Revolution und Widerstand

Der erste Spaziergang des Vereins Rote Spuren am 4. Juli 2020 mit dem Thema „Revolution und Widerstand“. In der sozialpartnerschaftlich dominierten Zweiten Republik wird der Blutzoll der ArbeiterInnenbewegung zur Durchsetzung der Demokratie leisten musste, oftmals verschwiegen.

Der Gedenkstein zum ersten Frauenverein von 1848 in Wien im Volksgarten. Die Frauenbewegung hätte sich ein würdigeres Denkmal verdient.

In der barocken Eingangshalle zur Nationalbibliothek in der Neuen Burg treffen sich Geschichtsinteressierte, um jene AkteurInnen kennen zu lernen, die oftmals von den Herrschenden gequält, eingesperrt und getötet wurden. Ihr Einsatz und und Engagement, ihr Glaube an eine bessere Welt und ihre Opfer sind die Grundpfeiler unserer heutigen Demokratie.

WO und WIE werden sie gewürdigt?
Unser Spaziergang ist der Versuch einer später Würdigung ihres Kampfes für eine bessere Welt.

Dieter Preinerstorfer ein Teilnehmer der Tour schreibt in seinem Facebookeintrag:

Ein Streifzug von den Aufständen der Baugewerbe- und Schustergesellen Anfang des 17. Jhdt. bis zum Refugees-Protest-Camp 2012 – Ein Streifzug durch die Demokratie-Geschichte – Prädikat: Absolut empfehlenswert.


Und ich habe gelernt, dass es durchaus in Ordnung – und sogar gewollt – ist, das Denkmal für die Opfer der NS-Justiz am Ballhausplatz zu erklimmen. Ich habe das in der Vergangenheit immer als falsch empfunden und habe sogar andere davon abgehalten die Stufen zu besteigen. Jetzt habe ich aber verstanden, dass es durchaus in der Intension des Künstlers war den schwierigen Weg zu gehen um dann zwar alleine aber doch gemeinsam zu sein.

Dieter Preinerstorfer

Die Stationen unserer Tour am 4. Juli. In Klammer sind jene KollegInnen aufgeführt, die die jeweilige entscheidende Recherchearbeit zu dieser Station geleistet haben. Für die TeilnehmerInnen gab es eine Broschüre.

  • Heldenplatz – erste Streiks der Schuhmachergesellen im beginnenden 17. Jhdt. (Lukas Neissl)
  • Denkmal für die Verfolgten der NS-Justiz (Brigitte Drizhal)
  • Erster Wiener Demokratischer Frauenverein (Brigitte Drizhal)
  • Gedenkstein an Otto Glöckel am Palais Eppstein (Werner Drizhal)
  • Denkmal der Republik (Werner Drizhal)
  • Grete-Rehor-Park (Brigitte Drizhal)
  • Justizpalastbrand 1927 (Werner Drizhal)
  • Hungerrevolte 1911 am Rathausplatz (Kathrin Niedermoser)
  • Februar 1934 (Elisabeth Luif)
  • Universität Wien – Siegfriedskopf, Exklusion von Frauen (Elisabeth Luif)
  • Refugees-Protest-Camp im Sigmund Freud-Park (Kathrin Niedermoser)

Zu unterstellen, dass eine Gesellschaft Erinnerungen unterdrückt, weil sie kein Interesse hat, sich zu erinnern, oder weil sie sich ihrer Vergangenheit schämt, lässt außer Acht, dass die nationale Erinnerung von widerstreitenden Faktoren geformt wird. Um die Erinnerung werde immer gerungen, sie ist das Produkt von Auseinandersetzungen.

James Young, Sprachwissenschaftler

In manchen Diskussion während des Spaziergangs erläuterten wir das vorherrschende Geschichtsbild. Immer noch existiert ein verklärtes Bild der Monarchie. Die schöne, gute, alte Zeit wo Österreich noch ein großes Gebiet war, wo die Sonne nicht untergeht. Wenig bis gar nicht hören wir, dass der Habsburgerkaiser Ferdinand im 30jährigen 25000 Menschen in Magdeburg durch General Tilly niederschlachten ließ, dass die Habsburger Militär gegen Streikende einsetzten und ArbeiterInnen niederknüppeln und erschießen ließen, dass 1848 mit blanken Säbeln auf streikende Frauen geschlagen wurde, dass Windischgrätz mit seinen Truppen plündernd und vergewaltigend durch die Wiener Vorstädte zog, das Radetzky seinen Marsch für die blutige Niederschlagung von Arbeiteraufständen in Norditalien vom Kaiser „geschenkt“ bekam.
Das Wirken der Christlichsozialen bei der Zerschlagung und dem Auslöschen der Ersten Republik und ihre Unterstützung der Austrofaschisten und das Kokedieren mit dem Faschisten Mussolini. Wir sprechen heute immer noch von der geteilten Schuld 1934, obwohl das mehr als einmal wissenschaftlich widerlegt ist.