Das Chaos um die Demokratie am Heldenplatz

Unordnung und Verwirrung, brutale Unterdrückung und wildes Aufbegehren, Moral und Empörung, ArbeiterInnen als moderne Sklaven zur Vermehrung des Reichtums niedergeworfen durch militärische Präzision, organisierte ArbeiterInnenbewegung am Weg zur Demokratie, ein Platz für kritische und streitbare AkteurInnen – der Heldenplatz ist wie ein Skywalk mit Blick in die politischen Eingeweide Österreichs.

Demokratie, wie wir sie heute kennen, musste über Jahrhunderte erkämpft, erstritten und mit viel Einsatz von Menschen und der
ArbeiterInnbewegung errichtet werden. Wer waren die BaumeisterInnen unserer heutigen Freiheit? Wer wurde für Kritik, Widerstand und politische Aufklärung gefoltert, eingesperrt und getötet?

Beim Rundgang Revolution und Widerstand taucht Lukas Neissl, vom Verein Rote Spuren, in die Anfänge organisierten Widerstands von ArbeiterInnen zur Verbesserung ihres Lebens ein.

1715 kam es zu einem ersten Streik der Schuhmachergesellen in Wien und in den folgenden Jahren immer wieder zu Unruhen. Ein kaiserliches Patent vom 20. Juli 1722, dass den Gesellen im Falle von Zusammenrottung mit schweren Strafen droht, verschärfte den Konflikt.

Wiener Zeitung vom November 1722

Ende Oktober 1722 eskalierten die Spannungen in einen Aufstand, der von der Stadtwache und dem Militär blutig niedergeschlagen wurde. Sieben Handwerker wurden in den Unruhen erschossen, zwei Schustergesellen am Hohen Markt am 31. Oktober gehenkt. Es folgten weiter Einschränkungen gegen die Wanderfreiheit durch Karl VI.

Strafgesetzbuch von 1803

Kaiserin Maria Theresia hat die Koalition (Vereinigung von Handwerksgesellen) unter die halsgerichtlichen Verbrechen (Todes- und Verstümmelungsstrafen) aufgenommen
(Constitutio Criminalis Theresiana).
Das Strafgesetzbuch vom Jahre 1803 führte in §229 die Vereinigung von Handwerksgesellen unter den schweren und Polizeiübertretungen auf.