Zwischen Skylla und Charybdis – Griechenland unter der Diktatur

Nicolas Cassandras, aus dem Französischen übersetzt von Martin Donner, 1968 erschienen im Verlag des ÖGB

Skylla  ist ein Meeresungeheuer aus der griechischen Mythologie
Die Charybdis (Χάρυβδις) war ein gestaltloses Meeresungeheuer aus der griechischen Mythologie, das gemeinsam mit der Skylla in der Straße von Messina lebte.

Bei der Zusammenfassung der Texte habe ich versucht die starken antikommunistischen Darstellungen und Haltungen, von denen große Teile der Sozialdemokratie und Gewerkschaften, nach 1945 bis in die jetzige Zeit geprägt sind, abzuschwächen und heraus zu filtern. Diese „inhaltliche Gratwanderung“ wird aber durch andere Texte unseres „Readers“ ausgeglichen. Für die Begriffserklärungen habe ich anderen Quellen verwendet.
Es war hilfreich, weil es für mich ein weiterer Leitfaden durch die griechische Geschichte des 20. Jahrhundert war.

Diktatur, Krieg, Besetzung und Widerstand

Die Auflösung der Republik im Jahre 1935 hatte einerseits die Restauration derMonarchie zur Folge, andererseits wurde durch sie wiederum eine grosse wirtschaftliche Krise im Land ausgelöst. So kam es zur Bildung einer vom König eingesetzten Regierung, zunächst unter dem Vorsitz des Professors Demertzis’ und später, nach dessen Tod, unter General Metaxas. Mit Ausnahme der Fraktion Papandreous’ stimmten alle Parteien im Parlament für diese Regierung.
Dennoch stützte sich Metaxas bei seinen autoritären Maßnahmen nicht auf dieses Parlament, das, seiner demokratischen Grundrechte beraubt, ihn ohnedies gewähren lassen musste, sondern auf den König und die hinter diesem stehende, von Parteien- und Klassengegensätzen unbehelligte Armee. Die Stunde der Diktatur war gekommen, und als sich Metaxas am 4. August 1936 an der Spitze eines Diktatur-Regimes präsentierte, waren die Parteien bereits vollständig ausgeschaltet. Als Begründung für diesen Schritt diente die „kommunistische Gefahr“, obwohl die KKE bei den im letzten Jahr abgehaltenen Wahlen nur 5,75 Prozent der Stimmen erhalten hatte.

Wie in jeder Diktatur so wurden auch hier die Arbeiter-Organisationen durch einzelne Reformen und Konzessionen beschwichtigt, wie zum Beispiel durch die Einführung moderner Kollektivverträge, die freilich schon mit dem nächsten Federstrich in ihrer Wirkung wieder stark eingeschränkt wurden, weil man das Streikrecht und die Regelung der Agrarfrage ausklammerte.

Derartige Köder für die Masse der Lohnempfänger sind nicht nur für Diktaturen typisch, sondern sie spiegeln den Zwiespalt aller jener Regierungen wider, die das Entstehen einer starken und autonomen Arbeiterbewegung verhindern, zugleich aber die Energie der Arbeiterschaft in den bestehenden Staatsapparat einbauen wollen: nicht um die Volkswirtschaft zu stabilisieren, sondern um die an der Macht bestehende Gruppe zu unterstützen. Ferner suchte man auch die Gewerkschaftsbewegungen in das herrschende politische System zu integrieren und machte den damaligen Generalsekretär des Griechischen Gewerkschaftsbundes zum Arbeitsminister; die Einführung der Pflichtabgabe an Stelle der freiwilligen Beitragsleistung an die Gewerkschaft hat den Gewerkschaftsführern jener Zeit den Spitznamen >>Ergatopateres<< (Arbeiterväter) eingetragen.

Zugleich wurden die politischen Parteien verboten und ihre führenden Leute deportiert, wie zum Beispiel Kafantaris, Papandreou, Kanellopoulos, Theotokis; Michalakopulos starb auf einer kleinen Insel man hatte ihm keinerlei ärztliche Hilfe zuteil werden lassen.

Der Zweite Weltkrieg

Die grosse Masse der Arbeitnehmer:innen, die angesichts von täglichen und stündlichen Verhaftungen, der Erschiessung als Geisel oder von der Deportation in ein Konzentrationslager bedroht war, suchte durch Massenflucht aus den Städten einen Ausweg.
Die Nationale Befreiungsfront EAM, die auf Initiative der KKE gegründet wurde, war das ideologische und organisatorische Sammelbecken für all diese unzufriedenen und widerstandsbereiten Griech:innen.
Die Schlagkraft der KKE offenbarte sich am Tage des Einmarsches der deutschen Truppen. sie organisierte die EAM und stellte wenig später eine eigene Armee auf, die ELAS, die Armee der Nationalen Befreiungsfront; diese Tatsache sollte in dem für Griechenland so wichtigen Partisanenkrieg gegen die Fremdherrschaft und auch nach der Befreiung eine wesentliche Rolle spielen.
Die anderen politischen Kräfte des Landes hatten dem nicht annähernd Gleichwertiges entgegen zu setzen. Bedeutung erlange noch die EDES, die Nationale Armee des demokratischen Griechenlands.
Die starke Position der ELAS in den Städten und Dörfern (Mitte 1943 hatte die ELAS ca. 50.000 Männer und Frauen unter Waffen) führte auf Initiative der KKE im Frühling 1943 zur Gründung der sogenannten Bergregierung, der Politischen Kommission für die Nationale Befreiung (PEEA), an der Anhänger verschiedener politischen Richtungen teilnahmen.

Der Bürgerkrieg von 1944 bis 1949

Im Buch wird der Bürgerkrieg in drei Abschnitte (Stadien) unterteilt:

  • Erstes Stadium: Liquidierung aller zur KKE gegensätzlich eingestellten Organisationen noch während der deutsche Besatzungszeit. Ein bewaffneter Aufstand innerhalb der griech. Armee im Nahen Osten scheiterte. Das führte zum „Libanon Abkommen“.
  • Zweites Stadium: Dezemberrevolte in Athen und ihre Zerschlagung durch die britische Armee.
  • Drittes Stadium: Die KKE boykottiert die Wahlen von 1946; Bürgerkrieg von 1946 bis 1949.

Der Autor des Besuches nennt für die Gründe des Bürgerkriegs einerseits die Kompromisslosigkeit der KKE bezüglich der Eingliederung in den Sowjetblock, und dass es keine weiteren relevanten griechischen Widerstandsbewegungen gegeben hat.

Dezemberrevolte 1944

Ich greife auf einen Text der Rosa-Luxemburg-Stiftung zurück, denn der Autor schildert (auch durch seine Nähe zur Zentrumspartei), dies als eine Auseinandersetzung zwischen KKE und der Britischen Armee

Die Dekemvriana (Dezemberereignisse), bei denen britische Truppen und griechische Regierungssoldaten gegen kommunistische griechische Widerstandstruppen kämpften, sind zwar ein bedeutendes historisches Ereignis des Zweiten Weltkriegs, außerhalb Griechenlands allerdings weitgehend unbekannt.
Winston Churchill verhinderte und blockierte jede Einigung und Vereinbarung mit der EAM. Die KKE kündigte für den 3. Dezember eine Kundgebung auf dem Syntagma-Platz und einen Generalstreik an. Als der erste Block der Demonstration den Platz betrat, eröffnete die Polizei das Feuer und tötete 13 Demonstrant*innen und verletzte 60. Heutzutage ist bekannt, dass es Polizeichef Angelos Evert war, der den Befehl erteilte, auf die unbewaffnete Menge zu schießen. 
Bis Januar 1945 sollte die britische Regierung rund 70.000 Soldaten nach Griechenland entsenden – mehr, als sie 1941 geschickt hatte, um die griechische Verteidigung gegen die drohende deutsche Invasion zu unterstützen.
Die überwältigende Überlegenheit der Briten zwang die ELAS-Führung am Abend des 4. Januars 1945, den Rückzug ihrer Streitkräfte aus Athen anzuordnen. Die britischen Truppen bombardierten die Reihen der sich zurückziehenden Partisan*innen und töteten viele von ihnen. Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands am 11. Januar 1945 wurden die Kämpfe beendet. Die Bilanz der Gefechte spiegelte ihre Grausamkeit wider: In nur einem Monat gab es 70.000 Verletzte, 5.500 Tote und 25.000 Vertriebene.

Die Gewerkschaftsbewegung von 1948 –

Zurück zum Buch – Die politische Vertretung der Arbeiterklasse wurde seit der Befreiung im wesentlichen von der KKE wahrgenommen. Nach ihrer Verbannung in die Illegalität übernahm dies die EDA. Ab 1948 geriet die Gewerkschaftsbewegung und den Einfluss von Bürokraten, die in Wirklichkeit den Interessen der Unternehmer oder den an der Macht befindlichen Politikern, dienten.
Die Finanzierung der griechischen Gewerkschaftsbewegung erfolgte durch einen Pflichtbeitrag, der von allen Arbeitern und Angestellten, ob sie organisiert waren oder nicht, eingehoben wurde. Über einen staatlichen Fonds wurde die Einnahmen an die einzelnen Gewerkschaften verteilt. Dieser Beitrag, der pro Jahr die Höhe eines Monatsgehaltes erreicht, war ein Überbleibsel aus der Diktatur von 1938. Selbst Gewerkschaften der Tabakarbeiter, der Seeleute, der Eisenbahner und der Bankangestellten müssen ihre Pflichtbeiträge an den Staat abliefern.
Die Folgen dieser Zwangsreglementierung waren für die Gewerkschaften verheerend, weil die Gewerkschafter:innen von der Staatsgewalt abhängig gemacht wurden und die Interessen der Mitglieder in den Hintergrund traten. Die Gewerkschaftsfunktionär:innen orientierten sich mehr an den staatlichen Interessen und vernachlässigten ihre Pflichten gegenüber den Mitgliedern und an der Organisierung neuer Mitglieder.
Die Führungseliten der Gewerkschaften entwickelten sich zu Apparatschiks, die mit allen Mitteln, und nicht immer mit den feinsten, an der Macht und auf ihren Posten zu bleiben gewillt waren. Fälschung von Wahlergebnissen, nötigenfalls mit Unterstützung der Polizei waren an der Tagesordnung. DiesenGewerkschaftsbosse gingen mit dem Spitznamen „ergatopateres“ in die Geschichte ein.

Der König als Wegbereiter der Militärdiktatur

Die durch königlichen Erlass verfügte Absetzung Papandreous führte zu einer tiefen politischen Krise und gleichzeitig zu einem Proteststurm im ganzen Land. Die Folge war, dass das antimonarchistische und demokratische Bürgertum seine Furcht von den Kommunisten hintanstellte und sich eine Volksfront bildete in der die Sprecher der EK gemeinsam mit der EDA auftraten. Zwischen 15. Juli und 15. September 1963 glich die Situation in Athen einer permanenten Revolution, getragen von Student:innen.
Der König setzte mit abtrünnigen Abgeordneten der Zentrumspartei eine Regierungsumbildung durch. Dieses Kabinett hatte eine Lebensdauer von 14 Monaten bis Dezember 1966. Eine Welle von Streiks erschütterte das soziale und wirtschaftlichen Gefüge des Landes. Es gelang nicht Neuwahlen zu erzwingen und man schätzte die Machtfaktoren, die hinter Polizei, Gendarmerie und Armee völlig falsch ein.
Die rechten Strömungen Griechenlands wollten unbedingt freie Wahlen, die am 29. Mai 1967 stattfinden sollten, unterbinden, denn es bestand aus ihrer Sicht die Wahrscheinlichkeit, dass die Zentrumspartei EK die Mehrheit bekommen würde.
Am 21. April 1967 kam es zu einem Militärputsch einer ganz kleinen Gruppe von Offizieren.

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Ankunft in Athen

Mittags treffen wir uns zur Anreise nach Athen am Flughafen in Schwechat. Damit wir diese Studienreise starten konnten, war ganz viel Engagement und Vorbereitungsarbeiten notwendig. Herzlichen ❤️❤️❤️ Dank an Sissi, Milena, Rainer, Ingrid und Brigitte, die seit mehr als einem Jahr die Vorbereitungsarbeiten getragen haben.

Milena und Sissi checkten vor Ort den Einstieg in die Studienreise und bereiteten uns einen herzlichen Empfang im Hotel. Mit ersten griechischen Köstlichkeiten ging’s zum ersten Treffen auf der Dachterrasse, um uns mit dem Programm vertraut zumachen. Zum vertieften Kennenlernen hatten sie schon Plakate für uns vorbereitet.

Annähernd 1000 Jahre Erfahrung wandeln auf den ROTEN SPUREN.

Ganz viele Unterschiede und Gemeinsamkeiten treffen sich hier zu einer Geschichtetour. Im Raum spürte ich Lust, Vergnügen, großes Interesse und „wohlige Spannung“ auf die kommenden Programmpunkte. Unser gemeinsamer Spannungsbogen geht von Science fiction über Freude am Singen, Gewerkschaft bis zum gesellschaftspolitischen Interesse. Hier treffen sich Ober- und Niederösterreicher:innen, Wiener:innen, Eltern, Betriebsrät:innen, Arbeiter:innen, Angestellte, Akademiker:innen, Gewerkschafter:innen, Brillenträger:innen , Camper und Wanderer. Wir starten im Februar 2026 unsere „Odyssee“ in Athen. In welche Sphären wie damals  Stanley Kubrick mit seinem Film vorstieß , da lassen wir uns mal auch etwas überraschen.

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Antifaschistischer Widerstand hat viele – weibliche – Gesichter

Veranstaltung
Mensch – Kämpferin – Märtyrerin
Schwester Restituta (Helene) Kafka und ihre Briefe aus der Haft

Im Kloster der Franziskanerinnen von der christlichen Liebe (“Hartmannschwestern”) in Wien Margareten besuchen wir die Dauerausstellung “Restituta – Glaube gegen NS”-Gewalt” und Sr. Ruth Beinhauer präsentiert ihr Forschungsprojekt zu den Briefen Sr. Restitutas / Helene Kafkas aus der Haft.

Eine Veranstaltung von arge fem KPÖ, DIALOP, Rote Spuren, transform.at, Franziskanerinnen von der christlichen Liebe, Verein Restituta-Forum

Anmeldungen noch bis 12. März 2026 möglich. Bitte gleich an: steiner@transform-network.net

Sr. Maria Restituta (Helene) Kafka war eine österreichische Ordens- und Krankenschwester und Widerstandskämpferin zur Zeit des Nationalsozialismus. Sie ist die einzige Ordensfrau, die von den Nazis für ihren Glauben und Widerstand nach einem Gerichtsprozess mit Todesurteil ermordet wurde. 1998 wurde sie als erste Märtyrerin Österreichs seliggesprochen.

“Sie hat geholfen ohne Rücksicht auf Nationalität oder Weltanschauung, ob jemand katholisch war oder konfessionslos oder kommunistisch war oder sozialdemokratisch oder christlich-sozial, da hat sie weder gefragt, noch hatte es irgendeine Bedeutung für sie. […] Sie hat die Menschen sichtlich wirklich gerne gehabt.”

Anna Haider, die 1942 vom Volksgerichtshof wegen kommunistischer Betätigung zu 15 Jahren zuchthaus verurteilt wurde, sprach 1946 im radio über ihre mitgefangene helene kafka.1

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Gründung und Entwicklung der Gewerkschafttsbewegung in Griechenland

“Diejenigen, die uns schuldeten,
nehmen uns noch die Ochsen”

(griechisches Sprichwort)

“Was ist der Unterschied zwischen dem
Griechenland zur Zeit der Perserkriege und heute?
Damals wurden 300 geopfert, um den Rest des
Landes zu retten. Heute verhält es sich umgegkehrt.”

(Slogan auf dem Platz der Verfassung: das
griechische Parlament hat 300 Abgeordnete)

“Arme, esst euch nicht gegenseitig auf,
esst die Reichen, sie sind besser gemästet”

(Graffito in Athen)1

Quellen: Lüddemann Ralf – Zu den Anfängen der Arbeiterbewegung in Griechenland 1875 – 1918
Andere Quellen sind mit Fußnoten bezeichnet. Ab 1918 immer andere Quellen. weitere Hauptbezugsquelle das Heft 10 von 1957 Arbeit und Wirtschaft.

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Soziale Bewegungen in Wien aus vier Jahrhunderten

Ernst Gerhard Eder untersucht in seinem Buch sozialemanzipatorische Bewegungen der letzten vier Jahrhunderte in Wien. Diese selbstorganisierten Gruppierungen wurden von einzelnen Personen, losen Kollektiven aber auch sozialen Ständen und Schichten initiiert und können ab dem 18. Jahrhundert auch als „Demokratiebewegungen“ verstanden werden. Sie kämpften und kämpfen unter anderem für Grundrechte, Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit, selbst-bestimmbare Wohn- und Lebensräume, Bildungschancen, Gesundheit und ärztliche Versorgung oder Ernährungssicherheit. Der Bogen der Betrachtungen reicht von der 1712 gewaltsam niedergeschlagenen Schuhknechtsrevolte über die Rätebewegung am Beginn der Ersten Republik bis hin zu den gegenwärtigen Bemühungen, die Lobau-Autobahn zu verhindern, St. Marx für Alle zu erhalten und das Klima zu retten.

Tipp im Augustin von Christof Mackinger
Noch eine Grafik zur Verteilungsgerechtigkeit

Heutige und historische Gedanken zum Februar 1934

Weshalb braucht es eine breite Erinnerungskultur an die Ereignisse am 12. Februar 1934? 
Handelte es sich um ein singuläres, geschichtliches Ereignis oder gibt es Parallelen in der heutigen Zeit?
Weshalb hat das offizielle Österreich, vor allem einzelne Parteien, Schwierigkeiten, die eigene faschistische Vergangenheit einzugestehen?

Flugblatt der SPÖ Mürzzuschlag zur Gedenkfeier – Österreichische Nationalbibliothek

Wir im Verein Rote Spuren meinen, es braucht ein Bewusstsein für die Vergangenheit und dem faschistischen Erbe. Ohne dieses Bewusstsein ist die Entwicklung einer antifaschistischen Gesellschaft nicht möglich. Viele Gewerkschafter:innen haben am 12. Februar ihr Leben riskiert, sind gestorben oder wurden verwundet. Die Überlebenden wurden von Dollfuß und Seinesgleichen eingekerkert, ihrer Rechte beraubt oder ausgebürgert. Zivilcourage und Widerstand gegen den Austrofaschismus wurde von Polizei und Militär nieder geprügelt, verfolgt und verhindert.
Die Nazis haben publikumswirksam Bücher verbrannt, aber bereits im Austrofaschismus wurden 1500 Titel und 27.000 Exemplare in den “Arbeiterbüchereien” beschlagnahmt.

Zurück in die heutige Zeit. Die extreme Globalisierung schaffte den Typen des “Anarcho Kapitalisten”, die sich auf die Thesen von Hoppe (einem Schüler von Rothbard, dem Stammvater der Anarcho-Kapitalisten) beziehen. In der Psycherl-Analyse von Erwin Steinhauer und Fritz Schindlecker schreiben sie zu deren Vorstellungen bezüglich des Umbau der derzeitigen Demokratien treffend: “Es kommt zu einem Wettbewerb der Gauner, die heutige Demokratien in Kleptokratien umbauen  wollen, wo es keine oder kaum Hemmungen gibt, das Eigentum anderer Menschen zu entwenden”. Man beachte die Geschwindigkeit der Verteilung des Vermögens zu den Superreichen.

Welchen Bezug hat das zum Februar 1934? Gar nichts und zugleich Vieles. In beiden Epochen musste vorher die Demokratie als unfähig, schwerfällig, nicht geeignet und bürokratisch dargestellt werden. Parteien, Institutionen, die Trennung von Legislative und Exekutive, Gerichtsbarkeit und wissenschaftliche Einrichtungen, die nicht zum rechten Mainstream passten, mussten “sturmreif” geschossen werden. Die kriegerische Sprache passt hier, wenn wir auf damalige und heutige Ereignisse blicken. Auch heute erleben wir, dass einzelne Bevölkerungsgruppen als “Sündenböcke” mit Hilfe der üblichen Medien platziert werden. Es wird von Remigration gesprochen, ohne dabei darauf zu achten, dass wir beim Reinigungspersonal, Bauarbeiter:innen und im Sozialbereich ganz dringend auf diese Menschen angewiesen sind. Es wird mit Einzelereignissen Politik gemacht, um von der “Kleptokratie” der Tech-Giganten und Superreichen abzulenken.

Deshalb ist Gedenken so wichtig, denn es ist ein Signal für Demokratie, und ein wichtiger Schritt zur Gestaltung einer Gesellschaft mit einem guten, gesunden und gerechten Leben für alle.

Der Text stammt aus dem letzten Mitgliedermail. Jetzt gibt es noch ein paar historische Flugblätter, Plakate und eine Briefmarke, die anläßlich von Februarfeiern gestaltet wurden. Gesammelt haben wir sie aus dem digitalen Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek.

Zu den Plakaten

Wiener Gemeindebauten im Austrofaschismus und in der NS-Zeit

Die Wiener Gemeindebauten waren in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts eines der bahnbrechenden Projekte der sozialdemokratischen Wohnungs- und Sozialpolitik. Der Sammelband schlägt eine Brücke vom Austrofaschismus bis zum Ende der NS-Herrschaft.

Nach Überblicksdarstellungen zur Geschichte des Gemeindebaus in Wien, zu personellen Brüchen und Kontinuitäten zwischen den beiden Diktaturen und zu Fragen des Mieterschutzes widmen sich mehrere Beiträge anhand von ausgewählten Gemeindebauten dem Schicksal der dort lebenden Menschen, die als Jüd*innen verfolgt und gekündigt bzw. aufgrund ihres widerständigen Verhaltens Opfer polizeilichen und juristischen Unrechts wurden. Biografien von verfolgten Männern, Frauen und Kindern schließen den Band ab, gleichsam als „Gedenkbuch“ für die Opfer von Gewalt und Terror in den Gemeindebauten. 

Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.)
Mag.a Dr.in Claudia Kuretsidis-Haider ist Historikerin. Sie leitet die Abteilung Historische Sammlungen am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Die thematischen Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit sind: Ahndung von NS-Verbrechen in Österreich und im internationalen Kontext, Holocaustforschung, Widerstandsforschung, Gedenkpolitik und Erinnerungskultur(en)

ISBN: 978-3-205-22312-2
Böhlau Verlag Wien, 1. Auflage 2026
440 Seiten, 64 meist farb. Abb., gebunden

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Gedenkveranstaltungen zum 12. Februar 1934 in Oberösterreich

Da wir viele Mitglieder in Oberösterreich haben, sammelten wir Informationen zu den Gedenkveranstaltungen über den 12. Februar 1934.

Zum 92. Mal jährt sich am 12. Februar der Gedenk- und Erinnerungstag für jene Genoss:innen, die 1934 durch ihr Eintreten für Demokratie und Freiheit ihr Leben lassen mussten. Das Motto der traditionellen Februar-Matinee ist dieses Jahr: „Propaganda 2.0: Widerstand gegen Faschismus im digitalen Zeitalter“.

Termin: 8. Februar um 08:15

  • 08:15 Kranzniederlegung beim Anton Bulgari-Denkmal am Bulgariplatz
  • 09:15 Gedenken im Hof der Landstraße 36
    Musikalischer Rahmen: SPÖ Blasmusikorchester
  • 10:30 Sonntagsmatinee
    Eröffnung durch Landesrat Mag. Martin Winkler

    Themenimpulse von:
    Tamara Ehs, Politikwissenschafterin und Demokratieberaterin
    Yasmin Maatouk, Moderatorin, Sprecherin und Schauspielerin

Weitere Gedenkveranstaltungen zum Februar 1934

Buchpräsentation und Diskussion in der FAKTory

In der FAKTory präsentieren Werner Anzenberger, Ute Sonnleitner und Hans-Peter Weingand die 2025 erschienene Publikation „Österreich 1933/34. Eine politische Zäsur im europäischen Kontext“ und sprechen mit euch über neue Perspektiven auf diese umkämpften Jahre. Moderiert wird der Abend von Anna Rosenberg vom Bündnis 12. Februar.

Über 90 Jahre ist es her, dass die autoritäre Revolution – die systematische Aushöhlung von Demokratie und Rechts-staat durch rechtsextreme politische Kräfte – in der Errichtung der austrofaschistischen Diktatur 1933/34 einen ersten Höhepunkt fand. Der Aufstand von Teilen der Arbeiterschaft gegen diesen Putsch auf Raten im Februar 1934 scheiterte bereits nach wenigen Tagen. Im Februar 2024 fand dazu in Graz ein wissenschaftliches Symposium statt, bei dem neue Perspektiven auf diese, kontrovers diskutierten Entwicklungen und Ereignisse präsentiert wurden.

Informationen zum Buch:
Österreich 1933/34 – Eine politische Zäsur im europäischen Kontext
ISBN: 978-3-90342534-7, Verlag: CLIO

📅 9. Februar 2026
🕡 18:30 bis 20:30 Uhr
📍 FAKTory, Universitätsstraße 9, 1010 Wien
Anmeldung zur Veranstaltung

weitere Veranstaltungen zum 12. Februar 1934

Gedenkveranstaltungen des KZ-Verband zum 12. Februar 1934

Die KPÖ organisierte über die Rote Hilfe unmittelbar nach den Februarkämpfen “Geldsammlungen” für Familien der Februarkämpfer:innen. Zur Unterstützung wurde um 10 Groschen auch die Zeitschrift “Tribunal – Organ der Roten Hilfe” verkauft. Ende April wurde berichtet, dass bereits 5.900 Familien unterstützt wurden – finanziert zu zwei Drittel aus der Sowjetunion und anderen internationalen Spenden.
In der Tschechoslowakei wurden insgesamt 207 Kinder gefallener Wiener Arbeiter untergebracht, von diesen kamen 121 schließlich in die Sowjetunion. Nähere Informationen gibt es über 36 Buben und 33 Mädchen im Alter zwischen fünf und vierzehn Jahren, die in Prag untergebracht waren.
Die Eltern von sieben Kindern waren in der KPÖ organisiert, sonst waren alle SP-Mitglieder. Manche dieser Kinder hatten den Kämpfenden Essen und Munition gebracht, waren mit Verletzten und Toten konfrontiert worden. Dem Bruder eines Kindes wurde als “Vorbereitung für Aufhängen” das Bajonett an den Hals gesetzt, ein Vater in seiner Wohnung in Gegenwart der Familie bei einem Verhör geschlagen.1

Der KZ-Verband-Wien
legt am

12. Februar 2026 um 10:00 Uhr am Weisseldenkmal in der Brünner Straße

und anschließend am Schlingerhof einen Kranz nieder.

Zu den weiteren Veranstaltungen