Urnengrab von KZ-Opfern am Friedhof Steyr

Im Zweiten Weltkrieg unter dem Nationalsozialismus diente das Krematorium am Friedhof am Tabor zur Einäscherung von KZ-Häftlingen aus dem KZ Mauthausen und dem KZ Gusen. 1948 wurden wohl am Ende eines Verbindungswegs vor einer ehemaligen Einfriedungsmauer mehr als 1000 Urnen versenkt. Danach wurde der Urnenfriedhof am Tabor wohl erweitert, und dabei ein Teil einer Friedhofsmauer entfernt, der Verbindungsweg verlängert, und dabei das Urnengrab der KZ-Häftlinge überasphaltiert. (1)

Initiiert wurde die Suche von einem Enkel Wiktor Ormickis. Er war bei der Suche nach der Urne seines Großvaters auf Dokumente und Zeitzeugenberichte gestoßen. Diese besagten, dass die Urne in Steyr beigesetzt worden war.
Wiktor Ormicki war Professor an der Jagellonen-Universität Krakau, die in Polen bis heute großes Ansehen genießt. Ormicki wurde im Jahr 1939 von den Nationalsozialisten verhaftet und 1941 im KZ Gusen ermordet. (2)

Das Innenministerium, zuständig für die Kriegsgräberfürsorge, ließ unterdessen die ausgegrabene Gruft mit Granitplatten abdecken. Dann teilte das Ministerium mit, dass es das Gesetz verbiete, dass Friedhofsbesucher weiter über das Grab der ermordeten KZ-Häftlinge schritten und schlug eine Verlegung der Gruft in einen hinteren Teil des Friedhofes vor. „Damit wäre das Schicksal der KZ-Häftlinge wieder aus dem Blickfeld verschwunden“, begründet Ramsmaier die Bedenken, die das Komitee gegen diese Lösung vorbrachte.

Am 14. Juni 2019 wurde nun im Urnenfriedhof an der Fundstelle ein Grabmal mit fünf Stelen mit allen Namen der 84 bestatteten KZ-Opfer enthüllt. Architekt Bernhard Denkinger verwies darauf, dass das Grabmal ein Störfaktor für die Friedhofsbesucher darstelle, da diese um es herumgehen müssten: „Diese Verstörung soll bewusst machen“. Damit der Umweg für die Passanten möglich wurde, hat die Friedhofsverwaltung zwei Urnengräber im Einvernehmen mit den Hinterbliebenen verlegt. (3)

Quellenverzeichnis

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