Josef Scheu österreichischer Musiker und Gewerkschafter

Josef Franz Georg Scheu wurde am 15. September 1841 in Wien geboren und verstarb am 12. Oktober 1904 ebenfalls in Wien.


1878 gründete Josef Scheu den Arbeiter-Sängerbund Wien und wurde zugleich dessen Leiter. 1890 war er Mitbegründer und Chorleiter der „Freien Typographie“. Da er auch Frauen die Mitwirkung ermöglichte, schuf er damit den ersten gemischten Arbeiterchor.

Er mit der 1872 erfolgten Gründung des „Wiener Musikerbunds“, der ersten Interessenvertretung für Musiker, lohn- und arbeitsrechtliche Verbesserungen durch. Allerdings wurde er dafür und wegen seiner übrigen gewerkschaftlichen und politischen Tätigkeiten vom Burgtheater 1881 zwangspensioniert und von der Polizei verhaftet. Der Musikerbund war bereits 1873 behördlich aufgelöst worden.

Das Lied der Arbeit – Uraufführung am 29. August 1868 anlässlich einer ArbeiterInnenfeier für Ferdinand Lassalle im Gasthaus Zobel.

Weithin bekannt machte ihn das „Lied der Arbeit“. Am 6. Februar 1868 war im Arbeiterbildungsverein Gumpendorf eine Liedertafel gegründet worden. Der 21-jährige Graveurgehilfe Josef Zapf vermittelte, zunächst anonym, dem Verein sein zehnstrophiges Gedicht. Andreas Scheu trug es seinem Bruder vor, der es umgehend vertonte. Im Gasthaus Zobel in Rudolfsheim-Fünfhaus wurde es vor etwa 4000 Gästen uraufgeführt.
Das Lied wird traditionell am Ende der 1.Mai-Veranstaltung in Wien am Rathausplatz gesungen. Ich persönlich bin eher kein Fan von diesem Lied, weil es die Arbeit so pathetisch empor hebt. Gerade in der zweiten Hälfte des 19. Jhdt. diente Arbeit zur „Versklavung“ tausender Ziegelarbeiter und Ausbeutung von Haushaltsangestellten (sogenannten Dienstmädchen). Unter dem Motto „die Arbeit hoch“ ist im Lied die Hoffnung der Überwindung des Kapitals versteckt. Dass dazu politische Strategien und Auseinandersetzungen notwendig sind, vergessen die heutigen SängerInnen diesbezüglich.

Grab am Zentralfriedhof – Gruppe 64, Reihe 2, Nummer 18

Das Sonntagslied

Das „Sonntagslied“ von Josef Scheu, eine seiner vielen sozialkritischen Kompositionen, die das Elend der Arbeiter beschreiben. Heute aktueller denn je:

Aus der Broschüre 150 Jahre Arbeiterbildung

Stationen seines Wirkens

1865
nahm er eine Stelle als Hornist am Burgtheater an und hatte erste Erfolge mit eigenen Kompositionen.
1868
gründete er eine Liedertafel im Arbeiterbildungsverein Gumpendorf.
1872
gründete er den „Wiener Musikerbund“, der ersten Interessenvertretung für Musiker, lohn- und arbeitsrechtliche Verbesserungen durch.
1873
behördliche Auflösung des Musikerbundes, den Scheu gegründet hatte.
1874
Gründung des „Wiener Musikvereins“.
1875
Scheu gründete die „Österreichische Musikerzeitung“, die ab 1. März 1875 15tägig als „Organ zur Wahrung und Förderung der materiellen Interessen der Musiker“ erschien und dann wenige Jahre später, 1878, ebenfalls verboten wurde.
1878
gründete Josef Scheu den Arbeiter-Sängerbund Wien und wurde zugleich dessen Leiter.
1880
bat er den in Stuttgart lebenden Dramatiker und Sozialisten Albert Dulk um ein Opernlibretto, „ am liebsten würde mir ein Märchen zusagen“. Dulk schrieb daraufhin die „sozialistische Oper“ Der Zauberwald. Doch weder Scheu noch Dulk fanden in ihren unterschiedlichen Vorstellungen einen Konsens, so dass Scheu von einer Umsetzung seiner „Erstlingsoper“ schließlich Abstand nahm.
1881
Zwangspensionierung durch das Burgtheater wegen seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit und wegen „sozialistischer Umtriebe“ mit anschließender Verhaftung durch die Polizei.
1882
Nach zeitweiliger Untersuchungshaft wegen des „Verbrechens des Hochverrates“ – widmete er sich vor allem den pädagogischen und musikalischen Zielen der Arbeitersängerschaft.
1895
schrieb er für die Arbeiter-Zeitung die Musikkritiken.
1890
war er Mitbegründer und Chorleiter der „Freien Typographie“. Da er auch Frauen die Mitwirkung ermöglichte, schuf er damit den ersten gemischten Arbeiterchor.
1891
Vor allem über Betreiben Scheus wurde am 20. Dezember 1891 der „Verband der Arbeitergesangvereine Niederösterreichs“ gegründet, dem entsprechend der damaligen politischen Grenzen auch Wien angehörte, und am 8. September 1892 fand das erste, nun jährlich stattfindende Bundesfest der niederösterreichischen Arbeitersänger statt. – Neben Josef Scheu wirkte in jenen 1890er Jahren im übrigen kein Geringerer als Arnold Schönberg im Verband der niederösterreichischen Arbeitersänger.
1902
gründete Scheu die „Arbeitersänger-Zeitung“, deren Redaktion er bis zu seinem Tod inne hatte.

Ehrungen und Widmungen

  • Die frühere Goethegasse im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten wurde 1919 auf den Namen Scheugasse umbenannt.
  • In Simmering wurde die von 1925 – 1926 errichtete Wohnhausanlage in „Josef-Scheu-Hof“ benannt.
  • Im Jahr 2001 wurde nach ihm der Scheu-Park zwischen der Margaretenstraße und der Bräuhausgasse in Wien-Margareten benannt.

Quellenverzeichnis:

  • Wikipedia
  • ÖNB – Verzeichnis der künstlerischen, wissenschaftlichen und kulturpolitischen Nachlässe in Österreich.
  • 120 Jahre Wiener Arbeitersängerbund – Hartmut Krones
  • Schriften der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste Band 35 – Forschungsbeiträge der Geisteswissenschaftlichen Klasse
  • 150 Jahre ArbeiterInnenbildungsbewegung Österreich