Zum Gedenken in Oberpullendorf

Uschi und Willi haben uns aus Oberpullendorf zwei Fotos zukommen lassen. Wir erinnern an diesem Blogeintrag an das Schicksal der Rominija im Burgenland.
Eine Ansiedlung von Romafamilien in Oberpullendorf ist erstmals im 19. Jahrhundert belegt1.

Sofort nach dem „Anschluss“ setzten die Verfolgungsmaßnahmen gegen die Roma ein. So wurde der Rom Julius Karall Opfer der rassistischen Politik.

Meine beiden Verurteilungen wegen Übertretung nach dem § 156 StG und § 129 1 StG durch das Landesgericht Wiener Neustadt erfolgten zu dem Zwecke, um bei mir die Voraussetzung einer Entmannung künstlich zu konstruieren. Ich konnte mich in diesen Strafverfahren als Angehöriger der Zigeunerrasse nicht entsprechend verteidigen, da ich nur mangelhaft die deutsche Sprache beherrsche und auch sonst weder lesen noch schreiben kann. Ich habe daher in diesen Verfahren die mit mir aufgenommenen Protokolle nicht lesen und daher nicht überprüfen können. Ich war in diesen Strafverfahren völlig rechtlos und der Willkür der nationalsozialistischen Richter ausgeliefert2.

Der Retter von Oberpullendorf
György Rohonczy

Aufgrund des Einzugs seiner Arbeitskräfte zum Militär am Beginn des Zweiten Weltkrieges war die Bewirtschaftung seines Gutshofes kaum mehr möglich. Daher fuhr Rohonczy zum 1940 errichteten Anhalte- und Arbeitslager nach Lackenbach, wo er Arbeitskräfte anforderte. Seinem Ansuchen wurde stattgegeben, da sein Betrieb als „kriegswichtiger Betrieb“ galt, der Milch und Lebensmittel in das örtliche Krankenhaus lieferte. György Rohonczy forderte wesentlich mehr Arbeitskräfte an als die drei bis vier Personen, die er tatsächlich benötigte. Ihm gelang es 15 bis 20 Männer, Frauen und ihre Kinder aus dem Lager und somit vor dem sicheren Tod zu retten. Einige Zeit später holte Rohonczy weitere 50 Personen als Erntehelfer für seinen Betrieb aus dem Lager. Diese konnten in Arbeiterwohnungen am Meierhof wohnen und erhielten vom Baron ausreichend Verpflegung3.


Quellenverzeichnis

  1. „Einfach Weg!“ – Verschwundene Romasiedlungen im Burgenland, Gerhard Baumgartner und Herbert Brettl, 2020, ISBN 978-3-7003-2187-3, Seite 248 ff. ↩︎
  2. Wie tausende andere Roma und Sinti musste sich auch Julius Karall einer zwangsweisen Sterilisation unterziehen. ↩︎
  3. Gedenkweg – Zur Erinnerung an die Oberpullendorfer Romnija und Roma ↩︎
  4. d/ROM/a 81 – 1/2026, Zeitschrift des Verein Roma Service Kleinbachselten, Seite 19 ↩︎

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