Maria Theresia – Quälen mit System

Im Herbst werden wir das Leben der Habsburger aus anderer Sicht beleuchten. Ein kleiner Vorgeschmack zum absolutistischen Wirken von Maria Theresia.

In manchen Unterlagen und Schulbüchern wird als Verdienst von Maria Theresia die Abschaffung der Folter genannt. Sie wird als fürsorgliche Landesmutter und große Reformerin dargestellt. (1) Während im übrigen aufgeklärten Europa diese Brutalität der Bestrafung abgeschafft wurde, hat Maria Theresia ein Quälen mit System geschaffen, obwohl einer ihrer engsten Berater dagegen Stellung bezog. Ihre Haltung gegen die Aufklärung wurde von der Kirche unterstützt allen voran vom Fürsterzbischof von Wien, Kardinal Graf Migazzi.

Viele der der seit dem Mittelalter üblichen grausamen Arten der Hinrichtung „wie das Radbrechen, Zwicken mit glühenden Zangen, Enthaupten und Hängen wurden beibehalten. Bei Frauen sah das Gesetz die Möglichkeit vor, die Todesstrafe durch Herausreißen der Brüste . . . zu verschärfen.“

Maria Theresias Brutalität im Umgang mit Frauen in Notsituationen

Friedrich Wilhelm Haugwitz – beratender Minister, der massiv gegen die Aufklärung wirkte.

Die Bestrafung des Schwangerschaftsabbruch geht in Österreich auf die Constitutio Criminalis Theresiana von 1768 zurück; nach dieser ist die vorsätzliche Abtreibung einer Mannes- oder Weibsperson im Artikel 88 als ein Verbrechen anzusehen, welches den Totschlag gleichzuachten und mit dem Tode zu bestrafen sei; es erfolgt die ausdrückliche Anordnung der Hinrichtung mit dem Schwert.(2)

Die Kaiserin hatte für jedes ihrer 16 Kinder eine eigene Amme. Sie wusste doch gar nicht, was es heißt, völlig mittellos, ohne Essen zu sein und dann noch Kinder kriegen zu

müssen. Ihre Religiosität war ein wesentlicher Grund für ihre Strenge hinsichtlich Abtreibung. Maria Theresias Glaube zeugte von einer jahrhundertealten Verschränkung der Verweigerung reproduktiver Rechte für Frauen und Katholizismus. (3)

Die 6m hohe Statue zwischen den beiden Museen

„Die Pflicht der Frauen ist die Ergebenheit vor Gott und den Menschen“ (4)

lautete einer ihrer Leitsprüche. Ganz abgesehen davon, dass diese Aussage die Frage aufwirft, ob Maria Theresia Frauen als Menschen gesehen hat.

Die Keuschheitskommission

Die strikte Katholikin machte es sich zur Lebensaufgabe die „Unsittlichkeit“ zu bekämpfen. Zu diesem Zwecke richtete sie ein sogenanntes Keuschheitsgericht mit eigens abgestellten Kommissaren ein. Leidtragende waren hauptsächlich die Wiener Prostituierten. Bei „Schädigung des Freiers“ oder seiner Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten drohten Abschneiden der Haare und von Ohren, Teerung des Kopfes, Auspeitschungen vor der nächsten Kirche oder im schlimmsten Fall und bei Rückfall die Deportation.

Zum ersten Präsidenten der Keuschheitskommission wurde der Jesuit Ignaz Parhamer ernannt, der es sich angeblich nicht nehmen ließ, eigenhändig nackte Prostituierte auszupeitschen.(5)

Mit aller Härte bis hin zur Todesstrafe ging die Kommission gegen Ehebrecher, Sodomiten, Homosexuelle und religionsüberschreitenden Sexualverkehr vor. Im Prater wurde der Buschbestand in der Umgebung ausgedünnt, um leichter ledige Liebespaare zu ertappen. Sie wurden dann zur Ehe gezwungen, damit Kindstötungen vermieden werden. Aufklärung und Naturrecht spielten bis 1776 keine Rolle. (6)



Quellenverzeichnis

  • (1) Wiener Zeitung, 30.6.2011, Maria Theresias „peinliche Frage“
  • (2)Die Abortsituation in Europa und in außereuropäischen Ländern, Dr.med. Herbert Heiss, Ferdinand Enke Verlag Stuttgart, 1967, Seite 120
  • (3) Filmemacherin und Journalistin Susanne Riegler im Standard am 13. April 2017 – Abtreibung unter Maria Theresia: Keine Gnade für Frauen in Notsituationen
  • (4) Schwarzbuch der Habsburger, Leidinger/Moritz/Schippler, Deuticke 2003, 2. Auflage, Seite 129
  • (5) Wikipedia – Keuschheitskommission
  • (6) News, 23. August 2020 – Maria Theresia: 8 Dinge, die sie noch nicht wussten

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