Virtueller Ortsrundgang “Auf den Spuren des Februar 1934 in Ebensee”

Anfang der 30er war Ebensee weit und breit die einzige Gemeinde, die von Sozialdemokrat*innen verwaltet wurde. Der Stimmenanteil der Sozialdemokratie lag bei der Landtagswahl vom 19. April 1931 bei 56%. In Ebensee war ein Großteil der Arbeiter*innenschaft im Salinenbetrieb, den Solvay-Werken und der Weberei beschäftigt. Seit 1918 wurde das „rote Ebensee“ von einer starken sozialdemokratischen Mehrheit unter Bürgermeister Max Zieger politisch dominiert.

ArbeiterInnen vor dem Gemeindeamt am 12. Februar 1934. (Quelle: Archiv Zeitgeschichte Museum Ebensee)

Im Bericht auf “fireredfriederike” werden die Ereignisse des 12. Februar 1934 in Ebensee geschildert. Herzlichen Dank für diese Recherche.

Die Kinder der Kämpfer

Das Jahr 1934 und seine Folgen für Österreich

Fred Turnheim sprach einleitende Worte zum Film, der den Kämpfer:innen des Republikanischen Schutzbundes und deren Kindern und Kindeskindern gewidmet ist.
Sprecherin: Chris Lohner
Musik: Flo Thamer
Videoschnitt: Leah Hochedlinger
Kamera & Regie: Fred Turnheim

Mehr zum Filabend hier…

Achtung! Faschismus | Die Zerstörung einer Republik

Ein Dokudrama mit Erwin Steinhauer und Lucile Dreidemy
12. Februar 2025 um 19:00-20:30
Audimax der Universität Wien (1010 Wien/ Universitätsring 1)

Der Erste Weltkrieg war vorbei und der Zweite stand bevor. Dazwischen lag die Erste Republik, geprägt von zahlreichen sozialen wie ökonomischen Krisen, einer gespaltenen und zunehmend radikalisierten Gesellschaft, in der es politischen Agitatoren gelang,

den Untergang der Demokratie vorzubereiten. „Achtung! Faschismus. Zerstörung einer Republik“ versammelt die Stimmen von Zeitzeug*innen wie Stefan Zweig, Elias Canetti, Franz und Alma Werfel, Ernst Fischer, Bertha Zuckerkandl sowie von Journalist*innen und von Politiker*innen u.v.m. Erwin Steinhauer liest aus den Werken, Tagebüchern, Briefen, Artikeln und politischen Reden von Zeitzeug*innen.

Die Lesung wird durch einen Vortrag der Zeithistorikerin Lucile Dreidemy begleitet. Als Dokudrama konzipiert, werden auf der Bühne die Prozesse und Dynamiken herausgearbeitet, die schließlich zum Aufstieg des Autoritären und zum Untergang der Ersten Republik geführt haben. „Achtung! Faschismus“ ist jedoch nicht bloß ein historischer Rückblick auf den Untergang der Ersten Republik, sondern es sind mahnende Worte an die Zweite Republik.

Anmeldung oder per Mail an office@ustinov.at 

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Wiener Institut für Kultur- und Zeitgeschichte (VICCA) und dem Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung (VGA) statt. Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Wien, der Peter Ustinov Stiftung und des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport.

Otto Skritek

Artikel zum Rundgang am Urnenhain – verfasst von Brigitte und Werner Drizhal

Otto Skritek, geb. 1909 in Znaim/Znojmo, aufgewachsen in der Nähe von Hollabrunn. Skritek besuchte die Volks-, Haupt- und Berufsschule und erlernte den Beruf des Spediteurs.

Skritek setzte auch später seine Tätigkeit sowohl bei den Revolutionären Sozialisten als auch bei der Freien Angestelltengewerkschaft Österreichs (FRAGÖ) fort, wo er die Materialverteilung in den Betrieben des früheren Organisationsbereiches des Zentralvereins der kaufmännischen Angestellten organisierte.1

1934-1938 illegale Arbeit als Gewerkschafter

Ich war am 12. Februar 1934 im Jugendsekretariat des Zentralvereins der kaufmännischen Angestellten. Gegen neun Uhr vormittags kommt die telefonische Meldung durch, in Linz wird geschossen, es ist zu einem Zusammenstoß zwischen Schutzbündlern und Polizei und Heimwehr gekommen.

Ich verständige telefonisch Manfred Ackermann [Vorsitzender der Jugendabteilung des Zentralvereins], der in Kärnten bei einer Versammlungsreise ist. Um ca. elf Uhr vormittags erlosch das Licht, das war das vereinbarte Signal für die letzte große Auseinandersetzung. Nach einer Stunde wurde unsere Gewerkschaftszentrale in der Werdertorgasse von Polizei mit Stahlhelm und aufgepflanzten Bajonetten besetzt und geschlossen. Eine Schutzbundaktion im ersten Bezirk gab es nicht. Ich marschierte zu Fuß nach Ottakring, Straßenbahn gab es ja keine. Vor dem Arbeiterheim in der Kreitnergasse wurde bereits geschossen, man hörte auch Maschinengewehrfeuer. In meinem Gemeindebau, Pirquethof, in der Gablenzgasse, waren von der dortigen Schutzbundgruppe Gewehre verteilt worden, die später wieder eingezogen wurden.

Am nächsten Vormittag traf ich Genossen Ackermann und Leo Safran, einen Jugendfunktionär des Zentralvereins, in der Dienstwohnung des Genossen Pinz in den Hammerbrotwerken. Wir versuchten, Flugblätter herzustellen und zu verteilen, die zur Hilfe für die Schutzbündler aufriefen. Das war der erste Schritt zur weiteren illegalen Tätigkeit. Leo Safran, der als Vertreter der Volksbuchhandlung die Mandatare und Funktionäre von Partei und Gewerkschaft besuchte, vermittelte wertvolle Kontakte und Verbindungen. Sehr rasch gab es die illegale AZ [Arbeiter-Zeitung], die in Brünn hergestellt wurde, und Flugblätter. Wir versuchten, zuerst Verbindung mit den Betriebsräten des Zentralvereins der größeren Betriebe, die ja alle Genossen waren, herzustellen und sie mit diesen Zeitungen und Flugblättern zu beliefern. Eine Vertriebsstelle des aus der Č gelieferten illegalen Materials war bei Pepi Cmejrek, einem Hausbesorger in einem Haus in der Kärntnerstraße.2

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Der lange Schatten des Faschismus

Die Broschüre zu unserer Lesung ist fertig. Herzlichen Dank an Drizhal Peter für die Layoutierung.

Liebe Leser:innen dieser Broschüre!

Am Vorabend des 90. Jahrestages der endgültigen Beseitigung der Demokratie durch Dollfuß, durch die Heimwehr und ihrer christlichsozialen Helfershelfer setzen wir ein Signal.
Mit diesen Texten zeigen wir auf, dass die Ereignisse der Vergangenheit nur zu deutlich zeigen, wie wichtig rechtzeitiger Einsatz und Initiativen für ein demokratisches Zusammenleben sind. Die Lesung ist ein Versuch, die Zuhörer:innen aufzufordern Aktivist:innen in einer lebendigen Demokratie zu werden.
Und ja, die Aktionen und Akteur:innen im demokratischen Alltag sind nie perfekt. Die Ereignisse sind oftmals Kompromisse divergierender Interessen. All jene, die sich nicht daran beteiligen oder nur kritisierende Zuschauer:innen sind, stärken jene, die Menschenrechte, Freiheit, ein gutes Leben für alle und eine gerechte Verteilung des Reichtums und damit die Demokratie beseitigen wollen. Wir fordern sie auf –

MISCHEN SIE SICH EIN,
STÄRKEN SIE DIE DEMOKRATIE UND SORGEN SIE FÜR EIN
GERECHTES UND GUTES LEBEN FÜR ALLE.

Werner Drizhal – Vereinsvorsitzender Rote Spuren
Franz Koskarti – Vereinsvorsitzender ARGE

Maskeraden. Eine Kulturgeschichte des Austrofaschismus

Nach der Ausschaltung des österreichischen Parlaments im März 1933 ging es Schlag auf Schlag. Dollfuß installiert ein faschistisches System, wo der Begriff Austrofaschismus eine zutreffende Bezeichnung ist.

Inmitten von Prozessionen der katholischen Kirche, Operettenseligkeit sowie Sport- und Technikbegeisterung glänzte die liberale Hochkultur. Doch künstlerische Freiräume wurden immer mehr eingeschränkt, Rückzugsgebiete der Zivilgesellschaft eliminiert. Die Kulturgeschichte der Jahre 1933 bis 1938 stellt in einem breiten Panorama dar, wie das scheinbar Widersprüchliche zusammenpasste.

Gemeinsam mit dem Wien Museum und der Wienbibliothek im Rathaus

Do, 18. April 24, 18:30 Uhr
ORT: Wien Museum, Karlsplatz 8, 1040 Wien

Hinweis Anmeldung erforderlich
Dauer ca. 90 Minuten
Kosten Gratis
Treffpunkt 3. OG, Veranstaltungsraum

Mit den Historikern Alfred Pfoser, Béla Rásky und Hermann Schlösser
Moderation: Barbara Tóth

Gedenken in Wöllersdorf am 10. Februar 2024

Das austrofaschistische Regime richtete Anhaltelager für sozialdemokratische Funktionär*innen und Februarkämpfer*innen ein. Die – ohne rechtsstaatlichen Schutz – inhaftierten Menschen litten enorm unter der Freiheitsberaubung. Übergriffe des Wachpersonals waren an der Tagesordnung. Die Kosten der Haft musstendie Opfer selbst bezahlen. Meist fiel der Alleinverdienst weg, die zurückgebliebenen Angehörigen litten Hunger wurden delogiert.
Quelle: Otto Bauer – Der Aufstand der österreichischen Arbeiter, kommentiert und herausgegeben von Werner Anzenberger, Anja Grabuschnig, Hans-Peter Weingand, ÖGB-Verlag, 2021 Wien, ISBN 978-3-99046-516-5

Redner:innen

  • Dr.Gerlinde Sauerschnig – Bezirksvorsitzende der Freiheitskämpfer Wiener Neustadt
  • Petra Tanzler – Nationalrätin, Bezirksvorsitzende der SPÖ Wiener Neustadt
  • Dr. Günther Sidl – Abgeordneter zum Europäischen Parlament
  • Mag. Sven Hergovich – Landesrat, Vorsitzender der SPÖ Niederösterreich

Filmarchiv Austria zu 90 Jahre Februar 1934

Zum 90. Mal jährt sich heuer der Bürgerkrieg von 1934 – eine Zeitenwende für Österreich. Die Erste Republik geht jäh zu Ende, was in den nächsten vier Jahren folgt, ist eine »ständestaatlich drapierte Diktatur«: der Austrofaschismus. Die vier Programme geben nicht nur anhand zeitgeschichtlicher Dokumente Einblick in die Dramatik der Auseinandersetzungen, sondern werfen auch Schlaglichter auf die Spuren, die jene Februartage in der österreichischen Filmgeschichte hinterlassen haben.

Zu den Programmen des
Film – Specials Februar 34

Zu den Programmdetails