PRO-GE Wien – Rundfahrt mit der Bim

ArbeiterInnengeschichte aus einer anderen Perspektive

Mehr als 30 BR-Innen und Mitglieder starteten am Samstag Nachmittag mit einer „Oldtimer-Bim“ in der Schlachthausgasse zur Rundfahrt. Über den Landstrasser Gürtel, die Prinz-Eugen-Strasse erreichten wir den Ring. Viele Straßennamen erinnern an Menschen, die Großartiges für die ArbeiterInnenbewegung geleistet haben – ob als Arzt/Ärztin, WiderstandskämpferIn, KünstlerIn oder FunktionärIn. Wir passieren Orte, Denkmäler und Gedenkstätten, die schmerzhafte Erinnerungen wecken und Orte sozialer und demokratischer Errungenschaften.

Hier eine ehemalige geheime Wohnung, wo sich GewerkschafterInnen trafen, um Österreichs Demokratie vor den Austrofaschisten oder Nazis zu retten, hier die Arbeiterkammer oder das Bildungszentrum für BetriebsrätInnen, dort das Denkmal zur Republiksgründung oder hier eine Ausstellung, die an die sozialen Errungenschaften in Wien erinnern, die bis heute wirksam sind. Immer wieder passieren wir auch Gedenkstätten, die uns gerade am heutigen Tag (9. November) an die Pogrome an der jüdischen Bevölkerung erinnern. Stille und Trauer umgibt uns in diesen Augenblicken.

Der Plan der Rundfahrt mit weiteren historischen Details

Bim 01 – Schlachthausgasse bis Aspang Gründe/Wildgans-Platz

Schlachthausgasse

Die Gasse hieß vorher Hohlwegstrasse – seit 1862 Schlachthausgasse, nach dem von 1846 bis 1848 erbauten städtischen Schlachthof

Zentrale der GPA-djp und Landesstelle Wien

Barthgasse (links)

Seit 1900 benannt nach Dr. Johann Barth (1745 – 1818), Augenarzt und Anatom, behandelte viele arme Kranke unentgeltlich

Baumgasse (rechts hinauf sehen)

Rabenhof, erbaut auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne – bis 1934 Volkshaus der Landstraßer Sozialisten mit Kionsaal (3 mal wöchentlich Filmvorstellungen), Tanzschule, Arbeitersänger, Naturfreunde und ein Zitherverein
1934 wurde der Rabenhof vom Bundesheer besetzt und lt. Polizeibericht wurden zwei Schutzbündler getötet und zwei Soldaten verwundet.

Baumgasse 39-41 eine Gedenktafel an Grete Jost, hingerichtet am 15.1.1943 im Alter von 27 Jahren – österr. Widerstandskämpferin und komm. Funktionärin – enthauptet im Landesgericht.

Arbeitsgemeinschaft für Nichtsesshaftenhilfe Wien
Schlachthausgasse 41 (links)

Single-Frauen und Männer wohnen in 56 Garconnieren, beraten und unterstützt von BetreuerInnen / AlltagsmanagerInnen und SozialarbeiterInnen. Arzt und PsychiaterInnen halten mehrmals wöchentlich Sprechstunde im hauseigenen Praxisraum.
Die Aufnahme in das Haus erfolgt ausschließlich über das Beratungszentrum Wohnungslosenhilfe des Fonds Soziales Wien.

Querung der Viehmarktgasse

seit 1862 – benannt nach dem Viehmarkt von St. Marx mit den Schlachthöfen

Rennweg (46) – Illegale Druckerei

Druck und Verlagsanstalt Astoria – als im Frühjahr 1937 der Druck sozialistischer Publikationen in der Tschechoslowakei und ihr Transport über die Grenze verboten wurde, erfolgte hier die Herstellung illegaler Gewerkschaftszeitungen – der Drucker Franz Riedl hat diese Arbeiten alleine ausgeführt.

Otto-Preminger-Straße (rechts)

Regisseur, Direktor an der Josefstadt, 1935 Emigration nach Großbritannien und weiter in die USA, Schauspieler Filmregisseur („Anatomie eines Mordes 1959“) – eigene Produktionsgesellschaft, die drei Golden Globe bekam für die Werke.

Aspanggründe (rechts)

Heute die TU-Wien, während des Zweiten Weltkriegs wurden von hier JüdInnen und andere Opfer des NS-Terrorregimes zu den Sammel- und Vernichtungslager in die Tschechoslowakei und Polen abtransportiert.

Wildgans-Platz

Er war einer der ersten bedeutenden Dichter, die sich mit sozialen Problemen befassten. In seinen Dramen war er ein scharfer sozialkritischer Ankläger und seine Gedichte zeugen von Verständnis für die Armen und Unterdrückten. – Gedicht: „Das Los der Armen“

Bim02 – Landstrasser Gürtel bis Prinz-Eugen-Strasse

Landstraßer Gürtel

1873 anstelle des Linienwalls angelegt
Bereits am 11. Juli 1704 vollendet, wurde der Wall 1738 mit Ziegeln aufgemauert. Der Linienwall umgab die Stadt in einem unregelmäßigen Halbkreis vom Donaukanal bei St. Marx bis zur Vorstadt Lichtental. Er war zwölf Fuß hoch, ebenso breit, besaß einen anderthalb Klafter tiefen vorgelagerten Graben, verlief in Ecken und Winkeln und hatte eine Gesamtlänge von rund 13 Kilometer.
Alle Einwohner der Stadt zwischen 18 und 60 Jahren mussten Schanzarbeit leisten oder einen Vertreter stellen. Täglich waren etwa 1.000 Personen beschäftigt.

Heinrich Drimmel Platz

1945 – 1964 ÖVP Unterrichsminister (Anerkennung des Konkordats von 1933) und von 1964 bis 1969 Vizebürgermeister von Wien

Schweizergarten

Den Namen erhielt der Park zur Erinnerung an die Hilfe der Schweiz an Österreich nach dem Ersten Weltkrieg.

Fasangasse 30 (rechts)
Wohnhaus von Karl Mantler

Mantler war 1920 maßgeblich an der Gründung der Internationalen Union der Lebens- und Genussmittelarbeiter in Zürich beteiligt, deren Verband die Gewerkschaft für Fleischhauer und Fleischselchergehilfen schließlich angehörte. Zur Zeit des Austrofaschismus in Österreich war er Mitte Februar 1934 Mitbegründer der illegalen Freien Gewerkschaft der Lebensmittelarbeiter und wurde 1934/1935 Sprecher des „Siebenerkomitees“. Nachdem sich weitere Gewerkschaften illegal neu gründeten und zum oppositionellen Bund der freien Gewerkschaften vereinigten, wurde Mantler dessen Vorsitzender. Im März 1936 besuchte er unter dem Tarnnamen „Julius“ den Kongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes in London. Nachdem er 1936 festgenommen wurde, war Mantler als SPÖ-Vertrauensmann von 1937 bis 1938 im Anhaltelager Wöllersdorf inhaftiert.
Bald nach dem „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich wurde Mantler festgenommen und 1939 in das KZ Buchenwald eingewiesen. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 3723 und wurde in der Effektenkammer eingesetzt. Mantler war im April 1945 an der Überarbeitung des Buchenwalder Manifests beteiligt und einer der Mitunterzeichner.
Nach seiner Befreiung aus dem KZ Buchenwald kehrte Mantler nach Österreich zurück und übernahm den Vorsitz der Gewerkschaft der Lebens- und Genussmittelarbeiter

Das Kellerlokal des Kaffeehauses Cafe Meteor war in der Zeit des Austrofaschismus ein Treffpunkt der illegalen Arbeiterbewegung

Rudolf – Steiner Denkmal im Schweizergarten

1890-1897 als fester Mitarbeiter am Goethe-Schiller-Archiv in Weimar, dann als Journalist, Redakteur („Magazin für Literatur“, „Dramaturgisches Blatt“) und Vortragender (Lehrtätigkeit an der von Wilhelm Liebknecht begründete Arbeiterbildungsschule) in Berlin.

Bim03 – Oberes Belvedere – Schwarzenbergplatz

Goldeggasse – Cafe Goldegg

Das damalige Cafe Dobner (heutiges Cafe Goldegg) war in der NS-Zeit Treffpunkt von GewerkschafterInnen und Revolutionären SozialistInnen, vor allem von Eisenbahnern.

Theresianumgasse – Bildungszentrum der AK – Theater Akzent

Die Lehrgäng der Sozak und der BR-Innen – Akademie finden hier im Bildungszentrum statt. Viele Kurse, Seminare und Veranstaltungen der Gewerkschaften.

Theater Akzent: Die Programmierung fokussiert auf aktuelle gesellschaftliche Themen: Theater, Konzerte, Kabarett, Kinderveranstaltungen, Lesungen aber auch interkulturelle Programme werden geboten.

Plößlgasse – Zentrale der pro.ge

Hier war die Zentrale der Metallergewerkschaft. GMBE – Pro.ge

Arbeiterkammer Wien
Prinz Eugen-Straße 20 – 22

Hier stand einst das Palais Rothschild, der reichsten Familie Österreichs. Es wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt und abgerissen.

Im August 1938 wird hier die Zentralstelle für jüdische Auswanderung eingerichtet. Ihr Leiter ist der spätere Judenreferent des Reichssicherheithauptamtes und einer der Hauptschuldigen an den Judenmorden, Adolf Eichmann.
Ausreise gegen Abnahme des gesamten Besitzes. Am 14. Mai 1939 hieß es, dass die Zentralstelle bei der Auswanderung von 99.672 Juden mitgewirkt hatte.
Die Israelische Kultusgemeinde, Hilfsorganisationen und eine Schwedische Missionen unterstützen die ärmere Jüdische Bevölkerung mit Geldmittel. Insgesamt wandern 125.000 JüdInnen aus Österreich aus, davon fallen 15.000 im Exil wieder in die Hände der NS-Schergen.

Österr. Friedensbewegung
Prinz Eugen Strasse 14

Im Gartentrakt des Gebäudes, in der Wohnung des Gerhard Fischer-Ledenice, befindet sich während des Hitlerfaschismus zeitweise die Zentrale der „Österreichischen Friedensbewegung“, der Widerstandsgruppe Roman Scholz. Eine katholische Widerstandsgruppe. Scholz wird verhaftet und 1944 im Alter von 32 Jahren hingerichtet.

Schweizer Konsulat um 1943
Prinz Eugen Strasse 7

Wilma Travnitschek wirft für die „Anti-Hitler-Bewegung“ jeden Monat ein Exemplar der „Wahrheit“ in das Schweizer Konsulat. Am 5. 11. 1943 bringen die Basler Nachrichten einen auszug aus der August-Nummer, u.a. über die Konstituierung eines Widerstandsausschusses, von Widerstandsanweisungen an Arbeiter und Bauern, an Soldatendeserteure zwecks Bildung von Partisanengruppen.

Schwarzenbergplatz – Denkmal hinter dem Hochstrahlbrunnen

Im August 1945 wurde das Heldendenkmal für Soldaten der Roten Armee, die für die Befreiung Wiens vom Nazifaschismus gefallen sind, enthüllt. Das Denkmal wurde nach Plänen des russischen Architekten Jakowlew errichtet.

Bim 04 – Schwarzenbergplatz bis Ende Burgring

Grand Hotel
Kärntner Ring 9 – 13

Das Gebäude des Grand hotels dient während des Zweiten Weltkriegs zeitweise als Kurierstützpunkt der Widerstandsbewegung (Schubert). Schubert gehörte sowohl der österreichischen Widerstandsbewegung als auch der für illegal erklärten, von Karl Strobl geleiteten Katholischen Hochschuljugend an. Anfang 1945 wurde sein Vater von der Gestapo verhaftet.

Paralell zum Kärntnerring verläuft die Bösendorferstrasse
Nr. 4

Am 6. April 1945 wird hier der Widerstandskämpfer Dr. Walter Barth getötet. Am gleichen Haus befindet sich noch eine zweite Gedenktafel für Walter Barth: Gedenktafel Walter Barth und Widerstandsgruppe Chiffre.
Am 7. April dient das Haus dem Leiter der militärischen Widerstandsgruppe in Wien Major Szokoll als Ausweichquartier.

Kärntnerstrasse – Philharmonikerstrasse

Uni-Prof. Dr. Taras Borodajkewycz, unter Hitler bekannter NS-Anhänger, sagt in einer Erklärung – das Geflunker von der österreichischen Nation gehöre zu den unerfreulichsten Überresten des an Gesinnungs- und Würdelosigkeit reichen Jahres 1945.
Es kommt zu Demonstrationen vor der Hochschule – am 31. März findet eine große Demo statt, die seine Ablösung fordert. Vor dem Hotel Sacher wird der 67jährige Antifaschist und ehem. KZ-Häftling Ernst Kirchweger, vom Neonazi Studenten Günter Kümel tödlich verletzt. Kümel wird wegen Notwehrüberschreitung zu 10 Monaten Arrest verurteilt.

Mahnmal gegen Krieg und Faschismus

Das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus besteht aus mehreren Elementen. Das „Tor der Gewalt“ (aufgestellt 1991) thematisiert in der linken Skulptur, „Hinterlandsfront“, die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung in Konzentrationslagern und Gefängnissen, in der rechten Figurengruppe wird der Tod der Soldaten an der Front dargestellt. Mit der Figur des „straßenwaschenden Juden“ symbolisierte Hrdlicka die antisemitische Gewalt in Wien im März 1938, als Jüdinnen und Juden von Nationalsozialisten gezwungen wurden, mit Bürsten die Straßen von pro-österreichischen Parolen zu reinigen. Die Figur musste nachträglich mit einer Dornenkrone versehen werden, da sie immer wieder als Sitzgelegenheit verwendet wurde. Die Figur „Orpheus betritt den Hades“ bezog Hrdlicka auf die Bombenopfer in den Kellern des Philipphofs. Den Abschluss des Ensembles bildet der „Stein der Republik“, in den ein Teil der Unabhängigkeitserklärung der provisorischen Regierung vom 27. April 1945 eingemeißelt ist.

Operngasse – Elisabethstrasse

In der Elisabethstr. 8 im Restaurant Smutny wird am 28. Juni 1941 der Gastwirt Josef Smutny von der Gestapo festgenommen, weil er in seinem Gasthaus öffentlich geäußert habe: „Der Heß war ein Genie, dass er nach England flog. Halb Wien ist schon kommunistisch, die Russen werden bald in Wien einmarschieren, und ihr kommt alle noch dran“

Der Ring als Strasse der Demonstrationen und Kämpfe

2008 Druckerdemo legt den Wiener Ring lahm
2018 Hunderttausende bei Demo gegen den Zwölf-Stunden-Tag

Heldenplatz – Burgring

geschichtsträchtiger Boden
1722 Streik der Wiener Schuhknechte
1938 – Frenetisches Zujubeln des Führers
1993 – Lichtermeer – In Reaktion auf das „Ausländer raus“(„Österreich zuerst“)-Volksbegehren der FPÖ (417.000 Unterschriften) demonstrierten am 23.1.1993 in ganz Österreich hunderttausende Menschen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Allein in Wien gingen rund 250.000 bis 300.000 Menschen mit Fackeln und Kerzen auf die Straße und bildeten eine der größten Kundgebungen der Zweiten Republik.
2004 – Burschenschafter auf dem Heldenplatz

Palais Eppstein – Otto Glöckl
Zwischen Bellariastr. und Schmerlingplatz

Sozialistischer Schulreformer in der 1. Republik.
Abschaffung des autoritären Unterrichtsprinzip – freie Entfaltung der Persönlichkeit der Kinder, Entwicklung von Kritikfähigkeit, selbstständiges Handeln der Kinder wichtige Kompetenzen für demokratische StaatsbürgerInnen.

Palais Eppstein – Leon Zelman
Zwischen Bellariastr. und Schmerlingplatz

1940 wurde er als Kind mit seiner Familie in das Ghetto Łódź deportiert, wo er seine Eltern verlor. 1944 wurden er und sein Bruder in das KZ Auschwitz überstellt, wo er auch seinen Bruder verlor. Er selbst wurde in das KZ Ebensee, ein Außenlager des KZ Mauthausen überstellt, wo er am 6. Mai 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit wurde.Gemeinsam mit den führenden Wiener Stadtpolitikern Leopold Gratz und Heinz Nittel schuf er 1980 / 1981 den Jewish Welcome Service Vienna (JWS). Zelmans Arbeitgeber, das Verkehrsbüro, war von Anfang an in den Verein eingebunden: Es stellte dem JWS einen Teil von Zelmans Arbeitszeit, ein Büro und einen Informationsschalter gratis zur Verfügung.

Bim05 – Vom Denkmal der Republik bis zum Donaukanal

Denkmal der Republik
Schmerlingplatz

Zum 10. Jahrestag der Proklamierung der demokratischen Republik wurde neben dem Parlament am 12. November ein Denkmal enthüllt. Auf den Granitstelen stehen drei Bronzebüsten – Victor Adler (Mitbegründer der SPÖ und Republik), Jakob Reumann (erster Wiener Bürgermeister), Ferdinand Hanusch (einer der wesentlichen Gestalter des heutigen Sozialsystems).

Justizpalast
(schräg hinter dem Denkmal der Republik)

Nach dem Freispruch der Mörder von Schattendorf

Einige Arbeitergruppen zogen auf die Ringstrasse – sie waren unbewaffnet. Eine Truppe berittene Polizei versuchte die Gruppe vom Ring abzudrängen.

Im darauffolgenden Konflikt wehrten sich die Massen und eine Gruppe Polizisten flüchtete in den Justizpalast. Die Schutzbündler konnten die Massen nicht beruhigen. Ausbruch des Brandes im Justizpalast. Die eingeschlossenen Polizisten wurden durch Schutzbündler befreit.
Während der Löscharbeiten eröffneten Polizisten vor dem Justizpalast mit einer Gewehrsalve das Feuer in die dicht gestauten Massen. Mehr als 90 Menschen mussten ihr Leben lassen. Ein entscheidender Tag für den Untergang der ersten Republik, denn die Wiener Polizei war bereit mit allen Mitteln gegen die Arbeiterbewegung vorzugehen.

Desserteurdenkmal

Am 24. Oktober 2014 wurde durch einen Festakt am Ballhausplatz das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz eröffnet. Denkmalsetzerin ist die Stadt Wien.
Die nationalsozialistische Militärjustiz verhängte während des Zweiten Weltkrieges mehr als 30.000 Todesurteile: gegen Soldaten, Kriegsgefangene und ZivilistInnen, insbesondere aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten in ganz Europa. Die meisten Todesurteile ergingen gegen Deserteure und »Wehrkraftzersetzer«. Viele tausend weitere Soldaten starben nach kriegsgerichtlichen Urteilen in sogenannten Bewährungseinheiten an der Front.

Parlament
100 Jahre Frauenwahlrecht

Schlussendlich wurde in Form eines Kompromisses beschlossen, die Regelung der Wahlpflicht den Ländern zu überlassen. Eine neue Wahlordnung, in der ebenfalls das allgemeine Frauenwahlrecht festgehalten wurde, wurde am 18. Dezember 1918 verabschiedet. Ausgenommen vom Wahlrecht waren bis 1923 jedoch die Prostituierten. Verschieden farbige Kuverts – zur „Beobachtung“ des Wahlverhaltens der Frauen – kamen bei den Nationalratswahlen von 1920 bis 1930 zur Anwendung. In der Zweiten Republik wurden unterschiedliche Abstimmungskuverts für Frauen und Männer auf Bundesebene nicht mehr verwendet, in Wien wurden sie aber bei Landtags- bzw. Gemeinderatswahlen ab 1954 wieder eingesetzt und bis 1996 beibehalten.

Burgtheater

Nach der Besetzung Österreichs durch die Nazis werden viele jüdische Schauspieler gekündigt und verhaftet.
Burgschauspieler Karl Friedl wird wegen Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas und der Verweigerung des Militärdienstes 1939 verhaftet.
Burgschauspieler Otto Hartmann (illegaler Nationalsozialist des ersten Sturms der SA-Standarte) schleicht sich als NS-Spitzel in die Widerstandsgruppe um Roman Scholz ein und sein Verrat führt zur Verhaftung von 240 Mitgliedern. Er wird nach dem Krieg zu lebenslangen Kerker verurteilt und 1959 begnadigt.

Rathausplatz

Am 12.Februar 1934 wird Karl Seitz mit Gewalt aus seinem Amt entfernt.
Körner wird nach dem Zweiten Weltkrieg Wiener Bürgermeister.
Jedes Jahr Kundgebung zum 1. Mai seit 1921 -1946 feierte die SPÖ nach 14 Jahren wieder mit 200.000 Menschen (Adolf Schärf, Paus Speiser und Oskar Helmer sprachen).

Der Ring

Auf dem Gebiet des heutigen Rathausplatzes befand sich einst das Josefstädter Glacis, als Schussfeld freigehaltenes Wiesengelände vor den Mauern Wiens, und später der Parade- und Exerzierplatz des kaiserlichen Heeres. Im Zuge der Errichtung der Wiener Ringstraße ab 1858 blieb dieses Militärareal noch längere Zeit unangetastet, bis das Heer nach längeren Bemühungen von Bürgermeister Cajetan Felder darauf verzichtete und der Stadterweiterungsfonds einen Baulinienplan für das Gebiet entwickeln konnte.

Universitätsring

Anfang April 1938 wurden jüdische Dozenten schriftlich aufgefordert „sich vorläufig jeder weiteren Tätigkeit zu enthalten“. Es handelt sich dabei 51 Beamte, 68 Hochschullehrer, 73 Assistenten, 65 Vertragsbedienstete, 21 Wissenschaftliche Hilfskräfte und 31 Bibliothekare

Schottenring 1

Das Cafe Viktoria ist vor 1938 ein Stützpunkt illegaler Nationalsozialisten.
1941 werden hier die KomministInnen Margarete Schütte und Erwin Puschmann („Gerber“) verhaftet, nachdem sie vom Gestapo – Spitzel „Ossi“ verraten wurden.

ÖGB
Hohenstaufengasse

Hier war nach dem 2. Weltkrieg der ÖGB untergebracht. Der Haupteingang war in der Wipplingerstrasse.

1848 – Blick in die Wipplingerstrasse

Am 13. März brach in Wien der Aufstand aus. – Die Wiener Regierung hatte weder Bittschriften und Forderungen, noch Versammlungen beachtet. Vor dem Ständehaus in der Herrengasse versammelten sich mehrere tausend Menschen, darunter viele Studenten, um den sofortigen Rücktritt der Regierung zu fordern. Als sich das Gerücht verbreitete, eine Abordnung der Studenten sei eingesperrt worden, stürmte die Menge das Ständehaus, die Mitglieder der Ständeversammlung mussten in die Hofburg fliehen. Zuletzt schritt das Militär gegen die tobende Menge ein und erstickte den Aufstand in Blut (»Märzgefallene«).

Schottenring/Neutorgasse – jetzt Erste

Dr Hans Zimmerl, dessen Wohnhaus sich hier befand, wird im Jahr 1939 in die Leitung der Gruppe um Roman Schulz aufgenommen. In seiner wohnung werden Schulungen abgehalten. Im Juli 1940 hat der Gestapo Spitzel Hartmann auch diese Personen verraten. Auch Zimmerl wird verhaftet und im Mai 1944 hingerichtet.

Schottenring 31

Im Sommer 1941 wird hier Katharina Süss gemeinsam mit anderen festgenommen. Die Genannten stehen im Verdacht, unter dem Vorwand von Bridgepartien Zusammenkünfte von Gesinnungsgenossen veranstaltet zu haben, bei welchen die deutschsprachigen Sendungen des Londoner Rundfunks abgehört werden.

Bim06 Franz-Josefs-Kai bis zur Urania

Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung

Direkt nach dem „Anschluss“ wurden die Wiener Juden unter Beteiligung der Bevölkerung gezwungen, in „Reibpartien“ pro-österreichische Slogans von den Gehsteigen zu putzen.
Einen Höhepunkt erreichten diese Ausschreitungen in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938: Alle Wiener Synagogen und Bethäuser wurden vernichtet – einzig der Stadttempel konnte wegen seiner Lage im Wohngebiet nicht niedergebrannt werden. Die meisten jüdischen Geschäfte wurden geplündert und dann geschlossen, über 6.000 Juden wurden in dieser Nacht verhaftet und zum Großteil in den folgenden Tagen ins KZ Dachau verschleppt.

Gedenkstätte für die Opfer der Gestapo in Wien
Salztorgasse

In den Schachtgräbern der Gruppe 40 am Zentralfriedhof wurden während der NS-Herrschaft im Wiener Landesgericht durch das Fallbeil hingerichteten Menschen verscharrt. 
Da zwischen Urteilsverkündung und Hinrichtung viele Wochen und Monate vergingen, konnte logischerweise nicht schon zu diesem Zeitpunkt der Zentralfriedhof verständigt werden. 24 Stunden vor der Vollstreckung wurde das Anatomische Institut der Universität über die anfallenden Leichen informiert wurden, denn es gab die Regelung, dass die Leichen der Hingerichteten jeweils ans nächstgelegene Anatomische Institut abgeben werden müssen! Dort wurden sie für unterschiedliche Zwecke verwendet. Erst wenn die Leichenteile (Rumpf und Kopf wurden zwar in einem Sarg angeliefert, doch waren diese i.d.R. bei unterschiedlichen Anatomieprofessoren in „Verwendung“. Wurden die Leichenteile nicht mehr benötigt, verständigte das Anatomische Institut (in Wien), die Verwaltung des Zentralfriedhofs über die am nächsten Tag erfolgte Anlieferung von XYZ Särgen (denen pro forma Namen zugeordnet waren). Diese erhielten von der Friedhofsverwaltung eine Grabnummer in der Gruppe 40 und wurden dann in den jeweiligen Schachtgräbern – unter Bewachung eines Gestapobeamten und unter Geheimhaltung – beigesetzt. Auch die Angehörigen erfuhren erst nach 1945, wo ihre ermordeten Familienmitglieder lagen

Georg Emmerling Hof, obere Donaustrasse 97

Gelernter Kunstdrechsler, er durchwanderte zu Fuß die Schweiz, Deutschland, Niederlande und England, 1901 wurde er Geschäftsführer des neugegründeten Konsumvereins „Vorwärts“ dann Chefadministrator der Arbeiterzeitung, Vz. Bgm. zuständig für städt. Unternehmungen.

Schwedenplatz

Als Dankbarkeit für die Schwedische Hilfe nach dem Ersten Weltkrieg.

Laurenzerberg

Kurze Zeit Standort der ÖGB-Zentrale

VHS Wiener Urania

Mit 33 Standorten in ganz Wien sind die Wiener VHS ein wahrer Bildungsnahversorger für alle WienerInnen. Gemeinsam mit der Stadt Wien betreiben sie zudem zahlreiche Projekte, um Menschen Perspektiven zu geben. Sie unterstützen SchülerInnen mit Lernhilfeprojekten oder Jugendcoaching und verhindern dadurch in vielen Fällen das frühzeitige Ausscheiden aus dem Bildungsprozess.
14.500 Kurse im Jahr.
5.000 Veranstaltungen.
30.000 Bildungsberatungen.

Das Lehrgedicht vom Lernen (Adolf Unger)

Nehmt euch Zeit und lernt
und bringt ein Opfer
eurer Zukunft und lest
und lernt, was ihr morgen tun müsst,
denn ohne Buch findet ihr euch nie zurecht.
Lernt aus den Fehlern eurer Väter,
um sie nicht zu wiederholen.
Nehmt euch Zeit und lest
denn wer da glaubt, er verstünde genug,
entdeckt zu spät,
dass er nicht genug verstand.
Nehmt euch Zeit und lest
ergreift es, und lest, lernt und kämpft!

Bim 07 – Von der Urania bis zum Schwarzenbergplatz

Radetzky – Denkmal

Abschlachten bei Arbeiteraufständen in Triest, Marsch als Geschenk vom Kaiser, 1848 war er der einzige Befehlshaber der nicht Schwarzenberg unterstellt wurde.

Wollzeile 7 Gildemeester-Auswanderungs-Hilfsorganisation

Unter NS-Herrschaft ab 1938 Auswanderung reicher JüdInnen organisiert – dafür mussten sie ihr gesamtes Vermögen zu Gunsten des Reiches abgeben. Ab 1939 dürfen nur mehr Nichtglaubensjuden betreut werden.

Wollzeile Kabarett Simpl – Fritz Grünbaum

Hier wirkte Fritz Grünbaum, der im KZ-Buchenwald im April 1940 starb. Doppelconference mit Karl Farkas – Im Jahr 1910 ohrfeigte er einen k. u. k. Offizier im Lokal „Hölle“, als dieser inmitten des Programmes antisemitische Sprüche rief. Danach setzte er seine Vorstellung fort. Lilly Herzl (seine Frau) konnte sich eine Zeitlang bei einer Freundin in Wien, Elsa Klauber, verstecken, wurde dann am 5. Oktober 1942 gemeinsam mit ihrer Freundin ins Vernichtungslager Maly Trostinez deportiert und starb dort vier Tage später.

Theodor Herzl-Platz

Schriftsteller und Journalist – als Reaktion auf den Antisemitismus begründet er den politischen Zionismus („Der Judenstaat“); die Gründung des staates Israel geht auf sein Gedankengut zurück. Zionismus würde ich als nationalistische Ideologie bezeichnen, die auf die Gründung eines israelischen Staates in Palästina abzielt.

Wilhelm Hegel Gasse – Philosoph

Insbesondere Karl Marx wurde durch Hegels Philosophie geprägt, die ihm durch die Vorlesungen Eduard Gans’ bekannt wurde. Hegels Philosophie wurde daher einer der zentralen Ausgangspunkte für den Dialektischen Materialismus, der zum Wissenschaftlichen Sozialismus führte. Ein Beispiel dazu –
Durch den Widerspruch zwischen Bedürfnissen der Menschen und der niedrigen Produktivität kommt es zur Erfindung von Maschinen.

Gedenken an die Pogrome

Die meisten der dann in Wien verbliebenen Juden fielen der Tötungsmaschinerie des NS-Regimes zum Opfer. Am 1. Februar 1941 gab Karl Ebner von der Gestapo-Leitstelle Wien dem Amtsdirektor der Kultusgemeinde 13 Weisungen zur Deportation der jüdischen Bevölkerung Wiens bekannt und rühmte sich später gegenüber Heinrich Himmler, er habe selbst 48.500 Juden aus Wien und Niederdonau nach den Ostgebieten evakuiert. Von den mehr als 65.000 jüdischen Wienern, die in den Osten deportiert wurden, überlebten nur wenig über 2.000.

Bim 08 Schwarzenbergplatz bis Rennweg/Höhe Rudolfstiftung

Industriellenvereinigung

Vertretung der Superreichen in Österreich

Oberes Belvedere

Der diktatorisch regierende Bundeskanzler des „Ständestaats“, Kurt Schuschnigg, wohnte bis 1938 in einer Dienstwohnung im Oberen Belvedere, nach dem „Anschluss“ an NS-Deutschland im März 1938 unter Hausarrest und von der Gestapo überwacht.

Die Unterzeichnung des Staatsvertrags, der Österreich 1955 frei von Besatzungsmächten und anderen Souveränitätseinschränkungen machte, fand am 15. Mai 1955 im Marmorsaal des Oberen Belvederes statt.

Jaurésgasse – Französischer Sozialdemokrat

Jean Jauré (1859 – 1914), Führer der Französischen SozialdemokratInnen, kämpfte gegen den Antisemitismus, Nationalismus und für Völkerverständigung – am Vorabend des Ersten Weltkrieges erschossen.

Staatsdruckerei – Widerstandsgruppe

Während der Nazi-Diktatur war hier eine Staatsdruckerei untergebracht. Trotz aller Unterdrückungsmaßnahmen gab es hier ständig eine Widerstandsbewegung. Am 4. April 1945 wurden hier namens der Österreichischen Freiheitsbewegung Flugblätter gedruckt, worin die deutschen Soldaten aufgefordert wurden, den Kampf einzustellen.
Denkmal, das an Alois Hudec +1943, Wilhelm Weixlbaum +1943, Gustav Kiesel +1943 alle enthauptet im Wiener Landesgericht, erinnert.

Ungargasse – Herbergen für Kaufleute

In früheren Zeiten befanden sich hier Herbergen für ungarische Kaufleute, die mit ihren Wagen nach Wien kamen.

Illegale Druckerei

Druck und Verlagsanstalt Astoria – als im Frühjahr 1937 der Druck sozialistischer Publikationen in der Tschechoslowakei und ihr Transport über die Grenze verboten wurde, erfolgte hier die Herstellung illegaler Gewerkschaftszeitungen – der Drucker Franz Riedl hat diese Arbeiten alleine ausgeführt.

Aspangbahnhof

Während des Zweiten Weltkriegs wurden von hier JüdInnen und andere Opfer des NS-Terrorregimes zu den Sammel- und Vernichtungslager in die Tschechoslowakei und Polen abtransportiert.

Arbeiterbildungsverein Landstraße

Am 19. September 1886 wurde hier im Saal des Gasthauses „Zum Goldenen Lamm“ der Arbeiterbildungsverein Landstrasse gegründet. 300 Personen nahmen an dem Treffen teil. Ab 1895 „Arbeiter-Fortbildungsverein Gleichheit“ mit einem zweiten Arbeiterbildungsverein „Vorwärts, Sozialdemokratischer Volksverein“ waren sie die Keimzellen der organisierten Arbeiterbewegung.

Bim09 – weiter Rennweg bis Landstrasser Hauptstrasse

Hafengasse – Wr. Neustädter Kanal

Hier befand sich der Hafen des Wr. Neustädter Kanals . 1879 aufgelassen. 1803 in Betrieb genommener und bis auf 63 km Länge erweiterter künstlicher Wasserlauf, auf dem vor allem Holz, Ziegel und Kohle aus dem Raum südlich der Donau nach Wien transportiert wurden.

Rubin-Bittman-Promenade

Sidonie und Josef Bittmann überlebten den NS-Terror als U-Boot – Josef war Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde.

Anna – Hand – Weg – Widerstandskämpferin

Anna Hand (1911-1987) KPÖ-Funktionärin, 1942 verhaftet, 1943 ins KZ-Ravensbrück gebracht – Ich geb Dir einen Mantel, dass Du ihn noch in Freiheit tragen kannst. Widerstehen im KZ. Österreichische Frauen erzählen.