Schmauchspuren des Bürgerkriegs

Die Ursache für Ereignisse am 12. Februar 1934 war die Politik des christlichsozialen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß, der ab März 1933 die Demokratie demontierte: Ausschaltung des Parlaments, Verbot von Wahlen, Verbot von Versammlungen und Mai-Aufmärschen, die Ausschaltung des Verfassungsgerichtshofes, Verbot des Schutzbundes bei gleichzeitiger Heranziehung der Heimwehr als Hilfspolizei, Abschaffung der gewählten Vertretung in der Arbeiterkammer1.

Wir sind zum Aufcampen einige Tage in Linz und nutzen die Gelegenheit einerseits unserer Vorliebe des Geocaching und gleichzeitig den „Roten Spuren“ im Februar 1934 nachzuspüren.
Herzlichen Dank an den Owner für die Gestaltung des Adventure Lab.

Für den überwiegenden Teil der Bevölkerung sind die Ereignisse des 12.Februar 1934 ein Bestandteil der Geschichte, mit dem man wenig anzufangen weiß.
Die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen dieser Tage hatten in Linz ihren Ausgang genommen und sich über ganz Österreich ausgebreitet. Was hier begann, ist von welthistorischer Bedeutung. Zum erstenmal hatten sich Arbeiter gegen die drohende Gefahr einer faschistischen Machtergreifung mit Waffengewalt zur Wehr gesetz2t. 
Bei der Betrachtung der Ereignisse würde ich nicht von einem Bürgerkrieg sprechen, denn die Bürger Österreichs waren maximal Zuseherinnen wie eine verzweifelte Arbeiter:innenbewegung versuchte die Demokratie und die Republik zu retten.

Unsere erste Station war das Denkmal am Bernaschek-Platz, das 1988 von den Opferverbänden errichtet wurde.

Eine „historische Gerechtigkeit“ ist, dass der Platz nach 1945, der ursprünglich auch zwei Jahre Starhembergplatz (Heimwehrführer) hiess, in Bernaschekplatz umbenannt wurde. Die Heimwehrleute von denen es im Umland tausende gab, waren die Totengräber der Republik.

Benannt 1945 nach Richard Bernaschek (1888-1945), dem Führer des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich und des Aufstandsversuches vom Februar 1934. 1945 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet.
Richard Bernaschek, in der Zwischenkriegszeit Landesparteisekretär der Sozialdemokratischen Partei und Führer des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich, initiierte den Aufstand im Februar 1934 und wurde verhaftet. Ihm gelang die Flucht und er kehrte 1939 zurück.

1944 wurde Bernaschek nach dem missglückten Stauffenberg-Attentat auf Hitler verhaftet, in das KZ Mauthausen verbracht und kurz vor Kriegsende dort erschossen.3

Das Mahnmal zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus wurde von Leopold Grausam geschaffen.

Ein strategischer Punkt von besonderer Bedeutung war das Parkbad an der Unteren Donaulände. Hier befand sich ein Waffenlager und Sammelort des Schutzbundes. Zudem lag das Bad direkt gegenüber der Fabrikskaserne. Alle Bewegungen des Militärs konnten von hier aus beobachtet und gestört werden.

Weitere Kampfschauplätze waren ua. die Eisenbahnbrücke, der Wirtschaftshof, der Jägermayer und die Dorfhalle im Franckviertel.

Auf dem Turm der Diesterwegschule postierte der Schutzbund schon am Vormittag ein Maschinengewehr. Von dort aus war es möglich, eine wichtige Kreuzung in diesem Teil der Stadt, die Eiserne Hand, und weitere Durchzugsstraßen zu beherrschen

Gedenktafel gegenüber des Eingangs der Landesparteizentrale der SPÖ.

Um ca. 9 Uhr wurde das Hotel Schiff vom Militär umstellt und trotz ihrer zahlenmäßigen Übermacht gelang es den Soltaten nicht das Gebäude einzunehmen. Man holte nochmals Verstärkung durch eine Maschinengewehrkompanie und unter ihrem Feuerschutz konnte das Bundesheer das Hotel Schiff stürmen, aber erst nachdem Rudolf Kunst, der MG-Schütze des Schutzbundes, gefallen war.

Der Linzer Bulgariplatz gilt aufgrund seines Namens als eines der Hauptsymbole des Bürgerkriegs. Etwa 200 bis 300 Angehörige des Schutzbundes hatten am damaligen Polygonplatz in den Vormittagsstunden des 12. Februar 1934 eine Barrikade errichtet. Bis in den Nachmittag hinein blieb die Lage ruhig. Dann näherte sich ein Auto der Barrikade in dem sich ein Oberleutnant in Begleitung von drei Soldaten befand. Der Offizier hielt nicht an, als er von den Schutzbündlern dazu aufgefordert wurde, sondern feuerte aus seiner Dienstpistole auf die Schutzbündler. Daraufhin eröffnete die Besatzung der Barrikade das Feuer. Beim folgenden Schußwechsel wurden der Offizier und zwei Soldaten erschossen, auch ein Schutzbündler kam dabei um. Bis zum Morgen des 13. Februar wurde die Stellung gehalten, dann befahlen die Kommandanten den Rückzug. In der Folge wurden drei Schutzbündler verhaftet und vor das Standgericht gestellt. Anton Bulgari wurde zum Tod verurteilt und am 23. Februar im Gefängnishof erhängt.   


Quellenverzeichnis

  1. „Es begann an der Linzer Landstraße“ Von von Erhard Gstöttner, 09. Februar 2009, OÖ Nachrichten ↩︎
  2. Listing des Owners ↩︎
  3. Guide Oberösterreich ↩︎

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