Veranstaltung Mensch – Kämpferin – Märtyrerin Schwester Restituta (Helene) Kafka und ihre Briefe aus der Haft
Im Kloster der Franziskanerinnen von der christlichen Liebe (“Hartmannschwestern”) in Wien Margareten besuchen wir die Dauerausstellung “Restituta – Glaube gegen NS”-Gewalt” und Sr. Ruth Beinhauer präsentiert ihr Forschungsprojekt zu den Briefen Sr. Restitutas / Helene Kafkas aus der Haft.
Sr. Maria Restituta (Helene) Kafka war eine österreichische Ordens- und Krankenschwester und Widerstandskämpferin zur Zeit des Nationalsozialismus. Sie ist die einzige Ordensfrau, die von den Nazis für ihren Glauben und Widerstand nach einem Gerichtsprozess mit Todesurteil ermordet wurde. 1998 wurde sie als erste Märtyrerin Österreichs seliggesprochen.
“Sie hat geholfen ohne Rücksicht auf Nationalität oder Weltanschauung, ob jemand katholisch war oder konfessionslos oder kommunistisch war oder sozialdemokratisch oder christlich-sozial, da hat sie weder gefragt, noch hatte es irgendeine Bedeutung für sie. […] Sie hat die Menschen sichtlich wirklich gerne gehabt.”
Anna Haider, die 1942 vom Volksgerichtshof wegen kommunistischer Betätigung zu 15 Jahren zuchthaus verurteilt wurde, sprach 1946 im radio über ihre mitgefangene helene kafka.1
Weshalb braucht es eine breite Erinnerungskultur an die Ereignisse am 12. Februar 1934? Handelte es sich um ein singuläres, geschichtliches Ereignis oder gibt es Parallelen in der heutigen Zeit? Weshalb hat das offizielle Österreich, vor allem einzelne Parteien, Schwierigkeiten, die eigene faschistische Vergangenheit einzugestehen?
Flugblatt der SPÖ Mürzzuschlag zur Gedenkfeier – Österreichische Nationalbibliothek
Wir im Verein Rote Spuren meinen, es braucht ein Bewusstsein für die Vergangenheit und dem faschistischen Erbe. Ohne dieses Bewusstsein ist die Entwicklung einer antifaschistischen Gesellschaft nicht möglich. Viele Gewerkschafter:innen haben am 12. Februar ihr Leben riskiert, sind gestorben oder wurden verwundet. Die Überlebenden wurden von Dollfuß und Seinesgleichen eingekerkert, ihrer Rechte beraubt oder ausgebürgert. Zivilcourage und Widerstand gegen den Austrofaschismus wurde von Polizei und Militär nieder geprügelt, verfolgt und verhindert. Die Nazis haben publikumswirksam Bücher verbrannt, aber bereits im Austrofaschismus wurden 1500 Titel und 27.000 Exemplare in den “Arbeiterbüchereien” beschlagnahmt.
Zurück in die heutige Zeit. Die extreme Globalisierung schaffte den Typen des “Anarcho Kapitalisten”, die sich auf die Thesen von Hoppe (einem Schüler von Rothbard, dem Stammvater der Anarcho-Kapitalisten) beziehen. In der Psycherl-Analyse von Erwin Steinhauer und Fritz Schindlecker schreiben sie zu deren Vorstellungen bezüglich des Umbau der derzeitigen Demokratien treffend: “Es kommt zu einem Wettbewerb der Gauner, die heutige Demokratien in Kleptokratien umbauen wollen, wo es keine oder kaum Hemmungen gibt, das Eigentum anderer Menschen zu entwenden”. Man beachte die Geschwindigkeit der Verteilung des Vermögens zu den Superreichen.
Welchen Bezug hat das zum Februar 1934? Gar nichts und zugleich Vieles. In beiden Epochen musste vorher die Demokratie als unfähig, schwerfällig, nicht geeignet und bürokratisch dargestellt werden. Parteien, Institutionen, die Trennung von Legislative und Exekutive, Gerichtsbarkeit und wissenschaftliche Einrichtungen, die nicht zum rechten Mainstream passten, mussten “sturmreif” geschossen werden. Die kriegerische Sprache passt hier, wenn wir auf damalige und heutige Ereignisse blicken. Auch heute erleben wir, dass einzelne Bevölkerungsgruppen als “Sündenböcke” mit Hilfe der üblichen Medien platziert werden. Es wird von Remigration gesprochen, ohne dabei darauf zu achten, dass wir beim Reinigungspersonal, Bauarbeiter:innen und im Sozialbereich ganz dringend auf diese Menschen angewiesen sind. Es wird mit Einzelereignissen Politik gemacht, um von der “Kleptokratie” der Tech-Giganten und Superreichen abzulenken.
Deshalb ist Gedenken so wichtig, denn es ist ein Signal für Demokratie, und ein wichtiger Schritt zur Gestaltung einer Gesellschaft mit einem guten, gesunden und gerechten Leben für alle.
Der Text stammt aus dem letzten Mitgliedermail. Jetzt gibt es noch ein paar historische Flugblätter, Plakate und eine Briefmarke, die anläßlich von Februarfeiern gestaltet wurden. Gesammelt haben wir sie aus dem digitalen Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek.
Die Wiener Gemeindebauten waren in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts eines der bahnbrechenden Projekte der sozialdemokratischen Wohnungs- und Sozialpolitik. Der Sammelband schlägt eine Brücke vom Austrofaschismus bis zum Ende der NS-Herrschaft.
Nach Überblicksdarstellungen zur Geschichte des Gemeindebaus in Wien, zu personellen Brüchen und Kontinuitäten zwischen den beiden Diktaturen und zu Fragen des Mieterschutzes widmen sich mehrere Beiträge anhand von ausgewählten Gemeindebauten dem Schicksal der dort lebenden Menschen, die als Jüd*innen verfolgt und gekündigt bzw. aufgrund ihres widerständigen Verhaltens Opfer polizeilichen und juristischen Unrechts wurden. Biografien von verfolgten Männern, Frauen und Kindern schließen den Band ab, gleichsam als „Gedenkbuch“ für die Opfer von Gewalt und Terror in den Gemeindebauten.
Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Mag.a Dr.in Claudia Kuretsidis-Haider ist Historikerin. Sie leitet die Abteilung Historische Sammlungen am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Die thematischen Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit sind: Ahndung von NS-Verbrechen in Österreich und im internationalen Kontext, Holocaustforschung, Widerstandsforschung, Gedenkpolitik und Erinnerungskultur(en)
Die KPÖ organisierte über die Rote Hilfe unmittelbar nach den Februarkämpfen “Geldsammlungen” für Familien der Februarkämpfer:innen. Zur Unterstützung wurde um 10 Groschen auch die Zeitschrift “Tribunal – Organ der Roten Hilfe” verkauft. Ende April wurde berichtet, dass bereits 5.900 Familien unterstützt wurden – finanziert zu zwei Drittel aus der Sowjetunion und anderen internationalen Spenden. In der Tschechoslowakei wurden insgesamt 207 Kinder gefallener Wiener Arbeiter untergebracht, von diesen kamen 121 schließlich in die Sowjetunion. Nähere Informationen gibt es über 36 Buben und 33 Mädchen im Alter zwischen fünf und vierzehn Jahren, die in Prag untergebracht waren. Die Eltern von sieben Kindern waren in der KPÖ organisiert, sonst waren alle SP-Mitglieder. Manche dieser Kinder hatten den Kämpfenden Essen und Munition gebracht, waren mit Verletzten und Toten konfrontiert worden. Dem Bruder eines Kindes wurde als “Vorbereitung für Aufhängen” das Bajonett an den Hals gesetzt, ein Vater in seiner Wohnung in Gegenwart der Familie bei einem Verhör geschlagen.1
Der KZ-Verband-Wien legt am
12. Februar 2026 um 10:00 Uhr am Weisseldenkmal in der Brünner Straße
und anschließend am Schlingerhof einen Kranz nieder.
Die Mehrheit der Wiener Fürsorgerinnen im Austrofaschismus und Nationalsozialismus verhielt sich regimetreu. Zahlreiche ihrer Kolleginnen wurden entrechtet, entlassen, zur Flucht gezwungen oder ermordet und nur eine Minderheit war im Widerstand aktiv. Anhand von 80 exemplarischen Biografien politisch und rassistisch verfolgter Fürsorgerinnen analysiert Irene Messingers Studie deren private und berufliche Netzwerke, institutionelle Ausschlussprozesse und Formen des Wissenstransfers ins Exil. Die portraitierten Frauen wirkten zuvor in Institutionen der Stadt Wien wie dem Jugendamt, sowie in privaten und konfessionellen Einrichtungen, darunter in der Fürsorge der IKG Wien oder in jüdischen Vereinen. Basierend auf erstmals ausgewerteten Quellen wie Personalakten, Zeitzeuginneninterviews, privaten Nachlässen, konnten zahlreiche Frauenbiografien rekonstruiert und historisch kontextualisiert werden. Somit wird die Berufsgeschichte der Sozialen Arbeit um bislang übersehene vor allem jüdische Akteurinnen ergänzt.
„Er war zwar nicht unsinnig fromm, aber man kann schon sagen traditionell eingestellt, und er ging immer zu den Gottesdiensten.“1
Unsere Studiengruppe marschiert nach dem Frühstück zum Jüdischen Friedhof in der Wienerstrasse. Robert Streibel holt sich vom gegenüberliegenden Autohändler den Schlüssel und führt uns in den Friedhof hinein.
Der jüdische Friedhof von Krems wurde 1880/81 eingeweiht2. Nachdem ein älterer Friedhof auf dem Turnerberg bei Krems in der Zwischenkriegszeit mehrmals geschändet worden war, wurde er 1936 geschlossen; die Gebeine der Toten wurden auf den Hauptfriedhof in der Wiener Straße überführt. Der Friedhof beherbergt rund 180 Grabstellen, die letzte Beerdigung fand 1971 statt.3 Heute ist der Friedhof vor allem ein Ort des Erinnerns an eine zerstörte Gemeinde. 1988 wurde er renoviert.
Die österreichischen Faschisten verhängten Verwahrungshaft gegen drei Tabakarbeiter aus Stein
Ludwig Reiter, Alois Knorr und Georg Riedmüller wurden von den Dollfuß-Schergen von 22. Juli bis 20. August 1934 in Haft genommen, weil sie als ehemalige Funktionäre der sozialdemokratischen Partei sich womöglich an einer marxistischen Kundgebung am 1. August beteiligt hätten. Gleichzeitig wurde die Leitung der Tabakregie aufgefordert, die drei Arbeiter zu kündigen und damit ihre Familien in die Armut treiben1.
Widerstand gegen die Faschisten in Krems im Deutschen Reich
Eine Strickerin, die für andere Hilfe besorgt und etwas unternimmt – Leopoldine Puhl
1926 begann Leopoldine in der Tabakfabrik Stein zu arbeiten, sie war in der sozialdemokratischen Gewerkschaft organisiert. Ende l941 wurde Leopoldine Puhl beschuldigt, von Franz Wieland zur Spende für die „Rote Hilfe“ angeworben worden zu sein. Sie wiederum habe ihre Kollegin Marie Malat zur Spendentätigkeit angeworben und kommunistische Zeitschriften weitergegeben.2
Do 20.11.: Premiere in Anwesenheit von Reinhard Tötschinger und Team mit anschließendem Publikumsgespräch (Beginn: 20-.00 Uhr)
Kaisersteinbruch ist ein unscheinbarer Ort im Osten Österreichs. Nichts zeugt mehr davon, dass sich hier eines der größten Kriegsgefangenenlager des Deutschen Reichs befand. Während die Einheimischen nicht mehr viel darüber sprechen, suchen noch immer Nachfahren einstiger Gefangener den Friedhof des ehemaligen Lagers auf und forschen nach Überresten und Bruchstücken ihrer Geschichte.
Fr 21.11.: Anschließendes Gespräch zwischen Reinhard Tötschinger und Michael Achenbach (Dokumentationsarchiv Österreichischer Widerstand) Moderation: Viktoria Tatschl, ORF – Ressort Zeitgeschichte und Zeitgeschehen (Beginn: 20:00 Uhr)
Das Projekt Stolpersteine wurde hier am Blog bereits mehrmals vorgestellt. Vor 10 Jahren sammelten wir die ersten Fotos und Unterlagen für einen Blogbeitrag. Während dieser Jahre habe ich wieder über rechtsextremistische Vandalenakte an diesen Gedenkstellen an jene Menschen, die grausam verfolgt und oftmals getötet wurden, gelesen.
Eines unserer Grundprinzipien der Zweiten Republik und auf dem unsere Demokratie aufgebaut ist der Antifaschismus. Wenn jetzt konservative und rechte Parteien den Antifaschismus in sogenannte linksextreme Eck zu drängen, ist der Versuch das Blut von Millionen Toten aus den Kriegen, politischen Morden, der Shoa, den Konzentrationslagen, den Anschlägen, die Nazis, Austrofaschisten und Rechtsextremisten zu verantworten haben, weg zu wischen. Sie betreiben Hetze, Spaltung, Herabwürdigung und sie greifen zu allen Mitteln. Sie horten Waffen für den Tag „X“, sie veranstalten Schieß- und Militärübungen, sie beschmieren Denkmäler und Gedenkstätten und sie vergiften unsere Gesellschaft mit ihrer faschistischer u d rechtsradikaler Ideologie.
Das Hauptprogramm der Sozialdemokratie war, die demokratische Republik gegen den Faschismus jeder Art zu verteidigen. (Josef Witternigg)
Der 1881 geboren Josef Witternigg war Mitglied des Gemeinderates der Stadt Salzburg, Klubvorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion, Abgeordneter zum Salzburger Landtag und zum Nationalrat und schließlich am 12. Februar 1934, als der Parteivorstand in Wien zum Generalstreik aufrief, eine der Schlüsselfiguren beim kampflosen Abgang der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Salzburg. 1934 wurde Witternigg in Haft genommen, in der er mehrere Wochen lang verblieb. Witternigg erlitt in der politischen Verfolgung unter der österreichischen Diktatur schwere gesundheitliche Schädigungen, an deren Folgen er 56-jährig verstarb.1
Am Eingang zum Kurgarten suchten wir das Denkmal zum Andenken an die Salzburger Opfer, die von den österreichischen Nationalsozialisten durch das T4-Euthanasieprogramm grausam ermordet wurden.
Die einfache Glas-Stele im Salzburger Kurgarten ist mit Asche gefüllt und trägt drei Jahreszahlen: 1941, 1991 und 2014. Das Mahnmal gedenkt der Salzburger Opfer, die im Jahr 1941 aus Salzburgs Landesnervenklinik und weiteren Anstalten zur Tötung nach Hartheim gebracht wurden. Der oberösterreichische Künstler Otto Saxinger gestaltete zum 50jährigen Gedenken im Jahr 1991 den Glaskörper1.