Gruppe 40 – “Opfertheorie” verschwindet nicht

Der Historiker Oliver Rathkolb zählt im Standard im Rahmen des Artikel “43% wünschen sich einen starken Mann” unter anderem die Versäumnisse der Schule im Geschichtsunterricht auf.

STANDARD: Aber sehr viele wollen lieber einen Schlussstrich unter das Thema ziehen.

Rathkolb: Positiv ist, dass dieser Wert im Vergleich zum Jahr 2007 gesunken ist. Damals gab es eine wesentlich höhere Zustimmungsrate zur Schlussstrichdebatte. Jetzt sind es aber immer noch 40 Prozent. Auch wenn die Zahl sinkt: Jeder Vierte glaubt noch daran, dass Österreich das erste Opfer des Nationalsozialismus war. Es gehört einfach besser erklärt, dass es nicht darum geht, die alten Römer auf neu zu unterrichten, sondern dass diese furchtbare Erfahrung mit einer totalitären Diktatur in Europa die Basis für ein funktionierendes, demokratisches Systembewusstsein in der Gegenwart und Zukunft ist.

Eine Topografie der Erinnerung

Walter Manoschek und Peter Pirker leiten das  Projekt Politics of Remembrance (POREM). In diesem Projekt untersuchen sie die Politik der Erinnerung an die politische Gewalt von Austrofaschismus und Nationalsozialismus, wie sie in Wien zwischen 1995 und 2015 an öffentlichen Orten sichtbar geworden ist.  Im Standard sagt Peter Pirker

Wir analysieren die Erinnerungszeichen ja nicht als Artefakte, sondern verstehen sie als Materialisierung von sozialen Prozessen.

Das Projektteam erstellt auch Landkarten, die sichtbar machen, wo in der Stadt im Laufe der Jahre welcher Opfergruppe gedacht wurde.

„Alle“ und niemand töteten Kirchweger

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In den ORF-News erinnern sie heute anläßlich des 50igsten Todestages von Ernst Kirchweger. Damals wie heute sorgen “stramme Burschen” für den richtigen deutschen Ton. Burschenschafter, Kartellverbände, rechte Rabauken – ob als Kapperlträger oder als Nipster von rechts – eines haben sie immer gemeinsam – nazistische Parolen bei ausländerfeinlichen Demos, Hitlerfrömmelei und rechtsextremen Attacken auf die Demokratie.

Was war damals geschehen? StudentInnen, die sich gegen einen rechtsextremen Professor wehren – Taras Borodajkewycz – beschützt vom ÖVP – Establishment. Bei einer Kundgebung attackieren Rechte Studenten (RFS) die Demonstranten, einer von ihnen den 67-jährigen Antiafschisten Ernst Kirchweger am 31. März so schwer, dass dieser zwei Tage später seinen Verletzungen im Spital erliegt.

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