Dimitri Schostakowitsch – Symphonie zum 1. Mai

Die Symphonie „Zum ersten Mai“ ist 1929 entstanden.


Sinfonie Nr.3 in Es-dur „Zum 1. Mai“ op.20; Bernard Haitink – Londoner Philharmonieorchester

Zwischen Revolution und Verfolgung

Das musikalische Talent des Jungen entfaltete sich durch den Klavierunterricht, und Dmitri unternahm bald seine ersten kompositorischen Versuche. 1917 wurde der Elfjährige Augenzeuge, wie bei einer Demonstration ein Arbeiter von Polizisten erschossen wurde. Dimitri komponierte daraufhin eine Hymne an die Freiheit und einen Trauermarsch für die Opfer der Revolution.

Die 3. Symphonie wurde von den Leningrader Philharmonikern und dem Academy Capella Choir unter Alexander Gauk am 21. Januar 1930 im Haus der Kultur Moskau-Narwa in Leningrad uraufgeführt. Das Finale nutzt einen Text von Semjon Kirsanow, der den Ersten Mai und die Revolution lobt.
Unter Stalin in Ungnade gefallen wurde er mehrfach in die bereits zum damaligen Zeitpunkt berüchtigte Geheimdienstzentrale Lubjanka vorgeladen, zu sogenannten „Volksfeinden“ befragt und eingeschüchtert.

Nach und nach errang Schostakowitsch wieder mehr Anerkennung in der Sowjetunion, begünstigt vor allem durch zahllose Aufführungen und Ehrungen im Ausland: Unter anderem erhielt er die Ehrendoktorwürde der University of Oxford. Am 8. Juni 1958 wurde eine Resolution des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei veröffentlicht, in der Schostakowitsch, Chatschaturjan, der verstorbene Prokofjew und andere Komponisten rehabilitiert wurden.

Die meisten meiner Symphonien sind Grabdenkmäler.
Zu viele unserer Landsleute kamen an unbekannten Orten um.
Niemand weiß wo sie begraben liegen, nicht einmal ihre Angehörigen.
Wo soll man Meyerhold ein Denkmal setzen? Wo Tuhatschewski?
Man kann es in der Musik.
Ich würde gerne für jeden Umgekommenen ein Stück schreiben.
Doch das ist unmöglich.
Darum widme ich ihnen allen meine gesamte Musik.

Aus den Memoiren von Dimitri Schostakowitsch
Shostakovich: Symphony #3 In E Flat Major, Op.20 ‚The First Of May‘ – To Verses by Semion Kirsanov

Der Text zur Symphonie von Semjon Kirsanow

Zum 1. Mai

Am allerersten Mai
warfen wir die Fackel in die Vergangenheit;
ein Funke wuchs zum Feuer,
und eine Flamme verzehrte Wald.

Mit den Ohren der gebeugten Tannen
lauschte der Wald
den Stimmen und den Lärm
der Parade am 1. Mai.

Unser 1. Mai –
unter dem Pfeiffen zorniger Kurgeln,
Bajonett und Gewehr in den Fäusten,
so nahmen wir den Zarenpalast.

Der Zarenpalast fiel –
das war das Morgenrot des Mai,
als wir vorwärts marschierten
im Schein der zornigen Fahnen.

Unser 1. Mai –
die Zukunft wird Segel bringen,
gehißt über dem Meer von Getreide,
und die lauten Schritte von Brigaden.

Neue Brigaden – die neuen Heere des Mai,
mit feurigen Augen in die Zukunft blickend;

Fabriken und ihre Arbeiter
marschieren in der Maiparade.

Wir werden die Ernte der Erde einholen –
unsere Zeit ist gekommen.
Hört, Proletarier, die Stimme aus unseren Fabriken:
Brennt das Alte nieder, doch entzündet das Neue!

Fahnen steigen auf wie die Sonne;
marschiert, laßt eure Schritte tönen!
Jeder 1. Mai
ist ein Schritt zum Sozialismus.

Der 1. Mai – der Aufmarsch
der bewaffneten Bergarbeiter.
Auf die Straßen, Revolution,
marschiere mit Millionen Füßen!


Zum Abschluss herzlich Dank an Heinz von dem ich den Tipp bekam und der den musikalischen Leckerbissen mir zukommen ließ.