Politik in den Bergen

Eines unserer Mitglieder Heinz S. selbst begeisteter Wanderer stellte uns diesen Artikel zur Verfügung. Angeregt von einem Artikel über den Karnischen Höhenweg.

Die Berge waren und sind symbolische Orte, vollgeladen mit Zuschreibungen. Dies wussten auch die Nazis für sich zu nutzen. Aber bereits lange bevor Hitler an die Macht kam, war der „Alpenverein“ ein „Adlerhorst des braunen Denkens“. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts führten etliche Vereine und Organisationen sg. „Arierparagraphen“ ein. „Durch die Popularität der Alpen nach 1918 gewann der „Höhen-Antisemitismus“deutlich an Dynamik. (…)

Wolayerseehütte 1971 – Die Hütte wurde im Jahre 2002 wieder in „Wolayerseehütte“ umbenannt.

1921 schloss die Sektion Austria (des Alpenvereins, Anm.) mit ihrem fanatischen Vorsitzenden Eduard Pichl Juden generell aus. Es war von “Reinigung” die Rede, die “anfeuernd auf noch verjudete Sektionen” wirken solle.“ In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass die Wolayerseehütte nach ihrem Wiederaufbau in den Jahren 1922-23 den Namen des aktiven Nationalsozialisten „Eduard Pichl“ erhielt.

Erbaut im Jahr 1896 von der Sektion Obergailtal, wurde die Hütte am 10. August 1897 eröffnet. 1909 wurde sie aus finanziellen Gründen von der Sektion Austria übernommen. Im Ersten Weltkrieg war das Kar rund um Hütte und See Kriegsschauplatz, woran heute noch Stellungsreste und ein Kriegerdenkmal erinnern. Die während der Kampfhandlungen zerstörte Hütte wurde 1922–23 wieder aufgebaut und, nunmehr benannt nach dem damaligen Obmann der Sektion Austria, Eduard Pichl, am 4. bzw. 5. August 1923 eröffnet.

Trotz seiner großen Leistungen und Verdienste um den Alpinismus setzte man ein Zeichen der Distanzierung von Eduard Pichl. Da er aktiver Nationalsozialist war und als Antisemit bereits 1924 den Arierparagraphen im Alpenverein durchsetzte, erhielt die Hütte im Jahr 2002 wieder ihren ursprünglichen Namen: Wolayerseehütte.

Eduard Pichl und der Antisemitismus im DuOeAV Eduard Pichl, geb. 1872 in Wien, war einer der erfolgreichsten österreichischen Alpinisten. Etwa 60 Neutouren bzw. Erstbesteigungen (u.a. im Dachsteingebiet und Gesäuse) sowie im Ersten Weltkrieg die Erzwingung der LangkofelNordwand in den Dolomiten sind ihm zuzuordnen. Nach dem Ersten Weltkrieg erschloss Hofrat Ing. Eduard Pichl

ehemalige Kriegssteige in den Karnischen Alpen zu Wanderwegen und Kriegsstellungen zu Notunterkünften, er forcierte den Bau von Schutzhütten und förderte die touristische Entwicklung in den einliegenden Orten entlang des Karnischen Höhenweges. Zu Recht gilt er als erster Pionier des Bergtourismus am Karnischen Kamm. Während seines Vorsitzes in der Sektion Austria wurden mit dem neuen Hüttenreferenten Dipl.-Ing. Viktor Hinterberger von 1921 bis 1936 beinahe alle Hütten und Notunterkünfte im Westabschnitt des Karnischen Höhenweges errichtet oder saniert, der Felsweg nach Obstans gebaut und vieles mehr. 1929 brachte Pichl den Bergwanderführer „Durch die Karnische Hauptkette“ heraus.

Eduard Pichl war Absolvent der TU Wien und als Burschenschaftler mit Georg von Schönerer eng befreundet. Als überzeugter Antisemit setzte er 1921 als neuer Vorsitzender der großen Sektion Austria des DuOeAV die Einführung des „Arierparagraphen“ durch. Dieser wurde in der Folge gegen den Widerstand namhafter Alpinisten (etwa Johann Stüdl) in weiteren 98 der insgesamt 110 Sektionen des Alpenvereins in die Statuten aufgenommen.

Jüdische Mitglieder wurden dadurch aus dem Alpenverein ausgeschlossen, in den Schutzhütten durften sie nicht mehr beherbergt werden. In den 30er-Jahren entwickelten sich einzelne Alpenvereinssektionen in Österreich zu Sammelstätten illegaler Nazis und manche Hütten zu deren Treffpunkten, wobei auch die Jugend stark eingebunden wurde. 1937 wurden von der Regierung des österreichischen Ständestaates dazu Untersuchungen eingeleitet.

Vermutlich bemühte sich der Sektionsvorsitzende Eduard Pichl auch im Umfeld der Tourismus-Entwicklung, seine antisemitische Haltung zu verbreiten. Wie sonst wäre es zu erklären, dass der Gemeinderat von Kartitsch 1932 zwei Gastgewerbebewilligungen mit der Auflage erteilte, dass jüdische Gäste weder beherbergt noch verköstigt werden dürfen.

Nach 1945 war Eduard Pichl im OeAV nicht mehr tätig. Er starb 1955 am Dachsteinhaus. Im Zuge der Aufarbeitung seiner politischen Geschichte hat sich der OeAV vor einigen Jahren vom ehemaligen Sektionsvorsitzenden und aktiven Nationalsozialisten Eduard Pichl distanziert und die 1923 nach ihm benannte Hütte am Wolayersee 2002 wieder mit dem ursprünglichen Namen Wolayerseehütte versehen.