Starke Frauen beim Walk of FEM

Sterne für weibliche Stars

Wer kennt Käthe Diernesberger, Marie Donner, Camilla Estermann, Leopoldine Feichtinger, Ferdinanda Floßmann, Anna Gröblinger, Gisela Tschofenig-Taurer oder Cäcilie Zinner? Wer hat von ihnen schon etwas gehört, gelesen? Wer hat sich bisher an sie erinnert? Das frage ich mich bei den Namen, die in goldenen Sternen auf der Ernst-Koref-Promenade in Linz aufgetragen sind.

Sie alle waren starke Frauen. Egal ob Dienstmädchen, Arbeiterin, Wissenschafterin, Künstlerin, Politikerin, Betriebsrätin, Widerstandskämpferin, Sozialarbeiterin, Unternehmerin, Jüdin, Katholikin, – sie alle mussten sich durchsetzen, um ihre Position ringen, manche waren widerständig, verloren dabei sogar ihr Leben. Sie alle sind Vorreiterinnen für uns Frauen, sie hatten Kraft und Mut trotz vieler Widrigkeiten in ihrem Leben. Und das muss gewürdigt und auch immer wieder daran erinnert werden. Und das wird es in Linz mit dem Walk of FEM, bestehend aus mittlerweile ca. 90 Sternen.

Doch wer waren sie? Hier drei Frauen, stellvertretend für die Vielen.

Ein brutales Leben als Dienstmädchen

Besonders hart traf es Käthe Diernsberger, geborene Schübler (1879 – 1967). Ihr junges Leben war geprägt von Armut – , Misshandlungen durch den Stiefvater, dem frühen Tod der Mutter. Schulbesuch war nur eingeschränkt für sie möglich und schon bald arbeitete sie als Dienstmädchen an unterschiedlichen Orten.

Nach dem Tod ihres Verlobten und ihres unehelichen Kindes zog sie nach Urfahr. Doch auch dort war ihr Leben schwierig. In der Arbeit erfuhr sie schlechte Behandlung, Schwerstarbeit war an der Tagesordnung und so wechselte sie häufig ihre Arbeitsstelle oder musste sie wechseln. Und auch ihr weiteres private Leben war geprägt von bitteren Erlebnissen mit Männer, sowie vom Tod eines weiteren Kindes. Aufgrund dieser harten und bitteren Erfahrungen zog sie nach Salzburg, heiratete und bekam mit dem Eisenbahner Josef Diernesberger ein Kind. Sie schrieb ihre Autobiographie 1949 nieder.1

Von der Haushaltsgehilfin zur Betriebsrätin

Leopoldine Feichtinger, geb. 1920, als Kind einer armen Familie musste schon mit 13 Jahren als Haushaltsgehilfin arbeiten. Ihr Vater war gegen den weiteren Schulbesuch. Anscheinend war Geld notwendig für die arme Familie. Nach einer Stelle in den Ringbrot-Werken (1939) gelang es ihr, 1940 in der Linzer Tabakfabrik beschäftigt zu werden. Dort war sie 35 Jahre tätig. Nach dem Krieg trat sie in die SPÖ ein und wurde 1966 schließlich Betriebsrätin. Als einzige Frau in diesem Gremium setzte sich dort besonders für die Gleichberechtigung ein.

Durch ihr Engagement wurde sie auch abseits der Tabakfabrik zu einer bekannten Persönlichkeit. Ihre Biographie erschien 2006, noch zu ihren Lebzeiten. Leoopoldine Feichtinger starb am 31. Jänner 2014 im 94. Lebensjahr.2

Widerstandsaktivitäten einer Schneiderin

Durch ihre Freundin lernte die in Großraming 1896 geborene Cäcilie “Zilli” Schnitzler verheiratete Zinner, 1944 den kommunististischen Wehrmachtsdesserteur Ludwig Telfner kennen. Dieser baute die Widerstandsgruppe “Münichreiter” – benannt nach dem im Februar 1934 hingerichteten Mitglied des Republikanischen Schutzbundes Karl Münichreiter – auf, nachdem die Kontaktufnahme zur illegalen KPÖ in Linz nicht gelang. In dieser Widerstandsgruppe waren mehrere Frauen aktiv: So auch Cäcilie Zinner. Sie sammelte Geldspenden für die “Rote Hilfe”, nähte als gelernte Schneiderin Armbinden und Blusen aus rotem Fahnenstoff mit kommunistischen Symbolen die als Erkennungszeichen nach dem erhofften Umsturz dienen sollten. Die Gruppe wurde jedoch verraten und verhaftet. Gleich beim ersten Volksgerichtshofprozess in Linz wurden vier Personen zum Tod verurteilt.3

Neben drei Männern, Zilli Zinner als einzige Frau, die in der Anklageschrift als “fanatische Gegnerin des nationalsozialistischen Regimes” bezeichnet wird. Weiters wurde ihr “Vorbereitung zum Hochverrat” unterstellt. Vier Tage vor der Befreiung durch die alliierten Truppen am 1. Mai 1945 wurde Zilli Zinner und zwölf weitere Personen durch Angehörige der Hitlerjunged und des Volkssturms auf dem Trefflinger Schießplatz in Engerwitzdorf hingerichtet.4

Foto: DÖW

  1. Walk of FEM – Käthe Diernsberger ↩︎
  2. Walk of FEM – Leopoldine Feichtinger ↩︎
  3. Widerstand und Zivilcourage, Frauen in Oberösterreich gegen das NS-Regime 1938-1945, ISBN 978-3-902801-42-5 ↩︎
  4. Walk of FEM – Cäcilie Zinner
    ↩︎

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