Wels – ein Mahnmal für Freiheit und Unabhängigkeit

Wir sind bei Welser Freund:innen zu Gast und nutzen einen kalten Dezembertag im Advent zur historischen Erforschung der Stadt.

42 Widerstandskämpfer der sogenannten „Welser Gruppe“ wurden am 28. April 1945 bei der letzten Vergasungsaktion im KZ Mauthausen ermordet.

„Viele haben sich damals von der NS-Propaganda blenden lassen, sind Hitlers Weg in Terror, Weltkrieg und Massenmord mitgegangen. Aber manche – wie die „Welser Gruppe“ – sind den schwierigen und oft tödlichen Weg des Widerstandes gegangen. An diese Menschen, die gegen den Faschismus und für ein unabhängiges Österreich gekämpft haben, erinnern wir uns als Vorbilder.“2

Gemeinderat Johann Reindl-Schweighofer (SP)

Die große Gedenktafel für die „Welser Gruppe“ wurde auf Betreiben des KZ-Verbandes im Pollheimerpark angebracht und am 28. April 1946 – genau ein Jahr nach der Ermordung der 42 Widerstandskämpfer – enthüllt. 3

Welser Gruppe“ ist eine Bezeichnung für WiderstandskämpferInnen gegen das Dritte Reich im Bezirk Wels. Die Bezeichnung „Welser Gruppe“ kam von der Gestapo. Laut dieser gehörten ihr insgesamt 158 Männer und Frauen an, die allesamt verhaftet wurden. In Wirklichkeit war sie größer und in den Gemeinden Ebensee, Stadl Paura, Lambach, Wels, Linz und Steyr verankert, wo sie in den wichtigsten Betrieben illegale Gruppen organisiert hatten, deren Zusammenfassung 1942 begann.
In Wels gab es ab 1919 eine kommunistische Organisation, die auch in den Perioden der Illegalität 1933-1938 und bis 1944 tätig war. 1941 wurden einige Mitarbeiter der Organisation verhaftet und verurteilt. Ab diesem Zeitpunkt legte die Gestapo besonderes Augenmerk auf das Gebiet Wels, da bekannt war, dass dort erfahrene KP-Funktionäre tätig und nach den Verhaftungen Schwachstellen vorhanden waren. Der Gestapo ist es dennoch nicht gelungen die Landesleitung, an deren Spitze Sepp Teufl stand, aufzudecken. Schlussendlich gelang es der Gestapo einen Spitzel einzuschleusen. Richard Bernaschek wurde von einem Gestapo-Beamten noch gewarnt, dass seine Verbindung mit Wels für ihn eine Gefahr darstelle, weil dort jemand für die Gestapo arbeite.1

Franz Schöringhumer, ein Sohn einer Arbeiterfamilie im Widerstand gegen Nationalsozialisten

Franz Schöringhumer wurde 1903 als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren.
1922-1924 Mitglied der sozialistischen Partei. 1928 Eintritt in die Kommunistische Partei. Lernte Waagenbauer und hatte ab 1935 eine Werkstätte für den Bau von mechanischen Waagen.1
Von 1928 arbeitete er aktiv mit anderen Kommunisten in der „Roten Hilfe“41 mit. Er sammelte Beiträge zur Unterstützung von inhaftierten Kommunisten und deren Angehörigen. Die „Rote Hilfe“ wurde auch nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich aufrechterhalten und kam den Verfolgten des NS-Regimes zugute.
1936 wurde Schöringhumer bereits von den Austrofaschisten wegen seiner Tätigkeit für die illegale KPÖ mit sechs Wochen Arrest bestraft. Bei Hitlers Einmarsch wurde er zehn Tage in Schutzhaft genommen.
1940 Einzug in die Wehrmacht, anfangs war er mit seiner Einheit in Frankreich, später in Ostpreußen. Dort wurde er am 25. September 1941 verhaftet und nach Wels in die Untersuchungshaft überstellt.
Der Grund für die Verhaftung war, dass er Beiträge für die „Rote Hilfe“ sammelte und Mitglieder für die KPÖ warb. Er verstieß gegen das Verbot für die Neubildung von Parteien. Mit ihm wurden weitere neun Mitglieder der „Roten Hilfe“ verhaftet, darunter auch der Kommunist Johann Klausmaier aus Wels.
Schöringhumer, Klausmaier und Genossen wurden am 6. Mai 1942 wegen Hochverrats zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Schöringhumer zu sechs Jahren, Klausmaier zu fünf Jahren und drei Monaten.

„Die antifaschistische Bewegung fordert seit Jahren einen Nationalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus. Jetzt steht dieser Aktionsplan im Regierungsprogramm. Das Gedenken an die ‚Welser Gruppe‘ ist eine Mahnung, ihn rasch und wirksam umzusetzen“4

Robert Eiter, Vorstandsmitglied des Mauthausen Komitees Österreich 2020

Quellenverzeichnis

  • 1 Der Welser Erinnerungsweg – eine Handreichung für Lehrerinnen und Lehrer
    Verfasserinnen: Mag.a Hannelore Hörhann und Mag.a Claudia Mallinger, Lehrgang: Pädagogik an Gedächtnisorten 2012/13
  • 2 Gedenken an die Widerstandskämpfer der Welser Gruppe – tips.at
  • 3 Gedenken an NS-Opfer der „Welser Gruppe“ – 28. April 2020 – mein Bezirk.at
  • 4 75. Jahrestag der Ermordung der Welser Gruppe – 28. April 2020 – kurier.at

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