Lorenz-Böhler-Krankenhaus

Eine Station beim Rundgang „120 Jahre Brigittenau“ ist das Lorenz-Böhler-Krankenhaus. Peter Drizhal hat die Recherche und Zusammenfassung für diese Station übernommen.

Es gehört zur AUVA und ist seit 2018 gemeinsam mit dem Unfallkrankenhaus Meidling zum Traumazentrum Wien organisatorisch zusammengefasst. Dieses Traumazentrum ist rein rechtlich ein Krankenhaus mit zwei Standorten – Meidling und hier in der Brigittenau und wird in Zukunft Österreichs größtes Zentrum für traumatologische Versorgung.

Von GuentherZ – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3493997

Die Geschichte dieses Hauses beginnt mit dem Chirurgen Lorenz Böhler (* 15.01.1885, † 20.01.1973 ), auf dessen Drängen die AUVA in ihrem Bürohaus in der Webergasse 2–6, hier im 20. Bezirk, zwei Stockwerke zur Verfügung stellte, die in ein Kranken-haus umgebaut wurden.

Es wurde 1925 als erstes Unfallkrankenhaus eröffnet und Lorenz Böhler wurde zum ärztlichen Leiter und Primar ernannt. In diesen Funktionen war er 38 Jahre lang bis 1963 tätig und machte dieses Krankenhaus zu einem weltweiten Vorbild für Unfallkrankenhäuser, er gilt auch als Vater der modernen Unfallchirurgie.

Er baute es bis 1934 in ein Krankenhaus mit 120 Betten sowie mehreren Operations- und Turnsälen aus. Lorenz Böhler hatte auch auch eine eigene Wohnung in dem Gebäude, um 24 Stunden für seine Patienten dasein zu können.
L. B. trat im Frühjahr 1938 der NSDAP bei, auf Druck wie er bei seinem Entnazifizierungsverfahren angab, und arbeitete im II. Weltkrieg als beratender Chirurg der Wehrmacht, als Ober-feldarzt im Rudolfsspital und als Oberfeldführer im Dekanat der Medizinischen Fakultät.

Er wird 1947 von Sühnefolgen freigesprochen, damit konnte er seine Lehrtätigkeit an der Uni und die Leitung des UKH wieder aufnehmen.Ein Resumee vieler Untersuchungen dazu ergab, daß sein Vorgehen primär von karrierepolitischen Motiven geprägt war und er seine Zugehörigkeit zur NSDAP nie mißbraucht hatte.

Ein Jahr nach seinem Rücktritt (1963) beschloss die AUVA 1965 den Neubau des Spitals hier in der Donaueschingenstraße, welches dann am 9. November 1972 in Betrieb genommen wurde. Es war der erste Neubau in Österreich in Stahlskelett-Leichtbauweise.

In den Jahren 1970-1983 war Jörg Böhler, der Sohn von Lorenz Böhler, hier der Leiter.

Heute verfügt das Spital in der Unfallchirurgie über 4 Stationen mit 118 Betten und 5 Operationssäle, auch über stationäre und ambulante Betreuung für Physio- und Ergotherapie.

Es wird sich aber in den nächsten Jahren hier einiges ändern. Im Kern geht es darum, dass am Standort Meidling die Akut-versorgung verbessert wird und ein neues Rehab-Zentrum, das sich jetzt in Klosterneuburg – Weißer Hof – befindet, errichtet wird.

Das Lorenz-Böhler-UKH wird als Grundversorgungsspital weitergeführt, mit Unfallambulanz und Tagesklinik, für Patientinnen mit weniger schweren Verletzungen. Weiters wird es mit Schwerpunkt auf die sogenannte Rekonstruktions-Chirurgie weiterentwickelt und darüber hinaus zum Forschungszentrum ausgebaut.

Im Weißen Hof soll ab 2026/27 gemeinsam mit einem privaten Betreiber ein spezielles Reha-und Pflegeangebot geschaffen werden.

Artikel in der Wiener Zeitung von Karl Ettinger
AUVA-Etappenplan für Unfallbehandlung
Traumazentrum-Meidling baut Akutversorgung aus, Lorenz-Böhler die Forschung, Weißer Hof soll neue Pflege anbieten.

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