Betontürme voller Leiden

Der 42 m hohe Flakturm im Arenbergpark war der erste Turm in Wien – Baubeginn: 1942

Die Wiener Flaktürme, errichtet zwischen 1942 und 1945, sind Produkte von Zwangsarbeit. Zahlreiche österreichische Bauunternehmen waren Nutznießer dieses Unrechts, an das bis heute kaum erinnert wird.

Gemeinderat Ernst Woller und Doris Zametzer

Im Weiterbildungsprogramm der VHS Landstraße referierte Thomas Pototschnig zu den „Spuren der Zwangsarbeit“ beim Bau der Flaktürme. Bei den Flaktürmen allerdings, besonders bei den Türmen im Arenbergpark, haben wir leider nur wenige Fotos aus der Zeit, weil es verboten war die Türme zu fotografieren. Aber es gibt Skizzen und Zeichnungen von einem Bewohner der direkt am Arenbergpark gewohnt hat und die Baustelle in Form von Handzeichnungen festgehalten hat.

Die Zwangsarbeiter waren im Lager Freihaus untergebracht – die heutige Bibliothek der TU mit der Eule darauf. Ein weiteres Lager war am heutigen Friedrich-Engels-Platz und bei einem Lager in der Brigittenau, bei der Forstgasse. Insgesamt gab es um die 170 Zwangsarbeiterlager in Wien. In der Landstraßer Hauptstraße 123 mussten ukrainische Zwangsarbeiterinnen für Siemens Halske Widerstände produzieren.

Beim Bau des Leitturm im Arenbergpark waren Italiener (sie galten ab 1944 als Kriegsgefangene), Franzosen, Tschechen, Ukrainerinnen, Serben und Sowjetbürger als ZwangsarbeiterInnen beschäftigt. Die Sowjetbürger kamen aus dem KZ- Mauthausen und bei Arbeitsunfähigkeit wurden sie zurück geschickt. Die Ukrainerinnen waren vorwiegend Zivilbevölkerung, die aufgegriffen und mitgenommen wurde. Das war auch bei den Franzosen so, da gibt es ziemlich viele Berichte. Die sind zum Beispiel im Zug gesessen und auf einmal ist ein SS-Offizier durchspaziert und hat Leute ausgewählt, die dann für ein Jahr oder länger als Zwangsarbeiter arbeiten mussten.

Russische Kriegsgefangene waren dazu eingeteilt im Gefechtsturm die Kartuschen der 12,8 cm Geschosse einerseits in den 12. Stock hinauf-zutragen, andererseits zu laden, die heißen Kartuschen aus den Geschossen zu einem Loch befördern und wieder in den Keller zu schicken. Das war eine unheimlich gefährliche Arbeit. Sie
hatten meist nur so kleine Asbest-fetzen, die Geschosse waren 50 kg schwer und kamen mit ca.150 C° raus, das heißt die hatten immer wieder schwere Verbrennungen. Die russischen Kriegsgefangenen hatten keine Helme, das heißt es gab wirklich schwere und auch tödliche Kopfverletzungen.

Wenn man Italiener, Russe oder Ukrainer war, war die Lebenserwartung ganz gering. Gegen Ende des Krieges auf der Augartenbaustelle reden wir hier von drei bis drei-einhalb Monaten. Und wenn sie sich dann überhaupt nicht mehr bewegen konnten sind sie nach Mauthausen deportiert worden.

Anzahl der ZwangsarbeiterInnen in Wien – Niederdonau

Ich höre immer wieder, dass man ja nicht wusste, dass es Zwangsarbeit in Wien gab. Man habe diese Menschen und die Lager nicht gesehen. 170 Lager in Wien und ca. 300.000 Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten. Eine anzahl von Menschen soviel wie die Stadt Graz EinwohnerInnen hat – einfach unsichtbar?

Österr. Historikerkommission – ZwangsarbeiterInnen auf dem Gebiet der Republik Österreich von 1939-1945, Band 26/1, Oldenbourg Verlag 2004, ISBN 3-7029-0530-8, Seite 61

Quellenverzeichnis

  • 14/III 1945 – Spuren der Zwangsarbeit, VHS Landstraße, ein Vortrag von Mag. Thomas Pototschnig am 25.2.2016
  • Wiki – Einwohner von Graz
  • Österr. Historikerkommission – ZwangsarbeiterInnen auf dem Gebiet der Republik Österreich von 1939-1945, Band 26/1, Oldenbourg Verlag 2004, ISBN 3-7029-0530-8, Seite 61