In Kokkinia entstand als eine der größten Flüchtlingssiedlungen am Rande von Piräus. Die Flüchtlinge stammten vor allem aus der Gegend um Smyrna (heute Izmir). Seine Entstehung und Entwicklung sind untrennbar mit den großen Fluchtbewegungen des 20. Jahrhunderts und dem politischen Widerstand verbunden. 1940 wurde der Stadtteil zu Ehren der antiken Stadt Nikaia (Nicäa) in Kleinasien in Nikaia umbenannt.
Eleni Kyramargiou und Olga Lafazani führen uns durch den Stadtteil. Am Beginn war uns das Wetter noch hold.
Die Arbeit der armenischen Fotografen, der Brüder Dirdilian, hat seltene Momentaufnahmen aus den Anfängen der Flüchtlingssiedlung Nikaia bewahrt – Zeugnisse, die es für andere Flüchtlingsviertel nicht gibt.Weiterlesen →
Die britische Regierung befürwortete die Rückkehr des Königs auf den griechischen Thron. Als wichtigster Wahrer britischer Interessen in Griechenland stand er für eine wohlgesinnte – also nicht zur EAM gehörende und nicht kommunistische – griechische Regierung. Großbritannien war sehr daran gelegen, die Kontrolle über die Meeresrouten im südöstlichen Mittelmeer zu sichern, über die es mit seinen indischen Kolonien kommunizierte, und wollte Griechenland als Barriere gegen eine sowjetische Präsenz im Mittelmeer etablieren. Darüber hinaus waren mehrere große britische Unternehmen insbesondere im griechischen Energie-, Transport- und Bausektor aktiv und britische Banken hielten eine beträchtliche Anzahl an griechischen Staatsanleihen in ihren Portfolios. Die griechische Regierung hatte 1932 infolge der weltweiten Finanzkrise von 1929 Konkurs angemeldet. Eine EAM-Regierung würde die Gewinne und Interessen der britischen Unternehmen stark beeinträchtigen1.
Dass Geschichte von Menschen gemacht wird, die nicht wussten, wie es ausgeht. Wir neigen dazu, die Vergangenheit als unvermeidlich zu betrachten. Aber für die Akteure damals war alles offen. Diese Offenheit der Geschichte wiederzuentdecken, ist für mich die wichtigste Aufgabe des Historikers.2
Mahnende Zeugen des britischen Imperialismus
Kostis führt uns Im Athener Vorort Kaisariani zu einer Reihe von ehemaligen Flüchtlingswohnhäusern aus der Zwischenkriegszeit. Ihre Mauern sind von Einschusslöchern aus der Schlacht um Athen 1944 übersät, als britische Truppen die verschanzten Kämpfer der ELAS angriffen, die den Zugang zum Viertel kontrollierten.
Rechts von uns steht ein blinkendes Feuerwehr-Fahrzeug – sie räumen mit ihrer Motorsäge größere Sträucher weg. Dann taucht ein Polizeifahrzeug auf, der Polizist unterhält sich kurz mit Kostis.
Unser erster Programmpunkt am Sonntag in Athen war ein Stadtspaziergang in Kaisariani zum Thema „Dangerous Citizens: Refugees and Communists“ mit Kostis Karpozilos. Nach einer Busfahrt treffen wir Kostis. Kostis Karpozilos promovierte 2010 am Institut für Geschichte und Archäologie der Universität Kreta und ist Assistenzprofessor an der Panteion-Universität in Athen für Geschichte und Politikwissenschaft.
Er führt uns von der Bushaltestelle durch einen Park zu Gedenkstätte Kesariani. Ab 1942 diente der Schießstand als Hinrichtungsstätte vor allem für im KZ Chaidari inhaftierte griechische Antifaschisten und Widerstandskämpfer.
Am Tag der Arbeiter:innenbewegung am 1. Mai 1944 wurden hier 200 griechische Kommunisten hingerichtet.
Leider war die Gedenkstätte versperrt. So konnten wir nur ein Foto durch das Gitter machen.
„Diese Gedenkstätte ist unlösbar mit der Geschichte Ihres und meines Volkes verknüpft… Kein Mensch, zumal kein Deutscher, kann hier stehen, ohne von der Botschaft dieses Ortes tief berührt zu sein.1“
Im Jahr 1984 wurde das zuvor nach wie vor als Schießstand genutzte Areal vom griechischen Kultusministerium als historisches Denkmal ausgewiesen2. Auf mich wirkten die großen schwarzen Platten mit den eingravierten Namen wie mahnende Monumente, streng geordnet wie in Reih und Glied stehende griechische Widerstandskämpfer:innen, die wegen ihres Kampfes für Freiheit und Demokratie vor den Wehrmachtssoldaten des grausamen Nazi-Regimes zur Hinrichtung angetreten sind.
Auf dem Weg zum Schießstand sangen die Verurteilten – politische Gefangene und Exilanten – Lieder, schrieben Briefe an ihre Angehörigen und Kameraden und warfen sie vom Lastwagen. Es war üblich, dass die Opfer Briefe von den Lastwagen warfen, die sie zur Hinrichtung brachten, und verzweifelt versuchten, den Familien, die sie zurückließen, ihre Liebe und ihre letzten Worte zu übermitteln3
Die atemberaubende Biografie von Marie Langer reflektiert die globalen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts.
Fesselnd und anhand zahlreicher Anekdoten plaudert Marie Langer in ihren „Erinnerungen” über ihre Kindheit und Jugend in Wien, ihre Familie, ihren Werdegang als Ärztin und Analytikerin, das politische Engagement nicht nur im Spanischen Bürgerkrieg und ihr Ankommen in Lateinamerika.
Ulrike Schmitzer hat die Erinnerungen von Marie Langer jetzt herausgegeben. Neben Ulrike Schmitzer ist auch Irene Filip auf dem Podium, die Betreuerin des Spanienarchivs des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes. Es moderiert Matti Bunzl.
Marie Langer (1910 in Wien–1987 in Buenos Aires) war eine österreichische Ärztin und Psychoanalytikerin. 1933 wurde sie Mitglied der bald darauf verbotenen Kommunistischen Partei Österreichs, 1935 schloss sie ihr Medizinstudium ab und arbeitete in der Frauenabteilung einer psychiatrischen Klinik. 1936 engagierte sie sich mit ihrem späteren Ehemann Max Langer im Spanischen Bürgerkrieg (Sanitätsdienst der Internationalen Brigaden), 1939 heirateten sie und gingen nach Uruguay, 1942 nach Argentinien. Dort arbeitete Marie Langer als Psychoanalytikerin und engagierte sich weiterhin politisch. 1974 musste sie Argentinien verlassen, weil ihr Name auf den Todeslisten der Alianza Anticomunista Argentinia stand. Zunächst ging sie nach Mexiko, später nach Nicaragua, wo sie weiterhin als Analytikerin tätig war.
Erscheinungstermin: 9. März 2026 ISBN: 978-3990651490
Die Sprengung der Gorgopotamos-Eisenbahnbrücke am 25. November 1942 gilt bis heute als der größte und mutigste Moment des Widerstands gegen die deutsche Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg.
Gorgopotamos bridge. Public Domain
Die Brücke nach der Sprengung. Wir besuchten die Brücke und das Denkmal bei einem Zwischenstopp auf der Fahrt nach Thessaloniki.
Der Busfahrer bringt uns vorbei an Olivenhainen auf engen Straßen in die Nähe der Brücke. Das erste Denkmal am Weg erinnerte an die Todesopfer anläßlich einer Minenexplosion von 1964. Toni, Michael und suchten uns nach der Einführung von Sissi einen Weg zu den stählernen Sockel der Brückenpfeiler.
GorgopotamosBrücke heute
Die Gorgopotamos-Brücke wurde von einhundert Italienern und fünf deutschen Soldaten bewacht, alle mit schweren Maschinengewehren. Ihre Neutralisierung erforderte nicht nur Schnelligkeit, sondern auch eine enorme Menge Sprengstoff. Das Widerstandsteam bestand aus einhundertfünfzig Mann: 86 Angehörige der ELAS, 52 der EDES sowie zwölf britische Soldaten. Der Plan sah vor, dass die Griechen die Wachen ausschalten oder ablenken sollten, während die Briten die Sprengsätze entlang der Brücke platzierten. Um 23:07 Uhr in der Nacht zum 25. November begann der Angriff auf die Wachen an beiden Enden der Brücke1.
1973 wurde ein Denkmal, das an die neun griechische Patrioten erinnert, die am 1. Dezember 1942 von den deutschen Besatzungstruppen an der Stelle der zerstörten Brücke öffentlich hingerichtet wurden.Weiterlesen →
Milena und Sissi bereiteten für uns eine Übersicht über die jüngere griechische Geschichte vor. Dazu trafen wir uns in den Räumlichkeiten der Redaktion von Epochi. Epochi ist eine griechische Wochenzeitung. Es wurde erstmals 1988 in Athen veröffentlicht und ist bis heute im Umlauf.
Von 1913, der Eingliederung Thessalonikis zum griechischen Staat, bis zur Ermordung von Shehzad Luqman und Pavlos Fyssas 2013 behandelten wir die wichtigsten politischen Ereignisse dieser 100 Jahre.
Nicolas Cassandras, aus dem Französischen übersetzt von Martin Donner, 1968 erschienen im Verlag des ÖGB
Skylla ist ein Meeresungeheuer aus der griechischen Mythologie Die Charybdis (Χάρυβδις) war ein gestaltloses Meeresungeheuer aus der griechischen Mythologie, das gemeinsam mit der Skylla in der Straße von Messina lebte.
Bei der Zusammenfassung der Texte habe ich versucht die starken antikommunistischen Darstellungen und Haltungen, von denen große Teile der Sozialdemokratie und Gewerkschaften, nach 1945 bis in die jetzige Zeit geprägt sind, abzuschwächen und heraus zu filtern. Diese „inhaltliche Gratwanderung“ wird aber durch andere Texte unseres „Readers“ ausgeglichen. Für die Begriffserklärungen habe ich anderen Quellen verwendet. Es war hilfreich, weil es für mich ein weiterer Leitfaden durch die griechische Geschichte des 20. Jahrhundert war.
Mittags treffen wir uns zur Anreise nach Athen am Flughafen in Schwechat. Damit wir diese Studienreise starten konnten, war ganz viel Engagement und Vorbereitungsarbeiten notwendig. Herzlichen ❤️❤️❤️ Dank an Sissi, Milena, Rainer, Ingrid und Brigitte, die seit mehr als einem Jahr die Vorbereitungsarbeiten getragen haben.
Milena und Sissi checkten vor Ort den Einstieg in die Studienreise und bereiteten uns einen herzlichen Empfang im Hotel. Mit ersten griechischen Köstlichkeiten ging’s zum ersten Treffen auf der Dachterrasse, um uns mit dem Programm vertraut zumachen. Zum vertieften Kennenlernen hatten sie schon Plakate für uns vorbereitet.
Annähernd 1000 Jahre Erfahrung wandeln auf den ROTEN SPUREN.
Ganz viele Unterschiede und Gemeinsamkeiten treffen sich hier zu einer Geschichtetour. Im Raum spürte ich Lust, Vergnügen, großes Interesse und „wohlige Spannung“ auf die kommenden Programmpunkte. Unser gemeinsamer Spannungsbogen geht von Science fiction über Freude am Singen, Gewerkschaft bis zum gesellschaftspolitischen Interesse. Hier treffen sich Ober- und Niederösterreicher:innen, Wiener:innen, Eltern, Betriebsrät:innen, Arbeiter:innen, Angestellte, Akademiker:innen, Gewerkschafter:innen, Brillenträger:innen , Camper und Wanderer. Wir starten im Februar 2026 unsere „Odyssee“ in Athen. In welche Sphären wie damals StanleyKubrick mit seinem Film vorstieß , da lassen wir uns mal auch etwas überraschen.
Veranstaltung Mensch – Kämpferin – Märtyrerin Schwester Restituta (Helene) Kafka und ihre Briefe aus der Haft
Im Kloster der Franziskanerinnen von der christlichen Liebe (“Hartmannschwestern”) in Wien Margareten besuchen wir die Dauerausstellung “Restituta – Glaube gegen NS”-Gewalt” und Sr. Ruth Beinhauer präsentiert ihr Forschungsprojekt zu den Briefen Sr. Restitutas / Helene Kafkas aus der Haft.
Sr. Maria Restituta (Helene) Kafka war eine österreichische Ordens- und Krankenschwester und Widerstandskämpferin zur Zeit des Nationalsozialismus. Sie ist die einzige Ordensfrau, die von den Nazis für ihren Glauben und Widerstand nach einem Gerichtsprozess mit Todesurteil ermordet wurde. 1998 wurde sie als erste Märtyrerin Österreichs seliggesprochen.
“Sie hat geholfen ohne Rücksicht auf Nationalität oder Weltanschauung, ob jemand katholisch war oder konfessionslos oder kommunistisch war oder sozialdemokratisch oder christlich-sozial, da hat sie weder gefragt, noch hatte es irgendeine Bedeutung für sie. […] Sie hat die Menschen sichtlich wirklich gerne gehabt.”
Anna Haider, die 1942 vom Volksgerichtshof wegen kommunistischer Betätigung zu 15 Jahren zuchthaus verurteilt wurde, sprach 1946 im radio über ihre mitgefangene helene kafka.1
“Diejenigen, die uns schuldeten, nehmen uns noch die Ochsen” (griechisches Sprichwort)
“Was ist der Unterschied zwischen dem Griechenland zur Zeit der Perserkriege und heute? Damals wurden 300 geopfert, um den Rest des Landes zu retten. Heute verhält es sich umgegkehrt.” (Slogan auf dem Platz der Verfassung: das griechische Parlament hat 300 Abgeordnete)
“Arme, esst euch nicht gegenseitig auf, esst die Reichen, sie sind besser gemästet” (Graffito in Athen)1
Quellen: Lüddemann Ralf – Zu den Anfängen der Arbeiterbewegung in Griechenland 1875 – 1918 Andere Quellen sind mit Fußnoten bezeichnet. Ab 1918 immer andere Quellen. weitere Hauptbezugsquelle das Heft 10 von 1957 Arbeit und Wirtschaft.