Internationale Kriegsgräberstätte Tjøtta

Auf unserer Teise entlang der Helgelandküste treffen wir am Morgen in Tjøtta an einer sowjetischen Kriegsgräberstätte ein. Bei unserer Ankunft werden wir von einem Mann, der aus Lettland stammt und jetzt seit 5 Jahren auf den Lofoten lebt, angesprochen. Er erzählt uns einiges über die Entstehung der Gedenkstätte, über die Umbettung vieler Gefallener und gibt uns einige Recherchetipps.

Eingangsdenkmal zur Kriegsgräberstätte

Schon im August 19411 werden daher die ersten Transporte mit sowjetischen Kriegsgefangenen von Stettin über die Ostsee entlang der norwegischen Küste nach Nordnorwegen gebracht.
Insgesamt werden in den folgenden Kriegsjahren ungefähr 100 000 sowjetische Bürger nach Norwegen verschleppt. Die große Mehrheit sind Kriegsgefangene, etwa 93 000 Personen, die übrigen 7 500 Personen sind Zivilisten. Von dieser Gruppe sind etwa 13 700 Menschen in norwegischer Erde begraben oder haben vor Norwegens Küste ein Seegrab gefunden.(1)

Information am Eingang

Gedendtätte zur MS Rigel

Diese Stele erinnert an die Menschen, die aus Norwegen, der Sowjetunion und Deutschland ums Leben gekommen sind.

Sowjetische Kriegsgräberstätte

Der Friedhof wurde 1953 vom norwegischen Kirchenministerium als zentrale Kriegsgräberstätte für etwa 7.551 in Norwegen umgekommene sowjetische Soldaten angelegt.(2)

826 Gräber sind individuell; hinzu kommt ein Gemeinschaftsgrab mit 6725 bestatteten Toten.

n diesen Reihen in der Wiese befinden sich die Grabplatten der sowjetischen Bürger.

Brigitte und ich gehen beim Erkunden der Gedenkstätte eigene Wege. Jeder von uns hängt seinen persönlichen Gedanken, seiner Trauer, seiner Ängste vor der Wiederholung solcher Taten, nach. Ich denke an die Menschen, die weltweit bei kriegerischen Auseinandersetzungen ums Leben kommen. Mich dominieren die Gedanken um die schrecklichen Ereignisse, die gerade in der Ukraine passieren. Besonders beim Lesen einzelner Gedenktafeln mit den Namen der Opfer kommen mir Vorfahren meiner Familie in Erinnerung, die im Zweiten Weltkrieg starben und schreckliches Leid erfahren mussten.. Inwieweit sie an unmenschlichen Taten oder gar Verbrechen beteiligt waren weiß ich nicht.

Wladimir Nikolajewitsch Kalnin überlebte das deutsche Gefangenenlager in Wladimir-Wolynsk in der Ukraine und wurde später nach Kirkenes geschickt. Er beschreibt das traurige Schicksal der Häftlinge in der Ukraine, aber auch hilfsbereiter Norweger:

In Norwegen haben wir uns gegenseitig geholfen, wir haben alles geteilt … Brot … Zigaretten. Wir kamen in Kirkenes an und die Norweger haben uns sehr geholfen. Dank der Norweger starben nicht viele Kriegsgefangene, nur ein oder zwei in mehreren Tagen. Wir haben alles gegessen, was wir bekommen haben. Die Menschen starben hauptsächlich an Hunger, nicht an Infektionen. Die Kameradschaft zwischen den Gefangenen und den helfenden Norwegern hielt die Stimmung aufrecht, erzählt Wladimir Nikolajewitsch Kalnin

Per Kaare Holdal 07. Oktober 2020 (3)

Operation Asphalt

Am Beginn des Besuchs sagte mir der Mann etwas über die „Operation Asphalt“ und die Umbettung von Kriegsgräbern. Ich konnte das nicht so richtig zuordnen. Bei meiner Fecherche fand ich einen Artikel von Per Kaare Holdal von 2020 zu dieser Aktion.

Die Umsiedlung ukrainischer Kriegsgräber war eng mit der Politik des Kalten Krieges verbunden, und die Angst der norwegischen Behörden vor sowjetischer Spionage war ein Hauptmotiv für ihre Umsetzung. „Operation Asphalt“ fand während des Koreakrieges statt, als sich das internationale Spannungsniveau dramatisch erhöhte. Die Bevölkerung Nordnorwegens drückte während der Operation Angst und Wut aus. In vielen Zeitungen wurden makabere Details über die Exhumierung ukrainischer Opfer veröffentlicht, an mehreren Orten demonstrierten Menschen gegen die Verlegung der Gräber.Die Planungen, die Durchführung und die fortlaufenden Reaktionen im großen Zusammenhang mit der Operation erwecken den Eindruck, dass das norwegische Militär und die staatlichen Behörden zu sehr in Eile waren und mit dem Engagement der Bevölkerung nicht gerechnet hatten.

Die norwegische Regierung wollte daraufhin die wahrscheinlich toter sowjetischer Kriegsgefangener aus Finnmark, Troms und Nordland auf den Soldatenfriedhof Tjøtta an der Küste von Helgeland vor Sandnessjøen bringen. Die Arbeiten mit dem Umzug verursachten vermutlich den Decknamen „Aktion Asphalt“, weil die ausgegrabenen Leichen in Asphaltsäcken transportiert wurden. Die Planung der “Operation Asphalt” begann 1948 im Hinblick auf die Errichtung einer gemeinsamen Begräbnisstätte auf Tjøtta.


Quellenverzeichnis

  • (1) Eva-Ditte Donat – Zum Arbeitseinsatz sowjetischer Kriegsgefangener in Norwegen am Bei- spiel des Lagers Engeløy
  • Fotos von Brigitte und Werner Drizhal
  • (2) Wikipedia
  • (3) Die Aktion der Schande – „Operation Asphalt“ in Norwegen

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