Jüdische Geschichte an der Mosel

Anläßlich unseres Besuchs an der Mosel und der kommenden Gedenktage zu den Novemberpogromen haben wir nach Gedenkstätten, öffentlichen Denkmälern und Geschichtsinitiativen Ausschau gehalten.

  • Traben-Trarbach: ein Geschichtsprojekt einer Schule
  • Bernkastel: Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge
  • Trier: Deportationen der jüdischen Bevölkerung und eine Gedenkveranstaltung von SchülerInnen
  • Zell an der Mosel: eine Infotafel an der ehemaligen Synagoge

Traben – Trarbach: SchülerInnen eines Gymnasium erforschen die Geschichte der Jüdischen Bevölkerung

Im Rahmen des Projektes „Openion“, das den Schwerpunkt „jüdische Geschichte“ beinhaltet, hat die Schule-ohne-Rassismus-AG (SoR) des Gymnasiums Traben-Trarbach in Kooperation mit dem Erdkunde- und Geschichts-Leistungskurs (2017-2020) das Konzept eines Geocaches zu diesem Thema erarbeitet.

Der Doppelkopf symbolisiert das SEHEN. Das passt aus meiner Sicht sehr gut zum tollen Projekt der SchülerInnen. Sie öffnen mit ihren Stationen den AbsolventInnen des Geocache-Multis die Augen zu Greueltaten, die von 1933 bis 1945 an der jüdischen Bevölkerung verbrochen wurden. Wir absolvierten den Multi – Jüdische Häuser in TT – GC89W36 – in 9 Station vom Kaufhaus Schoemann bis zum Rathaus. Von der ersten Ansiedlung durch die Sponheimer Grafen bis zu den Deportationen nach Auschwitz.

Hier war schon damals die Stadtverwaltung untergebracht, die bereitwillig die Gesetze zur Diskriminierung der Juden und später zu deren Ausschaltung aus dem Wirtschaftsleben umsetzte. Dort war auch ein „Stürmerkasten“ angebracht, in dem jeweils die aktuellen Ausgaben des übelsten Nazi-Hetzblattes öffentlich ausgehängt wurden. Eine NSDAP-Ortsgruppe gab es seit Juni 1929, ab 1933 war ein NSDAP-Mitglied Bürgermeister.
Jüdische Verfolgung und Ausgrenzung am Gymnasium

Am staatlichen Gymnasium Traben-Trarbach erteilten evangelische Lehrer bis 1928 auch jüdischen Schülern Hebräisch-Unterricht; Religionsunterricht erhielten diese außerhalb der Schule (sonntags oder nachmittags) durch den Bernkasteler (Friedemann) oder andere jüdische Lehrer.
NS-Zeit: Bücherverbrennungen am 21. März 1933. Bis 1935 „judenfrei“, damit waren zugleich 100% der Schüler in der Hitlerjugend organisiert.
Insgesamt waren 27 jüdische Schüler, darunter Milian Schömann (Philosoph in Berlin und Belgrad, dort mit Mutter und Schwester nach Eroberung Jugoslawiens erschossen) am Gymnasium.
Letzter jüdischer Schüler: Martin Schmitz (1931 – 1935).

Listing – GC89W36

Herzlichen Dank an die SchülerInnen und an all jene, die dieses Projekt unterstützt und gefördert haben.

Bernkastel

Bei einem Spaziergang durch die Stadt entdeckten wir diese Gedenktafel, die 50 Jahre nach den Novemberpogrome hier angebracht wurde. Bei einer kleinen Recherche fanden wir Informationen zum jüdischen Leben 30er-Jahren hier Bernkastel.

1933 gehörten noch 59 Personen der jüdischen Gemeinde an. Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts ist ein größerer Teil der jüdischen Gemeindeglieder in den folgenden fünf Jahren ausgewandert oder in andere Städte verzogen, sodass 1938 nur noch 15 jüdische Personen in Bernkastel lebten. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von einem SA-Sturmtrupp und Bernkasteler Nationalsozialisten völlig verwüstet und geplündert. Wegen der engen Lage in der großenteils aus Fachwerkhäusern bestehenden Altstadt Bernkastel wurde von einer Inbrandsetzung abgesehen.

Trier

Am 16. Oktober 2019 informierten SchülerInnen des Trierer Max-Planck-Gymnasiums über die Deportationen von 323 jüdischen Menschen durch die Nazis von Luxemburg über Trier ins Ghetto Litzmannstadt.

Rund 300 Menschen haben am Mittwoch vor dem Trierer Hauptbahnhof jüdischer Bürger aus der Region gedacht, die vor 78 Jahren deportiert wurden.  Foto: TV/Ralf Kotschka
Ein Zeichen der Solidarität gegenüber der Jüdischen Bevölkerung

102 jüdische Männer, Frauen und Kinder saßen am 16. Oktober 1941 im Deportationszug Da 3, der sie von Trier in das Ghetto Litzmannstadt im deutsch besetzten Polen transportierte. Nach Wien und Prag war es der dritte Deportations-Transport Nazi-Deutschlands und der erste aus dem Westen. Weitere 410 jüdische Bürger wurden aus Luxemburg, Wittlich und aus Mosel-, Eifel- und Hunsrückdörfern an diesem Tag in das Ghetto deportiert

Die Koffer zeigten, wie wenig die Menschen damals mitnehmen durften, die all ihres Besitzes beraubt wurden. Insgesamt ist die Schule an einem aktiven Geschichtsleben interessiert. Sie organisierten eine Studienfahrt nach Auschwitz und einer Begegnung mit Zeitzeugen Paul Sobol.

Wir entdeckten bei unserem Rundgang noch diese Gedenktafel
So sieht die Gegend heute aus – Brigitte steht vor der Gedenktafel.

Mehr zur jüdischen Geschichte in Trier findet man unter Kultureise-Ideen in13 Stationen. In der langen Geschichte der Stadt gab es Phasen der Vertreibung der Juden und erneuter Ansiedlung. Die wohl berühmteste jüdische Familie in Trier war wohl die von Karl Marx.

Zell an der Mosel

Bei unserem Besuch sind wir zuerst geflasht von einer „schwarzen Katze“, die überall und mind. alle 10 Meter uns auf Plakaten, Schildern oder historischen Hinweisen entgegen springt. Wir suchen ganz gezielt nach den Spuren der jüdischen Geschichte hier im Ort. Allerdings gibt es kaum Hinweise, zumindest haben wir sie nicht gesehen. Nach ein paar Umwegen und Anmerkungen in einem Buch finden wir den richtigen Weg hinter das Schloss.

Die ehemalige Synagoge dient als Gedenkstätte für die frühere jüdische Geschichte und als Raum für kulturelle Veranstaltungen.

Else Adler (1903), Gertrud Adler (1901), Johanna Adler (1869), Kurt Adler (1910), Sibilla Adler geb. Salomon (1870), Alice Baer (1907), Hanna Bender geb. Juhl (1913), Marianne Bender (1934), Jenny Bermann (1883), Karl (Carl) Bermann (1880), Flora Frank geb. Wolf (1898), Louise Frank geb. Bermann (1878), Bertha Haas geb. Bender (1882), Bianca Herz (Hertz) geb. Adler (1909), Selma Hirsch geb. Bender (1875), Klara Juhl geb. Selig (1887), Mathilde Juhl (1910), Gertrud Levy geb. Adler (1942), Theresia Moos geb. Sondheimer (1874), Berta Salomon (1890), Betty Schärf geb. Salomon (1886), Amalie Sondheimer (1874), Julius Sondheimer (1870), Albert Wolf (1870), Hedwig Wolf geb. Scheuer (1903), Helene Wolf geb. Leib (1875), Max Wolf (1896).

Von den in Zell geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind die oben genannten Personen in der NS-Zeit umgekommen. Diese jüdischen Einwohner von Zell wurden in Vernichtungslager deportiert.