The International Ladies‘ Garment Workers Union (ILGWU)

Die International Ladies‘ Garment Workers Union (ILGWU) wird am 3. Juni 1900 in New York gegründet. Sie vertritt Arbeiter:innen der Textilindustrie, die Damenbekleidung herstellen. Anfangs hat die ILGWU etwa 2.000 Mitglieder, überwiegend jüdische Einwander:innen aus Osteuropa.

Nach der starken Streikbewegung von 1909/10 wächst die Mitgliederzahl auf über 84.0001.

ILGWU members at March on Washington for Jobs and Freedom, female marchers, August 28, 19632

Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven stellt immer ein Objekt des Monats vor. Es handelt sich um Fotografien, Dokumente oder persönliche Erinnerungsstücke der Auswanderungs- und Einwanderungsgeschichte.

Ein ILGWU-Label im rekonstruierten New Yorker Sweatshop im Deutschen Auswandererhaus zeigt einen wichtigen Abschnitt der Geschichte des Arbeitskampfes.

Im Raum “Sweatshop” erfahren Besuchende mehr über die Geschichte von Arbeitskämpfen

Zu den wichtigsten Aktionen der ILGWU zählen der Streik „Uprising of 20,000“ (1909), die größte Frauenstreikbewegung in der US-Geschichte, angeführt von der ukrainisch-jüdischen Einwanderin Clara Lemlich, sowie der „Great Revolt“ (1910) mit rund 60.000 streikenden Mantelhersteller:innen. Diese Streiks führen zum sogenannten „Protocol of Peace“, einem bedeutenden Abkommen zwischen der ILGWU und Arbeitgeber:innen in New York. Es bringt unter anderem eine 50-Stunden-Woche und Mindestlohnerhöhungen.


Quellenverzeichnis

  1. Das Logo stammt von der Homepage der ILGWU. Der Text vom Artikel des Deutschen Auswandererhaus. ↩︎
  2. Archiv der ILGWU ↩︎

Fensterblicke ins Krematorium

Brigitte und ich besuchten während unserer Ostertour die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslager in Gusen. Vorher besuchten wir im November 2025 eine Informationsveranstaltung im Roma-Dokumentionszentrum, wo der Historiker Mag. Robert Vorberg die Erweiterungspläne zur Neugestaltung der Gedenkstätte vorstellte.


Die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers Gusen war in Österreich über Jahrzehnte weitgehend unbekannt. Das KZ Gusen in Oberösterreich war ein wesentlicher Teil des KZ-Lagersystems Mauthausen. Nach 1945 wurde das Areal des Lagers Gusen mit Wohnhäusern überbaut und von Gewerbe- und Industriebetrieben genutzt. Nur um den Krematorium-Ofen entstand eine von ehemaligen Häftlingen initiierte internationale Gedenkstätte.

Die ehemalige Krematoriumsanlage
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Die Leopoldstadt – rund um die Jägerzeile

Wir tauchen ein in die Entstehungsgeschichte der Leopoldstadt und begeben uns auf die Spurensuche der jüdischen Geschichte. In der Jägerzeile starben 1848 fast 5000 Menschen, die erste demokratischen Menschenrechte verteidigten. Die Jägerzeile als Brennpunkt von Kunst und Kultur, die die herrschaftlichen Normen herausforderte. Die Weltausstellung 1873 machte Wien zu einem Zentrum des europäischen Frauenhandels. Wie geht es den Sexarbeiter:innen heute? Der enorme Bevölkerungszuwachs am beginnenden 20. Jhdt. bedeutet eine enorme Wohnungsnot. Was waren die Antworten des Roten Wien?

Ein Stadtspaziergang der VHS-Brigittenau
in Kooperation mit den Roten Spuren
Termin: 11.04.2026, 14:00 – 16:00 Uhr
Treffpunkt: Ehemaliges Wohnhaus von Karl Renner, Praterstraße 8, 1020 Wien
Anmeldung: VHS-Brigittenau

Erinnerungszeichen für Opfer des Nationalsozialismus in Linz

Die Erinnerungszeichen sind permanente, von der Linzer Stadtverwaltung errichtete Stelen, die ein personalisiertes Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus im Stadtraum ermöglichen — insbesondere als Erinnerung an verfolgte, vertriebene und ermordete Linzer Jüd:innen.

Quelle: https://linzerinnert.at/

Im Dezember 2022 haben wir in einem Blogartikel erstmals an großteils jüdischen Opfer der Verfolgung erinnert – Erinnerungsstelen für die jüdischen Opfer in Linz. Heute nutzen wir einen Rundgang im Rahmen eines Adventure Lab, um uns mit den Stelen und den darauf genannten Opfern auseinander zu setzen.

Hier auf der Stele im Schillerpark wird Johanna Richter genannt. Johanna Richter kam 1878 als Johanna Fischer und Tochter des Bernhard Fischer und der Julie, geborene Herman, in Chiesch (Chyse, ČR) zur Welt.
1907 erfolgte die Übersiedlung der Familie nach Linz. Sie bezog ihre Wohnung an der Landstraße 71. Im selben Haus richtete Julius Richter seine Arztpraxis ein. Das Ehepaar war in mehrere Linzer Vereine, nichtjüdische wie jüdische, eingegliedert.
Ihr älterer Sohn Hans folgte seinem Vater im Arztberuf nach. Er war Sozialdemokrat und unter den Linzer Arbeiterinnen und Arbeitern als moderner und uneigennütziger Arzt sehr gefragt. Ab 1934 gelang es den Protagonisten des austrofaschistischen Regimes den jüdischen Arzt sukzessive an seiner Arbeit zu hindern. Diese schleichende Verfolgung mündete schließlich in einer Anklage, in einem Schauprozess und einem Dr. Hans Richters weitere Arbeit zunichte machenden Urteil. In dem ganzen Vorgehen wird der dem christlich-deutschen Ständestaat innewohnende und von Bischof Gföllner noch geförderte Antisemitismus deutlich.
Dem Sohn gelang eine Flucht nach Argentinien. In letzter Minute konnte er auch seine betagte Mutter zu sich holen. 
Johanna Richter starb 1955 und wurde in Buenos Aires begraben.

Zu weiteren Stelen

5 vor 12 – Unerhörter Widerstand

Am OK-Platz in Linz treffen wir gute Freun d:innen. Den Treffpunkt haben wir wegen eines interessanten Mahnmals ausgewählt.

Es ist nie zu spät, Frauen,
die unter höchstem Risiko Widerstand leisteten,
ein Denkmal zu setzen.
Sie sind Vorbilder für Demokratie – die Brücke zur Gegenwart.

Martina Gugglberger, Historikerin

Jeden Samstag um 5 vor 12 Uhr würdigt die Audio-Skulptur am OK Platz mit einem lauten Aufschrei eine Frau, indem ihr Name, sowie der Ort und die Art ihrer Widerstandshandlung genannt werden. Mit diesem einzigartigen Projekt entsteht inmitten der Landeshauptstadt ein Ort, der auf die von der Gesellschaft bisher kaum beachtete Rolle von Frauen im Widerstand gegen das NS-Regime aufmerksam macht.
Wir treten durch die Ringe wird durch einen Bewegungssensor eine Tonspur ausgelöst und wir erfahren mehr über die mutigen Taten der bisher wenig bekannten Heldinnen.

Zu den Frauen

Starke Frauen beim Walk of FEM

Sterne für weibliche Stars

Wer kennt Käthe Diernesberger, Marie Donner, Camilla Estermann, Leopoldine Feichtinger, Ferdinanda Floßmann, Anna Gröblinger, Gisela Tschofenig-Taurer oder Cäcilie Zinner? Wer hat von ihnen schon etwas gehört, gelesen? Wer hat sich bisher an sie erinnert? Das frage ich mich bei den Namen, die in goldenen Sternen auf der Ernst-Koref-Promenade in Linz aufgetragen sind.

Sie alle waren starke Frauen. Egal ob Dienstmädchen, Arbeiterin, Wissenschafterin, Künstlerin, Politikerin, Betriebsrätin, Widerstandskämpferin, Sozialarbeiterin, Unternehmerin, Jüdin, Katholikin, – sie alle mussten sich durchsetzen, um ihre Position ringen, manche waren widerständig, verloren dabei sogar ihr Leben. Sie alle sind Vorreiterinnen für uns Frauen, sie hatten Kraft und Mut trotz vieler Widrigkeiten in ihrem Leben. Dies muss gewürdigt und es muss auch immer wieder daran erinnert werden. Und das wird es in Linz mit dem Walk of FEM, bestehend aus mittlerweile ca. 90 Sternen.

Doch wer waren sie? Hier drei Frauen, stellvertretend für die Vielen.

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Mahnmal für aktive Gewaltfreiheit in Linz

Aktive Gewaltfreiheit ist die innere Haltung gegenüber anderen Menschen. Aktive Gewaltfreiheit bedeutet

Achtung des Lebens aller Menschen
Anerkennung der Würde, Freiheit und Persönlichkeit jeder Person1

Am 2. Oktober 2017 wurde in der Friedensstadt Linz das europaweit erste „Mahnmal für aktive Gewaltfreiheit“ des Linzer Künstlers Karl-Heinz Klopf zwischen Nibelungenbrücke und Neuen Rathaus Linz der Öffentlichkeit feierlich übergeben.

Das Mahnmal für aktive Gewaltfreiheit besteht aus zwei unterschiedlich geformten Blöcken zum Sitzen. Diese stehen für Personen mit stark entgegengesetzten Meinungen und Lebensauffassungen, aber sie wenden sich einander zu: bereit zum wertschätzenden Dialog2.

Reiner Steinweg, ein angesehener Friedensforscher, der in Linz lebt, hat den Anstoß für dieses Denkmal gegeben. Der Linzer Künstler Karl-Heinz Klopf hat es gestaltet. Ein Element aktiver Gewaltfreiheit ist Gewaltfreie Kommunikation. Genau diese wird hier symbolisch dargestellt und gleichzeitig wird auch zu entsprechendem Handeln und Gespräch eingeladen. Eine zylindrische und eine kubische Sockel-Skulptur, also zwei verschiedene Formen, stehen einander gegenüber. Sie sind schräg geneigt, zeigen also ein aktives einander Zuwenden.
Zwei Gesprächspartner mit unterschiedlichen Standpunkten sitzen einander gegenüber, nehmen einander wahr und lassen sich auf ein wertschätzendes, zuhörendes, klärendes Gespräch auf gleicher Augenhöhe ein3.

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Schmauchspuren des Bürgerkriegs

Die Ursache für Ereignisse am 12. Februar 1934 war die Politik des christlichsozialen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß, der ab März 1933 die Demokratie demontierte: Ausschaltung des Parlaments, Verbot von Wahlen, Verbot von Versammlungen und Mai-Aufmärschen, die Ausschaltung des Verfassungsgerichtshofes, Verbot des Schutzbundes bei gleichzeitiger Heranziehung der Heimwehr als Hilfspolizei, Abschaffung der gewählten Vertretung in der Arbeiterkammer1.

Wir sind zum Aufcampen einige Tage in Linz und nutzen die Gelegenheit einerseits unserer Vorliebe des Geocaching und gleichzeitig den „Roten Spuren“ im Februar 1934 nachzuspüren.
Herzlichen Dank an den Owner für die Gestaltung des Adventure Lab.

Für den überwiegenden Teil der Bevölkerung sind die Ereignisse des 12.Februar 1934 ein Bestandteil der Geschichte, mit dem man wenig anzufangen weiß.
Die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen dieser Tage hatten in Linz ihren Ausgang genommen und sich über ganz Österreich ausgebreitet. Was hier begann, ist von welthistorischer Bedeutung. Zum erstenmal hatten sich Arbeiter gegen die drohende Gefahr einer faschistischen Machtergreifung mit Waffengewalt zur Wehr gesetz2t. 
Bei der Betrachtung der Ereignisse würde ich nicht von einem Bürgerkrieg sprechen, denn die Bürger Österreichs waren maximal Zuseherinnen wie eine verzweifelte Arbeiter:innenbewegung versuchte die Demokratie und die Republik zu retten.

Unsere erste Station war das Denkmal am Bernaschek-Platz, das 1988 von den Opferverbänden errichtet wurde.

Eine „historische Gerechtigkeit“ ist, dass der Platz nach 1945, der ursprünglich auch zwei Jahre Starhembergplatz (Heimwehrführer) hiess, in Bernaschekplatz umbenannt wurde. Die Heimwehrleute von denen es im Umland tausende gab, waren die Totengräber der Republik.

Benannt 1945 nach Richard Bernaschek (1888-1945), dem Führer des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich und des Aufstandsversuches vom Februar 1934. 1945 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet.
Richard Bernaschek, in der Zwischenkriegszeit Landesparteisekretär der Sozialdemokratischen Partei und Führer des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich, initiierte den Aufstand im Februar 1934 und wurde verhaftet. Ihm gelang die Flucht und er kehrte 1939 zurück.

1944 wurde Bernaschek nach dem missglückten Stauffenberg-Attentat auf Hitler verhaftet, in das KZ Mauthausen verbracht und kurz vor Kriegsende dort erschossen.3

Weiter bei unserer Tour

Licht, Luft und Schatten“

Lesung zu
Widerstand und Verfolgung in Wiener Gemeindebauten

Termin am 13. April 2026 um 18.30
Ort: in den SOHO Studios im Sandleitenhof
(Liebknechtgasse 32, 1160 Wien)
mit Michael Achenbach, Peter Autengruber, Winfried R. Garscha,
Claudia Kuretsidis-Haider und Manfred Mugrauer;
Anmeldungen per E-Mail an info@sohostudios.at

ISBN: 978-3-205-22312-2
Böhlau Verlag Wien, 1. Auflage 2026
440 Seiten, 64 meist farb. Abb., gebunden

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