Faschismusmahnmal im Friedenspark

Beim Stadtrundgang in Mattersburg im laufe des Geschichtetags zeigten uns Georg und Elisabeth Luif das Faschismusmahnmal im Friedenspark. Es ist den Opfern des Faschismus gewidmet und hat die Inschrift:(01)

Nieder wieder Krieg – Nie wieder Faschismus

Liste von aus politischen Gründen inhaftierten Mattersburgern 1934 – 1945 (02)

  • ADAM Johann, geb. 19.7.1877, Amsrat i.R. war von 12.3. – 21.3.1938 im Bezirksgericht Mattersburg
  • BUCHER Franz, geb. 7.1.1921, Landarbeiter: er wurde 1937, im 16. Lebensjahr, als landwirtschaftlicher Arbeiter in das Altreich vermittelt und arbeitete bei verschiedenen Landwirten im Kreis Hannover, Kiel und zuletzt im Kreis Penne beim Bauern Gustav Tettner in Rüber. Zufolge seines Geständnisses hat sich Bucher Anfang März 1940 in Penne abfällig über den Führer und Reichskanzler geäußert und befürchtete seine Verhaftung, weshalb er am 19.3. seine Dienststelle heimlich verließ, vorerst seine Eltern in Mattersburg besuchte und von dort nach Vorarlberg reiste. Nahe der Liechtensteiner Grenze wurde er am 8.4.1940 von Organen des Grenzschutzes aufgegriffen, als er gerade im Begriffe war, die Grenz nach Liechtenstein zu überschreiten. (03) Inhaftierung: 6.4.-23.4.1940, 20.9.-4.11.1940 und 9.6.1941 – 5.11.1942 im Gefangenenhaus Feldkirch und Jugendgefängnis Herford
  • GSELLMANN Hans, geb. 21.3.1902, Lehrer. Er war von 12.3. – 3.5.1938 im Bezirksgericht Mattersburg
  • HODOSY Josef, geb. 9.12.1923 aus der Übergabeliste des KZ-Mauthausen von 80 nach Wien überstellten Roma und Sinti am 9.10.1941. Von diesen Häftlingen wurden 79 am 29.10.1941 als Neuzugänge in Lackenbach eingetragen. (05)
  • KOCH Michael, geb. 4.10.1877, Maurer, Landesrat, Bürgermeister und Präsident des Bgld. Landtages. Er war vom 13.3. – 18.6.1938 im Bezirksgericht Mattersburg und Eisenstadt.
  • KOCH Michael, geb. 4.10.1907, Landwirt. Er war von 15.3. – 20.3.1938 im Bezirksgericht Mattersburg.
  • NEMETH Franz, geb. 5.2.1891, Postamtsleiter. Er war von 12.3. – 21.3.1935 gefangen.
  • SIEBER Josef, geb. 23.12.1912, Oberamtmann. Er war von 13.3. – 23.3.1938 im BG Mattersburg.
  • TRUKESITZ Anton, geb. 29.9.1913, Landesführer der kath. Jugend. Er war von 12.3. – Ende Mai 1938 im Polizeikommissariat Eisenstadt, Gestapo Eisenstadt und im Herbst 1938 weiter 4 Wochen Gestapo Wien. Er wurde als Gemeindesekretär, wohnhaft beim Alten Stadttor Nr.4, wegen seiner Zugehörigkeit zur katholischen Reichsbundjugend, der er als Landesführer voranging, seiner österreichischen Gesinnung und als Jugendbeirat in der Landesführung der Vaterländischen Front des Burgenlands von seiten der GESTAPO des öfteren verhaftet, längere Zeit inhaftiert und von seinem Posten als Beamter der burgenländischen Landeshypothekenanstalt, Filiale Eisenstadt, nach §4 der Anordnung zur Neuordnung des österr. Beamtentums fristlos, ohne jede Pension und Abfertigung entlassen. (04)

Leopold Redlinger: „Damals war ich noch ein gläubiger Kommunist“

Leopold Redlinger wurde 1917 in Mattersdorf im heutigen Burgenland geboren. Sein Vater, ein Kaufmann, stammte ursprünglich aus Pressburg (Bratislava); die Familie sei-ner Mutter, einer Hausfrau, kam aus Mähren; 1927 ließen sich die Eltern scheiden und seine Mutter zog mit dem Zehnjährigen in den jüdischen Stadtteil von Mattersburg. Im Alter von vierzehn Jahren ging er nach Wien, um eine Bäckerlehre zu machen.

Angezogen von der politischen Arbeit der Kommunistischen Partei, trat Redlinger in Wien bald verschiedenen kommunistischen Organisationen bei. Aufgrund seiner Mitgliedschaft in der vom Dollfuß-Schuschnigg-Regime im Mai 1933 verbotenen KPÖ und der damit verbundenen politischen Tätigkeiten musste er im Sommer 1934 eine mehrwöchige Haftstrafe absitzen. Nach einer zweiten Verhaftung im Mai 1936 wurde er wegen Hochverrats angeklagt und 1937 schließlich in die Tschechoslowakei ausgewiesen, da Redlinger nicht österreichischer Staatsbürger war. In Bratislava schloss er sich wiederum der Kommunistischen Partei an und engagierte sich politisch vor allem innerhalb der dort ansässigen deutsch-slowakischen Bevölkerung. 1939 wurde er vom klerikal-nationalistischen Tiso-Regime aufgrund seiner Tätigkeit für die Kommunistische Partei verhaftet und zu 13 Jahren Haft verurteilt. Nachdem er fünf Jahre in unterschiedlichen Gefängnissen zugebracht hatte, wurde er vom slowakischen Kollaborationsregime an das Deutsche Reich ausgeliefert und im Februar 1945 als deutscher «Schutzhäftling» (d.h. als politischer Häftling) nach Mauthausen deportiert.

Sowohl Leopold Redlingers Vater als auch seine Mutter wurden von den Nationalsozialisten als Juden verfolgt und ermordet. Nach seiner Befreiung aus dem KZ Ebensee im Mai 1945 meldete sich der Überlebende zunächst für einen Transport in die Tschechoslowakei, wurde aber dann als Deutschsprachiger von dort ausgewiesen und kam wieder nach Wien. Dort arbeitete er bei der Freien Österreichischen Jugend, im Parteiverlag der KPÖ und war auch im Gewerkschaftsbund. 1950 heiratete er. Er machte sich wenige Jahre darauf zusammen mit seiner Frau in der Gastronomie selbständig, erkrankte aber und musste das Geschäft bald aufgeben. Er arbeitete dann als Anzeigenwerber für eine österreichische Tageszeitung. Bereits einige Jahre vor dem Pensionsalter musste der Wahlwiener aus gesundheitlichen Gründen seine Arbeit wieder aufgeben. Leopold Redlinger lebte zum Zeitpunkt des Interviews nach eigenen Angaben von einer kleinen Altersrente, einem Hilflosen-Zuschuss und der Opferrente im siebten Wiener Gemeindebezirk. Er verstarb 2008.(09)

Beispiele für Formen des Widerstands in Mattersburg

Aktivitäten gegen den Austrofaschismus – Grazer Tagblatt, 22. Juni 1934, Seite 2 (07)

Aus mehreren Dokumenten geht hervor, dass ganze Einheiten des Volkssturms (das letzte Aufgebot Hitlers) beim Anrücken der Roten Armee die Waffen streckten. Für den Bezirk Mattersburg berichtete die Gendamerie, dass von 1727 Volkssturmmännern 1702 die Waffen streckten. Wenn auch die subjektive Seite – ob der einzelne aus politischen Gründen handelte oder nicht – aus den Akten nicht immer hervorgeht, so bedeutete die „Entziehung vom Wehrdienst“ objektiv eine Schwächung hitler-Deutschlands und damit einen Beitrag zum Sieg der Aliierten und zur Befreiung Österreichs. (06)

Cafe Karl in Mattersburg
Johann Simon hat sich am 8. September 1941 im Cafe, somit öffentlich, in Gesellschaft anderer Kaffeehausbesucher, darunter auch des Zeugen Josef Pleyer, des Organisationsleiters der Ortsgruppe Mattersburg der NSDAP, über den Josef Steiger im Verlauf einer Debatte wie folgt geäußert: „Du warst und bis kein Nationalsozialist, den Nationalsozialisten sind ja Räuber und nehmen den Menschen alles weg, wir waren anständig und haben niemanden etwas genommen.“ Dafür erhielt er 3 Monate Gefängnis.(08)


Quellenverzeichnis

  • 01 – Stumme Zeugen, Bildstöcke, Kapellen, Denkmäler – Gedenkkultur in Mattersburg, Georg Luif, Mattersburg September 2018 – Seite 72
  • 02 – Widerstand und Verfolgung im Burgenland 1934 – 1945 – eine Dokumentation, Herausgeber: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands, 2. Auflage Wien 1983, ISBN 3-215-02259-1, Seiten 424 ff
  • 03 – siehe oben, Seiten 388 – 389
  • 04 – siehe oben, Seite 95
  • 05 – siehe oben, Seite 280
  • 06 – siehe oben, Seite 369
  • 07 – Österreichische Nationalbibliothek, digitales historisches Zeitungsarchiv,  Grazer Tagblatt vom 22. Juni 1934, Seite 2
  • 08 – siehe 02, die Seite 377
  • 09 – Deportiert nach Mauthausen, Band 2 Hg. Gerhard Botz, Alexander Prenninger, Regina Fritz, Melanie Dejnega, Böhlau Verlag 2021, ISBN 978-3-205-20785-6, Seiten 54-56

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