Fensterblicke ins Krematorium

Brigitte und ich besuchten während unserer Ostertour die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslager in Gusen. Vorher besuchten wir im November 2025 eine Informationsveranstaltung im Roma-Dokumentionszentrum, wo der Historiker Mag. Robert Vorberg die Erweiterungspläne zur Neugestaltung der Gedenkstätte vorstellte.


Die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers Gusen war in Österreich über Jahrzehnte weitgehend unbekannt. Das KZ Gusen in Oberösterreich war ein wesentlicher Teil des KZ-Lagersystems Mauthausen. Nach 1945 wurde das Areal des Lagers Gusen mit Wohnhäusern überbaut und von Gewerbe- und Industriebetrieben genutzt. Nur um den Krematorium-Ofen entstand eine von ehemaligen Häftlingen initiierte internationale Gedenkstätte.

Die ehemalige Krematoriumsanlage
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Erinnerungszeichen für Opfer des Nationalsozialismus in Linz

Die Erinnerungszeichen sind permanente, von der Linzer Stadtverwaltung errichtete Stelen, die ein personalisiertes Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus im Stadtraum ermöglichen — insbesondere als Erinnerung an verfolgte, vertriebene und ermordete Linzer Jüd:innen.

Quelle: https://linzerinnert.at/

Im Dezember 2022 haben wir in einem Blogartikel erstmals an großteils jüdischen Opfer der Verfolgung erinnert – Erinnerungsstelen für die jüdischen Opfer in Linz. Heute nutzen wir einen Rundgang im Rahmen eines Adventure Lab, um uns mit den Stelen und den darauf genannten Opfern auseinander zu setzen.

Hier auf der Stele im Schillerpark wird Johanna Richter genannt. Johanna Richter kam 1878 als Johanna Fischer und Tochter des Bernhard Fischer und der Julie, geborene Herman, in Chiesch (Chyse, ČR) zur Welt.
1907 erfolgte die Übersiedlung der Familie nach Linz. Sie bezog ihre Wohnung an der Landstraße 71. Im selben Haus richtete Julius Richter seine Arztpraxis ein. Das Ehepaar war in mehrere Linzer Vereine, nichtjüdische wie jüdische, eingegliedert.
Ihr älterer Sohn Hans folgte seinem Vater im Arztberuf nach. Er war Sozialdemokrat und unter den Linzer Arbeiterinnen und Arbeitern als moderner und uneigennütziger Arzt sehr gefragt. Ab 1934 gelang es den Protagonisten des austrofaschistischen Regimes den jüdischen Arzt sukzessive an seiner Arbeit zu hindern. Diese schleichende Verfolgung mündete schließlich in einer Anklage, in einem Schauprozess und einem Dr. Hans Richters weitere Arbeit zunichte machenden Urteil. In dem ganzen Vorgehen wird der dem christlich-deutschen Ständestaat innewohnende und von Bischof Gföllner noch geförderte Antisemitismus deutlich.
Dem Sohn gelang eine Flucht nach Argentinien. In letzter Minute konnte er auch seine betagte Mutter zu sich holen. 
Johanna Richter starb 1955 und wurde in Buenos Aires begraben.

Zu weiteren Stelen

5 vor 12 – Unerhörter Widerstand

Am OK-Platz in Linz treffen wir gute Freun d:innen. Den Treffpunkt haben wir wegen eines interessanten Mahnmals ausgewählt.

Es ist nie zu spät, Frauen,
die unter höchstem Risiko Widerstand leisteten,
ein Denkmal zu setzen.
Sie sind Vorbilder für Demokratie – die Brücke zur Gegenwart.

Martina Gugglberger, Historikerin

Jeden Samstag um 5 vor 12 Uhr würdigt die Audio-Skulptur am OK Platz mit einem lauten Aufschrei eine Frau, indem ihr Name, sowie der Ort und die Art ihrer Widerstandshandlung genannt werden. Mit diesem einzigartigen Projekt entsteht inmitten der Landeshauptstadt ein Ort, der auf die von der Gesellschaft bisher kaum beachtete Rolle von Frauen im Widerstand gegen das NS-Regime aufmerksam macht.
Wir treten durch die Ringe wird durch einen Bewegungssensor eine Tonspur ausgelöst und wir erfahren mehr über die mutigen Taten der bisher wenig bekannten Heldinnen.

Zu den Frauen

Gedenkstein am Mexikoplatz

Die Regierung von Mexiko, in steter Beachtung der Grundsätze der Satzung und getreu ihrer internationalen Politik, die keine durch Gewalt erfolgte Eroberung hinnehmen kann, protestiert auf das entschiedenste gegen die Aggression von außen, der Österreich vor kurzem zum Opfer gefallen ist. Sie erklärt vor der öffentlichen Meinung der Welt, dass ihrer Meinung nach der einzige Weg zur Erreichung des Friedens und zur Vermeidung weiterer internationaler Anschläge, wie jene auf Äthiopien, Spanien, China und Österreich, die Erfüllung der Verpflichtungen aus der Satzung, den abgeschlossenen Verträgen und den Grundsätzen des Völkerrechts ist. Andernfalls würde die Welt leider früher oder später von einer weit größeren Katastrophe erfasst werden als jener, die man zu vermeiden sucht, indem man außerhalb des Gefüges des Völkerbundes handelt1.

In der Sitzung des Völkerbundes unterstützten das republikanische Spanien, die Sowjetunion und Chile den Protest2. Bei unserer gestrigen Tour durch die Leopoldstadt besuchten wir dieses Denkmal.

Gestiftet wurde das Denkmal von Stadt Wien
Enthüllung des Gedenksteins im Jahre 1985 durch Bürgermeister Helmut Zilk und den Botschafter von Mexiko Roberto de Rosenzweig-Diaz.

Zum Gedenken an die mexikanische Protestnote stiftete die Republik Österreich 1988 ein Denkmal in Mexiko City3.

Künstler: Herbert Josl4

Es gab hier bereits eine temporäre Installation, die gegen den Opfermythos Österreichs, der nach dem Zweiten Weltkrieg bis weit in die 1990er Jahre strapaziert wurde.


Quellenverzeichnis

  1. Die Arbeiter von Wien, Hrsg. Kurt Stimmer im Auftrag des Bildungsausschusses der Wiener SPÖ, Jugend und Volk 1988, Seite 69 ↩︎
  2. Antifaschistische Denkmäler und Gedenkstätten – das rote Wien ↩︎
  3. www.nachkriegsjustiz.at ↩︎
  4. Wikipedia ↩︎

Vom Operationssaal zum Hinrichtungsraum

Mit dieser Überschrift beschreibt Werner Kunzenmann in der Dokumentation über die Schwester Restituta ihren Weg von der Einlieferung in das Polizeigefängnis bis zum Hinrichtungsraum im Landesgericht Wien1.


Wir besuchten das Restituta Museum – Glaube gegen Gewalt in der Hartmanngasse. Das Transform – Netzwerk, eine politische Stiftung der Europäischen Linken, organisierte den Besuch des Museums und eine Präsentation mit Sr. Ruth Beinhauer im Kloster der „Hartmannschwestern“ in Wien.

Da Sr. Restituta – wie auch ihre Mitschwestern – stets um ganzheitliche Pflege bemüht war, kam sie bald bei einem fanatischen SS-Arzt, Dr. Stumfohl, Verächter der „Minderwertigen“ und Kirchenfeind, in Misskredit. Der Parteispitzel begann nach einer Möglichkeit zu suchen, die mutigste Gegnerin des Hakenkreuzes aus dem Mödlinger Krankenhaus zum Verschwinden zu bringen.

Aus dem Widerstand von Schwester Restituta

Gedenkfahrt nach Engerau

Busexkursion am 26. März 2026
Abfahrt: 08:00 Uhr, Praterstern, 1020 Wien
Kosten: Euro 20.-
Anmeldung bis 20. März unter DÖW

Ende November/Anfang Dezember 1944 wurde in Engerau (Petržalka, Bratislava) ein Arbeitslager für ungarische Juden eingerichtet. Circa 2000 Zwangsarbeiter mussten beim Bau des sog. Südostwalles Sklavenarbeit leisten. Viele starben an den Folgen von Hunger, Kälte und Misshandlungen oder wurden von Wiener SA-Männern oder Politischen Leitern ermordet. Mehr als 100 Männer kamen Ende März 1945 im Zuge des „Todesmarsches“ von Engerau nach Bad Deutsch-Altenburg ums Leben.

Besuch folgender Gedächtnisorte:
Mahnmal auf dem Friedhof Bratislava-Petržalka

10 Uhr: Gedenkfeier mit SE Botschafter Johannes Wimmer und Vertreter*innen der Botschaften von Deutschland, Israel und Ungarn sowie mit James R. Moser, Sohn von Jonny Moser; Musikalische Umrahmung: Naama Isabelle Fassbinder-Davidowicz (Gesang) und Adula ibn Quadr (Violine)

Gedenktafel am Restaurant Leberfinger Viedenská cesta, PetržalkaMit Eleonore Lappin-Eppel, Historikerin
Gedenkstein vor der Pfarrkirche Wolfsthal
Gedenkstele beim Ungartor in Hainburg
Grabstätte auf dem Friedhof Bad Deutsch-Altenburg
Gedächtnisort Kurpark Bad Deutsch-Altenburg

Mittagessen (auf eigene Kosten) im Restaurant Leberfinger, Bratislava

Rückkehr Wien: 18.00 Uhr

Gedenkstätte in der Athener Strasse GLADSTONOS

Am Weg zu einem Meeting während unserer Studienreise in Athen entdeckten wir in einer Fußgängerzone im Zentrum von Athen diese Gedenkstätte. Vor ein paar Tagen recherchierte ich auf der Plattform „Gedenkorte-Europa 1939 – 1945“ und fand bezüglich dieser Gedenksäulen einen Eintrag.

Am 20. September 1942 verübten Mitglieder der bürgerlichen Widerstandsorganisation PEAN (Panhellenische Union der kämpfenden Jugend) unter Führung ihres Chefs Kostas Perrikos einen Sprengstoffanschlag auf das Büro der ESPO (Nationalsozialistische patriotische Organisation) in der Gladstonos. Die zweite und dritte Etage des Gebäudes, in dem die ESPO – die sich u.a. zum Ziel gesetzt hatte, rechtsgerichtete freiwillige Soldaten und Offiziere zu einer griechischen Einheit der Waffen-SS für die deutsche Ostfront zu rekrutieren – ihren Sitz hatte, wurden von der deutschen Wehrmacht genutzt.

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Antifaschistischer Widerstand hat viele – weibliche – Gesichter

Veranstaltung
Mensch – Kämpferin – Märtyrerin
Schwester Restituta (Helene) Kafka und ihre Briefe aus der Haft

Im Kloster der Franziskanerinnen von der christlichen Liebe („Hartmannschwestern“) in Wien Margareten besuchen wir die Dauerausstellung „Restituta – Glaube gegen NS“-Gewalt“ und Sr. Ruth Beinhauer präsentiert ihr Forschungsprojekt zu den Briefen Sr. Restitutas / Helene Kafkas aus der Haft.

Eine Veranstaltung von arge fem KPÖ, DIALOP, Rote Spuren, transform.at, Franziskanerinnen von der christlichen Liebe, Verein Restituta-Forum

Anmeldungen noch bis 12. März 2026 möglich. Bitte gleich an: steiner@transform-network.net

Sr. Maria Restituta (Helene) Kafka war eine österreichische Ordens- und Krankenschwester und Widerstandskämpferin zur Zeit des Nationalsozialismus. Sie ist die einzige Ordensfrau, die von den Nazis für ihren Glauben und Widerstand nach einem Gerichtsprozess mit Todesurteil ermordet wurde. 1998 wurde sie als erste Märtyrerin Österreichs seliggesprochen.

„Sie hat geholfen ohne Rücksicht auf Nationalität oder Weltanschauung, ob jemand katholisch war oder konfessionslos oder kommunistisch war oder sozialdemokratisch oder christlich-sozial, da hat sie weder gefragt, noch hatte es irgendeine Bedeutung für sie. […] Sie hat die Menschen sichtlich wirklich gerne gehabt.“

Anna Haider, die 1942 vom Volksgerichtshof wegen kommunistischer Betätigung zu 15 Jahren zuchthaus verurteilt wurde, sprach 1946 im radio über ihre mitgefangene helene kafka.1

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Heutige und historische Gedanken zum Februar 1934

Weshalb braucht es eine breite Erinnerungskultur an die Ereignisse am 12. Februar 1934? 
Handelte es sich um ein singuläres, geschichtliches Ereignis oder gibt es Parallelen in der heutigen Zeit?
Weshalb hat das offizielle Österreich, vor allem einzelne Parteien, Schwierigkeiten, die eigene faschistische Vergangenheit einzugestehen?

Flugblatt der SPÖ Mürzzuschlag zur Gedenkfeier – Österreichische Nationalbibliothek

Wir im Verein Rote Spuren meinen, es braucht ein Bewusstsein für die Vergangenheit und dem faschistischen Erbe. Ohne dieses Bewusstsein ist die Entwicklung einer antifaschistischen Gesellschaft nicht möglich. Viele Gewerkschafter:innen haben am 12. Februar ihr Leben riskiert, sind gestorben oder wurden verwundet. Die Überlebenden wurden von Dollfuß und Seinesgleichen eingekerkert, ihrer Rechte beraubt oder ausgebürgert. Zivilcourage und Widerstand gegen den Austrofaschismus wurde von Polizei und Militär nieder geprügelt, verfolgt und verhindert.
Die Nazis haben publikumswirksam Bücher verbrannt, aber bereits im Austrofaschismus wurden 1500 Titel und 27.000 Exemplare in den „Arbeiterbüchereien“ beschlagnahmt.

Zurück in die heutige Zeit. Die extreme Globalisierung schaffte den Typen des „Anarcho Kapitalisten“, die sich auf die Thesen von Hoppe (einem Schüler von Rothbard, dem Stammvater der Anarcho-Kapitalisten) beziehen. In der Psycherl-Analyse von Erwin Steinhauer und Fritz Schindlecker schreiben sie zu deren Vorstellungen bezüglich des Umbau der derzeitigen Demokratien treffend: „Es kommt zu einem Wettbewerb der Gauner, die heutige Demokratien in Kleptokratien umbauen  wollen, wo es keine oder kaum Hemmungen gibt, das Eigentum anderer Menschen zu entwenden“. Man beachte die Geschwindigkeit der Verteilung des Vermögens zu den Superreichen.

Welchen Bezug hat das zum Februar 1934? Gar nichts und zugleich Vieles. In beiden Epochen musste vorher die Demokratie als unfähig, schwerfällig, nicht geeignet und bürokratisch dargestellt werden. Parteien, Institutionen, die Trennung von Legislative und Exekutive, Gerichtsbarkeit und wissenschaftliche Einrichtungen, die nicht zum rechten Mainstream passten, mussten „sturmreif“ geschossen werden. Die kriegerische Sprache passt hier, wenn wir auf damalige und heutige Ereignisse blicken. Auch heute erleben wir, dass einzelne Bevölkerungsgruppen als „Sündenböcke“ mit Hilfe der üblichen Medien platziert werden. Es wird von Remigration gesprochen, ohne dabei darauf zu achten, dass wir beim Reinigungspersonal, Bauarbeiter:innen und im Sozialbereich ganz dringend auf diese Menschen angewiesen sind. Es wird mit Einzelereignissen Politik gemacht, um von der „Kleptokratie“ der Tech-Giganten und Superreichen abzulenken.

Deshalb ist Gedenken so wichtig, denn es ist ein Signal für Demokratie, und ein wichtiger Schritt zur Gestaltung einer Gesellschaft mit einem guten, gesunden und gerechten Leben für alle.

Der Text stammt aus dem letzten Mitgliedermail. Jetzt gibt es noch ein paar historische Flugblätter, Plakate und eine Briefmarke, die anläßlich von Februarfeiern gestaltet wurden. Gesammelt haben wir sie aus dem digitalen Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek.

Zu den Plakaten

Wiener Gemeindebauten im Austrofaschismus und in der NS-Zeit

Die Wiener Gemeindebauten waren in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts eines der bahnbrechenden Projekte der sozialdemokratischen Wohnungs- und Sozialpolitik. Der Sammelband schlägt eine Brücke vom Austrofaschismus bis zum Ende der NS-Herrschaft.

Nach Überblicksdarstellungen zur Geschichte des Gemeindebaus in Wien, zu personellen Brüchen und Kontinuitäten zwischen den beiden Diktaturen und zu Fragen des Mieterschutzes widmen sich mehrere Beiträge anhand von ausgewählten Gemeindebauten dem Schicksal der dort lebenden Menschen, die als Jüd*innen verfolgt und gekündigt bzw. aufgrund ihres widerständigen Verhaltens Opfer polizeilichen und juristischen Unrechts wurden. Biografien von verfolgten Männern, Frauen und Kindern schließen den Band ab, gleichsam als „Gedenkbuch“ für die Opfer von Gewalt und Terror in den Gemeindebauten. 

Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.)
Mag.a Dr.in Claudia Kuretsidis-Haider ist Historikerin. Sie leitet die Abteilung Historische Sammlungen am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Die thematischen Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit sind: Ahndung von NS-Verbrechen in Österreich und im internationalen Kontext, Holocaustforschung, Widerstandsforschung, Gedenkpolitik und Erinnerungskultur(en)

ISBN: 978-3-205-22312-2
Böhlau Verlag Wien, 1. Auflage 2026
440 Seiten, 64 meist farb. Abb., gebunden

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