Grete Rehor

„Es ist wichtig und richtig, wenn Frauen auch in höchste Positionen vordringen. Dies entspricht nicht nur der Bevölkerungs- und Beschäftigungsstruktur, sondern auch der Wählerstruktur.“

Dies sagte Grete Rehor an ihrem ersten Amtstag als Sozialministerin (1966-1970) zur Neuen illustrierten Wochenschau im Mai 1966. Als erste Frau wurde die christlich-soziale Gewerkschafterin damals zu einer Bundesministerin ernannt (eine Untersaatssekretärin gab es schon 1945 acht Monate lang mit Helene Postranecky). 104 Sozialgesetze trugen ihre Handschrift – das brachte ihr im Volk und auch in der eigenen Partei (ÖVP) den Spitznamen „Schwarze Kommunistin“ ein. 1)

Grete Rehor wurde am 30. Juni 1910 als zweites von drei Kindern einer diplomierten Krankenschwester und eines Beamten in Wien geboren. Bereits früh musste sie einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: Ihr Vater kehrte aus dem Ersten Weltkrieg nicht mehr zurück. Nach der fünfjährigen Volksschule in Wien-Josefstadt besuchte sie die Bürgerschule und ein einjähriges Lehrerseminar. Allerdings konnte sie ihren Berufswunsch, Lehrerin zu werden, wegen der schweren wirtschaftlichen Zeiten in den Nachkriegsjahren nicht verwirklichen. So begann sie als Textilarbeiterin zu arbeiten, um sich den Besuch einer Handelsschule zu ermöglichen. „Ihr war schon damals bewusst, dass nur eine qualifizierte Berufsausbildung dem sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg der Arbeitnehmer in Österreich förderlich sein kann.“Doch auch sozialpolitischen Abendkursen galt ihr Interesse, in denen sie sich „…das geistige Rüstzeug für ihre spätere gewerkschaftliche und politische Tätigkeit“ holte.
Mit 19 Jahren wurde sie Vollwaise.

Im Jahr 1935 heiratete sie den christlichen Gewerkschafter und späteren Stadtrat Karl Rehor. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Karl Rehor zuerst inhaftiert, wenig später zur Wehrmacht eingezogen und fiel 1943 in Stalingrad. Grete Rehor war von nun an Kriegswitwe und alleinerziehende Mutter einer Tochter, der sie sogar ein akademisches Studium ermöglichen konnte.

Ihre gewerkschaftliche Arbeit begann sie 1927 als Sekretärin des Zentralverbandes der christlichen Textilarbeiter. Von 1928-1938 war sie das erste weibliche Mitglied im Jugendbeirat der AK Wien und arbeitete bei „Jugend am Werk“ und „Jugend in Not“ mit. Nach dem Kriegsende im Jahr 1945 war sie in der Gewerkschaft der Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter tätig. 1957 gründete sie das Frauenreferat des ÖAAB und war zwischen 1949 und 1970 Nationalratsabgeordnete. 2)

Sie setzte in ihrer Amtszeit Meilensteine für die Arbeitnehmer*innen wie etwa das Arbeitsmarktförderungsgesetz, das Hausbesorgergesetz, das Berufsausbildungsgesetz, eine Reform des Arbeitsrechts, die Einführung des 8. Dezember als Feiertag und ein neues Lebensmittelgesetz durch . Außerdem richtete sie in der Sektion Sozialpolitik eine eigene Abteilung für frauenspezifische Fragen Qund initiierte die jährliche Vorlage eines Berichts über die soziale Lage. Unter ihr stieg das Sozialbudget von 1965 bis 1970 um 66 % und die reale Erhöhung der Pensionen betrug 22 %, ein Ausmaß, das seither nicht mehr erreicht wurde.

Auch nach ihrem Ausscheiden aus der Politik setzte sich Grete Rehor für soziale Belange ein, etwa im Dachverband der österreichischen Behindertenvereine. 3)

Sie starb am 28. Jänner 1987 in Wien. Ihr Ehrengrab befindet sich am Ottakringer Friedhof.


Quellen:

  • 1) https://de.wikipedia.org/wiki/Grete_Rehor
  • 2) http://stadtplan.gewerkschaftsgeschichte.at/map-frauenspaziergang
  • 2) http://stadtplan.gewerkschaftsgeschichte.at/map-frauenspaziergang