Wiener ARBEITS – FILM – FESTIVAL

Wir haben uns am 1. Mai im Gartenbaukino AMS – Arbeit muss sein – das Preview zum Wiener Arbeitsfilmfestival angesehen.
Der Film ist eine pointierte Systemkritik, wo das AMS als Vollzugsorgan der kapitalorientierten Arbeitsmarktpolitik bloß gestellt wird. Einerseits schreien fast täglich rechte, schwarze Wirtschaftsexpert:innen aus FPÖ, ÖVP und ihre „Lobbyclubs“ wie Agenda Austria, die Industriellenvereinigung und die Wirtschaftskammer, dass wir länger arbeiten müssen. Aber wo ist die Bereitschaft „ihrer“ Unternehmen ältere Arbeitslose Menschen zu beschäftigen.

Der Film taucht ein, garniert mit einer Brise Satire, in die Not einer 58-jährigen arbeitslosen Arztpraxishelferin. Sie verfängt sich im fiktionales AMS, das „Arbeitsplatz-Matching-System“. Sie findet sich wieder in eine Weiterbildungsklasse, wo beim Unterricht mit einem rechtspopulistischen Klangschalenzauberer der Keim der Solidarität entsteht. Trotz der späten Stunde saßen wir gebannt und fasziniert im Kino und warteten auf die nächsten solidarisch organisierten Gegenstrategien gegen ein System, dass Menschen zu Nummern, Statistikeinheiten reduziert.

Uns ist klar, dass viele Beschäftigte am AMS grossartige Arbeit leisten und sicherlich mit viel Empathie für die betroffenen Menschen tätig sind. Dahinter steckt allerdings auch ein System, das von Algorithmen, Daten und Statistiken geleitet wird.

„Anstelle eines tristen Sozialdramas ein schwungvolles Offbeat-Musical.“ (Lukas Foerster) 

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Partisan:innen stoppten Nazi-Barbarei

Am 9. Mai 1945 endete in Europa der Zweite Weltkrieg, die deutsche Wehrmacht kapitulierte. Dieser Tag ist ein Freudentag, weil er das Ende des Mordens, der Folter, der Hinrichtungen und der Barbarei bedeutete. Österreich befreite sich nicht selbst, nur die wenigsten leisteten Widerstand. Der Kampf der Partisan*innen, unter anderem in Kärnten/Koroška, war dabei der wichtigste, effektivste und militärisch relevanteste „eigene Beitrag“ zur Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen Herrschaft.

Das Foto wurde im Vorjahr bei der Gedenkfeier aufgenommen. Am 9. Mai 1986 wurde Wiens einziges Partisan*innen-Denkmal eingeweiht, somit feiern wir heuer sein 40-jähriges Bestehen.

Der Landesverband Wien österreichischer Antifaschist*innen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verband/VdA Wien), der Klub slowenischer Student*innen in Wien / Klub slovenskih študentk*študentov na Dunaju (KSŠŠD), der Verband der Kärntner Partisanen und Freunde des antifaschistischen Widerstands / Zveza koroških partizanov in prijateljev protifašističnega odpora (ZKP) laden zu einer Feier beim Denkmal der jugoslawischen Partisan*innen.

Artikel von unserer Studienreise nach Kärnten und Slowenien

Ziegelbehm, rote Spuren und Widerstand am Wienerberg

Wir begehen spannende historische Ereignisse und gehen spannenden historischen Fragen nach.

Was haben Jean Jaurés und Victor Adler gemeinsam? Weshalb wurden Schutzbündler für die Erstürmung eines leeren Polizeiwachzimmers verurteit?
Eine der ersten großen Gewerkschaften haben tschechische „Migrant:innen“ gegründet. Wer war einer der ersten Investigativ-Journalisten?  Wie wurde aus einem Industriegelände eine Gstettn und daraus ein Erholungsgebiet? Treten sie mit uns durch das Tor von MA 2412.

  1. Station: Jean-Jaurés-Hof (im Hof)
  2. Station: Mithlinger Siedlung (Rasenstadt) – Enstehungsgeschichte und  Daten über den Bau
  3. Station: Februarkämpfe 1934 
  4. Station: Jüdische Vertreibung in Rasenstadt mit einzelnen Lebensgeschichten
  5. Station: Gedenktafel Friemel – NS-Widerstand
  6. Station: Aussichtspunkt ehemalige Ziegelfabriken – Ziegelarbeiter, Arbeiten, Wohnen und Freizeitgestaltung der Arbeiterfamilien
  7. Station: Grüngürtel um Wien – Wilfried Kirchner

Gedanken und Lieder zum 1. Mai

Am Vorabend zum 1.Mai 1891erschien in der Arbeiterzeitung1 in der Rubrik „Es lebe der Achtstundentag“ dieser Artikel. Victor Adler meinte: „Das allgemeine Wahlrecht ist die Voraussetzung für die ökonomische Befreiung der Arbeiter:innen!“

Bei uns ist das Wahlrecht an den Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft geknüpft – ist das noch gerecht?

Das Wahlrecht ist ein zentrales Teilhaberecht in einer Demokratie. Mehr als ein Drittel der Menschen in Wien im wahlfähigen Alter können nicht bei der Wahl mitbestimmen, das sind rund 600.000 Einwohner:innen. Bei uns ist das Wahlrecht an den Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft geknüpft – ist das noch gerecht?
ÖAW-Politikwissenschaftlerin Monika Mokre meint in einem Interview2: Alle zahlen Steuern, alle unterliegen Gesetzen – warum also nicht auch mitbestimmen? Viele, die derzeit ausgeschlossen sind, leben schon zehn Jahre oder länger hier, manche sind hier geboren. Sie beschreibt Modelle des Wahlrechts, die an eine gewisse Aufenthaltsdauer gebunden sind. Monika Mokre nennt eine fünfjährige Aufenthaltsdauer zum Erhalt der Wahlbetechtigung. Ich persönlich denke, dass eine zweijährige Aufenthaltsdauer zur Teilnahme an allen Wahlen berechtigen soll.

Arbeiterzeitung am 29. April 1891, Seite 123
Die Forderung zum 8 – Stunden – Tag am 1. Mai

Wo fängt Gewalt an?

Brigitte und ich waren eingeladen bei einem Podcast der Gewerkschafter:innen gegen Rassismus & Sozialabbau. Eine vierteilige Serie zu diesem Thema. Im Teil 1 gehen wir vom Gewaltdreieck von Johan Galtung in der Arbeitswelt aus und diskutieren was es braucht, dass gewaltfreie Erziehung und Diskussion möglich ist.

Zum Podcast…

Von den Roten Spuren wirken Brigitte, Gerhard und Werner mit.

Zum Podcast…

Zum Gedenken in Oberpullendorf

Uschi und Willi haben uns aus Oberpullendorf zwei Fotos zukommen lassen. Wir erinnern an diesem Blogeintrag an das Schicksal der Rominija im Burgenland.
Eine Ansiedlung von Romafamilien in Oberpullendorf ist erstmals im 19. Jahrhundert belegt1.

Sofort nach dem „Anschluss“ setzten die Verfolgungsmaßnahmen gegen die Roma ein. So wurde der Rom Julius Karall Opfer der rassistischen Politik.

Meine beiden Verurteilungen wegen Übertretung nach dem § 156 StG und § 129 1 StG durch das Landesgericht Wiener Neustadt erfolgten zu dem Zwecke, um bei mir die Voraussetzung einer Entmannung künstlich zu konstruieren. Ich konnte mich in diesen Strafverfahren als Angehöriger der Zigeunerrasse nicht entsprechend verteidigen, da ich nur mangelhaft die deutsche Sprache beherrsche und auch sonst weder lesen noch schreiben kann. Ich habe daher in diesen Verfahren die mit mir aufgenommenen Protokolle nicht lesen und daher nicht überprüfen können. Ich war in diesen Strafverfahren völlig rechtlos und der Willkür der nationalsozialistischen Richter ausgeliefert2.

Der Retter von Oberpullendorf

Das Streben nach Demokratie im Betrieb

»Auf dem Hohen Markt in Wien ging es am 31. Oktober 1722 ungewöhnlich lebhaft zu. Immer mehr Menschen sammelten sich vor dem dortigen Gerichtsgebäude, der Schranne. Vor dem Haus ragte ein frisch gezimmerter Galgen in den grauen Herbsthimmel hinein. Zwei Menschen sollten vor dem Volk der Neugierigen hingerichtet werden!
Es handelte sich, wie ein zeitgenössischer Chronist schrieb, um >zweien der halsstörrigsten Schuhknechte als freventliche Verächter der landesfürstlichen Befehle und Stöhrer der allgemeinen Ruhe, und fünf der anderen Widerspenstigen mußten zu ihrer und ihresgleichen Erspiegelung bey der Vollziehung des Urtheils gegenwärtig seyn1

Von den ersten Bemühungen von Arbeitern (Schuhmachern in der Monarchie), die von Habsburgern brutalst unterdrückt wurden zum Beginn der Repuplik.

Das Denkmal der Republik ist kein Denkmal der Republik

Denkmal der Republik

Woraus ergibt sich dieser Widerspruch?
Das Denkmal zum 10jährigen Bestehen der Republik, wurde 1928 von der Gemeinde Wien errichtet. Weshalb wohl? – Eine Erklärung für mich ist, dass der damalige Bundeskanzler Ignaz Seipel und konservative Parteien gar kein Interesse an einer demokratischen Republik mit einem Parlament, wo Parteien und Abgeordnete das Staatsgeschehen mitentscheiden, hatten. In Wirklichkeit begann die Beseitigung der Demokratie und der Institutionen und der Partei der Arbeiter:innenbewegung, die 1934 vollendet wurde.

Weiter im Rundgang

Die Stollen des Grauens des ehemaligen KZ Gusen

Bei unserem Besuch in Gusen wandern wir zum Eingang der Stollenanlage „Bergkristall“ des ehemaligen KZ Gusen. Wir sind auf der Suche nach Eindrücken und Informationen für unsere zukünftige Studienreise der Roten Spuren im Frühjahr 2027. Die Fotos bei diesem Artikel stammen grossteils von den Informationstafeln1 vor der Gedenkstätte.

Das Stollensystem „Bergkristall“ war Teil des KZ-Komplexes Mauthausen-Gusen. Tausende Häftlinge errichteten das unterirdische Stollensystem, das für die Rüstungsindustrie genützt wurde.2

ZUM GEDENKEN AN DIE VIELEN TAUSENDEN POLNISCHEN HÄFTLINGE DER KONZENTRATIONSLAGER VON GUSEN,
DIE DURCH SKLAVENARBEIT FÜR DIE RÜSTUNGSINDUSTRIE DES DRITTEN REICHES IN DEN BERGKRISTALL-STOLLEN AUSGEBEUTET, GEPEINIGT UND ERMORDET WURDEN

Weitere Informationen zur Gedenkstätte

Der Bockerer

Der Fleischhauer Karl Bockerer ist schon ein bisserl enttäuscht, als er an seinem Geburtstag aufwacht: Es ist der 20. April 1938, aber statt der erwarteten Familienfeier begeht seine Frau Binerl

nicht seinen, sondern “Führers Geburtstag”, und sein Sohn Hans präsentiert schneidig seine SA-Uniform, bevor er zu einem Aufmarsch ausrückt. Zeiten sind das!

Und die wöchentliche Tarockpartie mit dem netten Doktor Rosenblatt soll künftig auch nicht mehr stattfinden können? Und als ihm der Herr Polizeiinspektor auch noch erklärt, dass man an einem Feiertag wie diesem die Fleischhauerei geschlossen halten und stattdessen die Hakenkreuzfahne heraushängen muss, ist ihm der Tag endgültig versaut. Aber es wird bald noch schlimmer kommen …

Kartenbestellung …

Gedenken an Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Wien

Bereits ab Kriegsbeginn wurden Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Wien in Lagern und lagerartigen Unterkünften untergebracht. Diese stammen unter anderem aus den Albanien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien (Kroatien, unter ihnen auch kroatische Roma, und Serbien), den Niederlanden, Polen, Spanien, Russland (darunter unter anderem auch Urkrainerinnen und Ukrainer), Tschechien, Türkei und Ungarn1.

In 12., Oswaldgasse 33 befand sich laut dieser Liste ein Lager der Firma „Kabel und Draht“ (Kabel- und Drahtwerke AG, heute 21., Siemensstraße 88). Laut Volksgerichtsakt umfasste das Lager zum Zeitpunkt einer Inspektion durch den jüdischen Lagerarzt 50 Personen (9 Männer, 34 Frauen und 7 Kinder), von denen anfangs 40 als „arbeitsfähig“ eingestuft waren2.

Liste der Zwangsarbeiter:innenlager in Wien

Zu weiteren Blogeinträgen zum Thema Zwangsarbeit