Kesariani – ein Schießstand als Hinrichtungsstätte

Unser erster Programmpunkt am Sonntag in Athen war ein Stadtspaziergang in Kaisariani zum Thema „Dangerous Citizens: Refugees and Communists“ mit Kostis Karpozilos. Nach einer Busfahrt treffen wir Kostis. Kostis Karpozilos promovierte 2010 am Institut für Geschichte und Archäologie der Universität Kreta und ist Assistenzprofessor an der Panteion-Universität in Athen für Geschichte und Politikwissenschaft.

Er führt uns von der Bushaltestelle durch einen Park zu Gedenkstätte Kesariani. Ab 1942 diente der Schießstand als Hinrichtungsstätte vor allem für im KZ Chaidari inhaftierte griechische Antifaschisten und Widerstandskämpfer. 

Am Tag der Arbeiter:innenbewegung am 1. Mai 1944 wurden hier 200 griechische Kommunisten hingerichtet.

Leider war die Gedenkstätte versperrt. So konnten wir nur ein Foto durch das Gitter machen.

„Diese Gedenkstätte ist unlösbar mit der Geschichte Ihres und meines Volkes verknüpft… Kein Mensch, zumal kein Deutscher, kann hier stehen, ohne von der Botschaft dieses Ortes tief berührt zu sein.1

Im Jahr 1984 wurde das zuvor nach wie vor als Schießstand genutzte Areal vom griechischen Kultusministerium als historisches Denkmal ausgewiesen2. Auf mich wirkten die großen schwarzen Platten mit den eingravierten Namen wie mahnende Monumente, streng geordnet wie in Reih und Glied stehende griechische Widerstandskämpfer:innen, die wegen ihres Kampfes für Freiheit und Demokratie vor den Wehrmachtssoldaten des grausamen Nazi-Regimes zur Hinrichtung angetreten sind.

Auf dem Weg zum Schießstand sangen die Verurteilten – politische Gefangene und Exilanten – Lieder, schrieben Briefe an ihre Angehörigen und Kameraden und warfen sie vom Lastwagen. Es war üblich, dass die Opfer Briefe von den Lastwagen warfen, die sie zur Hinrichtung brachten, und verzweifelt versuchten, den Familien, die sie zurückließen, ihre Liebe und ihre letzten Worte zu übermitteln3

Soldaten der Wehrmacht erschossen auf dem Schießstand griechische Widerstandskämpfer. 1942 wurden 13 Menschen erschossen, 1943 weitere 147 und 1944 weitere 440. Zeitweise fanden fast täglich Erschießungen statt; oft wurden die Häftlinge vom KZ Chaidari durch Athen transportiert und dann erschossen. Am 5. September 1943 wurde der erst 14 Jahre alte Andreas Likourinos hier erschossen.

Wenn mit Fotos von Nazi-Gräuel und toten Widerstandskämpfern Geschäfte gemacht werden

Kostis berichtete von einem „Schock“, denn gerade jetzt tauchten Bilder der Erschießung der Kommunisten auf. Im Nachlas eines Ehemaligen Wehrmachtssoldaten wurden diese Bilder gefunden

Laut Auktionsbeschreibung stammt das Material aus einem Album, das dem deutschen Feldwebel Hermann Hoyer zugeschrieben wird. Hoyer war während der Besatzungszeit bei einer Einheit in Malakasa nordöstlich von Athen stationiert.

Kurz nach der Veröffentlichung der Fotos wurde ein Denkmal für die Opfer am Tatort zerstört; Plaketten mit den Namen der Toten wurden zerbrochen. “Die historische Erinnerung wird nicht ausgelöscht, egal wie sehr es einigen Menschen missfällt”, teilte die Gemeinde Kesariani auf Facebook mit und kündigte an, das Denkmal zu reparieren4.

Sotiris Petroulas

An der Aussenmauer ist das Abbild von Sotiris Petroulas aufgemalt.
Er war Mitglied der Jugendorganisation der Demokratischen Linken EDA.
Als Student  in Athen wurde er nach der Tötung von Grigoris Lambrakis Aktivist der nach diesem benannten Lambrakis-Jugend, die von Mikis Theodorakis angeführt wurde.5

Am 21. Juli 1965 trug er Theodorakis bei einer Demonstration im Zentrum Athens auf seinen Schultern durch die Menge; am späten Abend desselben Tages wurde er durch eine Tränengasgranate der Polizei getötet.

Beachtet bitte, dass der Zeitungsartikel mit einem automatischen Übersetzungsprogramm bearbeitet wurde.
Unsere Gruppe bei der Gedenkstätte

Quellenverzeichnis

  1. Der deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker wählte bei einem Staatsbesuch im Juni 1987 die Gedenkstätte als Ort für eine Ehrung der Opfer der deutschen Okkupation, wobei er – stellvertretend für zahlreiche nationalsozialistische Kriegsverbrechen – auch die Namen einiger weiterer griechischer Ortschaften nannte, an denen Massaker stattfanden. Richard von Weizsäcker am 24. Juni 1987 (Wikipedia) ↩︎
  2. Gedenkorte Europa ↩︎
  3. Auf dem Erinnerungsweg: Eine Reise durch die Kriegsvergangenheit Athens ↩︎
  4. Griechenland will digitale Fotos von Nazi-Hinrichtungen kaufen, DIEZEIT aktualisiert am 17. Februar 2026, 6:23 Uhr ↩︎
  5. Wikipedia ↩︎

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