Vom Operationssaal zum Hinrichtungsraum

Mit dieser Überschrift beschreibt Werner Kunzenmann in der Dokumentation über die Schwester Restituta ihren Weg von der Einlieferung in das Polizeigefängnis bis zum Hinrichtungsraum im Landesgericht Wien1.


Wir besuchten das Restituta Museum – Glaube gegen Gewalt in der Hartmanngasse. Das Transform – Netzwerk, eine politische Stiftung der Europäischen Linken, organisierte den Besuch des Museums und eine Präsentation mit Sr. Ruth Beinhauer im Kloster der “Hartmannschwestern” in Wien.

Da sie – wie auch ihre Mitschwestern stets um ganzheitliche Pflege bemüht waren, kamen sie bald bei einem fanatischen SS-Arzt, Dr. Stumfohl, Verächter der “Minderwertigen” und Kirchenfeind, in Misskredit. Der Parteispitzel begann nach einer Möglichkeit zu suchen, die mutigste Ggenerindes Hakenkreuzes aus dem Mödlinger Krankenhaus zum Verschwinden zu bringen.

Widerstandsgruppen versendeten über Feldpostadressen von Soldaten Schriften, die zum Widerstand gegen die Nazis aufriefen. Ein sogenanntes “Österreich” oder “Soldatenlied” zirkulierte im Untergrund als Flugblatt. Im Dezember 1941 überließen zwei Soldaten diese Gedicht Schwester Restituta “zum Abschreiben”.

Erwacht Soldaten und seid bereit, gedenkt eures ersten Eid, für das Land, in dem ihr lebte und geboren, für Österreich habet ihr alle geschworen.
Das sieht ja schon heute jedes Kind, dass wir von den Preußen verraten sind. Für die uralte heimische Tradition haben sie nichts als Spott und Hohn.
Den altösterreichischen General kommandiert ein Gefreiter von dazumal.
Und der österreichische Rekrut ist für sie nur als Kanonenfutter gut.
Zum Beschimpfen und Leuteschinden mögen sie andre Opfer finden.
Mit ihrem großen preußischen Maul sind sie uns herabsetzen nicht faul.
Dafür haben sie bis auf den letzten Rest die Ostmarkzitrone ausgepreßt.
Unser Gold und Kunstschätze schleppten sie gleich in ihr abgewirtschaftetes Nazireich.
Unser Fleisch, Obst, Milch und Butter waren für sie ein willkommenes Futter
Sie befreiten uns und ehe mans glaubt, hatten sie uns gänzlich ausgeraubt. Selbst den ruhmvollen Namen stahl uns die Brut und jetzt wollen sie auch noch unser Blut. Der Bruder Schnürschuh ist nicht so dumm. Gebt acht, er dreht die Gewehre um. Der Tag der Vergeltung ist nicht mehr weit. Soldaten gedenkt eures ersten Eid.

Österreich!

Wir Österreicher auf uns gestellt, hatten Frieden und Freundschaft mit aller Welt. Die Welt, vergiftet mit ihrem Naß. Sie haben die Welt gegen sich vereint. Die Mütter zittern, die Männer bangen, 

der Himmel ist schwarz mit Wolken verhangen. Der schrecklichste Krieg, den die Menschheit gekannt, steht furchtbar vor unserem Heimatland. Es droht uns Elend und Hungersnot, der Männer und Jünglinge Massentod. Kameraden, trotzt dem verderblichen Wahn, was gehen uns die Händel der Preußen an? Was haben uns die Völker getan? Wir nehmen die Waffen nur in die Hand zum Kampf fürs freie Vaterland. Gegen das braune Sklavenreich! Für ein glückliches Österreich!

Die Vorkommnisse um die Durchschrift des “Soldatenliedes” bezüglich der unbrauchbaren Carbonpapiers, auf dem die Anklage beruhte liegt der Schluß nahe, dass Stummfohl und die Gestapo mit Raffinesse für Schwester Restituta eine Falle gebaut haben, der sie nicht entrinnen konnte.

Es gab mehrmals Anklageänderungen mit einer Anklageschrift vom Oberstaatsanwalt in Wien, der auf eine Gesetz Bezug nimmt, welches ein mildere Bestrafung zur Folge gehabt hätte. Das Verfahren hat Volksgerichtshof in Berlin an sich gezogen. Die Prozessunterlagen werden mit belasteten Materialien ergänzt, die vorher nie angeführt wurden.

19 Menschen im Minutentakt hingerichtet

Herzlichen Dank gebührt Schwester Ruth Beinhauer, die erfrischend, klare Worte zum Leben ihrer Mitschwester fand. Sie schilderte den schwierigen Weg innerhalb der katholischen Kirche zur Seeligsprechung.


Quellenverzeichnis

  1. Schwester Maria Restituta Kafka – Märtyrin aus dem Widerstand, Hrsg.: Franziskanerinnen von der christlichen Liebe, ISBN 3-9014-5057-6, Seite:36 ↩︎

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