KZ-Gedenkstätte Dipoldsau

Wir sind am Weg durch das schöne Ennstal von der Steiermark kommend nach Großraming in Oberösterreich. Einige Kilometer vorher haben wir das Ennskraftwerk Schönau passiert. Ein an Geschichte interessierter Geocacher hat diese Gedenkstätte beschrieben, um auf die Greueltaten in diesem Nebenlager von Mauthausen hinzuweisen.

Die Gedenkstätte liegt direkt an der B115 (47°51′48.89″N 14°36′38.88″E). Ein paar Parkplätze sind vorhanden, um zum Gedenken innehalten zu können.

„Es ist geschehen – also kann es wieder geschehen?“

Beim Lesen und Fotografieren werde ich wie ein Strudel in diese Ereignisse hineingerissen. Unvorstellbar für mich dieses Leid der gequälten Menschen, die als Zwangsarbeiter*innen hier ihr Leben lassen mussten. Oftmals frage ich mich – was hätte ich getan? Hätte ich zugesehen, wäre ich im Widerstand gewesen – schwierig zu beantworten, obwohl ich seit ich politisch denken kann, gegen den Faschismus öffentlich und bei vielen politischen Veranstaltungen mich klar und eindeutig positioniert habe. Beim Betrachten der Bilder befällt mich heftige Traurigkeit. Mir ist es nicht möglich distanziert die Texte und Bilder aufzunehmen. Die Bilder, die ich selbst hier mache, dienen meiner persönlichen Bearbeitung dieser grauslichen geschichtlichen Ereignisse. Sie erinnern mich, dass ich selbst ein Beitrag zur Erinnerung leisten kann. Dieser Artikel ist mein Beitrag, mein Versuch, die Geschichte der Opfer in Erinnerung zu rufen, um daraus zu LERNEN.
Beim Schreiben dieser Zeilen fallen mir die Worte der Überschrift diese Absatzes ein, die ich bei der Eröffnung der österreichischen Gedenkstätte im Ausschwitz vor ein paar Tagen gehört habe. Oskar Deutsch hat sie als Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in seiner Rede zitiert. Was mich wirklich beunruhigt ist die Frage:Wird es wieder geschehen? „

Das KZ-Außenlager Dipoldsau wurde im Juli 1943 gegründet. Das KZ-Außenlager befand sich zwischen Großraming und Weyer im Gemeindegebiet des ehemaligen Weyer-Land. Es umfasste zehn Wohnbaracken und wurde oberhalb des Ufers der Enns errichtet.
Die Anzahl der Häftlinge im KZ-Außenlager Dipoldsau belief sich auf etwa 130. 1944 starben 22 der Inhaftierten, die namentlich bekannt sind. Die tatsächliche Anzahl an Todesopfern dürfte etwa doppelt so groß sein.
Am 29. August 1944 wurde das KZ-Außenlager Dipoldsau aufgelöst. 

Ermordung und Ausbeutung durch Zwangsarbeit

Die Häftlinge wurden zu Arbeiten im Rückstaubereich des damals in Bau befindlichen Kraftwerks Großraming, an der Höherlegung der Eisenstraße, in einem Marmorsteinbruch in Großraming sowie am Bau eines Bahnhofs und eines Floßaufzugs eingesetzt. Im Bereich der Angelsbachbrücke bauten die KZ-Häftlinge an einer Stützmauer für die neue Eisenstraße. Hier wurden laut Angaben von Zeitzeugen nach einem Unfall mehrere tote Häftlinge an Ort und Stelle einbetoniert.

Die Opfer

Der Todesmarsch

Im Frühjahr 1945 wurden tausende ungarische und jüdische Zwangsarbeiter in mehreren Kolonnen durch das Ennstal getrieben, viele Menschen kamen auf dem Gemeindegebiet beim Todesmarsch um.

Zum Abschluss ein Zitat von Armin Thurnher im Herausgeberkommentar des Falters zu Auschwitz, das ich am dem Tag gelesen habe, als ich diesen Beitrag verfasste

….es ist einfach nicht möglich, dass vergessen wird, sondern es gilt , die Erinnerung wachzuhalten. Man muss sich ihr stellen, muss (stets von neuem) lernen, aufmerksam und würdig mit ihr umzugehen, auch wenn das, vor allem für uns, äußerst schwierig ist. Wir geraten damit immer wieder in eine Aporie (die Unmöglichkeit in einer bestimmten Situation das Richtige zu tun): Erinnerung muss sein, angemessene Erinnerung ist unmöglich…-

Ich persönlich stelle mich lieber dieser Unmöglichkeit und suche Wege der Erinnerung, als diese Ereignisse schweigend zu vergessen, denn es kann wieder passieren.

Gedenktafel des Pfarrgemeinderates Weyer

Quellenverzeichnis:

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