Griechischer Antikommunismus gepaart mit britischen Imperialismus siegten in Athen 1945 über die Demokratie

Die britische Regierung befürwortete die Rückkehr des Königs auf den griechischen Thron. Als wichtigster Wahrer britischer Interessen in Griechenland stand er für eine wohlgesinnte – also nicht zur EAM gehörende und nicht kommunistische – griechische Regierung. Großbritannien war sehr daran gelegen, die Kontrolle über die Meeresrouten im südöstlichen Mittelmeer zu sichern, über die es mit seinen indischen Kolonien kommunizierte, und wollte Griechenland als Barriere gegen eine sowjetische Präsenz im Mittelmeer etablieren. Darüber hinaus waren mehrere große britische Unternehmen insbesondere im griechischen Energie-, Transport- und Bausektor aktiv und britische Banken hielten eine beträchtliche Anzahl an griechischen Staatsanleihen in ihren Portfolios. Die griechische Regierung hatte 1932 infolge der weltweiten Finanzkrise von 1929 Konkurs angemeldet. Eine EAM-Regierung würde die Gewinne und Interessen der britischen Unternehmen stark beeinträchtigen1.

Dass Geschichte von Menschen gemacht wird, die nicht wussten, wie es ausgeht. Wir neigen dazu, die Vergangenheit als unvermeidlich zu betrachten. Aber für die Akteure damals war alles offen. Diese Offenheit der Geschichte wiederzuentdecken, ist für mich die wichtigste Aufgabe des Historikers.2

Mahnende Zeugen des britischen Imperialismus

Kostis führt uns Im Athener Vorort Kaisariani zu einer Reihe von ehemaligen Flüchtlingswohnhäusern aus der Zwischenkriegszeit. Ihre Mauern sind von Einschusslöchern aus der Schlacht um Athen 1944 übersät, als britische Truppen die verschanzten Kämpfer der ELAS angriffen, die den Zugang zum Viertel kontrollierten.

Rechts von uns steht ein blinkendes Feuerwehr-Fahrzeug – sie räumen mit ihrer Motorsäge größere Sträucher weg. Dann taucht ein Polizeifahrzeug auf, der Polizist unterhält sich kurz mit Kostis.

Am 29. Dezember begann der Großangriff auf die östliche Vororte Athens, eine wichtige Hochburg der ELAS. Die Gemeinde von Kaisarini, ein Ghetto, das zur Unterbringung von Geflüchteten aus Kleinasien errichtet worden war, wurde von den Briten als das „griechische Stalingrad“ bezeichnet. Zwei Stunden lang bombardierten die Briten das Gebiet, bevor die Infanterie eindrang. Giorgos Gounaris, ein ELAS-Kämpfer, erinnert sich in seinem unveröffentlichten Tagebuch:


In den Straßen, in den Häusern, auf den Balkonen, schlagen pausenlos Geschosse ein. […] Sie haben uns mit ihren Bombardements in den Wahnsinn getrieben. […] Drei Mitstreiterinnen liefen mit Maschinengewehren auf das Hausdach. Im Sturzflug ließen britische Kampfflugzeuge Bomben auf sie fallen, die sie buchstäblich in der Luft zerrissen. Die Kameradinnen, die hinaufrannten, fanden nur noch Körperfetzen vor.3

Mehr als achtzig Jahre später haben Klimaanlagen, Rohre und Flicken die Spuren der Granaten nicht verwischt, und Kostis deutet auf den noch immer schwach erkennbaren Slogan in roter Farbe über den Eingang.

Weshalb wurden hier die Häuser nicht saniert? Wer hat Interesse, dass diese „Narben“ im Stadtbild bestehen bleiben. Inwieweit prägen die damaligen sozialen und politischen Gegensätze, die heutige politische Kultur?

Die Inschrift des Denkmals, welches Michael entdeckte, lautet:

EHRE UND RUHM
DEN HELDENHAFTEN KÄMPFERN
DER KKE UND DER
EAM – ELAS,
DIE IM DEZEMBER 1944
GEGEN DIE BOURGEOISIE
UND DEN BRITISCHEN IMPERIALISMUS KÄMPFTEN

T.O. ÖSTLICHE VORSTÄDTE
DER KOA DER KKE4

Die überwältigende Überlegenheit der Briten zwang die ELAS-Führung am Abend des 4. Januar 1945, den Rückzug ihrer Streitkräfte aus Athen anzuordnen. Die britischen Truppen bombardierten die Reihen der sich zurückziehenden Partisan*innen und töteten viele von ihnen. Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands am 11. Januar 1945 wurden die Kämpfe beendet. Die Bilanz der Gefechte spiegelte ihre Grausamkeit wider: In nur einem Monat gab es 70.000 Verletzte, 5.500 Tote und 25.000 Vertriebene.


Quellenverzeichnis

  1. Die Schlacht um Athen – Rosa Luxemburg Stiftung , ein Artikel von Menelaos Charalambidis ↩︎
  2. Kostis Karpozilos über sein Buch „Griechischer Kommunismus: Eine Reise in das 20. Jahrhundert“, im Interview mit LIFO ↩︎
  3. Die Schlacht um Athen – Rosa Luxemburg Stiftung , ein Artikel von Menelaos Charalambidis ↩︎
  4. KKE (Kommunistische Partei Griechenlands), EAM – ELAS (Die wichtigste Widerstandsbewegung und deren militärischer Arm während der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg), T.O. (Regionale Organisation – Topiki Organos), KOA (Kommunistische Organisation Athens) ↩︎

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