5 vor 12 – Unerhörter Widerstand

Am OK-Platz in Linz treffen wir gute Freun d:innen. Den Treffpunkt haben wir wegen eines interessanten Mahnmals ausgewählt.

Es ist nie zu spät, Frauen,
die unter höchstem Risiko Widerstand leisteten,
ein Denkmal zu setzen.
Sie sind Vorbilder für Demokratie – die Brücke zur Gegenwart.

Martina Gugglberger, Historikerin

Jeden Samstag um 5 vor 12 Uhr würdigt die Audio-Skulptur am OK Platz mit einem lauten Aufschrei eine Frau, indem ihr Name, sowie der Ort und die Art ihrer Widerstandshandlung genannt werden. Mit diesem einzigartigen Projekt entsteht inmitten der Landeshauptstadt ein Ort, der auf die von der Gesellschaft bisher kaum beachtete Rolle von Frauen im Widerstand gegen das NS-Regime aufmerksam macht.
Wir treten durch die Ringe wird durch einen Bewegungssensor eine Tonspur ausgelöst und wir erfahren mehr über die mutigen Taten der bisher wenig bekannten Heldinnen.

Zu den Frauen

Vom Operationssaal zum Hinrichtungsraum

Mit dieser Überschrift beschreibt Werner Kunzenmann in der Dokumentation über die Schwester Restituta ihren Weg von der Einlieferung in das Polizeigefängnis bis zum Hinrichtungsraum im Landesgericht Wien1.


Wir besuchten das Restituta Museum – Glaube gegen Gewalt in der Hartmanngasse. Das Transform – Netzwerk, eine politische Stiftung der Europäischen Linken, organisierte den Besuch des Museums und eine Präsentation mit Sr. Ruth Beinhauer im Kloster der “Hartmannschwestern” in Wien.

Da Sr. Restituta – wie auch ihre Mitschwestern – stets um ganzheitliche Pflege bemüht war, kam sie bald bei einem fanatischen SS-Arzt, Dr. Stumfohl, Verächter der “Minderwertigen” und Kirchenfeind, in Misskredit. Der Parteispitzel begann nach einer Möglichkeit zu suchen, die mutigste Gegnerin des Hakenkreuzes aus dem Mödlinger Krankenhaus zum Verschwinden zu bringen.

Aus dem Widerstand von Schwester Restituta

Gedenkstätte in der Athener Strasse GLADSTONOS

Am Weg zu einem Meeting während unserer Studienreise in Athen entdeckten wir in einer Fußgängerzone im Zentrum von Athen diese Gedenkstätte. Vor ein paar Tagen recherchierte ich auf der Plattform „Gedenkorte-Europa 1939 – 1945“ und fand bezüglich dieser Gedenksäulen einen Eintrag.

Am 20. September 1942 verübten Mitglieder der bürgerlichen Widerstandsorganisation PEAN (Panhellenische Union der kämpfenden Jugend) unter Führung ihres Chefs Kostas Perrikos einen Sprengstoffanschlag auf das Büro der ESPO (Nationalsozialistische patriotische Organisation) in der Gladstonos. Die zweite und dritte Etage des Gebäudes, in dem die ESPO – die sich u.a. zum Ziel gesetzt hatte, rechtsgerichtete freiwillige Soldaten und Offiziere zu einer griechischen Einheit der Waffen-SS für die deutsche Ostfront zu rekrutieren – ihren Sitz hatte, wurden von der deutschen Wehrmacht genutzt.

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Besuch und Einführung im ASKI – Archives for Contemporary Social History

Das Archiv für Zeitgeschichte der Sozialwissenschaften (ASKI) ist das führende griechische Archiv für die Geschichte politischer und sozialer Bewegungen. Es wurde 1992 als gemeinnützige Organisation gegründet und befindet sich im Zentrum von Athen. ASKI dient als Treffpunkt für wissenschaftliche Forschung und öffentliche Projekte, die sich mit der Geschichte der Linken, den transnationalen Verbindungen sozialer Bewegungen und dem Dialog zwischen historischer Erinnerung und aktueller Politik befassen1.

Manos Avgeridis und Ioanna Vogli – hier mit Milena und Sissi bei der Begrüßung und Einleitung im ASKI.

Wir durften die erste Zeitung der Arbeiterzentrale (Zusammenschluss örtlicher Arbeitervereine; sie übernahmen u.a. die Leitung bei Streiks) in Volos im ASKI fotografieren.

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Eine gesprengte Brücke als Verbindung zwischen zwei Widerstandsgruppen

Die Sprengung der Gorgopotamos-Eisenbahnbrücke am 25. November 1942 gilt bis heute als der größte und mutigste Moment des Widerstands gegen die deutsche Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg.

Gorgopotamos bridge. Public Domain

Die Brücke nach der Sprengung. Wir besuchten die Brücke und das Denkmal bei einem Zwischenstopp auf der Fahrt nach Thessaloniki.

Der Busfahrer bringt uns vorbei an Olivenhainen auf engen Straßen in die Nähe der Brücke. Das erste Denkmal am Weg erinnerte an die Todesopfer anläßlich einer Minenexplosion von 1964. Toni, Michael und suchten uns nach der Einführung von Sissi einen Weg zu den stählernen Sockel der Brückenpfeiler.

GorgopotamosBrücke heute

Die Gorgopotamos-Brücke wurde von einhundert Italienern und fünf deutschen Soldaten bewacht, alle mit schweren Maschinengewehren. Ihre Neutralisierung erforderte nicht nur Schnelligkeit, sondern auch eine enorme Menge Sprengstoff. Das Widerstandsteam bestand aus einhundertfünfzig Mann: 86 Angehörige der ELAS, 52 der EDES sowie zwölf britische Soldaten. Der Plan sah vor, dass die Griechen die Wachen ausschalten oder ablenken sollten, während die Briten die Sprengsätze entlang der Brücke platzierten. Um 23:07 Uhr in der Nacht zum 25. November begann der Angriff auf die Wachen an beiden Enden der Brücke1.

1973 wurde ein Denkmal, das an die neun griechische Patrioten erinnert, die am 1. Dezember 1942 von den deutschen Besatzungstruppen an der Stelle der zerstörten Brücke öffentlich hingerichtet wurden.
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Antifaschistischer Widerstand hat viele – weibliche – Gesichter

Veranstaltung
Mensch – Kämpferin – Märtyrerin
Schwester Restituta (Helene) Kafka und ihre Briefe aus der Haft

Im Kloster der Franziskanerinnen von der christlichen Liebe (“Hartmannschwestern”) in Wien Margareten besuchen wir die Dauerausstellung “Restituta – Glaube gegen NS”-Gewalt” und Sr. Ruth Beinhauer präsentiert ihr Forschungsprojekt zu den Briefen Sr. Restitutas / Helene Kafkas aus der Haft.

Eine Veranstaltung von arge fem KPÖ, DIALOP, Rote Spuren, transform.at, Franziskanerinnen von der christlichen Liebe, Verein Restituta-Forum

Anmeldungen noch bis 12. März 2026 möglich. Bitte gleich an: steiner@transform-network.net

Sr. Maria Restituta (Helene) Kafka war eine österreichische Ordens- und Krankenschwester und Widerstandskämpferin zur Zeit des Nationalsozialismus. Sie ist die einzige Ordensfrau, die von den Nazis für ihren Glauben und Widerstand nach einem Gerichtsprozess mit Todesurteil ermordet wurde. 1998 wurde sie als erste Märtyrerin Österreichs seliggesprochen.

“Sie hat geholfen ohne Rücksicht auf Nationalität oder Weltanschauung, ob jemand katholisch war oder konfessionslos oder kommunistisch war oder sozialdemokratisch oder christlich-sozial, da hat sie weder gefragt, noch hatte es irgendeine Bedeutung für sie. […] Sie hat die Menschen sichtlich wirklich gerne gehabt.”

Anna Haider, die 1942 vom Volksgerichtshof wegen kommunistischer Betätigung zu 15 Jahren zuchthaus verurteilt wurde, sprach 1946 im radio über ihre mitgefangene helene kafka.1

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Verfolgung und Widerstand von Frauen in der Fürsorgearbeit von 1934 bis 1945

Die Mehrheit der Wiener Fürsorgerinnen im Austrofaschismus und Nationalsozialismus verhielt sich regimetreu. Zahlreiche ihrer Kolleginnen wurden entrechtet, entlassen, zur Flucht gezwungen oder ermordet und nur eine Minderheit war im Widerstand aktiv. Anhand von 80 exemplarischen Biografien politisch und rassistisch verfolgter Fürsorgerinnen analysiert Irene Messingers Studie deren private und berufliche Netzwerke, institutionelle Ausschlussprozesse und Formen des Wissenstransfers ins Exil. Die portraitierten Frauen wirkten zuvor in Institutionen der Stadt Wien wie dem Jugendamt, sowie in privaten und konfessionellen Einrichtungen, darunter in der Fürsorge der IKG Wien oder in jüdischen Vereinen. Basierend auf erstmals ausgewerteten Quellen wie Personalakten, Zeitzeuginneninterviews, privaten Nachlässen, konnten zahlreiche Frauenbiografien rekonstruiert und historisch kontextualisiert werden. Somit wird die Berufsgeschichte der Sozialen Arbeit um bislang übersehene vor allem jüdische Akteurinnen ergänzt.

Tabakarbeiter:innen in Stein gegen den Faschismus

Die österreichischen Faschisten verhängten Verwahrungshaft gegen drei Tabakarbeiter aus Stein

Ludwig Reiter, Alois Knorr und Georg Riedmüller wurden von den Dollfuß-Schergen von 22. Juli bis 20. August 1934 in Haft genommen, weil sie als ehemalige Funktionäre der sozialdemokratischen Partei sich womöglich an einer marxistischen Kundgebung am 1. August beteiligt hätten. Gleichzeitig wurde die Leitung der Tabakregie aufgefordert, die drei Arbeiter zu kündigen und damit ihre Familien in die Armut treiben1.

Widerstand gegen die Faschisten in Krems im Deutschen Reich

Eine Strickerin, die für andere Hilfe besorgt und etwas unternimmt –
Leopoldine Puhl

1926 begann Leopoldine in der Tabakfabrik Stein zu arbeiten, sie war in der sozialdemokratischen Gewerkschaft organisiert. Ende l941 wurde Leopoldine Puhl beschuldigt, von Franz Wieland zur Spende für die „Rote Hilfe“ angeworben worden zu sein. Sie wiederum habe ihre Kollegin Marie Malat zur Spendentätigkeit angeworben und kommunistische Zeitschriften weitergegeben.2

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Straßenbahner im Widerstand

Die Bezirksgruppe Liesing lädt zu einem Vortrag von Gen. Walter Farthofer mit anschließender Diskussion ein.

Dienstag, 28.10.2025 um 18:00, 1230 Wien, Liesinger Platz 3, 2. Stock (direkt am Bahnhof Liesing, früheres Haus der Begegnung)

Walter Farthofer dokumentiert den antifaschistischen Widerstand, die politische (ab 1934) und nach 1938 auch rassistische Verfolgung von Wiener Straßenbahnern und gibt damit einen tiefen Einblick in das Geschehen des traditionsreichen Unternehmens. 

Das Buch enthält rund 550 Kurzbiografien von Mitarbeitern der Wiener Verkehrsbetriebe, die zwischen 1934 und 1945 verfolgt wurden.

Um Anmeldung wird gebeten: kira-raffaela.binderlehner@gmx.at

„Hütet Freiheit und Frieden – denn wir starben für sie“

„An die offiziellen Opfer der Diktaturen und Kriege des 20sten Jahrhunderts erinnern Mahnmale und Kriegerdenkmäler. Doch wo gedenken wir der Tausenden namenlos gewordenen, heimlich verscharrten Toten…? Wie leben wir in Landschaften, die kontaminiert sind mit den unzähligen vertuschten Massakern Mitteleuropas…?1

Wir besuchten den Grazer Zentralfriedhof. Mit der Linie 62 zum Bahnhof Puntigam und dort weiter mit der Straßenbahnlinie 5/6 bis zum Eingang des Friedhofs. Direkt beim Eingang gibt es zwei Informationsfelder zur Geschichte der Begräbnisstätte. Die gibt es an Ende des Artikels.

Unser Ziel war das Internationale Mahnmal zur Erinnerung an die politischen Opfer während der Jahre 1938 bis 1945.

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