Opfer der Morde im Triestingtal

Während unserer 4-tägigen Wanderung von Wien nach Mariazell entdeckten wir beim ehemaligen Benediktinerkloster und jetzigen restaurierten Pfarrkirche Klein Mariazell diese Gedenktafel. (Peter und Ursula Drizhal)

Klein-Mariazell, Gedenktafel für die Opfer der Morde im Triestingtal 1944/45

Steinbruch bei Tasshof

In Weißenbach an der Triesting waren nach einem schweren Hochwasser Anfang Juli 1944 Jüdinnen und Juden aus Szeged zu Aufräumungsarbeiten und anderen Tätigkeiten eingesetzt gewesen. Nach Abzug der oben erwähnten Gruppe befanden sich noch vierzig Personen, darunter neun Kinder, im Ort. Am 2. April wurden mehrere Einheiten der Waffen-SS („Leibstandarte Adolf Hitler“, „SS-Division Hitlerjugend“, „SS-Panzergrenadierregiment“), SS-Feldgendarmerie und ungarische Truppen zur Verteidigung des Orts nach Weißenbach verlegt.

Gewarnt von zwei Regimegegnern, dass die SS plante, sie zu erschießen, ersuchten einige Juden den Bürgermeister, sie in eine Heuhütte und andere Privatquartiere am Ortsrand zu verlegen. Doch am 18. April trieb die SS-Feldgendarmerie sämtliche Juden am Kirchplatz zusammen, angeblich um sie „nach Westen zu bringen“. Stattdessen endete der Rückzugsmarsch in einem Steinbruch zwischen Tasshof und Sulzbach, wo die Feldgendarmen die Häftlinge erschossen und danach ihre Leichen anzündete.

Dasselbe Schicksal ereilte fünf in Tasshof beschäftigte sogenante Ostarbeiterinnen. Beide Massaker blieben unaufgeklärt, da die Zivilbevölkerung keine Angaben zur Identität der Mörder machen konnte oder wollte.

Thenneberg

Ein weiteres Grab mit 15 Opfern wurde in Thenneberg an der Triesting entdeckt. In Thenneberg waren 39 bis 40 Jüdinnen und Juden beschäftigt gewesen. Als Anfang April die Waffen-SS im Ort stationiert wurde, waren auch sie vor deren Mordplänen gewarnt worden und hatten sich in einem Stollen versteckt. Doch um den 17. oder 18. April beobachteten Zeugen, wie die SS mehrere Personen aus dem Stollen abführte. Die restlichen Mitglieder der Gruppe konnten sich offenbar retten. Der Zeitpunkt und die Tatsache, dass es sich bei den Tätern auch hier um SS-Feldgendarmen handelte, ließen die Ermittlungsbehörden vermuten, dass es sich um dasselbe Mordkommando wie in Sulzbach handelte.

Waffen-SS Arbeitslager Hirtenberg

Im Bereich des Frauenkonzentrationslagers Mauthausen wurden im Herbst 1944 zwei Nebenlager als Arbeitskräftereservoir für dort ansässige Industriebetriebe gegründet. Beide Lager wurden an Standorten errichtet, an denen wichtige Rüstungsbetriebe arbeiteten und bereits seit einiger Zeit große Zwangsarbeiter*innenlager bestanden. Das Nebenlager Lenzing und das Nebenlager Hirtenberg.

Am 23. November 1944 trafen in Mauthausen elf weibliche Häftlinge aus Auschwitz und dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück für das Außenlager ein, vier Tage später wurden sie weiter nach Hirtenberg transportiert. Zu diesem Zeitpunkt waren im Außenlager Hirtenberg rund 400 weibliche Häftlinge interniert, die von 25 SS-Männern und SS-Aufseherinnen bewacht und zu den Arbeitsstätten gebracht wurden. Der Lagerkommandant war SS-Hauptstumführer Schröder, mit 24 anderen SS-Männern für die äußere Bewachung zuständig. Für den inneren Bereich des Lagers waren SS-Aufseherinnen zuständig, an deren Spitze Edda Scheer stand.

Die Frauen wurden in zwölf Stunden Schichten den Weg vom Weinberglager zu den Produktionsstätten am Lindenberg getrieben. Es kam immer wieder zu Sabotageversuchen und Arbeitsunfällen, die meistens schwerwiegende Verletzungen und Misshandlungen durch die SS-Aufseher und Zivilarbeiter nach sich zogen.
In der Zeit bis zur Evakuierung starben offiziell zwei der Frauen in Hirtenberg.  Walentina Gulja «wurde seinerzeit neben einem alten Hühnerstall vor einem Misthaufen verscharrt. Der Leichnam war nicht auffindbar.»

Štefanija Rojic wurde zusammen mit anderen verstorbenen Zwangsarbeitern «im ganz neuen Friedhof verscharrt».

Dort besteht bis heute ein Grabstein mit der Inschrift Kriegergrab, auf dem die Namen von verstorbenen Zwangsarbeitern und fehlerhaft die der zwei Frauen aus dem Nebenlager Hirtenberg neben zwei unbekannten SS-Männern stehen. 

Sieben weitere Frauen wurden auf dem Todesmarsch nach Mauthausen getötet, in den Akten findet sich der Vermerk auf der Flucht erschossen.

Die Evakuierung des Nebenlagers in Hirtenberg begann in den Apriltagen 1945. Sehr wahrscheinlich begannen die Häftlinge des Nebenlagers Hirtenberg mit ihren SS-Bewachern zu diesem Zeitpunkt, das Lager aufzulösen. Die Frauen verließen Hirtenberg nach Erinnerungen von Zeitzeuginnen am 2. April 1945. Am 6. April war Hirtenberg erobert, am 16. April 1945 gelang eine Flucht von 48 Frauen, über ihre Wiederergreifung oder Exekution konnten keine Hinweise gefunden werden. Am 18. / 19. April erreichten knapp 340 Frauen Mauthausen.

Die Hirtenberger Patronenfabrik besteht noch heute als Hirtenberger Holding AG auf demselben Gelände des sogenannten Talwerks. Außer dem Kriegergrab existiert in Hirtenberg kein Hinweis auf die Existenz des ehemaligen Außenlagers. Das ehemalige Lagergelände, heute eine große Wiese, ist bis auf eine Häuserreihe unverbaut. Das Gelände befindet sich im Verkauf. Die Überreste der 1945 zerstörten ehemaligen Produktionsanlagen auf dem Lindenberg liegen im Wald, neben einem Übungsplatz für Sportschützen und bewachsen von Pflanzen.

Quellennachweis:

  • „412 Namen“ – Projekt von Rosa Andraschek
  • Andreas Baumgartner, «Die vergessenen Frauen von Mauthausen. Die weiblichen Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen und ihre Geschichte.»
  • Herbert Exenberger, «Vergessene Opfer des NS-Regimes. Gedächtnisorte ohne Erinnerung.»
  • Eleonore Lappin – Die Rolle der Waffen-SS beim Zwangsarbeitereinsatz ungarischer Juden im Gau Steiermark und bei den Todesmärschen ins KZ Mauthausen (1944-45)
  • (Aus: Dokumentationsarchiv des österreichen Widerstandes, Jahrbuch 2004, Wien 2004, S. 77-112)

3 Gedanken zu „Opfer der Morde im Triestingtal

  1. Schön, dass ihr selbst im Urlaub „die Augen offen“ habt und uns an euren Entdeckungen teilhaben lässt!
    Vielen Dank und liebe Grüße
    Roland

  2. Heute war ich im Triestingtal und habe die Araburg bei Kaumberg besucht. Diese Burg wurde von der SS beim Abzug im Jahr 1945 gesprengt. Derzeit werden Teile der Burg renoviert. Schade um die Zerstörung im Jahr 1945!

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