Roma und Sinti in Buchenwald

Denkmal von Daniel Plaas zum Gedenken an die Roma und Sinti in Buchenwald, die Opfer des NS-Völkermordes wurden. Die Grundsteinlegung zum Mahnmal erfolgte am 21. November 1994.

Anlässlich unserer Studienreise veröffentlichen wir einen weiteren Artikel. Unmittelbar nach Kriegsbeginn, im September 1939, wurden etwa 600 Sinti und Roma aus dem KZ Dachau nach Buchenwald verlegt. Sie stammten aus dem österreichischen Burgenland, wo Himmler im Juni 1939 die Verhaftung von 3.000 Sinti und Roma – davon ein Drittel Frauen – und ihre Einweisung in die Konzentrationslager Dachau und Ravensbrück angeordnet hatte.

Als Folge der Massenverhaftungen im Rahmen der „Juniaktion“ 1938 trafen Hunderte vorwiegend deutsche Sinti und Roma im Lager ein. Ebenso wie die jüdischen Häftlinge, die vor allem nach der Reichspogromnacht nach Buchenwald kamen, waren Sinti und Roma in besonderer Weise dem Terror der SS – etwa in Form öffentlicher Auspeitschungen – ausgesetzt. Bei einer Zählung im Frühjahr 1939 lebten nur noch etwa 100 Sinti und Roma im Lager.

Die burgenländischen Sinti und Roma waren dort gesondert in den Blocks 14 und 15 untergebracht. Die mörderische Zwangsarbeit, verbunden mit völlig unzureichender Ernährung, hatte zur Folge, dass jeder Dritte den Winter 1939/40 nicht überlebte. Der politische Häftling Alfred Hönemann, der im Block 14 als „Blockältester“ eingesetzt war, erinnert sich:

„Viele Zigeuner hatten im Winter 1939/40 ihre Füße, Hände und Ohren erfroren. Sie waren häufig der Witterung in den Außenkommandos ausgesetzt, und die dünne Häftlingskleidung bot ihnen wenig Schutz. Laufend gingen sie in den Häftlingskrankenbau, mussten Wechselbäder nehmen, und vielen wurden die Beine amputiert und andere Glieder abgenommen. Die anderen ausgemergelten Häftlinge fanden nicht die Kraft, ihre Körper in Bewegung zu halten. Ich kann mich noch gut erinnern, im Winter 1939/40 trugen wir fast nach jedem Abendzählappell einige Häftlinge ins Revier. Der Andrang war so groß, dass der größte Teil in kein Bett kam. Die Zigeuner wurden im Wasch- und Klosettraum abgelegt. Dort blieben sie bis zum anderen Morgen liegen. Sie überlebten die Nacht nicht mehr, und die noch am Leben waren, wurden dann durch den ‚Würgeengel‘, Dr. Hans Eisele, von SS-Hauptscharführer Wilhelm oder Dr. Wagner mit einer Spritze Evipan ins Jenseits gespritzt.“

Dokumentations- und Kulturzentrum deutscher Sinti und Roma – Gedenkstätte Buchenwald

Enorme Brutalität gegen Kinder und Jugendliche, um sie in Auschwitz zu vergasen


„Auch hartgesottenen Männern ging es tief zu Herzen, als die SS im Herbst 1944 Judenkinder und alle Zigeunerjungen plötzlich herausfischte, zusammentrieb und die schreienden, weinenden Kinder, von denen ein Teil um jeden Preis zu ihren Vätern und Häftlingsbeschützern in den einzelnen Kommandos zurückwollte, mit in Anschlag gebrachten Karabinern und Maschinenpistolen umstellte, um sie nach Auschwitz zur Vergasung abzutransportieren.“

Eugen Kogon

Quellenangaben

Alle Fotos stammen von Brigitte und Werner Drizhal
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma – Gedenkstätte Buchenwald