Die in der Geschichte des österreichischen Widerstands wohl einzigartige Frau war zu Lebzeiten zwar in Polen hoch angesehen, wurde in ihrer Heimat aber kaum gewürdigt. Dank vieler neuer Quellen legt der Autor hier eine umfassende Biografie Maria Strombergers vor.
Ein Ausschnitt ihres Lebens als Mitglied der Revolutionären Sozialisten und Widerstandskämpferin in Österreich.
“Ich sprach mit Leidenschaft gegen das bestehende elitäre System”
Dieses Zitat stammt aus einer Rede beim Maiaufmarsch 1926 als Vorsitzende der Sozialistischen Mittelschüler Wiens.
Foto: In der Uni -Wien aufgenommen.
Als Jüdin, Akademikerin, Sozialistin und Frau war sie dem Austro-faschismus unter dem Dollfuß- und Schuschniggregime ein besonderes Dorn im Auge. Diese Verurteilung hat ihr womöglich das Leben gerettet, den nach der Freilassung muss sie das Land verlassen und für die Nazis nach dem Einmarsch 1938 nicht mehr greifbar war. Sie geht in das Exil nach England.
Wir gratulieren unserem Vorstandsmitglied ElisabethLuif recht herzlich zum Herbert-Steiner-Preis für ihre Masterarbeit.
Die Soziale Arbeitsgemeinschaft (SAG) war die politische Arbeiterorganisation des austrofaschistischen Regimes. Sie wurde im März 1935 als Teilorganisation der Vaterländischen Front gegründet, um die “ehemals” sozialdemokratische Arbeiterschaft für den neuen Staat zu gewinnen. Diese Arbeit untersucht am Beispiel der SAG einen bislang weitgehend unbekannten Themenkomplex: Die Integrationsstrategien des Austrofaschismus. Basierend auf internen und öffentlichen Eigendarstellungen ihrer zentralen Akteure, der christlichen Gewerkschafter, werden der organisatorische Aufbau, die inhaltlichen Forderungen sowie die Strategien und Praxen der SAG gegenüber der Arbeiterschaft untersucht. Unter Hinzunahme von Einschätzungen der illegalen linken und nationalsozialistischen Opposition wird gezeigt, wie sich individuelle ArbeiterInnen zu den Integrationsangeboten verhielten und wie sich die politischen Auseinandersetzungen in der SAG ab 1937 im Kontext der zunehmenden Annäherung des Regimes an den Nationalsozialismus intensivierten.
Die Arbeit gibt nicht nur eine differenzierte Einschätzung zum Verhältnis zwischen Regime und Arbeiterschaft, sondern ermöglicht auch neue Einblicke in bislang kontroverse Themen. Erstens war die SAG keine reine “top-down” Initiative der Regierung, sondern Ausdruck aktiver Bemühungen der christlichen Gewerkschafter, ihre Machtposition im neuen Staat auszubauen. Als Teil eines durchdachten Konzeptes verschiedener Integrationspolitiken war die SAG zweitens nicht nur eine flankierende Maßnahme zur Herrschaftssicherung, sondern zielte auf die Aktivierung der Arbeiterschaft. Obwohl die SAG einen Teilerfolg in der organisatorischen Erfassung der Arbeiterschaft erreichte, blieb eine positive Identifikation mit dem Regime weitgehend aus. Dennoch kanalisierten die Integrationsangebote Widerstandstätigkeiten der illegalen Arbeiterbewegung und trugen so zu einer Stabilisierung des Regimes bei. Drittens bildete die SAG keine Gegenkraft zum Nationalsozialismus, bis zum “Anschluss” im März 1938 blieb die Zurückdrängung der linken Konkurrenz für die führenden Funktionäre prioritär.
Elisabeth Luif, Historikerin und Sozialwissenschaftlerin, Wien
Die Preisverleihung findet am 20. Jänner 2022 statt.
Mit diesem Hinweis wurde nach dem „Anschluss“ Österreichs einem jüdischen Studenten, der wenige Wochen vor dem Einmarsch der Wehrmacht seine Doktorarbeit an der Hochschule für Welthandel eingereicht hatte, die Promotion verwehrt.(1)
Für die Opfer des Nationalsozialismus 1938-1945
Diese Gedenkstätte entdeckten wir bei einem Rundgang im Stadtviertel “Viertel Zwei”.
Als wir nach dem Lesen der Schautafel dieses Kunstwerk als Gedenkstätte identifizierten kam mir als ersten Gedanken ein Globus als Darstellung für weltweite Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten. Die Spitze davon ist wie bei einem Eisberg in den 1938 – 1945 besonders grausam sichtbar geworden und viele haben sich wie in einem Meer mittreiben lassen. Die Mehrheit des Faschismus, des Rechtspopulismus, dieser Antidemokraten und Kriegstreiberei schwimmt unter Wasser und ist nicht sichtbar – in Fragen der Migration, des Friedens, der Verteilungsgerechtigkeit und des Umgangs miteinander und kommt diese kalte grausame Masse tagtäglich an die Oberfläche. Der Eisberg war bei den kalten Temperaturen des Tages die zweite Idee.
Findelhaus, Gebäranstalt und die Matriken der Alser Vorstadt
Wo heute die Lange Gasse in die Alser Straße mündet, befand sich von 1788 bis 1910 ein stark frequentiertes Gebäude: Das Wiener Findelhaus. Die Einrichtung von Findelhäusern in vielen europäischen Städten sollte dazu beitragen, Kindsmorde zu verhindern und die Kindersterblichkeit zu reduzieren.
Die reichen Frauen konnten gegen Bezahlung hier anonym gebären, während die mittellosen Frauen den Studenten als “Unterrichtsmaterial” dienten und unbezahlte Arbeiten verrichten mussten. Bis 1910 wurden 750.000 Kinder aufgenommen und zu Pflegeplätzen auf dem Lande vermittelt.
Ausstellung im Bezirksmuseum Josefstadt
Bezirksmuseum Josefstadt, 1080, Schmidgasse 18 Öffnungszeiten Sonntag 10.00 bis 12.00 Uhr Mittwoch 18.00 bis 20.00 Uhr
Die Unterdrückung von Homosexuellen von den Habsburgern bis zu den Nazis bis heute?
Ich bin noch total aufgewühlt. Nach dem Lesen des Buches von Jürgen Pettinger “Franz – Schwul unterm Hakenkreuz” empfinde ich unterschiedlichste Gefühle. Zorn, Trauer, Wut. Immer wenn ich mich mit der Geschichte von Unterdrückung beschäftigt habe, habe ich den persönlichen Drang, diese Verbrechen, dieses Leid, diese wahnsinnigen Sauereien an den Menschen hinauszuschreien. Heute versuche ich es mit schreiben.
Das Buch, ein Geschenk von Lotte und Sylvia, das sie uns nach einem Besuch der Gedenkstätte Hartheim zugesendet haben, lag ganz oben am Stapel. Dann höre ich heute am Weg zum Bauernmarkt in Ö1 aus der Serie Hörbilder den Bericht zu Franz Doms. Eine unmittelbare Aufforderung für mich, das Buch zu lesen.
(1) Am Beginn der Sendung machen sie mit der Psychotherapeutin Beatrix W. eine Übung, wo sie Franz einen Platz in der Gesprächsrunde geben. Ich versuche dies auch. Ich gebe ihm rechts neben meinem PC einen Platz, eine Büste stelle ich stellvertretend für ihn auf. Was würde ich ihm nach dem Lesen des Buches sagen:
“Zuerst Sprachlosigkeit bei mir – wenn ich ihn weiter anblicke – es tut mir leid, dass deine Liebe zu einem Mann mit solcher persönlicher und gesellschaftlicher Brutalität beantwortet wurde. Dann will ich ihn trösten. Aber welche Worte soll ich dazu wählen. Er hat seine Liebe mit dem Tod bezahlt.”
Spurensuche nach einer sozialdemokratischen Baugewerkschaft in Braunau am Inn. Erste Gründungsversuche gab es August 1908. Im Artikel in der Zeitung “Neue Warte am Inn” vom 22. August 1908 wird ein Gründungsversuch beschrieben. Allerdings diese Wochenzeitung ein “Bauern- und Unternehmerblattl”, zuerst monarchistisch, ist dann als christlich soziale Zeitung mit antisemitischen und sozalistenfeindlichen Artikeln erschienen. Im digitalen Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek habe ich im OÖ.Tagblatt die Spurensuche aufgenommen.
Shoa-Überlebende Margot Friedländer bei “Markus Lanz”
Am 5. November 2021 ist Margot Friedländer 100 Jahre alt geworden. Die Jüdin gehört zu den wenigen Überlebenden der Shoa, die heute noch als direkte Zeugen dieser Zeit erzählen können.
Bei “Markus Lanz” sprach die in Berlin lebende 100-Jährige in ergreifender Weise darüber, wie sie erleben musste, all ihre Angehörigen im Holocaust zu verlieren und wie sie in Theresienstadt ihren späteren Mann Adolf Friedländer kennenlernte, obwohl an Liebe damals nicht zu denken war. Mehr dazu…
Andreas Weigl hat sich im Rahmen der Forschung und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte mit der Firmengeschichte der Österreichischen AEG (1904-1996) beschäftigt. Erschienen ist das Buch2021 im Studienverlag – ISBN 978-7065-6184-6.
Ich habe das Buch nach gewerkschaftlichen Ereignissen in dieser Firma durchsucht und bin dabei auf ein paar interessante Ergebnisse des Autors gestossen.
Nach unserer Wanderung am Karnischen Höhenweg (Friedensweg) besuchten wir wieder einmal die Gegend rund um den Loiblpass. Ein Bericht eines Ortes, dessen Geschichte noch nicht ganz aufgearbeitet ist – ein Bericht von Peter Drizhal.
Ein verkehrstechnisch wichtiges Element über den Loiblpass, ein auf 1368 m Seehöhe gelegener Alpenpass über die Karawanken, ist der Loibltunnel. Der erste Tunnelbau erfolgte um 1560, er war 150 Meter lang. Im 17. Jahrhundert wurde der alte Tunnel entfernt und durch einen vier Meter breiten Einschnitt mit 130 m Länge ersetzt. Zwei Obelisken auf der Passhöhe sollen an die Vollendung der Baumaßnahmen unter Kaiser Karl VI. erinnern. Sie markieren heute den Verlauf des ehemaligen Tunnels.
Seiji Kimoto, Skulptur des Mauthausen Komitees, 2019 – Foto Peter Drizhal
Im September 1942 setzte Friedrich Rainer, der Gauleiter von Kärnten, den Bau eines neuen Loiblüberganges durch, dessen Kernstück ein neuer Tunnel sein sollte: 1570 m lang in 1068 m Seehöhe. Die mangelnden Verbindungen über die Karawanken rechtfertigten diese militärwirtschaftlich wichtige Nord-Süd-Verbindung. Zur Errichtung schloss die SS einen Vertrag mit der „Universale Hoch- und Tiefbau AG“, in dem sie sich zur Bereitstellung von Menschenmaterial aus Konzentrationslagern verpflichtete.