Ida Maly

15 Teilnehmer*innen des Studientages von uns Rote Spuren – Verein zur Förderung von ArbeiterInnengeschichte besuchten die Ausstellung zu den Werken von Ida Maly im Lentos in Linz.

Unser Studientag begann mit einem Treffen am Hauptbahnhof in Wien. Wir nutzten zur Anreise die klimafreundliche Gruppenreiseticket der ÖBB und landeten mitten im Marathontrubel in Linz. Eine freundliche Mitarbeiterin der Linzer Verkehrsbetriebe checkte für uns die alternative Anreise mit dem Shuttlebus zum Linzer Hauptplatz. Wir erleben wie gerade die Marathonspitze an uns vorbeiläuft, wir schlängeln uns über eine Fußgänger*innenbrücke in den Donaupark zum Linzer Kulturmuseum Lentos.

Begrüßung durch Gabriele Kainberger im Atellier im Lentos

Hier treffen wir die oberösterreichischen Teilnehmer*innen. Gabriele Kainberger, pädagogische Mitarbeiterin im Lern- und Gedenkort Hartheim, begrüsste uns im Atellier mit Kaffee und Süßigkeiten, zur Stärkung nach der Anreise. Zur intensiveren künstlerischen und historischen Wahrnehmung der kommenden Stunden bekamen wir von Gabriele ein Begleitheft für unsere Notizen und zur eigenen künstlerischen Gestaltung. Eine tolle Idee uns von der zuhörenden Rolle in eine aktive gestaltende Position zu bringen. Wir hatten somit die Gelegenheit unser eigenes „Kunstwerk“ zu schaffen.

Gabriele erklärt uns die Entwicklung der Kunst in den 20er und 30er Jahren des 20. Jhdts. Der Expressionismus richtete sich als Protest gegen die damals bestehende Ordnung vielfach gegen das herrschende Bürgertum. In der Zeit der Weimarer Republik entwickelte sich die Neue Sachlichkeit als Reaktion auf die Kunst der Moderne.
Die nationalsozialistische Diktatur diffamierte die Moderne Kunst und alles was nicht den Schönheitsidealen der Nazis entsprach oder von jüdischen Künstler*innen geschaffen wurde galt als „Entartete Kunst„.

Ida Maly – Zwischen den Stilen

Leben und Werk der öster­rei­chi­schen Künst­le­rin Ida Maly (1894 – 1941) waren geprägt von den poli­ti­schen, gesell­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Umbrü­chen ihrer Zeit. Sie stu­dier­te zunächst in Graz und Wien. Um sich neu­en Ein­flüs­sen zu öff­nen, ver­ließ sie die engen Gren­zen ihrer Hei­mat und leb­te ab 1918 in Mün­chen, Ber­lin und Paris. Sie trieb als Ama­teu­rin Sport und arbei­te­te als frei­schaf­fen­de Künst­le­rin. Den­noch kämpf­te sie in den 1920er-Jah­ren mit zuneh­mend pre­kä­ren Lebensumständen.

Einleitungstext zur Ausstellung im Lentos
Selbstpoträt um 1920

Der Lebensweg von Ida Maly

  • Geburt am 22. Oktober 1894 in Wien als Tochter von Sofie und Franz Maly. Sie hatte zwei Schwestern Olga (geb. 1889) und Paula (geb. 1891).
  • Ab 1912 studierten Ida und Paula Maly zwei Jahre Malerei an der Landeskunstschule in Graz
  • 1914/15 ein paar Monate Studium an der k.k. Kunstgewerbeschule in Wien
  • 1915 arbeitet sie in einer Fabrik in St. Pölten
  • 1918 zog sie im August nach München, wo sie als Malerin und Schauspielerin gemeldet war. Als „Malweib“ fertigte sie Exlibris und Auftragsarbeiten für den Broterwerb an.
  • 1921 Geburt ihrer Tochter „Elga“ in München
  • Die schwierigen Lebensbedingungen zwangen sie dazu ihre Tochter 1923 an Pflegeeltern in Graz zu übergeben.
  • Kurze Aufenthalte in Berlin und Dresden.
  • Im Jänner 1925 reiste sie von München nach Paris.
  • Nach ein paar Monaten kehrte sie 1925 aus Paris nach Österreich zurück und ließ sich laut Meldekartei als „Kunststudierende“ in Wien nieder. Zum Broterwerb zeichnete Porträts und Malaufträge.
  • Im März 1928 kehrte sie zu ihrer Schwester Paula nach Graz zurück.
  • Am 1. August 1928 wird sie in die „Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke Am Feldhof in Graz“ eingewiesen.
  • Im Februar 1941 wird sie in die „Tötungsanstalt“ nach Hartheim in Oberösterreich deportiert.
  • Am 20. Februar erhält Malys Mutter einenTotenschein mit der Todesursache „Pneumonie“.

So wie im Märchen es begann —
Einst der schönen Sommerzeit
erfasst mich tiefes Seelenleid,
Bis an das Herz hinan.
Die Arbeit brachte mir wohl Brot,
Doch war das Künstlerherz in Not.
Zwei Preise wurden mir verliehn,
Doch ich in meinem Ungestüm
Macht mir nicht allzu große Mühe,
Sodaß die Bilder nicht gediehn.
Da nahm ich´s Ränzle und den hut –
Und plötzlich wurde alles gut.
Die Liebe wollte mich betörn –
Doch wurde draus ein Wunderbild
Das wurde mir zum Siegesschild.
Jetzt will ich ganz der Kunst gehörn.

Gedicht von Ida Maly auf der Rückseite einer Zeichnung

Gedanken während einer Autobusfahrt

Für die Autobusfahrt nach dem Mittagessen bekamen wir Karten, wo wir unsere spontanen Gedanken zum Vormittag oder zum Hier und Jetzt sammeln sollten.Mir gingen die zwei Zeilen aus ihrem Gedicht nicht aus dem Kopf, weil sie für mich ihre innere Zerrissenheit darstellten. Einerseits Turmspringerin mit einem blutunterlaufenen Rücken nach dem Training, andererseits einfühlsame Malerin und beides braucht künstlerische Genauigkeit. Hier das Malweib dort die Tochter, die sie weggeben muss. Sie plant 22 m hohe Obeliske als Heldendenkmäler und lebt von der feinen Beobachtungsgabe als Porträtmalerin. Die Freiheit der Kunst versus dem Eingesperrtsein in Feldhof. Was brachte das Künstlerherz in Not?


Quellenverzeichnis


Lentos Linz