Geschichte in der Leopoldstadt

Wir machten einen Rundgang mit den Mitgliedern des Verein “Viva Frauen 50plus”. In der Praterstrasse 8 war Treffpunkt. Von den Roten Spuren waren Brigitte, Ingrid, Eva und Werner für den Stadt-Spaziergang veranwortlich. Herzlichen Dank an Peter, der mit der Rote Spuren – Beach Flag den Treffpunkt weithin sichtbar machte.

16 Frauen begrüssten wir beim Rundgang

Nach dem Start schilderte eine Teilnehmerin beim Haus Praterstrasse 11 einen Auszug ihrer Familiengeschichte. Das traurige Schicksal von Max und Susanne Bergmann.

Weshalb Nestroy bei uns im Rundgang so prominent vertreten ist?

Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy 1801-1862

1831 engagiert ihn Direktor Carl ans Theater an der Wien. Dort feiert Nestroy nicht nur als Schauspieler große Erfolge, sondern macht auch erste Schreibversuche, die über Textbearbeitung und kleine Vorspiele hinausgehen. 1832 erzielt Johann Nestroy als Bühnenautor bereits einige beachtliche Erfolge. 1833 gelingt ihm mit „Lumpazivagabundus“, seinem meistgespielten Werk, endgültig der große Durchbruch als Autor. 1845 geht er mit Direktor Carl ans Leopoldstädter Theater, das er

1854 als Direktor übernimmt und bis 1860 erfolgreich leitet, ehe er sich altersbedingt nach Bad Ischl und Graz zurückzieht, wo er am 25. Mai 1962 stirbt.

„Das ist eben das Dumme und höchste Ungerechte. Wenn die reichen Leut‘ nicht wieder reiche Leut‘ einladeten, sondern arme Leut‘, dann hätten alle genug zu essen.“

Er ergreift aber auch Partei für die Unterprivilegierten („Der Schützling“ 1847). Auch spielt er untergründig auf das zum Untergang bestimmte Zopfensystem[1] Metternichs an, dass das Volk in Unmündigkeit und Abhängigkeit hält. („Die schlimmen Buben in der Schule“ 1847). Die Revolution von 1848 und Reaktion hinterlassen vielfältige Spuren in Nestroys Werk. Er sucht als Zeitzeuge die Verbindung von Theater und Straße. In der kurzen Zeit der Zensurfreiheit gelingt ihm die Posse von der Revolution „Freiheit in Krähwinkel“ (1848). In der neuzeitlichen Forschung wird über Nestroy geschrieben: „Er erkennt die ökonomische Katastrophe der kleinen Gewerbetreibenden, beobachte die rücksichtlosen Karrieristen, im Umbruch der Volkstheater zu hart kalkulierenden Unternehmen entdeckte er Theaterschaffende, die um Existenz bangen.“ Weiters: „Er diagnostizierte die Unmenschlichkeit des Kapitalismus und sehnte sich nach den vergangenen Zeiten einer geordneten Welt.“[2]


[1] Zopfensystem: Bezeichnung für die absolutistische Staatsform des Vormärz nach der altmodisch gewordenen Zopfperücke höherer Stände;

[2] https://www.nestroy.at/neu/leben-und-werk/biographisches/bausteine-zu-nestroys-biographie/

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