Geschichten der Burgenland Roma und Romnija

Eine Volksgruppe zwischen Disziplinierung, Verfolgung, Vernichtung und dem Kampf um Anerkennung.

Studienreise 15.-16. Oktober 2022 / Verein Rote Spuren

Unsere diesjährige Studienreise führt uns ins Burgenland, das 1921 Teil von Österreich wird. In diesem sprachlich und kulturell heterogenen Bundesland leben zu dieser Zeit etwa 8000 Roma und Romnija, die bereits in der Zwischenkriegszeit zunehmenden Diskriminierungs- und Zwangsmaßnahmen ausgesetzt sind.

Anschlussdenkmal in Oberschützen

Am ersten Tag unserer Reise beschäftigen wir uns im „70er Haus der Geschichten“ in Mattersburg mit der verschärften Repression im Austrofaschismus und der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Wir besuchen die Gedenkstätte des nationalsozialistischen „Zigeunerlagers“ in Lackenbach und diskutieren über die erschreckende Dimension der Vernichtung. Nur 600 bis 700 Personen überleben den Porajmos, den Holocaust an den Rom:nija.

Am zweiten Tag beschäftigen wir uns mit der Zeit nach 1945. Die Anschlussdenkmäler in Oberschützen zeigen den Jubel vieler Österreicher:innen für den Nationalsozialismus und das Verschweigen dieser Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. In Oberwart setzen wir uns mit dem schwierigen Kampf von Roma-Aktivist:innen gegen Diskriminierung auseinander. 1993 wird die Anerkennung als Volksgruppe erreicht, 1995 jedoch werden bei einem rassistischen Attentat vier Menschen ermordet.

Die Reise ist offen für alle, die sich gemeinsam mit dieser Geschichte auseinandersetzen möchten! Der Teilnahmebeitrag beträgt 50€ (+20€ Jahresmitgliedschaft im Verein für Nicht-Mitglieder) und inkludiert Transport von/nach Wien, eine Übernachtung inkl. Frühstück, drei gemeinsame Essen und das gesamte Programm.

Wir freuen uns über Anmeldungen an: rote.spuren@chello.at


Weitere Interessante Artikel dazu am Blog:

Antifaschistischer Widerstand in Gallipoli in Apulien

Die Gedenktafel fanden wir bei einem Stadtrundgang in Gallipoli.

Die Stadt Gallipoli gedenkt hier auf dieser Steintafel sechs Opfer, die im Kampf für Freiheit und Demokratie im antifaschistischen Widerstand getötet wurden.
Fernando Selvaggio war im Widerstand bei den Partisanen und wurde erschossen. (1)
Luigi Schirosi gehörte zu den Salento Partisanen. Er wurde gefangen genommen und in ein Vernichtungslager der Nazi deportiert und getötet. (1)
Augusto Mosca fiel bei der Befreiung der Stadt Neapel.
Als Italien in den Krieg eintrat, trat Emanuele Caracciolo der Kommunistischen Partei bei, half bei der Rettung zahlreicher jüdischer Familien, beherbergte junge Deserteure in seinem Haus, wurde jedoch denunziert und von der SS in die Via Tasso gebracht, wo er so sehr gefoltert wurde, dass er fast nicht mehr wiederzuerkennen war. Deshalb wurde er in die Krankenstation von Regina Celi verlegt, von wo aus er zusammen mit 334 seiner Gefährten in die Fosse Ardeatine (Massaker in den Adreatinischen Höhlen) gebracht wurde, um dort brutal geschlachtet zu werden.(2)


Quellenverzeichnis

Von den Hungeraufständen zur weltweiten Unterernährung

Die Habsburger ließen die Bauern verhungern statt ihren Wohlstand einzuschränken

Während der Adel in Saus und Braus lebte verhungerten die Bauern. Maria Theresia wollte nichts zur Rettung der Bauern beitragen. Insbesondere im Jahr 1771/72 kam es in Böhmen zu einer großen Missernte und nachfolgend zu einer Hungersnot. Etwa 250.000 Menschen starben damals an Unterernährung. Das war etwa ein Zehntel der Bevölkerung.

Hungeraufstände in Wien

Bis zu 100.000 unzufriedene Arbeiter marschierten am 17. September 1911 auf dem Wiener Rathausplatz auf. Sie protestierten gegen die ihnen aufgezwungenen katastrophalen sozialen Bedingungen, allen voran wuchernde Lebensmittelpreise und das Wohnungselend in den Außenbezirken Wiens. Die vorerst friedliche Kundgebung eskalierte in einer gewaltsam niedergeschlagenen Hungerrevolte. (orf)
Der massive Einsatz von Gewalt war beispiellos, wie Austromarxist Otto Bauer später festhielt:

„Zum ersten Mal seit dem Oktobertag 1848, an dem die Truppen Windischgrätz’ die Hauptstadt dem Kaiser wiedererobert haben, ist in Wien auf das Volk geschossen worden. Was selbst in den gewaltigsten Stürmen des Wahlrechtskampfes nicht geschehen ist, hat sich am 17. September 1911 in Wien ereignet. In ganzen Stadtvierteln blieb kein Haus, kein Fenster, keine Laterne unversehrt.“

Otto Bauer
Neue Zeitung, 19. September 1911 – Archiv der Österreichischen Nationalbiblothek
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Eintauchen in die Rote Vergangenheit in St. Pölten

Museum zur Geschichte der Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie im Raum St. Pölten – Museum im Hof

Blick auf den historischen Tunnel der SPÖ-St.Pölten – Ingrig blickt auf die Maizeichen der Ersten Republik

Erich Hössinger begrüsste uns mit Getränken und gab für euns eine Einleitung zur Intention des Museums. Das Museum wurde vor zehn Jahren hier neu eingerichtet nachdem es zuvor seit den 1980er Jahren im Museum im Hof in der Heßstraße untergebracht war. Die Ausstellung wurde von Siegfried Nasko gestaltet.

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Victor Adler und die ZiegelarbeiterInnen

Ein Artikel von Marlies Mendel zur Gewerkschaftsgeschichte

Durch zwei Zeitungsartikel verbesserte sich das Leben tausender ZiegelarbeiterInnen und führte schließlich zu Gewerkschaftsgründungen.

ZiegelarbeiterInnen lesen die Zeitung “Die Gleichheit” (1900) @ VGA – Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung

Das Elend allein macht vielleicht zum Schnapsbruder. Aber erst die Überzeugung, dass dieses Elend nicht notwendig ist, macht revolutionär!“

Victor Adler

Mehr dazu auf der Seite des ÖGB im Artikel von Marlies Mendel unter Gewerkschaftsgeschichte

Nazimorde am Bahnhof von Barletta

Eine Gedenktafel, die wir bei unserer Reise in Italien entdeckt haben.

Stadt Barletta.
In der Morgendämmerung des 12. September 1943 wurden die Infanteristen hier zusammen mit einem weiteren unbekannten Kameraden von den Nazis brutal getötet.
Domenico Pandiscia aus Ascoli Satriano
Giovanni Vitelli aus Monteodorisio
Biagio Di Vizio aus San Severo
Die Gemeindeverwaltung von Barletta, in immerwährender Erinnerung an das bürgerliche Engagement für Frieden und Brüderlichkeit.
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Lebensgefährliche Zivilcourage

Ausstellung „WIDER DIE MACHT“ im Geschichtehaus in St. Pölten

Wir treffen uns am Hauptbahnhof in Wien und machen uns zu dritt auf den Weg nach St. Pölten. Nach einer gemütlichen Fahrt mit der ÖBB erreichen wir nach einer halben Stunde den Hauptbahnhof in St. Pölten. Die traditionelle Eisenbahner*innenstadt, wie wir am Nachmittag erfahren, begrüsst uns mit Sonnenschein und einem frischen Lüfterl. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg über die Kremser Gasse, Dr. Karl Renner Promenade vorbei an der ehemaligen Synagoge.zum Museum. Im Kulturbezirk erreichen wir das Geschichtehaus.

Carry Hauser, die kubistisch, reduzierte Figur ist eine ausdrucksvolle Darstellung der Unterdrückung in einem totalitärem System.

Nach einer kurzen Stärkung starten wir die Führung. Begleitet werden wir von einem kompetenten Experten des Museums, der uns in die Ausstellung einführt. Zum Start empfängt uns eine Galerie der „Schöpfer*innen“ dieser Kunstsammlung des Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands. Über 150 Grafiken, Zeichnungen und Ölgemälde werden uns in den nächsten Stunden begleiten. Sie erzählen von Widerstand, Krieg und Verfolgung zwischen 1934 und 1945. Es sind Bilder vom Leben und Sterben in Lagern, von Gewalt gegen Regimegegner, Juden und Roma, aber auch Bilder vom Kampf gegen Nationalsozialismus und Faschismus.

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Vergessen

Zwangsarbeiter, Fremdarbeiter, Kriegsgefangene

Georg Luif eröffnete am 28. Mai im 70er Haus der Geschichten in Mattersburg die Ausstellung zur Zwangsarbeit. 40 interessierte Gäste folgten bei sonnigen Wetter seinen Ausführungen im Garten des Geschichtehauses.

Zwangsarbeit seine Formen und Ausprägungen Merkmale

Georg Luif stellt die Stratgie des NS-Apparats dar, die Arbeitskräfte als “Kriegsbeute” betrachtete. Die zwangsweise Rekrutierung von Arbeiter*innen in militärisch eroberten Gebieten durch die Organisation Todt als paramilitärische Bautruppe sicherten den deutschen und heimischen Betrieben ausreichend Arbeitsplätze für die Rüstungsproduktion. Aber auch heimische Landwirtschaftsbetriebe, wie einzelne Besucher*innen schilderten, hatten Frauen als billige Arbeitskräfte zur Aushilfe.

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Genosse Enrico Berlinguer

Nun liegt erstmals eine Biografie von Enrico Berlinguer, eine Schlüsselfigur der jüngeren politischen Geschichte Italiens, zugleich ein großer Europäer, auf Deutsch vor, rechtzeitig zu seinem 100. Geburtstag am 25. Mai 2022.

Aus dem Italienischen übersetzt von Klaus Pumberger, Cristiana Dondi und Andrea Bertazzoni

480 Seiten
Klappenbroschur
32,95 Euro
ISBN 978-3-8012-0628-4

Um die Verständlichkeit des Textes zu erhöhen, hat Klaus für die Leserschaft im deutschsprachigen Raum einige Ergänzungen vorgenommen:

  • Ausweitung der Fußnoten auf politische Begriffe, Personen und geografische Bezeichnungen, die für eine nicht-italienische Öffentlichkeit einer genaueren Erklärung bedürfen.
  • am Ende des Textes sind zwei “Nachschlagewerke” angefügt:
  • eine “Zeitschiene”, auf der Daten, Funktionen und Aktionen im Leben und Wirken von Enrico Berlinguer (1922-1984) sowie wichtige politische Ereignisse in Italien und international aus dieser Zeit nebeneinander aufgelistet sind.
  • Kurzbeschreibungen der im Text erwähnten italienischen Hauptfiguren.

Bei Bestellungen stellen wir gerne den Kontakt zu Klaus Pumberger her.


Zur Person Klaus Pumberger

Klaus Pumberger, der mit seinem Buch “Worüber wir nicht geredet haben” die Geschichte zweier Familien beschreibt. Er präsentiert und beschreibt europäische Zeitgeschichte verdichtet in einem Haus und zwei Familiensagas. Auf Basis dieser Familiensagas hat Koll. Pumberger geschichtliche Stadtspaziergänge für die GPA veranstaltet.


Nicht viele Kommunisten können von sich behaupten, auch vom politischen
Gegner geschätzt worden zu sein. Für den Italiener Enrico Berlinguer gilt das.
Eine Biographie des Erfinders des „Eurokommunismus“
Von MATTHIAS RÜB am 14.11.2022

Das Politische Buch:
Prophet einer neuen Linken

Am 25. September wählt Italien ein neues Parlament, die extremen Rechten könnten triumphieren. Da ist es Trost und Labsal, die Biografie des engagierten Kommunisten, Demokraten und Europäers Enrico Berlinguer von Chiara Valentini zu lesen. Sie zeigt, wie Italien auch einmal war und wie es heute sein könnte.
Von Birgit M. Kraatz 18. September 2022

Die erste deutschsprachige Biografie des früheren KPI-Chefs Enrico Berlinguer ist das Buch der Stunde zur Wahl in Italien
Was wäre gewesen, wenn? Wenn Enrico Berlinguer nicht am 7. Juni 1984 nach einer Wahlkampfrede zusammengebrochen und kurze Zeit später gestorben wäre.
Claus-Jürgen Göpfert am 16.9.2022

Die Fratelli Vitrani als Partisanen

Wie zwei Brüder im Val Sangone gegen die Faschisten kämpften.

Wir sind in der italienischen Provinz Barletta-Andria-Trani in Apulien unterwegs und haben die Stadt Barletta erreicht. Die Stadt hat heute ca. 94.316 Einwohner. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt Schauplatz der ersten Aktionen der Resistenza, des italienischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Bei der Vorbereitung der Reise habe ich mir einige Informationen zu Barletta auf der Homepage “Gedenkorte Europa” besorgt (1). Der Studienkreis Deutscher Widerstand 1933 – 45 hat mit Unterstützung der Otto-Brenner-Stiftung und Rosa-Luxemburg-Stiftung Informationen zu Orten gesammelt, die an deutsche Kriegs- und Besatzungsverbrechen, an Lager und Deportationen, aber auch an den Widerstand gegen die deutsche Okkupation und deren Überwindung 1945 erinnern.

Vom Parkplatz aus tauchen wir ein in die engen Gassen einer Hafenstadt Apuliens. Viele alte historische Gebäude, vorbei an den vielen Straßencafes umwoben mit dem herrlichen Duft von Espressi, abgelenkt von den schönen Modeaccessoires in den Auslagen. Wir steuern direkt den Giardini di Nittis an.
Unübersehbar prangt auf einer Mauer der Schriftzug „Barletta Antifascista“, und zwischen beiden Wörtern befinden sich die stilisierten Porträts der Fratelli Vitrani. Damit wird zweier junger Männer gedacht, nach denen im Piemont – nicht aber in Barletta – viele Straßen, Plätze u.ä. (wie etwa in Coazze der Brunnen Fontana ai Fratelli Vitrani) benannt sind.

Hier wird der Brüder Pietro und Ruggero Vitrani gedacht. Die Eltern sind vor deren Geburt nach Turin umgesiedelt.

Wer waren die beiden Brüder?
Wo kämpften sie als Partisanen?
Was war ihr Schicksal als Partisanen im Kampf gegen Faschisten und Nazis?

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