
„Stolpersteine“ ist ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, mit dem an Menschen erinnert wird, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden.

In Würzburg gibt es Stolpersteine seit 2006. Das Projekt wurde von Benita Stolz und Helmut Försch initiiert und wird von der Stadt Würzburg unterstützt.
Wir nutzten den Geocaching -Rundgang (Adventure Lab), um etwas über die Geschichte der Familien zu erfahren.

Max Pollak erblickte am 13. Juli 1890 das Licht der Welt. Er verdiente sein Geld als Tabakwarenhändler und zog bereits 1936 mit seiner Ehefrau Klara Pollak (geb. Günther) und den drei in Giebelstadt geborenen Kindern, Karl-Günther (1926), Manfred (1928) und Margot (1929), nach Würzburg1. Der Vater emigrierte im Juli 1938 nach New York, er beabsichtigte, Ehefrau und Kinder zu sich holen.
Günter Pollak lebte mit seinem Bruder Manfred im Kinderheim Antonienstraße 7 und machte nach dem Besuch der Volksschule in München in den jüdischen Anlernwerkstätten eine Schreinerlehre. Er meldete sich am 14.11.1941 nach Würzburg ab. Am 27.11.1941 wurde er von Nürnberg aus gemeinsam mit seiner Mutter und den beiden Geschwistern Manfred und Margot nach Riga deportiert und ermordet2.

Schon bald nach der Machtübernahme durch die Nazis emigrierte Abraham mit seiner Ehefrau Sura nach Belgien. Dort verhaftete man die beiden 1943 und brachte sie ins Sammellager, von wo sie am 31. Juli 1943 nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden.

Samuel Nussbaum wurde am 2. Juli 1873 in Heßdorf geboren. Seine Eltern waren Josef Nussbaum und Karoline. Er wuchs in einer kinderreichen Familie mit den vier älteren Schwestern auf. Nach ihm kamen die jüngeren Geschwister Emma, Nathan und Benno auf die Welt. Am 23. September 1942 wurde Samuel Nussbaum zusammen mit seiner Schwester Lina Mimetz deportiert. Am 18. April 1944 starb er dort an den unmenschlichen Lebensbedingungen.
Bertha Nussbaum (1889-1941/42) stammte aus Weimarschmieden. Ihr Vater war der Viehhändler David Nußbaum (1854-1905), der u.a. 20 Jahre lang Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde war. Ihre Mutter Sophie Siegel (1853-1922) stammte aus Nordheim v. d. Rhön. Bertha wuchs mit drei Brüdern zahlreichen Schwestern auf, die später durch Heirat alle einen anderen Namen angenommen hatten.
Bertha heiratete im September 1927 den Schneider Nathan Nussbaum (1877-1935) aus Heßdorf, der zusammen mit seinem älteren Bruder Samuel (1873-1944) im Jahr 1902 die Herrenmaßschneiderei S.&N. Nussbaum in Würzburg gegründet hatte. Die Brüder wohnten zusammen in der Domstraße 68 ½ und dort lebte dann auch Bertha. Im Juni 1928 kam ihre Tochter Karola zur Welt. Bereits nach acht Ehejahren verstarb ihr Ehemann im Jahr 1935 mit 57 Jahren. Bertha Nussbaum, ihre Tochter Karola und der Schwager Samuel Nussbaum verblieben in der gemeinsamen Wohnung. Die Situation für jüdische Geschäfte verschlechterte sich nach 1933 zusehends. Bertha selbst blieb zwar unbehelligt, doch Schwager Samuel musste vor und nach der erzwungenen Aufgabe des Geschäfts einige Schikanen über sich ergehen lassen. Berthas Pläne, mit ihrer Tochter auszuwandern, scheiterten.
Mutter und Tochter wurden am 27. November 1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und vermutlich dort oder in der Nähe in den folgenden Wochen oder Monaten ermordet. Schwager Samuel blieb noch ein Jahr länger in Würzburg und starb 1944 in Theresienstadt.
Von Berthas Geschwistern wurden Emma Strauß in Sobibor und Seli Nußbaum in Auschwitz Opfer der Shoa, die anderen überlebten dank rechtzeitiger Emigration3.

Georg Häfner war das einzige Kind des Ehepaars Valentin und Barbara Häfner. Im Winter 1919/20 nahm er in Würzburg das Studium der katholischen Theologie auf. Im Januar 1920 trat er in den Dritten Orden vom Berge Karmel ein.
Georg Häfner lebte bescheiden und zurückgezogen, trat aber kompromisslos gegen die Nationalsozialisten auf. Er verweigerte den Hitlergruß und erhielt Schulverbot.
Er erteilte daraufhin Religionsunterricht, bis auch dies am 22. August 1941 untersagt wurde. Er wurde schließlich am 30. Oktober 1941 ohne Gerichtsverfahren durch die Gestapo Würzburg verhaftet und am 12. Dezember 1941 in das KZ Dachau eingeliefert. Schon bei der Ankunft dort wurde er so misshandelt, dass er sofort ins Krankenrevier eingeliefert werden musste. Er starb am 20. August 1942 als Folge von weiteren Misshandlungen, Überarbeitung und Unterernährung, wobei er stets eine christliche Haltung bewahrte.
Der Stolperstein wird vor dem Neumünster verlegt, wo die Urne von Häfner beigesetzt ist.
Quellenverzeichnis
- Aus der Beschreibung des Adventure Lab ↩︎
- Gedenkbuch München ↩︎
- Gedenksteine Würzburg – Biogeaphien ↩︎