Während der Vorbereitung unseres Besuchs in Ekenäs recherchierte ich zur Arbeiter:innengeschichte in diesem Ort. Dabei fand ich sehr interessante Einträge zu den finnischen Ereignissen im Jahr 1918. Im Jahr 1918 errichteten die siegreichen Weißen in der Kaserne von Dragsvik (unweit des Stadtzentrums von Ekenäs) eines der größten Konzentrations- und Gefangenenlager des Landes für die besiegten Roten Garden.


Etwas außerhalb des Zentrums im Wald nahe Dragsvik befindet sich das größte Massengrab Finnlands. Hier wurden die rund 3.000 Opfer des Lagers von 1918 verscharrt.
Im Sommer 1918 waren hier zeitweise fast 8.700 Menschen unter unvorstellbaren Bedingungen eingepfercht, es waren etwa 11% aller gefangenen Roten.
Wegen extremer Unterernährung, verheerender hygienischer Zustände und dem Ausbruch von Krankheiten wie der Spanischen Grippe starben innerhalb weniger Monate knapp 3.000 Gefangene.
Diese Statue wurde 1951 in Erinnerung an jene, die Opfer der Weissen wurden, errichtet..
Mit einer Sterberate von rund 34 % ging das Lager Ekenäs als das berüchtigtste und tödlichste aller finnischen Gefangenenlager in die Geschichte ein.
Tammisaari wurde dann in ein Zwangsarbeitslager für verurteilte Rote und später in den frühen 1920er Jahren in eine Einrichtung für politische Gefangene umgewandelt. Tammisaari Lager war bekannt als das berüchtigtste aller finnischen Bürgerkrieg Gefangenenlager.



Zum Gedenken an die im Bürgerkrieg Gefallenen, die in unbekannten Gräbern liegen.
Wichtiger als das woran wir uns erinnern, ist das, was wir nicht vergessen dürfen.

Die inhaftierten Arbeiter und Intellektuellen organisierten im Gefängnis heimlich ein straffes Bildungssystem. Sie schmuggelten marxistische Literatur ins Lager, lernten Sprachen, diskutierten Theorie und bildeten sich gegenseitig fort. Unter finnischen Linken wurde die Haftanstalt daher ironisch als „Universität von Tammisaari“ (Tammisaaren yliopisto) bekannt.
Bemerkenswerte Insassen
- Aimo Aaltonen (1934 – 1940)
- Aleksanteri Ahola-Valo (1939 – 1940)
- Aarne Arvonen (1918)
- Yrjö Leino (1935 – 1938)
- Toivo Hjalmar Långström (1923 – 1926, 1930 – 1934)
- Julius Nurminen (1918) †
- Ville Pessi (1935 – 1940)
- Arvo Tuominen (1922 – 1926, 1928 – 1933)
- Kaarlo Uskela (1918 – 1919)
- Niilo Wälläri (1923 – 1928)
- Armas Äikiä (1927 – 1928, 1930 – 1935)
In den 1920er und 1930er Jahren schwankte die Zahl der gefangenen Kommunisten zwischen 100 und 600. Die höchste Zahl war nach der Erklärung der kommunistischen Gesetze von 1930. Im Juli 1933 traten mehr als 370 Gefangene in einen Hungerstreik und nach 11 Tagen starben schließlich fünf an Zwangsernährung. Die Strafanstalt wurde bis 1940 genutzt. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Gefangenen in neu gegründete Gefangenenlager in Finnland verlegt und Tammisaari wurde von der finnischen Armee als Garnison genutzt.