreihe. Die Bäume beschützen die Toten und geben dem Friedhof einen Raum des Gedenkens. Dieser „gesicherte“ Raum des Gedenkens versperrt auch den Blick von aussen. Diese Anlage bietet einen emotionalen Schutzraum im Erinnern an die Leiden und Schmerzen abseits der Hektik des Alltags. Die Bäume brechen das einfallende Licht und geben der Zeit eine für mich eigene Dimension. Die „steinernen“ Gedenksteine sind das natürliche Gegenstück zum Moor, wo diese Menschen gestorben sind. Als würden sie anklagend schreien: „Uns kann das Moor nicht verschlingen!“
Ich empfinde den Friedhof als einen Raum wo ich jetzt traurig, suchend, wütend oder einfach nur still sein kann. Ich fühle mit den Opfern und spüre einerseits die Schwere des Ortes und bin gleichzeitig froh, dass hier Gelegenheit zum historischen Lernen geschaffen wurde. Mit den Gedenktafeln und Symbolen des Mahnens wird uns als Besucher:innen der Weg zu den entscheidenden Fragen geebnet – wie konnte es dazu kommen? Wer waren die Täter? Welche politischen Strukturen haben das ermöglicht?
Und doch hat diese gesicherte Abgeschlossenheit ihre Kehrseite. Zwei Tage später sind wir mit dem Auto daran vorbeigefahren und wir haben nichts gesehen. Würde das Hinweisschild fehlen wären die Toten eine Insel der Geschichte.
Das Denkmal als Zeuge in der Zeit
Denkmäler und Gedenkstätten im Friedhof klagen die Täter an und erinnern an die 1.343 Opfer, die begraben sind. Die Willkür des Tötens der Wachmannschaften wir ersichtlich, dass die genaue Opferzahlen nicht bekannt ist und nur 813 begrabene Menschen namentlich erfasst sind.
Im Herbst 1963 stellte die Essener Gewerkschaftsjugend der IG Bergbau ein Mahnmal zur Erinnerung an den Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky (1889 – 1938) – einem der bekanntesten Häftlinge des KZ Esterwegen – auf.
Die Hauptfigur des Romans „Bambino“ liefert sich gewalttätige Exzesse in den verschieden zeitgeschichtlichen Epochen von Triest nach der Monarchie der Habsburger. Zerrissen zwischen den Gefühlen für seinen antifaschistischen Vater und der Suche nach seiner slowenischer Mutter schliesst er Sicht den Schwarzhemden der Faschisten an. Als gefürchteter brutaler Schläger und Opportunist zeigt uns Bambino das Triest in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert. Marco Balzano gelang es hervorragend eine spannende Lebensgeschichte mit den zeitgeschichtlichen Umbrüchen von Triest zu verknüpfen.
Hardcover Leinen, 256 Seiten, erschienen am 21. Januar 2026 im Diogenes Verlag 978-3-257-07352-2
Brigitte und ich besuchten während unserer Ostertour die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslager in Gusen. Vorher besuchten wir im November 2025 eine Informationsveranstaltung im Roma-Dokumentionszentrum, wo der Historiker Mag. Robert Vorberg die Erweiterungspläne zur Neugestaltung der Gedenkstätte vorstellte.
Die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers Gusen war in Österreich über Jahrzehnte weitgehend unbekannt. Das KZ Gusen in Oberösterreich war ein wesentlicher Teil des KZ-Lagersystems Mauthausen. Nach 1945 wurde das Areal des Lagers Gusen mit Wohnhäusern überbaut und von Gewerbe- und Industriebetrieben genutzt. Nur um den Krematorium-Ofen entstand eine von ehemaligen Häftlingen initiierte internationale Gedenkstätte.
Die Erinnerungszeichen sind permanente, von der Linzer Stadtverwaltung errichtete Stelen, die ein personalisiertes Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus im Stadtraum ermöglichen — insbesondere als Erinnerung an verfolgte, vertriebene und ermordete Linzer Jüd:innen.
Quelle: https://linzerinnert.at/
Im Dezember 2022 haben wir in einem Blogartikel erstmals an großteils jüdischen Opfer der Verfolgung erinnert – Erinnerungsstelen für die jüdischen Opfer in Linz. Heute nutzen wir einen Rundgang im Rahmen eines Adventure Lab, um uns mit den Stelen und den darauf genannten Opfern auseinander zu setzen.
Hier auf der Stele im Schillerparkwird Johanna Richter genannt. Johanna Richter kam 1878 als Johanna Fischer und Tochter des Bernhard Fischer und der Julie, geborene Herman, in Chiesch (Chyse, ČR) zur Welt. 1907 erfolgte die Übersiedlung der Familie nach Linz. Sie bezog ihre Wohnung an der Landstraße 71. Im selben Haus richtete Julius Richter seine Arztpraxis ein. Das Ehepaar war in mehrere Linzer Vereine, nichtjüdische wie jüdische, eingegliedert. Ihr älterer Sohn Hans folgte seinem Vater im Arztberuf nach. Er war Sozialdemokrat und unter den Linzer Arbeiterinnen und Arbeitern als moderner und uneigennütziger Arzt sehr gefragt. Ab 1934 gelang es den Protagonisten des austrofaschistischen Regimes den jüdischen Arzt sukzessive an seiner Arbeit zu hindern. Diese schleichende Verfolgung mündete schließlich in einer Anklage, in einem Schauprozess und einem Dr. Hans Richters weitere Arbeit zunichte machenden Urteil. In dem ganzen Vorgehen wird der dem christlich-deutschen Ständestaat innewohnende und von Bischof Gföllner noch geförderte Antisemitismus deutlich. Dem Sohn gelang eine Flucht nach Argentinien. In letzter Minute konnte er auch seine betagte Mutter zu sich holen. Johanna Richter starb 1955 und wurde in Buenos Aires begraben.
Am OK-Platz in Linz treffen wir gute Freun d:innen. Den Treffpunkt haben wir wegen eines interessanten Mahnmals ausgewählt.
Es ist nie zu spät, Frauen, die unter höchstem Risiko Widerstand leisteten, ein Denkmal zu setzen. Sie sind Vorbilder für Demokratie – die Brücke zur Gegenwart.
Martina Gugglberger, Historikerin
Jeden Samstag um 5 vor 12 Uhr würdigt die Audio-Skulptur am OK Platz mit einem lauten Aufschrei eine Frau, indem ihr Name, sowie der Ort und die Art ihrer Widerstandshandlung genannt werden. Mit diesem einzigartigen Projekt entsteht inmitten der Landeshauptstadt ein Ort, der auf die von der Gesellschaft bisher kaum beachtete Rolle von Frauen im Widerstand gegen das NS-Regime aufmerksam macht. Wir treten durch die Ringe wird durch einen Bewegungssensor eine Tonspur ausgelöst und wir erfahren mehr über die mutigen Taten der bisher wenig bekannten Heldinnen.
Lesung zu Widerstand und Verfolgung in Wiener Gemeindebauten
Terminam 13. April 2026 um 18.30 Ort: in den SOHO Studios im Sandleitenhof (Liebknechtgasse 32, 1160 Wien) mit Michael Achenbach, Peter Autengruber, Winfried R. Garscha, Claudia Kuretsidis-Haider und Manfred Mugrauer; Anmeldungen per E-Mail an info@sohostudios.at
Die Regierung von Mexiko, in steter Beachtung der Grundsätze der Satzung und getreu ihrer internationalen Politik, die keine durch Gewalt erfolgte Eroberung hinnehmen kann, protestiert auf das entschiedenste gegen die Aggression von außen, der Österreich vor kurzem zum Opfer gefallen ist. Sie erklärt vor der öffentlichen Meinung der Welt, dass ihrer Meinung nach der einzige Weg zur Erreichung des Friedens und zur Vermeidung weiterer internationaler Anschläge, wie jene auf Äthiopien, Spanien, China und Österreich, die Erfüllung der Verpflichtungen aus der Satzung, den abgeschlossenen Verträgen und den Grundsätzen des Völkerrechts ist. Andernfalls würde die Welt leider früher oder später von einer weit größeren Katastrophe erfasst werden als jener, die man zu vermeiden sucht, indem man außerhalb des Gefüges des Völkerbundes handelt1.
In der Sitzung des Völkerbundes unterstützten das republikanische Spanien, die Sowjetunion und Chile den Protest2. Bei unserer gestrigen Tour durch die Leopoldstadt besuchten wir dieses Denkmal.
Gestiftet wurde das Denkmal von Stadt Wien Enthüllung des Gedenksteins im Jahre 1985 durch Bürgermeister Helmut Zilk und den Botschafter von Mexiko Roberto de Rosenzweig-Diaz.
Zum Gedenken an die mexikanische Protestnote stiftete die Republik Österreich 1988 ein Denkmal in Mexiko City3.
Es gab hier bereits eine temporäre Installation, die gegen den Opfermythos Österreichs, der nach dem Zweiten Weltkrieg bis weit in die 1990er Jahre strapaziert wurde.
Quellenverzeichnis
Die Arbeiter von Wien, Hrsg. Kurt Stimmer im Auftrag des Bildungsausschusses der Wiener SPÖ, Jugend und Volk 1988, Seite 69 ↩︎
Antifaschistische Denkmäler und Gedenkstätten – das rote Wien↩︎
Am Weg zu einem Meeting während unserer Studienreise in Athen entdeckten wir in einer Fußgängerzone im Zentrum von Athen diese Gedenkstätte. Vor ein paar Tagen recherchierte ich auf der Plattform „Gedenkorte-Europa 1939 – 1945“ und fand bezüglich dieser Gedenksäulen einen Eintrag.
Am 20. September 1942 verübten Mitglieder der bürgerlichen Widerstandsorganisation PEAN (Panhellenische Union der kämpfenden Jugend) unter Führung ihres Chefs Kostas Perrikos einen Sprengstoffanschlag auf das Büro der ESPO (Nationalsozialistische patriotische Organisation) in der Gladstonos. Die zweite und dritte Etage des Gebäudes, in dem die ESPO – die sich u.a. zum Ziel gesetzt hatte, rechtsgerichtete freiwillige Soldaten und Offiziere zu einer griechischen Einheit der Waffen-SS für die deutsche Ostfront zu rekrutieren – ihren Sitz hatte, wurden von der deutschen Wehrmacht genutzt.
Das Archiv für Zeitgeschichte der Sozialwissenschaften (ASKI) ist das führende griechische Archiv für die Geschichte politischer und sozialer Bewegungen. Es wurde 1992 als gemeinnützige Organisation gegründet und befindet sich im Zentrum von Athen. ASKI dient als Treffpunkt für wissenschaftliche Forschung und öffentliche Projekte, die sich mit der Geschichte der Linken, den transnationalen Verbindungen sozialer Bewegungen und dem Dialog zwischen historischer Erinnerung und aktueller Politik befassen1.
Manos Avgeridis und Ioanna Vogli – hier mit Milena und Sissi bei der Begrüßung und Einleitung im ASKI.
Wir durften die erste Zeitung der Arbeiterzentrale (Zusammenschluss örtlicher Arbeitervereine; sie übernahmen u.a. die Leitung bei Streiks) in Volos im ASKI fotografieren.